Heide, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Heide · Nominativ Plural: Heiden
Aussprache
WorttrennungHei-de (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Heide‹ als Erstglied: ↗Heidebauer · ↗Heideboden · ↗Heidefläche · ↗Heidehonig · ↗Heidekorn · ↗Heidekraut · ↗Heideland · ↗Heidelandschaft · ↗Heidelerche · ↗Heidemoor · ↗Heiderose · ↗Heidschnucke
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
unbebauter, ebener Landstrich, der mit rotlilablühenden Zwergsträuchern, Wacholder, Gräsern und Kräutern bewachsen ist
Beispiele:
die blühende, grüne Heide
eine sandige, dürre Heide
Es wandert sich aber trotzdem ganz lustig über die weichen Wellen der verschneiten Heide [Hausm.Lampioon13]
2.
umgangssprachlich Kiefernwald auf Sandboden
Beispiel:
in die Heide gehen, um Pilze, Reisig zu sammeln
3.
umgangssprachlich Heidekraut
Beispiel:
einen Strauß Heide pflücken
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Heide1 · heidnisch · Heidentum · Heidenangst · Heidengeld · Heidenlärm
Heide1 m. ‘Anhänger einer nichtchristlichen Religion’. Das Substantiv ahd. heidan (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. heiden, aengl. hǣþen, engl. heathen und die Adjektive ahd. heidan ‘heidnisch’, heidanisc (s. unten), asächs. hēðin (vgl. auch die Substantivierung hēðino neben hēðin man), mnl. heiden, anord. heiðinn schließen sich an got. haiþnō ‘Heidin’ an, das Mark. 7, 26 griech. Hellēnís (Ἑλληνίς) ‘Hellenin, Griechin’, daher ‘Nicht-Jüdin’, wiedergibt. Man sieht in der got. Bildung, die mit der gotischen Mission ins Westgerm. gelangt, eine singularisierte Entlehnung aus griech. (neutestamentlich) tá éthnē (τὰ ἔθνη) ‘die Heiden’ (eigentlich ‘die Völker’). Für dieses ist, wie auch für griech. ethnikós (ἐθνικός) ‘zum (fremden) Volke gehörig, volkstümlich, heidnisch’, spätgriech. Aspirierung anzunehmen, so daß got. haiþn- entsteht, wobei got. ai als Wiedergabe (in Lehnwörtern) von griech. ε betrachtet werden muß; vgl. Seebold in: PBB (T) 93 (1971) 29 ff. Man kann ferner vermuten, daß got. haiþn- mit got. haiþi ‘Feld, Acker’ (s. ↗Heide f.) in Verbindung gebracht und als ‘zum fremden (nichtchristlichen) Volk gehörig, auf dem freien, unbebauten Lande lebend’ verstanden wurde; vgl. W. Schulze Kl. Schr. 517 ff. Die im Nhd. gültige Form Heide tritt zuerst md. im 14. Jh. auf, setzt sich im 16. Jh. durch und bezeichnet, vor allem in der Sprache der Bibel, den Nichtjuden und Nichtchristen, im Mittelalter und bis ins 16. Jh. speziell auch den Mohammedaner, in neuerer Zeit ferner den dem Christentum Fernstehenden (vgl. moderner Heide). heidnisch Adj. ‘die Heiden betreffend, ihrer Art gemäß’, ahd. heidanisc (8. Jh.), mhd. heidenisch. Heidentum n. ‘Gesamtheit der Heiden, heidnische Welt und Kultur’, ahd. heidantuom (9. Jh.), mhd. heidentuom. Seit dem 19. Jh. begegnet Heiden-, ausgehend von der Vorstellung des Ungezügelten, Furchterregenden, Schrecklichen (vgl. mhd. heidenkraft ‘Heidenheer’, heidendrō ‘Heidenzorn’), als verstärkendes Bestimmungswort in Zusammensetzungen wie Heidenangst f. ‘panische Angst’, Heidengeld n. ‘große Menge Geldes’, Heidenlärm m. ‘starker Lärm’.

Heide2 f. ‘ebenes unbebautes Land, Heidekraut, Erika’, ahd. heida (10. Jh.), mhd. heide, asächs. hēða, mnd. mnl. hēde, heide, nl. heide, aengl. hǣþ, engl. heath, anord. heiðr, schwed. hed, got. haiþi ‘Feld, Acker’ führen zusammen mit akymr. coit ‘Wald’, bret. coet, coat ‘Wald, Gehölz’ auf ie. *kait- ‘Wald, unbebauter Landstrich’, das nur in germ. und kelt. Sprachen auftritt. Nicht gesichert ist die Zuordnung von lat. būcētum ‘(Kuh)trift’ (vgl. Walde/Hofmann ³1, 120). Heide bedeutet im Dt. ‘unfruchtbares, wildbewachsenes Land’, in der Regel unter Ausschluß dichter Wälder, steht in mhd. Zeit Anger und Aue nahe und bewahrt im Nhd. die Grundauffassung ‘landwirtschaftlich wenig ertragreiche Landschaft’ (vgl. Lüneburger Heide). Oft steht Heide auch für auf kargen Böden wachsende lockere Waldgebiete (Bernauer, Rostocker, Dübener Heide). Die übertragene Verwendung für die eine Heidelandschaft kennzeichnenden unterschiedlichen Heidekrautgewächse, insbesondere Erika, ist ebenfalls seit dem Ahd. bezeugt; verdeutlichende Zusammensetzung hierfür ist Heidekraut, spätmhd. heidekrūt; vgl. ahd. heidistūda (Hs. 14. Jh.).

