Herr, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Herrn/Herren · Nominativ Plural: Herren
Aussprache
Wortbildung mit ›Herr‹ als Erstglied: ↗Herrchen · ↗Herrenabend · ↗Herrenartikel · ↗Herrenausstatter · ↗Herrenbad · ↗Herrenbegleitung · ↗Herrenbekanntschaft · ↗Herrenbekleidung · ↗Herrenbesuch · ↗Herrenbrot · ↗Herrenclub · ↗Herrendienst · ↗Herrendoppel · ↗Herreneinzel · ↗Herrenessen · ↗Herrenfahrer · ↗Herrenfahrrad · ↗Herrenfest · ↗Herrenfriseur · ↗Herrenfrisör · ↗Herrengesellschaft · ↗Herrenhandschuh · ↗Herrenhandtasche · ↗Herrenhaus · ↗Herrenhemd · ↗Herrenjahre · ↗Herrenklasse · ↗Herrenklub · ↗Herrenkommode · ↗Herrenkonfektion · ↗Herrenkostüm · ↗Herrenleben · ↗Herrenmangel · ↗Herrenmannschaft · ↗Herrenmantel · ↗Herrenmensch · ↗Herrenmode · ↗Herrenmoral · ↗Herrennatur · ↗Herrenoberbekleidung · ↗Herrenpartie · ↗Herrenrad · ↗Herrenrecht · ↗Herrenreiter · ↗Herrensakko · ↗Herrensalon · ↗Herrensattel · ↗Herrenschneider · ↗Herrenschneiderei · ↗Herrenschnitt · ↗Herrenschuh · ↗Herrensitz · ↗Herrensocke · ↗Herrentaschentuch · ↗Herrentum · ↗Herrenuhr · ↗Herrenunterwäsche · ↗Herrenwelt · ↗Herrenzimmer · ↗Herrenüberrock · ↗Herrgott · ↗Herrgottsfrühe · ↗Herrin · ↗herrenhaft · ↗herrenlos · ↗herrenmäßig
 ·  mit ›Herr‹ als Letztglied: ↗Ahnherr · ↗Alleinherr · ↗Bankherr · ↗Bannerherr · ↗Bannherr · ↗Bauherr · ↗Brotherr · ↗Burgherr · ↗Chorherr · ↗Deutschherren · ↗Dienstherr · ↗Domherr · ↗Eheherr · ↗Fabrikherr · ↗Fabriksherr · ↗Feldherr · ↗Feudalherr · ↗Freiherr · ↗Fronherr · ↗Fuhrherr · ↗Gefolgsherr · ↗Gerichtsherr · ↗Geschäftsherr · ↗Grundherr · ↗Gutsherr · ↗Handelsherr · ↗Hausherr · ↗Jagdherr · ↗Kammerherr · ↗Kaufherr · ↗Kolonialherr · ↗Konzernherr · ↗Landesherr · ↗Lehensherr · ↗Lehnsherr · ↗Lehrherr · ↗Monopolherr · ↗Münzherr · ↗Oberherr · ↗Ordensherr · ↗Patronatsherr · ↗Pfarrherr · ↗Platzherr · ↗Ratsherr · ↗Schirmherr · ↗Schlossherr · ↗Stadtherr · ↗Standesherr · ↗Stiftsherr · ↗Tanzstundenherr · ↗Tempelherr · ↗Territorialherr · ↗Tischherr · ↗Zimmerherr · ↗Zinsherr
 ·  mit ›Herr‹ als Binnenglied: ↗Altherrenmannschaft · ↗Altherrenschaft
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Mann
a)
höflich Bezeichnung für eine männliche Person
Beispiele:
die Herren lassen den Damen den Vortritt
mehrere Herren wollten sie zum Tanz auffordern
die Tanzkapelle besteht aus fünf Herren
bitte, der nächste Herr!
ein geistlicher Herr (= Pfarrer)
ein Herr im Frack, mit einem Strohhut
Sport er siegte im Brustschwimmen der Herren
häufig in der Gegenüberstellung »Herr – Dame«
Beispiele:
ich sah einen Herrn und eine Dame vorübergehen
Herren und Damen versammelten sich, waren festlich gekleidet
die Herren und Damen des Vorstandes
meine Damen und Herren (= Anrede an die Zuhörer bei einer Rede, Vorlesung)
mein HerrAnrede, die von Verkäufern, Handwerkern verwendet wird
Beispiele:
was darf es sein, mein Herr?
salopp meine Herrn! (= Ausruf, der Staunen, Erschrecken ausdrückt)
Auch die Kartoffeln, der Herr – und vielleicht etwas Salat? [BöllBillard213]
b)
männliche Person, die ein gepflegtes Äußeres, kultiviertes Benehmen und Bildung hat
Beispiele:
ein vornehmer, reicher, feiner, eleganter, junger, älterer, besserer Herr
kennst du den reizenden alten Herrn?
