Hinsicht, die
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Hinsicht · Nominativ Plural: Hinsichten
Aussprache
WorttrennungHin-sicht (computergeneriert)
Ableitung vonhinsehen
Wortbildung mit ›Hinsicht‹ als Erstglied: ↗hinsichtlich
eWDG, 1969

Bedeutungen

in dieser, jeder Hinsichtin dieser, jeder Beziehung
Beispiele:
in dieser Hinsicht gibt es keine Bedenken
er ist dazu in jeder Hinsicht geeignet
in vieler, mancher, gewisser Hinsicht hast du falsch entschieden
welche Auswirkungen hat dieser Konflikt in wirtschaftlicher, politischer Hinsicht?
in moralischer Hinsicht war sein Verhalten einwandfrei
in Hinsicht aufwegen, angesichts, hinsichtlich
Beispiele:
in Hinsicht auf die ständige Bedrohung musste das Land Sicherheitsvorkehrungen treffen
Er scheint sehr hoffnungslos in Hinsicht auf schweizerische Gerechtigkeit [FrischStiller23]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hin · hinnen · hingegen · hinweg · hinreißen · hinrichten · Hinrichtung · hinfällig · hinlänglich · Hinsicht · hinsichtlich
hin Adv. ‘von hier (nach dort)’, ursprünglich (im Gegensatz zu ↗her, s. d.) den Standpunkt des Sprechenden als Ausgangspunkt einer zielgerichteten Handlung charakterisierend, daher bei Übertragung auf zeitliche Verhältnisse von der Gegenwart aus in die Zukunft oder in die Vergangenheit weisend (vgl. die zusammengesetzten Adverbien fernerhin, künftighin, späterhin, weiterhin bzw. letzthin, vorhin). Ahd. hina (8. Jh.), mhd. hin(e), asächs. hin- (in hinfard), mnd. hen, hēn(e), mnl. hēne, nl. heen, aengl. hin- (in Komposita) sind Bildungen mit n-Suffix zu dem auch in ↗her, ↗heuer, ↗heute (s. d.) sowie in engl. he (s. ↗er) vorliegenden Pronominalstamm germ. *hi-, der mit der unter ↗hier (s. d.) dargestellten Bildung und außergerm. Formen wie dem ganz zu hin stimmenden air. cen ‘diesseits, ohne’, ferner air. ‘diesseitig’, lat. cis ‘diesseits’, lit. šìs, aslaw. , aruss. sь(sь) (neben sьjь, russ. älter sej, сей) ‘dieser’ auf ie. *k̑(e)i- ‘dieser, jener’ zurückgeht. Daneben stehen Formen wie lat. ce- (in cedo ‘gib her’, cēterus ‘der übrige, andere’), -ce (in ecce ‘siehe da’, verkürzt in hic ‘dieser’, illīc ‘dort’, nunc ‘jetzt’), die auf ie. *k̑e-, *k̑o- ‘dieser, jener’ weisen. Die Bedeutung ‘von hier’ lebt im Dt. vor allem in adverbiellen Zusammensetzungen weiter, die die Richtungsangabe präzisieren, vgl. hinab (mhd. hin abe, hin ab), hinauf (ahd. hina ūf, um 1000, mhd. hin ūf), hinaus (ahd. hina ūʒ, 9. Jh., mhd. hin ūʒ), hindurch (mhd. hin durch), hinein (ahd. hina in, um 1000, mhd. hin īn, hin in), hinzu (mhd. hin zuo) u. a. (wovon obd. und omd. Kürzungen wie nauf, naus, nein). Meist aber betont hin jetzt (bei Vernachlässigung des Sprecherstandpunkts) die Richtung auf ein in einer weiteren Ortsangabe genanntes Ziel zu (zum Meer, nach Süden hin, außerdem Zusammensetzungen wie dahin, dorthin, wohin, diese auch durch zwischengeschobene Satzglieder getrennt, vgl. wo willst du hin?); gelegentlich hebt es die Tatsache des Entfernens, Beseitigens hervor (synonym mit ↗fort, ↗weg, s. d., daher übertragene Verwendung wie ‘verloren, vernichtet, erschöpft, tot’) oder kennzeichnet den stetigen Fortgang einer Bewegung (über die Berge, am Flusse hin, hierzu wohl Adverbien wie gemeinhin, leichthin, schlechthin). Schon früh steht hin in enger Verbindung mit Zeitwörtern, namentlich Bewegungsverben; mit diesen wächst es im Nhd. zu trennbaren Verbalkomposita zusammen. Unter semantischem Einfluß bestimmter häufig hinzutretender Verben wie fallen, sinken, stürzen nimmt das Adverb auch den Sinn ‘auf den Boden zu, nieder’ an. hinnen Adv. ‘von hier’, ahd. hin(n)ā̌n, hin(a)na (8. Jh.), mhd. hinne(n), hinnān, asächs. hinan(a), mnd. henne(n), hin(n)e(n), mnl. hēnen, nl. henen, aengl. heonon(e) (weitergebildet engl. hence). Das in den älteren dt. Sprachstufen auch temporal verwendete (‘von jetzt an’), auf Erweiterung der unter hin (s. oben) angeführten Formen beruhende Adverb (vergleichbar mit ↗dannen, s. d.) tritt im Mhd. oft, im Nhd. regelmäßig in der verdeutlichenden präpositionalen Fügung von hinnen auf (mehrfach schon ahd. fona hinana, fona hinna, 8. Jh., fona hinan, 9. Jh., ‘fortan’); seit dem 19. Jh. schwindet es aus dem lebendigen Sprachgebrauch. hingegen Konj. ‘im Gegensatz dazu, dagegen’ (zuerst in der Verbindung da hingegen, Ende 16. Jh.), daneben im älteren Nhd. Adverb ‘daraufhin, als Antwort darauf’ (Mitte 16. Jh.) ist eine frühnhd. Bildung, der mhd. dar engegene, her engegene, als reine Ortsangabe auch hin engegene (s. ↗entgegen) vorausgehen. hinweg Adv. ‘fort von hier, weg’, spätmhd. hinwec, nach dem Vorbild mit hin zusammengesetzter Adverbien (s. oben) umgeformt aus gleichbed. mhd. enwec (s. ↗weg). hinreißen Vb. ‘in eine bestimmte Richtung fortreißen’, häufiger jedoch ‘begeistern, entzücken’, mhd. hin rīʒen ‘weg-, fortreißen’ (s. ↗reißen). Die in der 1. Hälfte des 18. Jhs. sich ausbreitende metaphorische Verwendung wird bes. im adjektivischen und adverbiellen Gebrauch der Partizipien hingerissen ‘in höchstem Maße begeistert’ und hinreißend ‘bezaubernd, überwältigend’ deutlich (letzteres in neuerer Zeit oft nur eindringlich-verstärkende Übertreibung); vgl. ferner sich zu etw. hinreißen lassen ‘etw. im Affekt tun’ (19. Jh.). hinrichten Vb. ‘an jmdm. das Todesurteil vollstrecken’; im Frühnhd. zunächst ‘zugrunde richten, verderben, töten’ (15. Jh.), erklärbar aus der Verbindung von hin ‘nieder, zu Boden’ (s. oben) mit ↗richten (s. d.) in derBedeutung ‘in eine bestimmte Richtung bringen’. Unter Einfluß der Rechtssprache, die frühnhd. richten (wie schon mhd. rihten) auch im Sinne von ‘das Todesurteil vollstrecken’ kennt, zeigt hinrichten vom frühen 16. Jh. an gelegentlich ebenfalls diese spezielle Verwendungsweise, die seit dem 19. Jh. ausschließlich gilt. Dazu Hinrichtung f. ‘Vollstreckung des Todesurteils’ (16. Jh.). hinfällig Adj. ‘altersschwach, gebrechlich, vergänglich’, mhd. hinvellec ‘umfallend, sterbend’, frühnhd. hinfellig auch ‘rückfällig’ und ‘vergänglich’ (15. Jh.), seit dem 17. Jh. daneben ‘gegenstandslos, haltlos’; Ableitung von mhd. hin vallen, frühnhd. hinfallen ‘zu Boden fallen’, im 16. Jh. auch ‘vergehen, verschwinden’ (wozu Anfang 17. Jh. hinfallen lassen ‘fallen lassen, gegenstandslos machen’). hinlänglich Adj. ‘ausreichend, genügend’, vorwiegend in adverbieller Funktion (17. Jh.), zum Verb hinlangen ‘sich bis zu einer bestimmten Stelle erstrecken’ (16. Jh.), ‘ausreichen’ (17. Jh., s. ↗langen, ↗gelangen). Hinsicht f. ‘das In-Betracht-Ziehen, Beziehung’, in der 2. Hälfte des 18. Jhs. aufkommende, bes. der Amts- und Gelehrtensprache angehörende Bildung (nach gleichbed. lat. respectus?, s. ↗Respekt), nur üblich in formelhaften Wendungen wie in dieser, jeder, mancherlei Hinsicht und in Hinsicht auf etw. (vgl. älteres in Absicht, in Ansehung, in Betracht u. ä.); dazu hinsichtlich Präp. mit Gen., zunächst in der Konstruktion hinsichtlich auf etw. auch Adverb (um 1800).

