Hellseher, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungHell-se-her (computergeneriert)
WortzerlegunghellSeher
Wortbildung mit ›Hellseher‹ als Erstglied: ↗Hellseherin · ↗hellseherisch
eWDG, 1969

Bedeutung

jmd., der angeblich hellsehen kann
Beispiel:
man braucht kein Hellseher zu sein, um zu verstehen, dass ...
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hell · Helle · hellen · Helldunkel · helldunkel · hellhörig · Helligkeit · Hellseher · hellsehen · hellauf
hell Adj. ‘mit viel Licht erleuchtet, leuchtend, sich im Farbton dem Weiß nähernd, von hohem Klang, hoch tönend’. Das nur im Dt. und Nl. vorkommende Adjektiv ahd. hel ‘tönend’ (11. Jh.; vgl. gihelli ‘harmonisch’, 10. Jh., unhelli ‘mißtönend’, um 1000), mhd. hel ‘tönend, laut, glänzend, licht’, mnl. nl. hel ‘licht, klar, rein’ gehört zum starken Verb ahd. (8. Jh.), asächs. hellan, mhd. hellen ‘ertönen, erschallen’ (in frühnhd. Zeit abgelöst von ↗hallen, s. d.); vgl. auch verwandtes (ablautend) anord. hjala ‘sprechen, sich unterhalten’ sowie ↗Hall und ↗holen (s. d.). Außergerm. vergleichen sich aind. uṣākalaḥ ‘Hahn’ (wohl ‘in der Frühe rufend’), griech. kalé͞in (καλεῖν) ‘(herbei)rufen, nennen’, lat. calāre ‘aus-, zusammenrufen’, (mit m-Erweiterung) clāmāre ‘laut rufen, schreien’, lett. (älter) kalot ‘schwatzen’, air. cailech ‘Hahn’, so daß von einer Schallwurzel ie. *kel(ə)- mit den langvokalischen Ablautstufen *klē-, *klā- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ auszugehen ist (wozu mit s- mobile auch ↗Schall, ↗Schelle, ↗schelten, s. d.). Das Adjektiv bezeichnet zunächst akustische, vom Mhd. an auch visuelle Eindrücke; Luther verwendet es als Gegenwort zu ↗dunkel anstelle des älteren ↗licht (s. d.), mit dem es formelhaft verbunden wird: am hellen lichten (später hellichten) Tage. Auf Farben bezogen bezeichnet hell den sich dem Weiß nähernden Farbton (hellrot, -blau im Gegensatz zu dunkelrot, -blau); s. auch ↗grell, ursprünglich ‘laut schreiend’, dann auf Farbtöne übertragen (mit ähnlicher Entwicklung vgl. schreiend, knallig). Bei durchsichtigen Stoffen (Wasser, Glas) nimmt hell die Bedeutung von ‘klar, rein, ungetrübt, durchsichtig’ an; später wird es auf Geistiges, auf den menschlichen Verstand im Sinne von ‘klug, aufgeweckt, leicht und schnell auffassend’ angewandt, umgangssprachlich dafür helle, eigentlich Adverb (vgl. adverbielles mhd. helle). Schließlich drückt hell (seit dem 16. Jh.) eine Verstärkung ‘groß, stark, heftig’ aus (in hellen Haufen, seine helle Freude haben, in helle Wut geraten), adverbiell ‘sehr’ (hell begeistert sein). Helle f. ‘Helligkeit’, mhd. helle ‘Helligkeit, Reinheit’. hellen Vb. (reflexiv) ‘hell werden, sich erhellen’ (18. Jh.), mhd. (vereinzelt) hellen ‘hell werden, aufleuchten’, weitergeführt in frühnhd. nhd. erhellen ‘hell machen, erleuchten’ (16. Jh.), ‘klar werden, verdeutlichen’ (17. Jh.), aufhellen (17. Jh.); schwaches, vom Adj. abgeleitetes Verb. Zum starken Verb ahd. hellan s. oben. Helldunkel n. ‘Zusammenspiel von Licht und Schatten, von hellen und dunklen Farben’ (besonders in der Malerei), von dem Kunstwissenschaftler v. Hagedorn 1762 gebildet für frz. clair-obscur, das selbst aus ital. chiaroscuro entlehnt ist; dazu entsprechend helldunkel Adj. (ebenfalls 1762). hellhörig Adj. ‘mit scharfem Gehör ausgestattet, fähig, nicht Ausgesprochenes zu erraten’ (19. Jh.), heute vor allem ‘mit scharfem Verstand begabt’, auch ‘schalldurchlässig’ (von Wänden, Türen). Helligkeit f. ‘heller Zustand, helles Licht, Lichtfülle, Lichtstärke’ (16. Jh.). Hellseher m. ‘wer hellsehen kann’ (Anfang 19. Jh.), zuvor ‘scharfsinnige, klarsichtige, tiefere Zusammenhänge verstehende Person’ (1710, Übersetzung von substantiviertem frz. clairvoyant ‘scharfsinnig’); dazu hellsehen Vb. (nur im Inf. gebräuchlich) ‘räumlich und zeitlich entfernte Personen, Gegenstände und Ereignisse angeblich ohne Vermittlung von Sinnesorganen wahrnehmen, Zukünftiges vorhersehen’ (19. Jh.). hellauf Adj. ‘vergnügt, munter, flott’, Zusammenrückung der Adverbien hell und auf, zunächst in dem aufmunternden Zuruf hellauf! ‘nur zu!, frisch auf!’ (18. Jh.), anschließend häufig in der Fügung hellauf (‘fröhlich, lauthals’) lachen. Danach im Sinne von ‘überaus, sehr’ spontane emotionale Lautäußerungen (hellauf singen, jubeln, hellauf begeistert) oder Lichterscheinungen (hellauf leuchten, strahlen, lodern) verstärkend.

Thesaurus

Synonymgruppe
Hellseher · ↗Prophet · ↗Seher · ↗Vorbote · ↗Wahrsager · ↗Weissager  ●  ↗Augur  geh., lat.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Astrologe Kartenleger Magier Parapsychologe Pendler Prophet Schwarzseher Sterndeuter Wahrsager Wunderheiler Wünschelrutengänger angeblich berühmt blind holländisch voraussagen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hellseher‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich bin ein Hellseher, Gott sei Dank, dass ich das herausgefunden habe!
Die Zeit, 21.05.2012, Nr. 21
So jedenfalls haben es verschiedene Hellseher infolge der messianischen Befreiung vorhergesehen.
Die Welt, 21.04.2001
Man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass das MEK in kürzester Zeit überlastet sein wird.
Bild, 20.09.1999
Die Frage nach der Zukunft der Monarchie beantwortet er, er sei "kein Hellseher".
Archiv der Gegenwart, 2001 [1979]
Herr Schmidt muß ein Hellseher gewesen sein; denn zwei bis drei Wochen vorher wußte ich auch noch nichts davon.
o. A.: Einhundertdreiundsechzigster Tag. Dienstag, 25. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 11611
Zitationshilfe
„Hellseher“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hellseher>, abgerufen am 14.10.2019.

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