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Heimsuchung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Heimsuchung · Nominativ Plural: Heimsuchungen
Aussprache  [ˈhaɪ̯mzuːχʊŋ]
Worttrennung Heim-su-chung
Wortzerlegung heimsuchen -ung
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
Schicksalsschlag, den man als Prüfung oder Strafe von Gott empfindet
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine teuflische, biblische, nächtliche, göttliche, schreckliche, schlimme Heimsuchung
als Prädikativ: etw. als Heimsuchung empfinden
in Koordination: Heimsuchungen und Katastrophen
Beispiele:
Die Heimsuchungen und Schicksalsschläge … versperren oft den Blick und auch die Wege nach außen. [Allgemeine Zeitung, 02.03.2018]
Selbst wenn man in Rechnung stellt, dass die Gastgeber immer noch unter den Nachwirkungen von Corona, Verletzungspech und anderen Heimsuchungen leiden, spielte da in den Hoffenheimer Trikots eine Mannschaft, die das, was sie kann, nicht besonders gut umsetzt. [Süddeutsche Zeitung, 09.02.2021]
Natalia Weigum schweigt, als wäre Schweigen die einzig angemessene Antwort auf die Seuche, diese Heimsuchung. [Süddeutsche Zeitung, 25.01.2021]
Hoch im Kurs stehen seit 1943, als die schweren Heimsuchungen durch die Luft beginnen, zum Beispiel Sprüche wie »Berlin ist die Stadt der Warenhäuser: da war ’n Haus, und dort war ’n Haus« oder »Der Krieg wird wegen großen Erfolges verlängert.« [Die Welt, 06.05.2020]
Der Arzt ahnt Böses und sieht sich mit schlimmen »Eingriffen« – biblisch gesprochen: Heimsuchungen – konfrontiert, die über seine Kinder und Familie kommen. [St. Galler Tagblatt, 12.01.2018]
Auch in dieser Periode [gemäß der zoroastrischen Lehre] tritt jedesmal im Lauf des Jahrtausends ein Verfall der Religion und eine Heimsuchung durch verheerende Feinde ein. [Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums. Bd. III. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 18115]
2.
christliche Religion Begegnung der mit Jesus und Johannes dem Täufer schwangeren Frauen Maria und Elisabeth im Hause Elisabeths
Beispiele:
Das Evangelium nach Lukas vom Fest Maria Heimsuchung (gefeiert wird die Begegnung zwischen der Mutter des Johannes und der Mutter Jesu), und der Lobgesang Mariens (Magnifikat), bringen Aufbrüche auf den Punkt. [Aachener Zeitung, 04.07.2015]
Die Heimsuchung oder das lateinische Wort »Visitatio« (Besuch) bezeichnet die Begegnung von Maria und Elisabeth, die Lukas in seinem Evangelium (1,39–56) schildert. [Aachener Zeitung, 27.06.2018]
Die Nonnen durchlebten jedes Jahr eine imaginäre Schwangerschaft: Im Advent sollten sie – ihrem gottesmütterlichen Ideal Maria gemäß – das Warten auf das Kind nacherleben: die Hoffnung, die Heimsuchung, die Herbergssuche. [Süddeutsche Zeitung, 24.12.2012]
Das [Pferde-]Rennen geschieht zu Ehren der Jungfrau Maria, deren Heimsuchung auf den 2. Juli, deren Himmelfahrt auf den 15. August fällt. [Süddeutsche Zeitung, 10.08.2006]
Heimsuchung Mariä (lat. visitatio), im NT (= Neuen Testament) (Luk. 1,39–56) geschilderte Begegnung zwischen Maria und Elisabeth, der Frau des Priesters Zacharias, die im hohen Alter der Geburt des späteren Johannes des Täufers entgegensieht. [Olbrich, Harald (Hg.): Lexikon der Kunst. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 12407]
3.
Synonym zu Haussuchung
Beispiele:
Es gab bereits im vergangenen Jahr zahlreiche Hausdurchsuchungen und Heimsuchungen von Finanzinstituten. [Süddeutsche Zeitung, 14.04.2016]
Wichtige Hinweise der Zuträger seien nicht bearbeitet und die Quellen vor Heimsuchungen durch die Polizei geschützt worden. [Süddeutsche Zeitung, 09.02.2013]
Wer rechtens ein Haus bewohnte, der konnte auch schon vor tausend Jahren innerhalb »seiner vier Wände« nicht ohne weiteres »verhaftet« werden, und außerdem war er relativ geschützt vor Hausdurchsuchungen, wie wir heute sagen, vor »Heimsuchungen«, wie es damals im alten Deutsch hieß. [Die Welt, 28.09.2002]
