Hetze, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Hetze · Nominativ Plural: Hetzen · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungHet-ze
Wortbildung mit ›Hetze‹ als Letztglied: ↗Ausländerhetze · ↗Boykotthetze · ↗Bärenhetze · ↗Gräuelhetze · ↗Hirschhetze · ↗Judenhetze · ↗Kriegshetze · ↗Lügenhetze · ↗Mordhetze · ↗Pogromhetze · ↗Rassenhetze · ↗Tierhetze · ↗Wolfshetze
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
abwertend Erzeugung von Hass oder Unzufriedenheit, Aufhetzung
Beispiele:
eine infame, maßlose, zügellose, staatsfeindliche, massive, wüste Hetze entfachen, entfesseln, veranstalten
Hetze gegen einen Staat, ein Land, gegen bestimmte Menschen
die Karlsbader Beschlüsse ... entfesselten eine ruchlose Hetze gegen die sogenannten Demagogen [MehringDt. Geschichte125]
2.
umgangssprachlich Eile, Hast
a)
das Rennen, Jagen
Beispiele:
und die wilde Hetze ging treppauf, treppab [SchleichVergangenheit107]
Vom so viel näheren Potsdam wäre es keine solche Hetze gewesen, aber er hatte wirklich nach Berlin gemußt [ViebigBerliner Novellen178]
b)
entsprechend der Bedeutung von hetzen (Lesart 2 b)
Beispiele:
in der Hetze der Tage
Hinterher [nach dem Abendessen] ist es zu spät, und vorher ist es eine Hetze [RemarqueSchwarzer Obelisk55]
3.
Jägersprache Hetzjagd, Hatz
Beispiel:
eine Hetze auf Tiere
4.
landschaftlich, salopp, abwertend Meute, Schar
Beispiele:
jmd. hat eine ganze Hetze Kinder
Es ist eine ganz verfluchte Hetze Menschen. De richt'ge Schwefelbande [G. Hauptm.WeberIV]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hetzen · Hetze · Hetzer · verhetzen
hetzen Vb. ‘jagen, antreiben, aufwiegeln’, mhd. hetzen ‘jagen, antreiben’, aengl. hettan ‘verfolgen’ ist eine kausative Bildung zu dem unter ↗hassen (s. d.) behandelten Verb, daher eigentlich ‘hassen machen, zur Verfolgung bewegen’. Das aus der Jägersprache (‘Hunde zur Jagd antreiben, Wild mit Hunden jagen’) stammende Wort geht schon früh in den allgemeinen Sprachgebrauch im Sinne von ‘zur Eile antreiben, eilen’ und ‘durch Worte aufstacheln, aufwiegeln, gegeneinander aufbringen’ über. Vgl. mit allen Hunden gehetzt sein ‘durchtrieben sein’ (19. Jh.), eigentlich vom erfolgreich fliehenden verfolgten Wild. Zum Verb gebildet sind Hetze f. ‘Jagd mit Hunden, Verfolgung, Hast, ruheloses Getriebensein’ (16. Jh.), auch ‘Aufreizung zum Haß, zu Unzufriedenheit, üble Propaganda’ (19. Jh.), und obd. (ohne Umlaut) Hatze, Hatz (ebenfalls belegt seit 16. Jh.). Hetzer m. ‘wer hetzt’ (17. Jh.); vgl. ahd. anahezzāri ‘Antreiber, Aufwiegler’ (Hs. 12. Jh.). verhetzen Vb. ‘verjagen, zu Bösem, zu Haß antreiben, aufwiegeln’, mhd. verhetzen ‘verfolgen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(politische) Hetze · ↗Agitation
Synonymgruppe
Hatz · Hetze · ↗Hetzjagd · ↗Jagd · ↗Kesseltreiben · ↗Verfolgung · ↗Verfolgungsjagd  ●  Gjaid  ugs., österr., veraltend
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Agitation · Hetze · ↗Manipulation · ↗Propaganda · ↗Täuschung · Vernebelung der Gehirne  ●  ↗Volksverdummung  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Aufhetzung · ↗Aufstachelung · ↗Aufwiegelung · Hetze · ↗Hetzerei · geistige Brandstiftung
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Diffamierung Diversion Herabwürdigung Propaganda Republikflucht Sabotage Spionage Staatsverleumdung Verbindungsaufnahme Verleumdung antiamerikanisch antideutsch antiisraelisch antijüdisch antikommunistisch antisemitisch antisowjetisch antiwestlich antizionistisch ausländerfeindlich chauvinistisch demagogisch fremdenfeindlich infam nationalistisch rassistisch staatsfeindlich staatsgefährdend widerlich zügellos

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hetze‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Besonders die Hetze des Großstadtlebens macht es den meisten unmöglich, Einladungen von einem Tage zum andern oder sogar für denselben Tag anzunehmen.
Franken, Konstanze von [d.i. Stoekl, Helene]: Handbuch des guten Tones, Berlin: Hesse 1936, S. 131
Bei studentischen Protesten gegen antisemitische Hetze im März 1968 sammelte er erste politische Erfahrungen.
Die Zeit, 18.08.2011 (online)
Auch seine Hetze gegen die Juden nahm zunächst niemand ernst.
Bild, 15.12.2005
Wer nur reagiert, hat keine Chance, der Hetze zu entkommen.
Die Welt, 21.08.1999
Damit hat H fraglos recht: die Hetze wird immer schlimmer.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1958. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1958], S. 1039
Zitationshilfe
„Hetze“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hetze>, abgerufen am 19.12.2018.

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