Thesaurus

Botanik
Synonymgruppe
Erika · Heide · ↗Heidekraut
Oberbegriffe
Assoziationen
Botanik, Geografie
Synonymgruppe
Heide · ↗Heideland  ●  Haide  veraltet
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Tucheler Heide  ●  Tuchler Heide  veraltet · Tuecheler Heide  veraltet · ↗Heidekraut  ugs.
Religion
Synonymgruppe
Agnostiker · ↗Atheist · Glaubensloser · Gottloser · Heide · Ungläubiger  ●  ↗Gottesleugner  derb
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Nichtchrist · Ungetaufter
  • Agnostik · Anti-Gnostik

Typische Verbindungen
computergeneriert

Andersgläubige Atheist Bekehrung Bombenabwurfplatz Christ Fremdenverkehrsverband Heiland Häretiker Jude Ketzer Kutschfahrt Lüneburger Magerrasen Mohammedaner Moor Naturschutzgebiet Naturschutzpark Schießplatz Studentenstadt Südrand Truppenübungsplatz Ungläubiger bekehren bekehrt blühen gottlos jütisch jütländisch märkisch wackeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Heide‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nur wenn er den besten Platz haben könne, antwortete Heiden.
Der Tagesspiegel, 09.02.2002
Das Problem wird ein Stück weit weggeschoben ", sagt von der Heiden.
Die Welt, 04.10.1999
Die Masse der Heiden lebte mit den Christen auf friedlichem Fuß.
Seston, William: Verfall des Römischen Reiches im Westen. Die Völkerwanderung. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 21066
Eines Tages kommt sie nicht mehr zurück aus der Heide.
Strittmatter, Erwin: Der Laden, Berlin: Aufbau-Verl. 1983, S. 248
Sehnlich hatte ich mich einst fortgewünscht aus der einsamen Heide.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 7130
Zitationshilfe
„Heide“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Heide#1>, abgerufen am 19.01.2019.

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Heide, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Heiden · Nominativ Plural: Heiden
Aussprache
WorttrennungHei-de (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Heide‹ als Erstglied: ↗Heidenmission · ↗Heidentempel · ↗Heidentum · ↗Heidin
 ·  mit ›Heide‹ als Letztglied: ↗Neuheide  ·  mit ›Heide‹ als Grundform: ↗heidnisch
eWDG, 1969

Bedeutung

jmd., der nicht dem christlichen, jüdischen oder mohammedanischen Glauben angehört, besonders Angehöriger einer Religion mit mehreren Göttern
Beispiele:
die Heiden bekehren
scherzhaft das Kind ist noch ein kleiner Heide (= ist noch nicht getauft)
Inspektor Kattentitt war allezeit ein Christ, aber in seinen jungen Jahren fluchte er wie ein Heide (= barbarisch, unmäßig) [WelkGrambauer8]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Heide1 · heidnisch · Heidentum · Heidenangst · Heidengeld · Heidenlärm
Heide1 m. ‘Anhänger einer nichtchristlichen Religion’. Das Substantiv ahd. heidan (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. heiden, aengl. hǣþen, engl. heathen und die Adjektive ahd. heidan ‘heidnisch’, heidanisc (s. unten), asächs. hēðin (vgl. auch die Substantivierung hēðino neben hēðin man), mnl. heiden, anord. heiðinn schließen sich an got. haiþnō ‘Heidin’ an, das Mark. 7, 26 griech. Hellēnís (Ἑλληνίς) ‘Hellenin, Griechin’, daher ‘Nicht-Jüdin’, wiedergibt. Man sieht in der got. Bildung, die mit der gotischen Mission ins Westgerm. gelangt, eine singularisierte Entlehnung aus griech. (neutestamentlich) tá éthnē (τὰ ἔθνη) ‘die Heiden’ (eigentlich ‘die Völker’). Für dieses ist, wie auch für griech. ethnikós (ἐθνικός) ‘zum (fremden) Volke gehörig, volkstümlich, heidnisch’, spätgriech. Aspirierung anzunehmen, so daß got. haiþn- entsteht, wobei got. ai als Wiedergabe (in Lehnwörtern) von griech. ε betrachtet werden muß; vgl. Seebold in: PBB (T) 93 (1971) 29 ff. Man kann ferner vermuten, daß got. haiþn- mit got. haiþi ‘Feld, Acker’ (s. ↗Heide f.) in Verbindung gebracht und als ‘zum fremden (nichtchristlichen) Volk gehörig, auf dem freien, unbebauten Lande lebend’ verstanden wurde; vgl. W. Schulze Kl. Schr. 517 ff. Die im Nhd. gültige Form Heide tritt zuerst md. im 14. Jh. auf, setzt sich im 16. Jh. durch und bezeichnet, vor allem in der Sprache der Bibel, den Nichtjuden und Nichtchristen, im Mittelalter und bis ins 16. Jh. speziell auch den Mohammedaner, in neuerer Zeit ferner den dem Christentum Fernstehenden (vgl. moderner Heide). heidnisch Adj. ‘die Heiden betreffend, ihrer Art gemäß’, ahd. heidanisc (8. Jh.), mhd. heidenisch. Heidentum n. ‘Gesamtheit der Heiden, heidnische Welt und Kultur’, ahd. heidantuom (9. Jh.), mhd. heidentuom. Seit dem 19. Jh. begegnet Heiden-, ausgehend von der Vorstellung des Ungezügelten, Furchterregenden, Schrecklichen (vgl. mhd. heidenkraft ‘Heidenheer’, heidendrō ‘Heidenzorn’), als verstärkendes Bestimmungswort in Zusammensetzungen wie Heidenangst f. ‘panische Angst’, Heidengeld n. ‘große Menge Geldes’, Heidenlärm m. ‘starker Lärm’.