Studentensprache mein alter Herr (= mein Vater)
den großen Herrn spielen
der Ansas Balczus ist beinahe schon ein Herr [Suderm.Reise nach Tilsit6,5]
2.
tritt vor den Namen, Titel erwachsener Personen männlichen Geschlechts
Beispiele:
guten Tag, Herr Müller!
Herr Professor E
Herr Doktor M
bitte, Herr Ober!
der Herr Lehrer hat es gesagt
der Herr Chefarzt lässt bitten
lieber, sehr geehrter Herr Müller (= Briefanfang)
wenn der Herr Ankläger berechtigt sei, die moralische Minderwertigkeit seiner Mandantin zu beweisen [FalladaJeder stirbt506]
Herr Meister und Frau Meisterin, / Laßt mich in Frieden weiter ziehn [VolksliedDas Wandern ist des Müllers Lust]
vor Verwandtschaftsbezeichnungen
gehoben im Gespräch über erwachsene männliche Verwandte des Gesprächspartners
Beispiele:
Ihr Herr Vater, Sohn, Bruder
wie geht es Ihrem Herrn Gemahl?
3.
jmd., der anderen zu befehlen hat, der über jmdn., etw. Gewalt hat, Gebieter
Beispiele:
der Herr des Hauses
wer ist dort der Herr im Hause? (= wer hat zu bestimmen?)
der Herr über diesen ganzen Besitz
sich als (der) Herr aufspielen
sich zum Herren machen
der Hund hat seinen Herrn verloren
veraltend der Diener musste sich [Dativ] einen neuen Herrn suchen
veraltend er war ihnen ein guter, gnädiger Herr
scherzhaft die Herren der Schöpfung (= die Männer)
umgangssprachlich ein großer Jäger, Angler, Gärtner vor dem Herrn (= ein guter Jäger, Angler, Gärtner)
sprichwörtlich niemand kann zwei Herren dienen
sprichwörtlich wie der Herr, so's Gescherr (= wie die Vorgesetzten sind, so sind auch die Angestellten)
veraltend Ein treuer Diener seines Herrn [Grillp.Treuer DienerTitel]
Herr und GebieterEhemann
Herr und MeisterGebieter
Beispiele:
ihr Herr und Gebieter würde heute wohl spät nach Hause kommen
Max ... wandte sich seinen Kaninchen zu, die alle um ihn herumsprangen, als sei er ihr Herr und Meister [H. W. RichterSpuren209]
Religion der HerrGott
Beispiele:
den Herrn bitten
Herr, hilf uns!
übertragen er war Herr der Situation, Herr über die Lageer beherrschte die Situation
Beispiele:
er war nicht mehr Herr seiner Sinne, Herr über sich selbst (= hatte die Selbstbeherrschung verloren)
die Mutter wurde nicht mehr Herr über das Kind (= konnte es nicht zügeln)
Sie war der Situation noch weniger Herr gewesen als er [NollHolt2,395]
die Kleinen sind heute so ungebärdig, wir werden ihrer nicht Herr [KusenbergNicht zu glauben47]
einer Sache Herr werdeneine Sache bezwingen, meistern
Beispiele:
man konnte des Fiebers, Feuers nicht mehr Herr werden
er war sein eigener Herr (= war unabhängig)
aus aller Herren Länder (= aus allen Teilen der Erde, von überall her)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Herr · Herrin · herrisch · Herrgott
Herr m. ‘erwachsener männlicher Mensch’, im gesellschaftlichen Verkehr höflicher, gewählter Ausdruck (anstelle von ↗Mann, s. d.), besonders in der Anrede zunächst höhergestellter Personen, dann (seit dem 18. Jh.) in allgemeiner Anrede, ahd. hēriro, hērōro (8. Jh.), verkürzt hē̌r(r)o ‘Herrscher, weltlich Höhergestellter, Kaiser, König’, mhd. hē̌rre, auch (besonders in der Anrede) hē̌r ‘Gebieter, Höhergestellter gegenüber Untergebenen jeder Art, Patron, Schutzheiliger, Gemahl, vornehmer Vasall, Adliger’, Anrede für Gott und (vor Titeln) Menschen, asächs. hērro (woraus aengl. hearra, anord. herra, herri), mnd. hēr(e), mnl. hēre, nl. heer ist eigentlich der Komparativ (ahd. hēriro, hērōro ‘der Ältere, der Würdigere’) von dem unter ↗hehr (s. d.) behandelten Adjektiv (ahd. hēr ‘alt, ehrwürdig’). Vorbild für die Entwicklung ist wohl der gleichfalls auf einem substantivierten Komparativ (Elativ) beruhende römische Titel lat. senior (s. ↗Senior) zur Bezeichnung (spätlat.) des ‘Höhergestellten, Ranghöchsten’ einer militärischen Einheit oder einer Verwaltungsbehörde, auch einer kirchlichen Gemeinde, im Sinne von ‘Ältester, Gemeindeältester’ (entsprechend griech. presbýteros, πρεσβύτερος ‘Gemeindeältester’, s. ↗Priester), mlat. ‘führendes, meist mit Land begütertes und mit Verwaltungsaufgaben beauftragtes Glied einer Gemeinde oder eines größeren Gebiets’, dann ‘Feudalherr’ (erstmals Mitte 8. Jh. im