Haut, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Haut · Nominativ Plural: Häute
Aussprache
Wortbildung mit ›Haut‹ als Erstglied: ↗-häuter · ↗Hautabschürfung · ↗Hautarzt · ↗Hautatmung · ↗Hautatrophie · ↗Hautausdünstung · ↗Hautausschlag · ↗Hautbakterie · ↗Hautblüte · ↗Hautcreme · ↗Hautcrème · ↗Hautdrüse · ↗Hautdurchblutung · ↗Hautentzündung · ↗Hautfalte · ↗Hautfarbe · ↗Hautfarn · ↗Hautfetzen · ↗Hautflügler · ↗Hautgewebe · ↗Hautklinik · ↗Hautkontakt · ↗Hautkosmetik · ↗Hautkrankheit · ↗Hautkratzer · ↗Hautkrebs · ↗Hautlappen · ↗Hautleiden · ↗Hautmalerei · ↗Hautnährcreme · ↗Hautnährcrème · ↗Hautpanzer · ↗Hautpflege · ↗Hautpflegemittel · ↗Hautreiz · ↗Hautreizung · ↗Hautrötung · ↗Hautsack · ↗Hautschere · ↗Hautschicht · ↗Hautschrift · ↗Hautschuppe · ↗Hautschwund · ↗Hautsehen · ↗Hautstraffung · ↗Hautstück · ↗Hauttemperatur · ↗Hauttransplantation · ↗Hauttuberkulose · ↗Hauttyp · ↗Hautverpflanzung · ↗Hautwolf · ↗Hautwunde · ↗Hautöl · ↗Häutchen · ↗hautartig · ↗hauteng · ↗hautfarben · ↗hautfreundlich · ↗hautnah · ↗hautschonend · ↗hautsympathisch · ↗hautverträglich
 ·  mit ›Haut‹ als Letztglied: ↗Aderhaut · ↗Affenhaut · ↗Aluminiumhaut · ↗Außenhaut · ↗Bindehaut · ↗Bootshaut · ↗Bärenhaut · ↗Büffelhaut · ↗Dachhaut · ↗Dotterhaut · ↗Eidechsenhaut · ↗Eihaut · ↗Elefantenhaut · ↗Fischhaut · ↗Flughaut · ↗Gefäßhaut · ↗Gehirnhaut · ↗Gesichtshaut · ↗Glashaut · ↗Gummihaut · ↗Gänsehaut · ↗Hirnhaut · ↗Hornhaut · ↗Innenhaut · ↗Kahmhaut · ↗Kiemenhaut · ↗Knochenhaut · ↗Kopfhaut · ↗Kuhhaut · ↗Kupferhaut · ↗Lederhaut · ↗Leichtmetallhaut · ↗Milchhaut · ↗Mischhaut · ↗Nagelhaut · ↗Netzhaut · ↗Nickhaut · ↗Oberhaut · ↗Pfirsichhaut · ↗Putzhaut · ↗Regenbogenhaut · ↗Regenhaut · ↗Rohhaut · ↗Rothaut · ↗Schiffshaut · ↗Schlangenhaut · ↗Schleimhaut · ↗Schuppenhaut · ↗Schweinshaut · ↗Schwimmhaut · ↗Stachelhaut · ↗Stahlhaut · ↗Stirnhaut · ↗Tierhaut · ↗Unterhaut · ↗Vorhaut · ↗Wildhaut · ↗Wursthaut · ↗Zahmhaut · ↗Zottenhaut
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
aus mehreren Gewebeschichten bestehende, verhältnismäßig dünne äußere Umhüllung des ganzen Körpers
a)
meist im Singular
vom Menschen
Beispiele:
weiße, rosige, helle, blasse, dunkle, braune, rote, fleckige Haut
(eine) zarte, frische, kühle, weiche, samtene, glatte, straffe, gespannte, runzlige, schlaffe, welke, dicke, spröde, harte, großporige, rissige, raue, unreine, (un)gepflegte, fettige, empfindliche Haut
die Farbe, Frische, Rötung, Pigmentierung der Haut
die Haut schält sich, blättert ab, schuppt sich ab, springt auf, schrumpft, brennt, rötet sich, ist zu wenig durchblutet
landschaftlich die Haut schilfert ab
sich [Dativ] die Haut abschürfen, aufreißen, verbrennen
salopp die Haut ist abgefetzt
seine Haut in der Sonne bräunen lassen
die Haut an den Nagelrändern zurückschieben
ein Häutchen am Nagelrand
die Haut reinigen, pflegen, (mit Creme) einreiben
Creme, Öl in die Haut einmassieren
das Hemd kratzt auf der Haut
das Gummiband schneidet in die Haut ein
Dornen ritzen die Haut
jmdm. läuft ein Schauer über die Haut
vom Regen war er durchnässt, nass bis auf die Haut
er trägt den Pullover auf der bloßen Haut (= unmittelbar auf dem Körper)
umgangssprachlich, übertrieben er besteht nur noch aus Haut und Knochen, ist nichts als Haut und Knochen (= ist äußerst mager)
umgangssprachlich, übertrieben jmdn. bis auf die Haut (= völlig) ausplündern
umgangssprachlich, übertragen
Beispiele:
dieses Buch, Thema brennt auf der Haut (= hat wegen seiner Aktualität eine starke Wirkung)
ein Buch, Film geht unter die Haut (= löst starke Empfindungen aus, berührt im Innersten)