Heide2 f. ‘ebenes unbebautes Land, Heidekraut, Erika’, ahd. heida (10. Jh.), mhd. heide, asächs. hēða, mnd. mnl. hēde, heide, nl. heide, aengl. hǣþ, engl. heath, anord. heiðr, schwed. hed, got. haiþi ‘Feld, Acker’ führen zusammen mit akymr. coit ‘Wald’, bret. coet, coat ‘Wald, Gehölz’ auf ie. *kait- ‘Wald, unbebauter Landstrich’, das nur in germ. und kelt. Sprachen auftritt. Nicht gesichert ist die Zuordnung von lat. būcētum ‘(Kuh)trift’ (vgl. Walde/Hofmann ³1, 120). Heide bedeutet im Dt. ‘unfruchtbares, wildbewachsenes Land’, in der Regel unter Ausschluß dichter Wälder, steht in mhd. Zeit Anger und Aue nahe und bewahrt im Nhd. die Grundauffassung ‘landwirtschaftlich wenig ertragreiche Landschaft’ (vgl. Lüneburger Heide). Oft steht Heide auch für auf kargen Böden wachsende lockere Waldgebiete (Bernauer, Rostocker, Dübener Heide). Die übertragene Verwendung für die eine Heidelandschaft kennzeichnenden unterschiedlichen Heidekrautgewächse, insbesondere Erika, ist ebenfalls seit dem Ahd. bezeugt; verdeutlichende Zusammensetzung hierfür ist Heidekraut, spätmhd. heidekrūt; vgl. ahd. heidistūda (Hs. 14. Jh.).

Thesaurus

Botanik
Synonymgruppe
Erika · Heide · ↗Heidekraut
Oberbegriffe
Assoziationen
Botanik, Geografie
Synonymgruppe
Heide · ↗Heideland  ●  Haide  veraltet
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Tucheler Heide  ●  Tuchler Heide  veraltet · Tuecheler Heide  veraltet · ↗Heidekraut  ugs.
Religion
Synonymgruppe
Agnostiker · ↗Atheist · Glaubensloser · Gottloser · Heide · Ungläubiger  ●  ↗Gottesleugner  derb
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Nichtchrist · Ungetaufter
  • Agnostik · Anti-Gnostik

Typische Verbindungen
computergeneriert

Andersgläubige Atheist Bekehrung Bombenabwurfplatz Christ Fremdenverkehrsverband Heiland Häretiker Jude Ketzer Kutschfahrt Lüneburger Magerrasen Mohammedaner Moor Naturschutzgebiet Naturschutzpark Schießplatz Studentenstadt Südrand Truppenübungsplatz Ungläubiger bekehren bekehrt blühen gottlos jütisch jütländisch märkisch wackeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Heide‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nur wenn er den besten Platz haben könne, antwortete Heiden.
Der Tagesspiegel, 09.02.2002
Das Problem wird ein Stück weit weggeschoben ", sagt von der Heiden.
Die Welt, 04.10.1999
Die Masse der Heiden lebte mit den Christen auf friedlichem Fuß.
Seston, William: Verfall des Römischen Reiches im Westen. Die Völkerwanderung. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 21066
Eines Tages kommt sie nicht mehr zurück aus der Heide.
Strittmatter, Erwin: Der Laden, Berlin: Aufbau-Verl. 1983, S. 248
Sehnlich hatte ich mich einst fortgewünscht aus der einsamen Heide.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 7130
Zitationshilfe
„Heide“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Heide#2>, abgerufen am 19.01.2019.

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