Frankenreich), ‘König’ (als oberster Feudalherr), erweitert ‘hoher kirchlicher Würdenträger’ (sofern mit feudalem Besitz ausgestattet), übertragen auf Gott sowie die soziale Hierarchie in der Familie. Unter roman. (vgl. afrz. seignor, sire) Einfluß, wohl zuerst im Frk. (7./8. Jh.), übernimmt der substantivierte Komparativ afrk. hērro, ahd. hēriro, hērōro, hē̌r(r)o die Funktion der Bezeichnung und Anrede des Feudalherrn und ersetzt allmählich die alten Wörter für den Gefolgsherrn ahd. frō (s. ↗Frone) und ahd. truhtīn. Im Mhd. ist die Verkürzung hē̌r Anrede vor Titeln und Namen, vgl. her keiser, her bābest, her Otte (Otto IV.). Als Anrede für den Höhergestellten und Machtausübenden wird Her(r) in der weiteren Entwicklung übertragen auf bürgerliche Räte, Bürgermeister und dgl. und gilt seit dem 18. Jh. als allgemeine Bezeichnung und Anrede. In festen Fügungen über jmdn., etw. Herr werden ‘etw. bewältigen, mit jmdm., etw. fertig werden’ (16. Jh.); alter Herr studentensprachlich für ‘Angehöriger einer Studentenverbindung nach dem Studium’, dann verallgemeinert ‘Vater’ (19. Jh.). Herrin f. ‘Gebieterin über Untergebene’, auch ‘Inhaberin feudaler Besitzungen’ (16. Jh.). herrisch Adj. ‘befehlend, anmaßend, unduldsam, stolz’ (17. Jh.), mhd. hērisch, hērsch ‘nach Art eines Herren sich benehmend, erhaben, herrlich’, abgeleitet von mhd. hēr (s. ↗hehr), dann auf substantiviertes Herr bezogen. Herrgott m. ‘Gott’, mhd. hērregot, frühnhd. herrgot (Anfang 15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gebieter · Herr · ↗Herrscher · ↗Machthaber · ↗Monarch · ↗Potentat · ↗Regent · ↗Souverän
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Königin · ↗Monarchin · ↗Queen
  • Sultan
  • Friedrich II. · Friedrich der Große  ●  Alter Fritz  ugs.
  • Ludwig Friedrich Wilhelm · Ludwig II.  ●  Märchenkönig  ugs.
  • Pharao · ägyptischer König
  • Agilolfinger · Agilulfinger
  • Kaiser  ●  Augustus  lat., römisch · Caesar  lat., römisch · ↗Cäsar  lat. · ↗Imperator  lat. · ↗Tenno  japanisch · ↗Zar  russisch
  • König · ↗Schah
  • Emir · arabischer Fürst
  • Duc  franz. · ↗Duca  ital., lat. · ↗Duke  engl. · ↗Herzog  Hauptform
  • Adelsherrscher · ↗Aristokrat · Blaublüter  ●  Aristo  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Herr · ↗Mannsbild · ↗Mannsperson · ↗Patron (halb-scherzhaft oder abwertend) · Vertreter des männlichen Geschlechts · Y-Chromosom-Träger (halb-ironisch) · gestandene Person · männlicher Mensch  ●  ↗Bursche  regional · ↗Mann  Hauptform · Person männlichen Geschlechts  Amtsdeutsch · erwachsene männliche Person  Amtsdeutsch · männliche Person  Amtsdeutsch · Dude  ugs., engl. · ↗Kerl  ugs. · ↗Keule  ugs., positiv, salopp, regional · ↗Macker  ugs. · ↗Typ  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Herr · Herr(n)  ●  Hr.  Abkürzung
Religion
Synonymgruppe
Abraxas [gnostisch] · Adonai [jüdisch] · Allah [islamisch] · Demiurg [gnostisch] · Elohim [jüdisch] · ↗Gott · Herr · Jehova [jüdisch]
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

ATP-Turnier Anzug Dame Diener Frau Haus Herr Knecht Ring Schöpfung Turnier alt beid bitten fein fragen freundlich geehrt geistlich gekleidet gewiss jung kennen lieb meinen nett sagen sitzen sprechen verehrt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Herr‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn sie darüber nachdenkt, kann sie die Wut der Herren sogar verstehen.
Die Zeit, 14.06.1996, Nr. 25
Die Herren über diese Stadt sind auf seltsame Weise nicht präsent.
Der Spiegel, 18.01.1988
Er war indessen fast ein Jahr lang der unumstrittene Herr in Rom.
o. A.: Die mittelalterliche Kirche. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 3489
Erst 1526 gelang es, der Bewegung völlig Herr zu werden.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1928, S. 287
Die erlassene Ordnung entbehrt natürlich der rechtlichen Verpflichtung für den Herrn.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 1043
Zitationshilfe
„Herr“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Herr>, abgerufen am 20.11.2018.

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