Herd, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Herd(e)s · Nominativ Plural: Herde
Aussprache
Wortbildung mit ›Herd‹ als Erstglied: ↗Herddosis · ↗Herdfeuer · ↗Herdinfekt · ↗Herdmädchen · ↗Herdplatte · ↗Herdprämie · ↗Herdring · ↗Herdstelle
 ·  mit ›Herd‹ als Letztglied: ↗Ansteckungsherd · ↗Ausbruchsherd · ↗Bebenherd · ↗Brandherd · ↗Brutherd · ↗Eiterherd · ↗Elektroherd · ↗Entstehungsherd · ↗Entzündungsherd · ↗Erdbebenherd · ↗Erregungsherd · ↗Explosionsherd · ↗Feuerherd · ↗Finkenherd · ↗Fäulnisherd · ↗Gasherd · ↗Gefahrenherd · ↗Grudeherd · ↗Induktionsherd · ↗Infektionsherd · ↗Kochherd · ↗Kohleherd · ↗Kohlenherd · ↗Kombiherd · ↗Krankheitsherd · ↗Kriegsbrandherd · ↗Kriegsherd · ↗Krisenherd · ↗Küchenherd · ↗Mikrowellenherd · ↗Seuchenherd · ↗Spannungsherd · ↗Sparherd · ↗Unruheherd · ↗Vogelherd
eWDG, 1969 und DWDS, 2018

