Hemmung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Hemmung · Nominativ Plural: Hemmungen
Aussprache
WorttrennungHem-mung
Wortzerlegunghemmen-ung
Wortbildung mit ›Hemmung‹ als Erstglied: ↗Hemmungsfehlbildung · ↗Hemmungsnerv · ↗Hemmungsreaktion · ↗hemmungslos
 ·  mit ›Hemmung‹ als Letztglied: ↗Ankerhemmung · ↗Beißhemmung · ↗Entwicklungshemmung · ↗Ladehemmung · ↗Wachstumshemmung
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Verlangsamung, Störung oder Unterbrechung körperlicher und seelischer Funktionen
a)
Beeinträchtigung des ungezwungenen, natürlichen Verhaltens, innere Unsicherheit, unfreies, verkrampftes Auftreten
Beispiele:
er hat starke, große, innere, seelische, falsche Hemmungen
er ist voller Hemmungen
an Hemmungen leiden
seine Hemmungen überwinden
jmdm. seine Hemmungen nehmen
jmdn. von seinen Hemmungen befreien
Meine heimlichen Hemmungen, meine uneingestandene Scheu vor dem Maskenball war ... nicht kleiner geworden [HesseSteppenw.4,355]
umgangssprachlich, scherzhaft
Beispiele:
nur keine Hemmungen!
du leidest doch sonst nicht an Hemmungen! (= ermunternder Zuruf)
b)
anerzogene Unterdrückung der eigenen Triebe, Einschränkung der eigenen Handlungsmöglichkeit durch sittliche Überzeugung
Beispiele:
er kannte keine Hemmungen
er hat keine moralischen Hemmungen (= keine Bedenken)
der Alkohol hatte ihm alle Hemmungen genommen, sodass er zu randalieren begann (= der Alkohol hatte ihn enthemmt, sodass er zu randalieren begann)
er hatte sich nicht die notwendigen Hemmungen auferlegt
Als ... der Alkohol ein paar Hemmungen in dem jungen Menschen niedergebrochen hatte [JahnnHolzschiff82]
2.
Verlangsamung einer Bewegung, eines Vorganges
Beispiele:
Kälte und Frost können bei Waffen Hemmungen (= Störungen, Unterbrechungen) bewirken
da die künstlichen Satelliten nicht im praktisch leeren Weltraum fern von der Erde kreisen ... müssen sie eine Hemmung erfahren [Wissenschaft und Fortschritt1957]
Verzögerung eines Vorganges durch Schwierigkeiten
Beispiel:
die Hemmung des Fortschritts
3.
Schwierigkeit, Hindernis
Beispiel:
daß er [der Bürger] ... auf die unüberwindlichen Hemmungen stieß, die auch der Teufelsglaube und das Puritanertum der Reformation Luthers vor ihm auftürmten [AbuschinDt. Wort5]
4.
Handwerk Vorrichtung an Uhren, die laufend den Gang des Räderwerkes kurz unterbricht und es dadurch in Absätzen ablaufen lässt
Beispiel:
die Hemmung ist gebrochen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hemmen · Hemmung · hemmungslos · Hemmschuh · Hemmnis
hemmen Vb. ‘in der Bewegung, im Ablauf verlangsamen, bremsen (und zum Stillstand bringen), behindern, beeinträchtigen’, mhd. hamen, (md.) hemmen ‘aufhalten, hindern’ (vgl. noch obd. hemmen ‘Pferden, Ziegen, Rindern auf der Weide die Vorderfüße so fesseln, daß sie nur kleine Sprünge machen und nicht fortlaufen können’), aengl. hemman ‘hemmen, verstopfen, schließen’, anord. hemja, schwed. hämma ‘hemmen, zügeln, zwingen’ und die Substantive mnd. mnl. ham, hamme ‘abgeteiltes, umgrenztes Stück Weide-, Wiesenland’, aengl. hamm ‘eingehegtes Stück Land’, engl. (mundartlich) ham, nd. Hamme ‘umzäuntes Feld’, aengl. hem ‘Rand, Saum, Grenze’, engl. hem ‘Saum, Einfassung, Rand’ (vgl. engl. to hem in ‘einschließen, umgeben’), isl. hemill ‘Beinfessel’ führen mit den außergerm. Verwandten lit. kamúoti ‘quälen, peinigen, aufbringen’, kãmanos ‘Zaumzeug mit Gebiß’, russ. kom (ком) ‘Klumpen’, komít’ (комить) ‘zusammenballen’, lit. kim̃šti ‘verstopfen, hineinpfropfen’, aslaw. čęstъ ‘dicht, beharrlich’, russ. částyj (частый) ‘dicht, oft, häufig’, vielleicht auch griech. (obwohl im Vokalismus abweichend) kṓmys (κώμυς) ‘Bündel’, kēmós (κημός) ‘Maulkorb’ auf eine Wurzel ie. *kem- ‘zusammendrücken (von Flechtwerk?), -pressen, hindern’. Hemmung f. ‘Verlangsamung einer Bewegung, eines Vorgangs, Schwierigkeit, Hindernis, Störung oder Unterbrechung körperlicher und seelischer Funktionen’ (17. Jh.); hemmungslos Adj. (20. Jh.). Hemmschuh m. ‘schuhförmige Vorrichtung zum Abbremsen von Wagenrädern’ (16. Jh.), übertragen ‘Hemmnis’ (18. Jh.). Hemmnis n. ‘was hemmend wirkt, Hindernis, Erschwernis’ (1. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Befangenheit · ↗Gehemmtheit · Hemmung · ↗Schüchternheit · ↗Unsicherheit · ↗Verklemmtheit
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Blockierung · Hemmung · ↗Inhibition · ↗Sperrung · vorübergehende Aufhebung
Synonymgruppe
Barriere · ↗Behinderung · ↗Blockade · ↗Fallstrick · ↗Hemmnis · Hemmung · ↗Hindernis · ↗Hürde  ●  ↗Bremsklotz  fig. · ↗Hemmschuh  fig. · ↗Stolperstein  fig. · ↗Schikane (Reit-/Motorsport)  fachspr.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktivierung Blutgerinnung Enthemmung Enzym Gefäßneubildung Reibung Skrupel Tumorwachstum Verjährung Verklemmung abbauen ablegen abstreifen anerzogen beseitigen bürokratisch fallenlassen instinktiv koaxial kompetitiv moralisch präsynaptisch psychologisch reaktiv retroaktiv reziprok schwinden synaptisch zivilisatorisch überwinden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hemmung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch vielleicht baut er heute Hemmungen ab, die er sonst noch mit sich herumgeschleppt hätte.
Der Tagesspiegel, 10.09.1999
Folge war die Hemmung, sich überhaupt einer Frau zu nähern.
Süddeutsche Zeitung, 12.10.1996
Sag mal, in welcher Form bin ich denn so frei von Hemmungen?
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 17.11.1944, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Ich muß doch sagen, Du bist ziemlich frei von Hemmungen.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 01.11.1944, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Schrecklich, ich denke schon wieder an die Hemmungen, die bestimmt größer sind als vor einigen Tagen.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 02.11.1939, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„Hemmung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hemmung>, abgerufen am 09.12.2019.

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