Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Heiduck, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Heiducken · Nominativ Plural: Heiducken
Aussprache  [haɪ̯ˈdʊk]
Worttrennung Hei-duck
Herkunft zu hajdúungar, hajduungar (Plural hajdúkungar, hajdukungar) ‘Viehhirt’, später ‘Räuber, Fußsoldat’ < hajtaniungar ‘treiben’
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
Angehöriger einer ungarischen Söldnertruppe im 15. und 16. Jahrhundert, Freischärler zur Unterstützung Österreichs in den Türkenkriegen
Beispiele:
Die Heiducken (im Serbischen und Kroatischen bedeutet »hajduk« Hirte, Söldner) gehörten zu der in der Frühneuzeit in ganz Europa verbreiteten Gruppe der »Sozialbanditen« (Eric Hobsbawm), als deren mythischer Prototyp Robin Hood gilt. [Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2005]
Adler kreisen, kein Skilift, kein Dorf, keine Fabrik stört das Idyll. Gleich unterhalb liegt eine der Ikonen der Via Dinarica: das Hajducka Vrata, ein riesiger Felsbogen, benannt nach den rebellischen Heiducken, die osmanische Karawanen ausraubten und noch heute als Volkshelden besungen werden. [Süddeutsche Zeitung, 20.04.2017]
Auch zu den rumänischen Wäldern gehören Räubergeschichten; jeder Rumäne kennt Lieder von den Heiducken, die ursprünglich als Freischärler gegen die Türken kämpften und heute fester Bestandteil der Folklore sind. [Die Zeit, 05.01.1996]
Heiducken, (Haiduken, ungar., »Treiber«), ursprünglich in Ungarn Viehhirten, später Söldner zu Fuß, erhielten für ihre Tapferkeit im Revolutionskriege von Stephan Bocskay 1605 Adelsvorrechte und einen eigenen Distrikt (Heiduckendistrikt) im Komitat Szabolcs (Hauptort Böszörmény) angewiesen[…]. [Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 30745]
2.
seit dem 18. Jahrhundert   Diener eines Magnaten (2), besonders in Österreich-Ungarn
Beispiele:
Die Herolde und Heiducken, die Pagen und die Türsteher, die an den absolutistischen Fürstenhöfen zu Tausenden beschäftigt waren, arbeiteten ja nicht, sie taten nicht einmal so als ob. [Die Welt, 08.09.2003]
Als sie zur Seite rückte, um dem Grafen Platz zu machen, flüsterte er ihr zu: »Möchte die unaufhörlichen, süßen Empfindungen an der Seite des Zaren nicht entweihen!«, und gab dem Heiducken ein Zeichen [Landshuter Zeitung, 26.10.2015]
Hinzu kam, daß es ganze Stände, Klassen und Berufszweige gab, die wie der Adel vom Zwang zur Arbeit frei waren, die als Gefolge, als Türsteher, Heiducken und sonstiges Personal Scheintätigkeiten versahen oder als Kleriker und Mönche ihren Lebensunterhalt aus Quellen bezogen, die mit Berufsarbeit nicht viel zu tun hatten. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.1998]
Die Zeiten, als hier große Leute mit höfischem Gefolge, mit Kriegs‑ und Kabinettsräten, Lakaien und Heiducken einzogen, im Bade aßen und tranken und sich von Vorlesern und Musikanten die Zeit in der Wanne vertreiben ließen, ist [sic! sind] passé. [Die Zeit, 07.05.1965]
In der Vorhalle bilden die Heiducken in Galauniform Spalier. [Suttner, Bertha von: Autobiographie. In: Deutsche Literatur von Frauen. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 5119]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Heiduck m. ‘Bedienter, Söldner’ (historisch), entlehnt im 16. Jh. aus ungar. hajdúk (mundartlich hajduk), Plur. von hajdú (bzw. hajdu) ‘Viehhirt’, später ‘Räuber, Fußsoldat’ (zu ungar. hajtani ‘treiben’), das als Sing. aufgefaßt wird und während der Türkenkriege den Angehörigen einer ungarischen Hilfstruppe bezeichnet. Seit etwa 1700 auch für ‘Bedienter, Trabant’ der ungarischen Magnaten (in entsprechender Tracht) und für Bedienstete auch deutscher Höfe.
Zitationshilfe
„Heiduck“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Heiduck>.

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