Haspel, die oder der

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Haspel · Nominativ Plural: Haspeln
Nebenform Haspel · Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Haspels · Nominativ Plural: Haspel
Aussprache
WorttrennungHas-pel
Wortbildung mit ›Haspel‹ als Erstglied: ↗Haspelkreuz · ↗Haspelspule  ·  mit ›Haspel‹ als Letztglied: ↗Förderhaspel · ↗Garnhaspel · ↗Handhaspel · ↗Seilhaspel
eWDG, 1969

Bedeutung

fachsprachlich um eine Achse laufendes, meist walzenförmiges Geräteteil, das zum Aufwinden oder Aufgreifen dient
a)
Winde, Garnwinde
Beispiel:
das Garn, Seil, die Schnur, den Draht auf die Haspel wickeln
b)
Bergmannssprache Seilförderanlage
c)
Landwirtschaft Zubringer, der das Getreide den Schneidwerkzeugen beim Mähdrescher, Mähbinder zuführt
Beispiel:
eine Haspel mit Zinken montieren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haspe · Haspel · haspeln · abhaspeln · verhaspeln
Haspe f. in Holz oder Mauerwerk einzuschlagender ‘Eisenhaken mit Dorn’ zum Einhängen von Tür- und Fensterflügeln, auch ‘Garnwinde’, mhd. mnd. haspe, hespe ‘Türhaken, -angel, Garnwinde’, mnl. haspe ‘Garnwinde, -strang’, aengl. hæsp, hæpse ‘Klammer’, engl. hasp ‘Klammer, Garnwinde’, anord. hespa ‘Türhaken, Wollstrang’, dän. haspe ‘Eisenkrampe’ können als Bildungen mit s-haltigem Suffix zu der unter ↗-haft, ↗haben und ↗heben (s. d.) angeführten Wurzel ie. *kap- ‘fassen’ gestellt werden, wozu auch lat. capsa ‘Behältnis, Kapsel, Kasten’ (zu lat. capere ‘nehmen, fassen, ergreifen’). Haspe wäre danach als ‘das Erfassende’ zu verstehen. Oder man geht von einer Bedeutung ‘gekrümmter Gegenstand, Haken’ aus, vergleicht mnl. nl. hoep ‘Ring, Reif’, aengl. hōp, engl. hoop ‘Metallring’, anord. hōp ‘kleine Bucht’ sowie aind. cāpaḥ ‘Bogen’, lit. kabė́ti ‘(herunter)hängen’, kãbė ‘Haken, Klammer’, russ. skobá (скоба) ‘eiserne Krampe, Klammer’ und verbindet diese mit nasalhaltigem griech. skambós (σκαμβός) ‘krumm, krummbeinig’, lit. kìbti (kimbù) ‘sich anhängen’ unter Anschluß an ie. *(s)kamb-, *(s)kemb- ‘krümmen, biegen’ (wozu vielleicht auch ↗Schimpf, s. d.). Beide Herleitungsversuche sind unbefriedigend. Vielleicht sollte für das Germ. auf Grund der Bedeutungen ‘Haken, Klammer’ und ‘Garnwinde’ besser von zwei Wörtern ausgegangen werden. Haspel f. m. ‘Hebevorrichtung, Seilwinde, Gerät zum Ab- und Aufwickeln und Messen von Garn’, ahd. haspil m. ‘Garnwinde’ (um 1100), mhd. mnd. haspel m. ‘Garnwinde, Fördermaschine, Förderschacht’, mnl. nl. haspel m. ‘Garnwinde’, abgeleitet vom oben dargestellten Substantiv mit dem Suffix germ. -ila- für Gerätebezeichnungen. haspeln Vb. ‘auf eine, von einer Haspel wickeln, mit der Haspel hochwinden, hastig sprechen’, frühnhd. haspeln ‘Garn wickeln’ (15. Jh.). abhaspeln Vb. ‘mit der Haspel abwickeln, von der Haspel ablaufen lassen’ (15. Jh.), übertragen ‘hastig, leiernd hersagen’, (reflexiv) ‘sich sehr beeilen’ (18. Jh.). verhaspeln Vb. (reflexiv) ‘sich beim Sprechen verwirren’, besonders mundartlich geläufig, selten in der Schriftsprache (19. Jh.), älter ‘Garn aufwickeln’ (16. Jh.).

Thesaurus

Gastronomie/Kulinarik
Synonymgruppe
Bötel · ↗Eisbein · ↗Hachse · ↗Haxe · Hechse · ↗Schweinshachse · ↗Schweinshaxe  ●  Adlerhaxe  fränk. · ↗Gnagi  schweiz. · Haspel  hessisch · Knöchla  fränk. · ↗Stelze  österr. · ↗Wädli  schweiz. · Haxn  ugs. · Hämmche  ugs., kölsch · Schweinshaxn  ugs., bair.
Oberbegriffe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie damals widerrufen, nachdem der Lehrer Haspel aus der Schule verbannt worden war.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 78
Denn auf dem konventionellen Weg gestalten sich die von Haspel organisierten Schwertransporte zunehmend kompliziert.
Die Zeit, 31.10.1997, Nr. 45
Darauf hat der Chef der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger, Jörg Haspel, hingewiesen.
Die Welt, 26.10.2000
Sie notieren jede unserer Bewegungen, jedes Stottern und Haspeln, jeden unkonzentriert im Raum schweifenden Blick.
Süddeutsche Zeitung, 09.10.1999
Aufgrund solcher Erfahrungen fordert Landeskonservator Jörg Haspel für den Verkauf landeseigener Objekte ein spezielles Denkmal-Marketing.
Der Tagesspiegel, 07.04.2001
Zitationshilfe
„Haspel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Haspel>, abgerufen am 12.11.2019.

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