Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Heer, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Heer(e)s · Nominativ Plural: Heere
Aussprache 
eWDG

Bedeutungen

1.
bewaffnete Streitkräfte, Armee
Beispiele:
ein starkes, schwaches Heer
das siegreiche, geschlagene Heer
ein Heer aufstellen
ein (feindliches) Heer besiegen
das feindliche Heer greift an
Sie [die Feldpost] hatte über neunzigtausend Beamte ins Heer abgegeben [ A. ZweigJunge Frau245]
Der Strom französischer Heere ergoß sich über die Schweiz [ ZahnIndergand263]
a)
Gesamtheit der Streitkräfte eines Staates
Beispiele:
Ein Schweizer aus dem Kanton Uri, hatte er sich … in das österreichische Heer anwerben lassen [ Ric. HuchConfalonieri197]
Das gemeinsame Heer sollte dann unter den Oberbefehl König Wilhelms von Württemberg gestellt werden [ LamprechtDt. Geschichte387]
veraltet, Militär das stehende Heerdas in ständiger Bereitschaft stehende Heer
Beispiele:
In Erwägung, daß alle Bürger ohne Unterschied sich zur Verteidigung des nationalen Territoriums bereithalten, wird das stehende Heer abgeschafft [ BrechtCommune7]
Das Wachstum der Fürstenmacht … hatte zur Gründung der stehenden Heere geführt [ BebelFrau145]
b)
Gesamtheit der Landstreitkräfte eines Staates
Beispiele:
Heer und Flotte
das Heer der Bundeswehr, Wehrmacht
c)
bildlich
Beispiel:
das Wilde Heer (= die Schar der Geister, die der Sage nach vom Wilden Jäger geführt wird, die Wilde Jagd)
2.
übertragen große Anzahl, Unmenge
Beispiele:
ein Heer von Angestellten, Beamten, Arbeitern, Demonstranten, Arbeitslosen
ein Heer von Putzfrauen säuberte das Gebäude
ein Heer von Kampfrichtern war zum Sportfest eingesetzt
ein Heer von Ameisen, Heuschrecken
warum gibt es dieses Heer der Blinden, Lahmen, Lebenslänglich‑Kranken [ GoesGabe15]
die Heere von Flaschen, die dort in halbgeneigter Lage übereinandergeschichtet ruhten [ Th. MannKrull8,269]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Heer · Heerbann · Heerschau · Heerstraße · verheeren
Heer n. ‘Streitmacht (eines Landes)’, übertragen ‘große Menge’, ahd. (8. Jh.), asächs. heri, mhd. her, here, mnd. hēr, mnl. hēre, nl. heer, heir, aengl. here, anord. herr, schwed. här, got. harjis (germ. *harja- m.) führt mit griech. kó͞iranos (κοίρανος) ‘Herrscher, Heerführer, Herr’, mir. cuire ‘Schar, Menge’, lit. kãrias ‘Krieg, Heer, Armee’ auf ie. *kori̯o- ‘Krieg, Kriegsheer’; daneben stehen (ohne i̯o-Suffix) lit. kãras ‘Krieg’ und (dehnstufig) apers. kāra- ‘Kriegsvolk, Heer, Volk’, pers. kār-zār ‘Schlacht, Gefecht’, die gleichbed. ie. *koro- voraussetzen. Heer bezeichnet seit ahd. Zeit die ‘Streitmacht, Kriegsschar’, auch die ‘Heerfahrt’, entwickelt im Mhd. Verwendungen wie ‘überwältigende Menge, Volk (von Kriegern)’ und wird im Nhd. vielfach auch auf Ansammlungen von Tieren (Ameisen, Heuschrecken) sowie auf gegenständliche und abstrakte Denotatsbereiche bezogen. – Heerbann m. ‘Aufruf zum Kriegsdienst, aufgebotenes Heer’ (historisierend), ahd. heriban (9. Jh.), mhd. herban (s. Bann). Heerschau f. ‘Besichtigung eines Heeres, Aufmarsch (vor den Befehlshabern)’, mhd. herschouwe. Heerstraße f. ‘Straße für das Heer, breite Landstraße’, ahd. heristrāʒa (9. Jh.), mhd. herstrāʒe. verheeren Vb. ‘zerstören, verwüsten’, ahd. firheriōn ‘ausplündern, verwüsten’ (um 800), mhd. verhern, auch ‘mit Heeresmacht überziehen, verderben, besiegen’; vgl. das Simplex ahd. heriōn, mhd. hern ‘bekriegen, verwüsten, plündern’, asächs. herion, anord. herja.

Thesaurus

Synonymgruppe
Haufen · Legion · Menge · Myriade · Reihe · Schar · Schwall · Vielzahl  ●  Heer  fig. · Unzahl  Hauptform · Armee  ugs., fig. · Flut  ugs., fig. · Latte  ugs., salopp
Unterbegriffe
Assoziationen
  • eine Menge · eine große Menge (an) · etliches (an) · ganz schön was (an) · jede Menge · viel (vor Nomen)  ●  (ein) großer Haufen ugs. · ein Haufen ugs. · massig ugs. · ordentlich was (an) ugs. · reichlich was (an) ugs. · richtig was ugs.
  • ein Großaufgebot von · reichlich viele  ●  (ganze) Heerscharen von fig. · eine (ganze) Armada von fig. · sehr viele Hauptform · (und) nicht zu knapp ugs. · jede Menge ugs. · noch und noch ugs. · noch und nöcher ugs. · ohne Ende (nachgestellt) ugs. · tausend ugs., fig. · zig ugs.
  • Ganzes · Ganzheit · Gesamtheit · Insgesamt · Totalität  ●  Ensemble geh., franz.
Militär
Synonymgruppe
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Heer‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Heer‹.

Verwendungsbeispiele für ›Heer‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für das Heer der kleinen Angestellten verstand sich das von selbst. [Engler, Wolfgang: Die Ostdeutschen, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1999], S. 186]
Sturm trieb schräge Tropfen wie ein fremdes Heer gegen die verschlossenen Läden. [Aichinger, Ilse: Die größere Hoffnung, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1966 [1948], S. 167]
Die Welt steht unter einer einheitlichen Leitung wie ein Heer. [Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter. In: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1948], S. 2853]
Die neuen republikanischen Heere versuchten sich natürlich zunächst in den überlieferten Formen zu bewegen. [Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte – Vierter Teil: Neuzeit, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 4148]
An eine allgemeine Offensive des russischen Heeres ist – ich wiederhole es – noch nicht zu denken. [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 04.03.1904]
Zitationshilfe
„Heer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Heer>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Hedschra
Hedschab
Hedonistin
Hedonist
Hedonismus
Heerbann
Heerbanner
Heeresamt
Heeresbanner
Heeresbefehl