Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Hausschneiderin, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Hausschneiderin · Nominativ Plural: Hausschneiderinnen
Aussprache  [ˈhaʊ̯sʃnaɪ̯dəʀɪn]
Worttrennung Haus-schnei-de-rin
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
selten Schneiderin eines Modehauses, Konfektionsgeschäfts o. Ä.; Schneiderin, zu deren Stammkundschaft man zählt (6)
entsprechend der Bedeutung von Hausschneider (2)
Beispiele:
Kaum hatte sich Betty Ford von ihrer Hausschneiderin verabschiedet und war ins Weiße Haus gezogen, da ließ sie selbstverständlich einen New Yorker Modeschöpfer zu sich bitten (nämlich Albert Capravo). [Neue Päpste, 1976, aufgerufen am 25.03.2022]
Das [für eine Tanzveranstaltung obligatorische] weiße Kleid! Gerne kannst du dir bei uns eines ausleihen! Unsere »Hausschneiderin« hat 20 Kleider gezaubert, die sich durch eine gefinkelte Knöpf‑ und Schnürtechnik an nahezu jede Größe und jede Statur anpassen lassen. [TANZKOSTÜME, aufgerufen am 25.03.2022]
Natascha ist unsere Hausschneiderin mit magischen Händen. Gekonnt schwingt sie Nadel und Faden und zaubert Dir Dein Traumkleid in Wohlfühlatmosphäre direkt bei uns [in unserem Geschäft für Brautmode] […] passend auf den Leib. [Das sind Wir!, aufgerufen am 25.03.2022]
Corina K[…] liebt Kleider und kauft selten von der Stange. Meist lässt sie sich von Ihrer [sic!] Hausschneiderin farbenfrohe Kleider und dazu passende Mäntel anfertigen. [Ladies Champagner Empfang und Kunstrundgang, 20.11.2016, aufgerufen am 31.08.2020]
2.
historisch Schneiderin, die ihre Auftraggeber aufsucht, um in deren Haushalten Näharbeiten (1) zu erledigen
entsprechend der Bedeutung von Hausschneider (1)
Beispiele:
Bis in die frühen 60er Jahre waren Hausschneiderinnen eine feste Einrichtung in vielen Familien. Sie kamen auf Bestellung, reparierten Wäsche und Garderobe oder nähten komplett neu. Oft reichten ihnen dafür Fotos aus Modejournalen, den Schnitt dafür hatten sie dank ihrer Erfahrung fix ausgetüftelt. Heute, wo kaum noch repariert, dafür aber sofort neu gekauft wird, sind Hausschneiderinnen nahezu ausgestorben. [Neue Westfälische, 27.09.2008]
Huusschniedersch (Hausschneiderinnen) kamen früher tageweise in die bürgerlichen Haushalte, um Kleidung zu ändern, auszubessern oder Betttücher zu stürzen. Die Chronistin Edith O[…] schreibt: »Hausschneiderinnen an der Nähmaschine waren zu früh gealterte, bescheidene bis säuerliche Mädchen.« [Hamburger Abendblatt, 10.02.2021]
Als ich meiner Enkelin erzählte, dass wir in meiner Kindheit in den fünfziger Jahren eine Hausschneiderin hatten, zeigte sie große erstaunte Augen. »Eine Hausschneiderin hattet ihr?« [Leipziger Volkszeitung, 18.01.2021]
Berthold ist in New York bei der Wohltäterfamilie als Bierfahrer tätig; seine Frau geht als Hausschneiderin in Familien. [Klemperer, Victor: [Tagebuch]. In: ders.: Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1941], S. 86]
Fast jede Familie hatte ihre Hausschneiderin, […] die nicht nur die in einem Modejournal abgebildeten Modelle fast identisch herstellte[…], sondern auch Änderungen in Auftrag nahm und vielleicht ein bis zweimal im Jahr für ein paar Tage ins Haus kam, um Weißzeug zu nähen. [Saarbrücker Zeitung, 29.01.1996]
Hat eine Frau viele elegante Toiletten, so hat sie auch das Geld für Hauskleider; muß sie aber den Stoff ausnützen, so wird es ihr selbst – vielleicht mit Hilfe einer Hausschneiderin oder des Mädchens – gelingen, einem Diner‑ oder Abendkleid die Fasson zu geben, die für das Haus gefordert wird. [Baudissin, Wolf von / Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.): Gutes Benehmen. Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 1925]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Hausschneiderin“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hausschneiderin>.

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