Hedonismus, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Hedonismus · Nominativ Plural: Hedonismen
Aussprache  [hedonˈɪsmʊs]
Worttrennung He-do-nis-mus
Herkunft zu hēdonḗgriech (ἡδονή) ‘Lust, Vergnügen’
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
Philosophie in der Antike begründete philosophische Lehre, Anschauung, nach der das höchste ethische Prinzip das Streben nach Sinnenlust und -genuss ist, das Glück des Einzelnen in der dauerhaften Erfüllung individueller physischer und psychischer Lust gesehen wird
Beispiele:
Als Begründer des philosophischen Hedonismus gilt der Philosoph Aristipp oder Aristippos von Kyrene. Er lebte im 4./3. Jahrhundert vor Christus im antiken Griechenland und hielt sich für einige Zeit in Athen im Kreis der Schüler des Sokrates (469–399 vor Christus) auf – auch der Philosoph Platon (428/27–348/47 vor Christus) war unter ihnen. [Hedonismus, 27.10.2011, aufgerufen am 02.08.2020]
185 Kilometer östlich von Bengasi thronen die Monumente und Tempel von Kyrene auf einem steilen, eindrucksvollen Hang. Im vierten Jahrhundert vor Christus war es die bedeutendste hellenische Stadt, ein kulturelles Zentrum, das von den Zeitgenossen des Sokrates besucht wurde und in dem Aristippos von Kyrene lebte, der Begründer der kyrenaischen Philosophenschule und des Hedonismus. [Die Zeit, 25.03.2011 (online)]
Die Lehre des Hedonismus besagt, dass sowohl das Glück des einzelnen Menschen als auch das Kriterium der Sittlichkeit alleinig im Gefühl der Lust besteht. Diese von Aristipp begründete Theorie wurde besonders von den englischen Philosophen John Locke, David Hume und Jeremy Bentham aufgegriffen und diente ihnen als Grundlage für ihre Moraltheorien. [use-strict.de, 10.11.2008, aufgerufen am 16.09.2018]
Viel weiß man nicht über den Philosophen Aristipp: Geboren um 435 v. Chr. in der griechischen Stadt Kyrene, deren Ruinen im heutigen Libyen liegen, ging er jung nach Athen, wurde Schüler des Sokrates und gründete später die kyrenaische Philosophenschule, die ihn als Vater des Hedonismus bekannt und berüchtigt machte. [Süddeutsche Zeitung, 09.10.2007]
Im Laufe der Geschichte stand der Begriff Hedonismus stets für ein erfülltes Leben im Diesseits. In diesem Kontext ist die Rolle dieses jahrtausendealten philosophischen Verständnisses jene eines praktisch umsetzbaren Gegenentwurfs zu theologischen Auffassungen, die die unsterbliche Existenz im Jenseits ins Zentrum des menschlichen Daseins rücken. [Vom Streben nach Glück und Lebensfreude, aufgerufen am 20.11.2017]
2.
an der Lehre des Hedonismus (1) orientierte, durch diese Lehre begründete Haltung bzw. LebensweiseDWDS
Kollokationen:
als Dativobjekt: dem Hedonismus frönen
Beispiele:
Kein anderer Maler hat sich so sehr für den Pool als Sujet interessiert wie David Hockney, dessen Gemälde »A Bigger Splash« zur Ikone des Hedonismus wurde, aber in Wirklichkeit eine kleine Philosophie der Zeit ist. […] Eine Ahnung von jenem Glück, das nur im Augenblick zu haben ist. [Süddeutsche Zeitung, 16.06.2018]
Es scheint drei Hauptrichtungen zu geben, die für die postreliöse Gesellschaft kennzeichnend sind: Hedonismus, Überlebensstrategien und Säkularhumanismus. Die erstere, also der Hedonismus, sieht im Ende der Religion eine Art Befreiung zur Lustmaximierung gegeben. Es gilt, was Brecht Galileo im gleichnamigen Theaterstück sagen lässt: »Eine neue Zeit ist angebrochen, ein großes Zeitalter, in dem zu leben eine Lust ist.« [Wer mit offenen Augen, 10.01.2016, aufgerufen am 14.09.2018]
Entsprach die hermetische Box des Warenhauses der sechziger und siebziger Jahre einem Verständnis des Konsums als blosser Bedürfnisbefriedigung, so avancierte mit dem Aufleben eines neuen Hedonismus der Akt des Einkaufens zum Erlebnis. [Neue Zürcher Zeitung, 01.12.2003]
Sein Jazz‑Poem »The Wild Party« ist mit seinem synkopischen Rhythmus und zynischen Grundton ein krudes und äusserst lebendiges Abbild des Jazz Age – der Ära der Dekadenz und des verzweifelten Hedonismus, der sexuellen Ausschweifungen und lasterhaften Tänze, der Prohibition und des besinnungslosen Alkoholkonsums. [Neue Zürcher Zeitung, 13.04.2000]
Anfang der Achtziger koppelte sich die deutsche Sexualität völlig vom Politischen ab und mutierte zur Disziplin eines gemütlichen Hedonismus, der sich in Saunaparties und Kuschelfeten auf dem Flokati[-Teppich] entlud. [die tageszeitung, 12.07.1997]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Genusssucht · Hedonismus
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Hedonismus‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hedonismus‹.

Zitationshilfe
„Hedonismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hedonismus>, abgerufen am 19.10.2021.

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