seine Haut zu Markte tragen (= sich in Gefahr begeben)
seine Haut (möglichst) teuer verkaufen (= sich nach Kräften verteidigen)
jmd. fühlt sich in seiner Haut nicht wohl, jmdm. ist nicht wohl in seiner Haut (= jmd. ist unzufrieden mit der Lage, in die er geraten ist)
ich möchte nicht in seiner Haut stecken (= nicht in seiner Lage sein)
nicht aus seiner Haut (heraus)können (= seinen Standpunkt nicht aufgeben, seine Eigenart nicht verleugnen können)
aus der Haut fahren (= ungeduldig, zornig werden)
etw. ist zum Aus-der-Haut-Fahren, um aus der Haut zu fahren
seine (eigene) Haut retten, in Sicherheit bringen (= sich retten)
sich seiner Haut wehren (= sich energisch wehren)
mit heiler Haut davonkommen (= etw. ohne Schaden überstehen)
salopp sich auf die faule Haut legen, auf der faulen Haut liegen (= faulenzen, müßig gehen)
landschaftlich, salopp jmdm. die Haut über die Ohren ziehen (= jmdn. arg betrügen)
landschaftlich, salopp, derb jmds. Haut versaufen (= nach jmds. Begräbnis auf sein Gedächtnis trinken)
sich [Dativ] die Haut voll lachen (= tüchtig lachen)
Jetzt auf einmal rückte er [der Krieg] allen auf die Haut (= bedrängte er alle) [Feuchtw.Teufel91]
allerlei Unfug der Revolutionäre, der ... geringfügig war, doch ihm selber an die Haut ging (= ihm selber widerfuhr) [Feuchtw.Narrenweisheit356]
Sie stecken in keiner gesunden Haut (= sind krank) [G. HermannGebert357]
landschaftlich, umgangssprachlich aus heiler Hautunversehens, ohne erkennbare Ursache
Beispiel:
Ganz aus heiler Haut hatte den plötzlich die Wut gepackt [ViebigDie vor d. Toren263]
umgangssprachlich mit Haut und Haar(en)ganz und gar, mit allem, was dazugehört
Beispiele:
jmdm. mit Haut und Haar angehören, verfallen sein
sich einer Sache mit Haut und Haar(en) verschreiben
Innerhalb eines einzigen Jahres waren vom Dritten Reich zwei souveräne Staaten, Österreich und die Tschechoslowakei, mit Haut und Haaren verschluckt worden [PutlitzUnterwegs251]
b)
vom Tier
Beispiele:
die Haut des Aals, der Eidechse
die Schlange streift ihre alte Haut ab
die Haut von einem Fisch abziehen
die Katze hat die Maus mit Haut und Haaren gefressen
den Rindern wird ein Zeichen in die Haut eingebrannt
der Elefant hat eine dicke Haut
die Haut der gebratenen Gans war sehr knusprig
Jägersprache die Haut (= das Fell, die Decke) des Hirsches, Bären
als Rohstoff der Lederherstellung
Beispiele:
die Haut wird abgezogen, gegerbt
rohe Häute
gebündelte Häute und Felle werden zur Gerberei transportiert
2.
übertragen der Haut ähnliche umhüllende, bedeckende Schicht
a)
Hülle, Schale
Beispiele:
die Haut des Pfirsichs
von den Mandeln, Pilzen die Haut abziehen
die Zwiebel hat mehrere Häute
unter der Schale ist das Ei noch von einer zarten weißen Haut umgeben
[ein Knabe] ließ eine Leberwurst in den Mund gleiten und zog die leere Haut langsam wieder heraus in die Höhe [L. FrankRäuberbande1,12]
Die mattsilbern schimmernde Haut des Freiballons [HartungWunderkinder15]
b)
Umkleidung, Abdeckung
Beispiele:
Bauwesen die Haut des Daches (= äußerste Schicht der Dachkonstruktion)
Bauwesen die Kuppel, Turmhaube erhält eine Haut aus Kupfer
Bauwesen der Staudamm wurde auf der Wasserseite mit einer Haut aus Bitumen versehen
Schiffbau die Haut (= äußere Verkleidung) des Schiffes, Bootes besteht aus Stahlplatten, Planken
c)
Schicht auf der Oberfläche einer Flüssigkeit
Beispiele:
auf der heißen Milch bildete sich eine Haut
das Wasser ist von einer Haut aus Öl bedeckt
die Erbsensuppe mit Speck in den großen Kübeln hatte eine Haut bekommen [SeghersSiebtes Kreuz4,41]
3.
