Heuchler, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Heuchlers · Nominativ Plural: Heuchler
Aussprache 
Worttrennung Heuch-ler
Wortbildung  mit ›Heuchler‹ als Erstglied: ↗Heuchlerin · ↗heuchlerisch
eWDG, 1969

Bedeutung

jmd., der heuchelt
Beispiel:
Der Portier gewiß, dieses Exemplar eines vollendeten Heuchlers und Schurken [ BrodFrau307]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

heucheln · Heuchelei · Heuchler · heuchlerisch
heucheln Vb. ‘sich verstellen, unaufrichtig, scheinheilig reden und handeln’ (16. Jh., Luther), mnd. hǖchelen (16. Jh.). Herkunft ungeklärt. Vielleicht ist das Verb als eine Iterativbildung zu mhd. (md.) hūchen ‘kauern, sich ducken, einschrumpfen’, mnd. hūken ‘sich mit gebeugten Knien tief herablassen’ (s. ↗hocken) aufzufassen mit einer Ausgangsbedeutung ‘sich klein, unterwürfig, übertrieben demütig zeigen’. Oder man erschließt (mit Kluge ²¹306) für heucheln im Sinne von ‘einen falschen Schein erwecken’ ein Intensivum ahd. *hiwihhōn ‘scheinen’ in Hinblick auf got. hiwi ‘Gestalt, Aussehen’, aengl. hēow, hēw, engl. hue ‘Erscheinung, Form, Farbe’, anord. ‘Flaum, Gesichtsfarbe’, schwed. hy ‘Gesichtsfarbe, Teint’, so daß Anschluß an die unter ↗hehr (s. d.) genannte Wurzel ie. *k̑ei- in Farbbezeichnungen (meist für dunkle Farben) möglich ist. Heuchelei f. ‘falsche, unaufrichtige Art zu reden oder zu handeln, Unaufrichtigkeit’ (16. Jh.). Heuchler m. ‘unaufrichtiger, scheinheiliger Mensch’ (16. Jh.). heuchlerisch Adj. ‘falsch, unaufrichtig, schöntuerisch’ (16. Jh.), daneben auch heuch(e)lisch (16./17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Heuchler · Scheinheiliger · selbstgerechter Mensch  ●  ↗Pharisäer  religiös · ↗Hypokrit  geh., veraltet, bildungssprachlich · ↗falscher Fuffziger  ugs., fig.
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  ↗Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Unterbegriffe
  • (plötzlich) den Sanftmütigen geben  variabel · (sich) plötzlich von seiner sanften Seite zeigen  variabel · Kreide gefressen haben  fig. · seine positive Seite entdecken  variabel
  • (die) Unschuld vom Lande  ugs. · (eine) verfolgte Unschuld  ugs. · ↗Unschuldsengel  ugs. · ↗Unschuldslamm  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Heuchler‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Heuchler‹.

Verwendungsbeispiele für ›Heuchler‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man hüte sich davor, den Regisseur deswegen einen Heuchler zu nennen.
Der Tagesspiegel, 22.11.2000
Wer dies nicht wahr haben will, gerät unter die Heuchler.
Die Zeit, 04.09.1981, Nr. 37
Die Heuchler behaupten, es auch nicht allein im Dunkeln zu tun.
Lehmann, Arthur-Heinz: Mensch, sei positiv dagegen!, Dresden: Heyne 1939 [1939], S. 107
Ich, ein Junge von neun Jahren, war ein großartiger Heuchler.
Rösler, Jo Hanns: Wohin sind all die Jahre..., München: Goldmann 1984 [1964], S. 13
Ich hätte den Weinspender nicht für einen solchen Heuchler gehalten.
Traven, B.: Das Totenschiff, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1929 [1926], S. 18
Zitationshilfe
„Heuchler“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Heuchler>, abgerufen am 27.10.2020.

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