Bedeutungen

1.
Vorrichtung, Gerät zur Zubereitung von Speisen, die auf (elektrisch oder mit Gas, besonders früher auch mit Holz- oder Kohlefeuer beheizten) Herdplatten gekocht, gebraten oder erwärmt werden, meist auch mit einem eingebauten Backofen
Beispiele:
Die gesamte Urlaubsregion Provence-Alpes-Côtes-d’Azur wird […] mit einer einzigen Hochspannungsleitung versorgt. Wenn die Südfranzosen gegen 19 Uhr abends Heizung, Herd und Waschmaschine anstellen, ist schnell die Spitzenlast erreicht. [Süddeutsche Zeitung, 05.11.2009]
Zudem sollten die Schalter gut einsehbar oben auf dem Herd angebracht sein. [Die Welt, 13.03.2004]
[…] Dampfgaren ist nicht nur eine der gesündesten Kochmethoden, sondern […] auch für den Hobbykoch eine Strategie, am heimischen Herd zu der Raffinesse der gehobenen Profiküche aufzuschließen. [Spiegel, 25.03.2012 (online)]
Allerdings droht bei den Amerikanern immer mehr in Vergessenheit zu geraten, wie Essen vom eigenen Herd überhaupt schmeckt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2005]
Er hat kein Auto, kein Handy und er kennt sich mit dem neuen Herd in seiner Küche nicht aus. [Berliner Zeitung, 21.04.2004]
Hinter einem uralten eisernen Herd, der mit Holz beheizt wird, begrüßt uns Manuel, der Koch, mit seinen Helfern. [Die Zeit, 25.11.1999, Nr. 48]
Die Einbauküche ist mit elektrischem Herd und großem Kühlschrank ausgestattet[…]. [Die Zeit, 30.03.1962, Nr. 13]
Während der Rauch des Backofens und des offenen Herdes über die Stubendecke hinweg und durch die Fensterluken abzog, blieb die Kammer von dem Qualm verschont […]. [Kolbenheyer, Erwin Guido: Das dritte Reich des Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1925], S. 790]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der heimische, häusliche, eigene Herd; ein heißer Herd; ein neuer, alter, kleiner, elektrischer Herd
als Akkusativobjekt: den Herd anschalten, ausschalten, ausmachen, verlassen
in Präpositionalgruppe/-objekt: den Topf, die Pfanne vom Herd nehmen; den Topf, die Pfanne, das Essen auf den Herd stellen
übertragen (eigener) Hausstand, (gemütliches) Zuhause
Beispiele:
sprichwörtlich eigener Herd ist Goldes wert (= es ist wertvoll, ein eigenes Zuhause zu haben)Quelle: WDG, 1969
Ein Mann verlässt den heimischen Herd, um die Nähe seines toten Sohnes zu suchen und dabei gleichsam zu dessen Wiedergänger zu werden. [Die Zeit, 19.12.2013, Nr. 52]
Seine Frau ist kein Heimchen [Hausfrau] am Herd, sondern lehrt an der Universität. [Die Zeit, 24.01.2013, Nr. 05]
Viele Frauen würden sich angesichts der hohen Kindergartenkosten wieder ganz an den häuslichen Herd zurückziehen, weil für eine Teilzeitbeschäftigung kaum mehr bezahlt werde als ein Kindergartenplatz koste[…]. [Der Standard, 04.03.2011]
Bis zum Dienstag hat der Großteil der [von den Überschwemmungen betroffenen] Bewohner Haus und Herd verlassen. [Süddeutsche Zeitung, 01.02.1995]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der heimische Herd
als Akkusativobjekt: den heimischen Herd verlassen
in Präpositionalgruppe/-objekt: Heimchen (= Hausfrau) am Herd
in Koordination: Heim und Herd
2.
Ausgangspunkt, Mittelpunkt, Zentrum
Beispiele:
Die brutale Unterdrückung der Albaner dort [im Kosovo] ist als eigentlicher Herd des Zerfalls Jugoslawiens und nachfolgender Kriege bezeichnet worden. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.1994]
Ein Brand ist ein Feuer, das ohne einen bestimmungsgemäßen Herd entstanden ist oder ihn verlassen hat und sich aus eigener Kraft auszubreiten vermag. [Berliner Zeitung, 31.05.1980]
Der Brand wurde mit drei C-Rohren [Feuerwehrschlauch mit einem Durchmesser zwischen 4-5cm] bekämpft und konnte auf seinen Herd beschränkt werden. [Neues Deutschland, 22.11.1946]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein gefährlicher Herd
mit Genitivattribut: der Herd der Unruhen, Spannungen, kriegerischen Konflikte; der Herd einer Krankheit; der Herd eines (Erd-)Bebens
a)
spezieller Ausgangspunkt von Unruhen oder (sozialen, politischen) Spannungen, Ort politischer und kriegerischer Aufruhr
Beispiele:
Rund um die verpönte Spreestraße, die als sozialer Brennpunkt und Herd der Unruhe gilt, trauen sich die Anwohner nicht, der Polizei zu helfen. [Welt am Sonntag, 01.07.2007, Nr. 26]
Nablus sei ein besonders gefährlicher Herd des palästinensischen Aufstands[…]. [Süddeutsche Zeitung, 08.01.2004]
Ein gefährlicher Herd politischer Instabilität wird ein zerstörtes, besiegtes und gedemütigtes Serbien sein, das erst noch Gefahr läuft, in seine ethnischen Bestandteile zu zerfallen. [Neue Zürcher Zeitung, 24.04.1999]
In akademischen Kreisen herrscht die Meinung vor, dass es [bei der Abschaffung der Universitätsautonomie] darum geht, einen traditionellen Herd von Opposition und Protest auszuschalten. [Neue Zürcher Zeitung, 28.11.1998]
Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, daß nach dem Zusammenbruch des Saddam-Regimes der Irak eine islamisch-schiitische, fundamentalistische Republik wird, ein iranisches Protektorat, ein Herd der islamischen Revolution im ganzen Raum. [Der Spiegel, 25.02.1991, Nr. 9]
Konferenzteilnehmer stellten fest, daß der Nahe Osten nach wie vor ein gefährlicher Herd internationaler Spannungen ist. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1974]]
b)
spezieller, Medizin Ausgangspunkt für eine Krankheit, Epidemie
Beispiele:
Bei einer Sepsis […] brechen die Erreger aus dem ursprünglichen Herd aus: Sie gelangen in die Blutbahn und überschwemmen den Körper. [Die Zeit, 13.03.2017, Nr. 09]
Bei ihren Bemühungen, die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche einzudämmen, sind die britischen Veterinärbehörden möglicherweise auf den Herd der Epidemie gestoßen. [Süddeutsche Zeitung, 24.02.2001]
An der Ruhr sind in den letzten Tagen in der 2100 Einwohner zählenden Gemeinde […] 25 Personen erkrankt. Als Herd der Krankheit wurde eine Bäckerei ermittelt. [Berliner Zeitung, 13.09.1956]
c)
spezieller, Geologie Ausgangspunkt für ein Erdbeben oder einen Vulkanausbruch
Beispiele:
Die Herde dieser verschiedenen Arten vulkanischer Erdbeben liegen stets in unmittelbarer Nähe eines aktiven Vulkans. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.05.2006]
Welche physikalischen Vorgänge spielen sich eigentlich im Herd eines Erdbebens ab? [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.12.2005]
Es gibt auch noch eine geologische Ursache für die verheerenden Auswirkungen in Bam [in Iran]: Das Epizentrum, also der Herd oder der Ausgangspunkt der Erschütterungen lag[…] sehr nah an der Stadt. [Süddeutsche Zeitung, 29.12.2003]
[…] viele andere Anzeichen unterstützen die Annahme der Wissenschaftler, daß sich unter dem Elbrus ein Magma-Herd befindet, der einen Durchmesser von 10 bis 15 Kilometern haben könnte. Die Temperatur des Gesteins in diesem Herd schätzen die Wissenschaftler auf 850 bis 900 Grad Celsius. [Berliner Zeitung, 20.09.1986]
3.
Hüttenwesen Teil des Hochofens, in dem gefördertes Gestein (Erze) für die Erzeugung von Roheisen zum Schmelzen gebracht wird
Beispiele:
Stark im Kommen sind […] die Schmelzreduktionsverfahren, die u. a. von den Firmen Voest, Thyssen und mehreren japanischen Unternehmen entwickelt werden. Sie stehen unmittelbar vor der grosstechnischen Einführung. Bei diesem Verfahren trennt man Schacht und Herd des Hochofens. [Neue Zürcher Zeitung, 21.02.1996]
Um zu einer Beurteilung der für Hochöfen am besten geeigneten feuerfesten Stoffe zu gelangen, muß man zuerst den Gründen nachgehen, die ihre Zerstörung während des Ofenbetriebes verursacht haben. Man wird dabei die verschiedenen horizontalen Zonen des Hochofens zu berücksichtigen haben, nämlich die Gicht, den Schacht, den Kohlensack, die Rast, den Herd und die Herdsohle. [Polytechnische Schau. In: Dinglers polytechnisches Journal, Jg. 1928/343, S. 246-250. Berlin, 1928. Sander.]
Der Hochofen ist ein Schachtofen von 18-20 m Höhe […], aus feuerfesten Steinen gemauert, durch eiserne Bänder und Träger versichert; auf dem Boden, in dem Herd, findet sich ein Abstichloch für das verschmolzene Metall, etwas höher eins für die Schlacken, die Schlackenform. [o. A.: E. In: Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 19697]
Namentlich hielt man da, wo man mit Koks geringere Erze verschmolz, das häufige Reinigen des Gestells für die wichtigste, notwendigste Arbeit, obgleich sich gerade hier die grossen Nachteile der starken Abkühlung beim Aufbrechen und Reinigen des Herdes mit Brechstangen und Haken am meisten fühlbar machten. [Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 5: Das XIX. Jahrhundert von 1860 bis zum Schluss. Braunschweig, 1903.]