salopp, vertraulich eine ehrliche Hautein ehrlicher Mensch
Beispiele:
eine (alte) ehrliche, grundehrliche Haut
sie ist eine gute, brave Haut
er hatte sich ... eine Zeitlang in der Rolle gefallen, die gekränkte Haut zu spielen [R. BartschGeliebt365]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haut · häuten · Dickhäuter · Rothaut · Vorhaut
Haut f. die gesamte Körperoberfläche bei Mensch und Tier überziehendes, aus mehreren Gewebeschichten bestehendes Organ, ‘umhüllende Schicht, Hülle, Schale’, ahd. hūt (9. Jh.), mhd. hūt, hout ‘Haut, Fell’, asächs. hūd, mnd. hūt, mnl. huud, nl. huid, aengl. hȳd, engl. hide, anord. hūð, schwed. hud stellt sich mit lat. cutis ‘Haut’, griech. skȳ́tos (σκῦτος) ‘zubereitete Haut, Leder, Lederriemen’, lit. kiáutas ‘Schale, Hülle, Hülse’ zu ie. *(s)keut- (wozu auch ↗Hode, s. d.), einer Dentalerweiterung der Wurzel ie. *(s)keu-, *(s)keu̯ə-, *(s)kū- ‘bedecken, umhüllen’, zu der auch ↗Hütte, ↗Haus, ↗Hort, ↗Hose sowie ↗Scheune, ↗Scheuer, ↗Schote, ↗Schuh (s. d.) gehören. häuten Vb. ‘(einem Tier) das Fell, die Haut abziehen’, reflexiv ‘die Haut abstreifen, abstoßen’, mhd. -hiuten in behiuten ‘jmdm. an die Haut gehen’, enthiuten ‘abhäuten’, ūʒhiuten ‘die Haut, das Fell abstreifen’. Dickhäuter Plur. zusammenfassende Bezeichnung für Elefanten, Flußpferde, Nashörner, Schweine, Tapire (1832), Übersetzung des (älteren) Terminus zoolog.-lat. Pachydermata Plur. (1797), einer Bildung zu griech. pachýs (παχύς) ‘dick’ und dérma (δέρμα) ‘Haut’. Rothaut f. durch die Abenteuerliteratur bekanntgewordene, heute nicht mehr übliche Bezeichnung für den nordamerikanischen Indianer (20er Jahre 19. Jh.), Übersetzung von engl. redskin. Vorhaut f. ‘die Eichel des Penis überziehende Hautfalte’; in dt. Bibelübersetzungen (zuerst vorhout Wenzelbibel, nach 1380, dann, wohl unabhängig davon, bei Luther) griech. akrobystía (ἀκροβυστία) bzw. lat. praepūtium wiedergebend.

Thesaurus

Synonymgruppe
(behaarte) Haut · ↗Fell · ↗Pelz  ●  ↗Decke  fachspr., Jägersprache
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Haut · ↗Wursthaut  ●  ↗Pelle  ugs.
Anatomie
Synonymgruppe
Haut  ●  Dermis  fachspr. · ↗Kutis  fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Hypoderm · Subdermis · Subkutangewebe · Subkutis · Tela subcutanea · ↗Unterhaut
  • Exuvie · abgestreifte Haut
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Fell Haar Knochen Muskel Schleimhaut abziehen blass braun dick dunkel dünn ehrlich empfindlich faul gebräunt glatt heil hell menschlich nackt retten ritzen schlüpfen spritzen trocken unrein verbrennen verschreiben weiß zart

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Haut‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er wird seine Haut so teuer wie möglich verkaufen, aber wenn der Tod jetzt kommt, ist er bereit.
Die Zeit, 30.12.2013, Nr. 51
Das wird sich aber ändern, denn ich habe nicht vor, auf der faulen Haut zu liegen.
Die Welt, 07.01.2006
Seine Haut war blass wie unbeschriebenes Papier, das Haar auf seinem Kopf bürstenkurz.
Funke, Cornelia: Tintenherz, Hamburg: Cecilie Dressler Verlag 2003, S. 130
Vor ihm lag das Meer, die gute Haut, die wahre Oberfläche des ganzen Sterns.
Nadolny, Sten: Die Entdeckung der Langsamkeit, München: Piper 1983, S. 35
Die Überwärmung geschieht also nicht allein durch die äußere Haut.
Fresenius, Hanna: Sauna, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987 [1974], S. 21
Zitationshilfe
„Haut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Haut>, abgerufen am 16.12.2018.

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