Thesaurus

Synonymgruppe
Aspekt · ↗Beziehung · ↗Gesichtspunkt · ↗Kriterium
Synonymgruppe
Aufmerksamkeit · ↗Beachtung · ↗Berücksichtigung · ↗Betrachtung · ↗Hinblick · ↗Zuwendung  ●  ↗Fixation  fachspr.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

doppelter dreifacher finanzieller formaler geographischer gewisser kultureller kämpferischer künstlerischer materieller mehrfacher moralischer musikalischer organisatorischer personeller qualitativer quantitativer rechtlicher sportlicher sprachlicher steuerlicher technischer unterscheidet vielfacher wirtschaftlicher zeitlicher zweifacher ähnelt ästhetischer ökonomischer

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DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich denke, in dieser Hinsicht wird es eine gute Kooperation geben.
Die Zeit, 25.02.2013, Nr. 08
Das völkerrechtliche Verbrechen unterscheidet sich in dieser Hinsicht nicht von dem nach innerstaatlichem Recht begangenen.
o. A.: Einhundertsiebenundachtzigster Tag. Freitag, 26. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 18534
Auch in dieser Hinsicht bedeutet für mich das Jahr 1933 einen Abschluß.
Witkowski, Georg: Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863-1933. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 5013
Sie will darauf dringen, daß endlich einmal auch die höheren Schulen in jeder Hinsicht zeitgemäß umgestaltet werden.
Berliner Tageblatt (Abend-Ausgabe), 06.03.1920
Er war sehr wählerisch, mehr indessen in moralischer als in physischer Hinsicht; er befürchtete immer, von einer Frau betrogen zu werden.
Richter, Alfred: Aus Leipzigs musikalischer Glanzzeit, Erinnerungen eines Musikers. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 43871
Zitationshilfe
„Hinsicht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hinsicht>, abgerufen am 21.09.2017.

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