Den originalen WDG-Artikel können Sie hier anschauen.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Herd m. ‘häusliche Feuerstelle, Kochstelle’, ahd. herd ‘Feuerstelle, Erdboden (als Feuerstätte)’ (9. Jh.), mhd. hert, auch ‘Haus, Wohnung’, asächs. herð, mnd. hērt, mnl. hert, heert, haert, nl. haard, aengl. heorþ, engl. hearth ist verwandt mit got. haúri ‘Kohle’ (Plur. haúrja ‘Feuer’), anord. hyrr ‘Feuer’, norw. hyr ‘Fünkchen’ und führt mit aind. kūḍayati ‘versengt, verbrennt’, lat. carbō ‘(Holz)kohle’ sowie lit. kùrti ‘feuern, heizen’, aslaw. kuriti sę ‘rauchen, dampfen’, russ. kurít’ (курить) ‘rauchen, räuchern, stöbern’, aruss. čerenъ, russ. (älter) čéren (черен) ‘Salzpfanne der Salzsiedereien’ auf eine Wurzel ie. *ker(ə)- ‘brennen, glühen, heizen’ (wozu mit einer Erweiterung wohl auch lat. cremāre ‘verbrennen, einäschern’, s. ↗Krematorium). Ursprünglich besteht die Feuer- und Kochstätte wohl nur aus festgestampftem Erdboden in der Mitte des Raumes; sie gilt als Mittelpunkt und Symbol menschlicher Behausung. Auf dieser Vorstellung beruht der übertragene Gebrauch von Herd als ‘Ausgangspunkt, Zentrum (eines Vorgangs, einer Entwicklung, einer Krankheit)’, vgl. Eiter-, Gefahren-, Krankheits-, Unruheherd.

Thesaurus

Technik
Synonymgruppe
Herd · ↗Küchenherd
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Backofen Beben Geschirrspüler Heim Heimchen Heizung Hirt Hirte Hüterin Koch Kochtopf Küche Kühlschrank Mikrowelle Ofen Pfanne Rind Schäfer Spüle Spülmaschine Staubsauger Topf Waschmaschine brutzeln gußeisern heimatlich heimisch häuslich kochen köcheln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Herd‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zudem sollten die Schalter gut einsehbar oben auf dem Herd angebracht sein.
Die Welt, 13.03.2004
Dieselben Männer würden dagegen nie auf die Idee kommen, sich in der Küche an den Herd zu stellen.
Der Tagesspiegel, 26.05.2001
Worüber Du Dich vielleicht am meisten freust, ist ein weißer Herd.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 11.01.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Und draußen, in der winzigen Küche, da stand noch immer der Herd in der gleichen Ecke.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 14470
Das Bestehen dieses Herdes kennt man seit fast zehn Jahren.
Koch, Robert: Die Gesundheitsverhältnisse von Deutsch-Ostafrika. In: J. Schwalbe (Hg.), Gesammelte Werke von Robert Koch - Bd. 2 Teil 2, Leipzig: Thieme 1912 [1906], S. 6345
Zitationshilfe
„Herd“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Herd>, abgerufen am 13.10.2019.

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