Später nutzten ihn [den Keller] Mafiosi, um sich den Heimsuchungen der Polizei und verfeindeter Clans zu entziehen. [Frankfurter Rundschau, 30.10.1999]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Heim · Heimbürge · Heimgarten · heim · daheim · heimgehen · Heimgang · heimkehren · Heimkehr · heimzahlen · Heimzahlung · heimisch · heimleuchten · heimsuchen · Heimsuchung · heimwärts · Heimweg · Heimweh
Heim n. ‘Zuhause, Wohnung, Wohnstätte für einen bestimmten Personenkreis, Stätte für Zusammenkünfte und Veranstaltungen’, ahd. heima f. ‘Wohnsitz, Heim, Heimat’ (10. Jh.; vgl. faterheim m. und faterheima f. ‘Heimat, Vaterland, Geburtsland’, Hs. 12. Jh.), mhd. heim n. ‘Wohnstätte, Haus, Heimat’, asächs. hēm n., mnd. hēm(e) f., hēm n., mnl. heem, heim n., nl. (älter) heem, aengl. hām m., auch ‘Landgut, Dorf’, engl. home, anord. heimr m. ‘Heimat, Welt’, schwed. hem ‘Wohnung, Haus, Heimat’ (germ. *haima-) und (i-Stamm) got. haims f. ‘Dorf, Flecken’ gehören mit ie. mo- (bzw. mā-) Suffix wie griech. (dehnstufig) kṓmē (κώμη) ‘Dorf’, air. cōim, cōem, akymr. cum ‘lieb, teuer’, lit. šeimà ‘Familie, Gesinde’, russ.-kslaw. sěmь ‘Person’, russ. sem’já (семья) ‘Familie’ zur Wurzel ie. *k̑ei- ‘liegen’, auch ‘Niederlassung, Lager, Wohnsitz’ und weiter ‘traut, lieb’; dazu auch griech. ké͞isthai (κεῖσθαι) ‘liegen, sich befinden, stattfinden’ sowie Heirat, geheuer und vielleicht auch Oheim (s. d.). Die Bedeutung ‘Dorf, Gemeinde’ (vgl. got. haims) bewahren die Komposita Heimbürge m. ‘Gemeindevorsteher, Aufseher’, ahd. heimburgo (Hs. 12. Jh.), mhd. heimbürge (im Omd. auch ‘Leichenbestatter’, 17. Jh., dazu Heimbürgin ‘Leichenfrau’, 18. Jh.), und Heimgarten m. (obd.) ‘Gemeindegarten, Dorfanger’, ahd. heimgart(o) (10. Jh.), mhd. heim-, heingarte. Vom 16. Jh. an wird der Gebrauch des Substantivs Heim in der Literatursprache selten. Eine um die Mitte des 18. Jhs. einsetzende Neubelebung (mit neutralem Genus) erfolgt wohl unter Einfluß des nachfolgend genannten Adverbs heim. – heim Adv. ‘nach Hause’, hervorgegangen aus dem adverbiell gebrauchten Akkusativ Sing. Mask. des Substantivs, ahd. heim (9. Jh.), mhd. heim ‘nach Hause’, vgl. ahd. heime (9. Jh.), heimi (11. Jh.), mhd. heime ‘zu Hause’. daheim Adv. ‘zu Hause’, ahd. thār heime (9. Jh.), mhd. dā heim(e). Vielfach in Verbindung mit Verben, vgl. heimgehen Vb. ‘nach Hause gehen’ (15. Jh.), übertragen ‘sterben’ (18. Jh.), dazu entsprechend Heimgang m. (19. Jh.); heimkehren Vb. ‘in die Heimat, nach Hause zurückkehren’ (16. Jh.), Heimkehr f. (18. Jh.); heimzahlen Vb. ‘zurückzahlen, vergelten’ (18. Jh.), Heimzahlung f. (19. Jh.). heimisch Adj. ‘heimatlich, häuslich, vertraut, gewohnt’, ahd. heimisc (8. Jh.), mhd. heim(i)sch, auch ‘zahm, nicht wildwachsend’. heimleuchten Vb. ‘jmdn. mit einer Leuchte, Fackel nach Hause geleiten’ (16. Jh.), dann ‘wegjagen, einem Beine machen’ (18. Jh.). heimsuchen Vb. ‘in übelwollender Absicht, belästigend aufsuchen, als Unglück treffen, zustoßen’, mhd. heimsuochen ‘besuchen, feindlich überfallen’, aus mhd. heime suochen ‘in freundlicher oder feindlicher Absicht daheim aufsuchen’; Heimsuchung f. ‘schweres Unglück, harter Schicksalsschlag’, (obd.) ‘Haussuchung’, mhd. heimsuochunge ‘Hausfriedensbruch’. heimwärts Adv. ‘in Richtung Heimat, nach Hause zu’, ahd. heimwartes (9. Jh.), mhd. heimwart, heimwert (s. -wärts). Heimweg m. ‘Weg nach Hause’, mhd. heimwec. Heimweh n. ‘Sehnsucht nach der Heimat, nach dem Zuhause’ (Ende 16. Jh.). Das anfangs als Krankheitsbezeichnung wahrscheinlich in der Schweiz entstandene Substantiv verbreitet sich unter Aufgabe des medizinischen Sinnes von der 2. Hälfte des 18. Jhs. an. S. Nostalgie.

Thesaurus

Synonymgruppe
Geißel · Heimsuchung · Schlag  ●  Schicksalsschlag  Hauptform · Prüfung (christl.-relig.)  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Heimsuchung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Heimsuchung‹.

Zitationshilfe
„Heimsuchung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Heimsuchung>.

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