Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Hinterbliebene, die oder der

Grammatik Substantiv (Femininum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Hinterbliebenen · Nominativ Plural: Hinterbliebene(n)
Mit Pluralendung ‑n wird das Wort in der schwachen Flexion (bestimmter Artikel) und der gemischten Flexion (Indefinitpronomen, Possessivpronomen) gebildet, z. B. die, keine Hinterbliebenen, in der starken Flexion ist die Endung unmarkiert, z. B. zwei, einzelne Hinterbliebene.
Aussprache 
Worttrennung Hin-ter-blie-be-ne
Grundformhinterbleiben
Wortbildung  mit ›Hinterbliebene‹ als Erstglied: Hinterbliebenenfürsorge · Hinterbliebenenrente · Hinterbliebenenversorgung
 ·  mit ›Hinterbliebene‹ als Letztglied: Kriegshinterbliebene
eWDG

Bedeutung

Angehörige, Angehöriger einer verstorbenen Person, Leidtragende, Leidtragender
Beispiele:
die Hinterbliebenen standen am Grabe
den Hinterbliebenen das Beileid aussprechen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bleiben · verbleiben · Verbleib · unterbleiben · übrigbleiben · Überbleibsel · bleibenlassen · Hinterbliebene(r) · Bleibe
bleiben Vb. ‘einen Ort nicht verlassen, einen bestimmten Zustand beibehalten, übrig sein’, ahd. bilīban ‘(weg-, unter)bleiben’ (8. Jh.), mhd. belīben, blīben, mnd. mnl. blīven, nl. blijven, aengl. belīfan sind Präfixbildungen zu einem untergegangenen Simplex germ. *līƀan, zu dem auch die Kausativa ahd. leiben ‘hinterlassen, übriglassen’, aengl. lǣfan, anord. leifa gehören. Die germ. Formen verbinden sich mit aind. limpáti ‘schmiert, klebt (an)’, griech. lípos (λίπος) ‘Fett’, lit. lìpti ‘kleben (bleiben), klebrig sein’, aslaw. prilьpěti ‘anhaften’ und führen auf ie. *leip- ‘mit Fett beschmieren, kleben’, eine Erweiterung der Wurzel ie. *lei- ‘schleimig, schmieren’ (s. Leim), so daß für bleiben von ‘klebenbleiben, haften’ auszugehen ist (dazu s. auch leben). Möglich ist für germ. Formen mit der Bedeutung ‘übrigbleiben, -lassen’ aber auch ursprüngliche Zugehörigkeit zur Wurzel ie. *leiku̯- (s. elf und leihen). – verbleiben Vb. ‘an einem Aufenthaltsort oder in einem Zustand bleiben’, ferner ‘übereinkommen’, mhd. verblīben, verlīben ‘bleiben, ausbleiben’; dazu Verbleib m. ‘das Verweilen, Aufenthaltsort’ (aus der Kanzleisprache des 18. Jhs.). unterbleiben Vb. ‘nicht geschehen, nicht stattfinden’, seit frühnhd. Zeit belegt, doch vgl. spätmhd. underblībunge. übrigbleiben Vb. ‘als Rest zurückbleiben’ (15. Jh.), älter (heute umgangssprachlich, vornehmlich nordd.) überbleiben, mhd. überbelīben, mnd. ōverblīven, nl. overblijven; vgl. ahd. urbarlīban ‘übrigbleiben’ (9. Jh.); dazu Überbleibsel n. ‘kleiner Rest’ (17. Jh.); vgl. nl. overblijfsel. bleibenlassen Vb. ‘unterlassen, nicht mehr tun’, mhd. in der Fügung belīben lāʒen. Hinterbliebene(r) m. f. ‘Angehörige(r) eines Verstorbenen, Leidtragende(r)’ (18. Jh.), substantiviertes Part. Prät. zu dem heute untergegangenen Verb hinterbleiben ‘zurückbleiben’ gegenüber einem Scheidenden, Weggehenden. Bleibe f. ‘Aufenthaltsort, Unterkunft, Herberge’ (19. Jh.), besonders durch die Jugendbewegung verbreitet; älter, heute aber aufgegeben, sind gleichbed. Bleibeort m. und Bleibestätte f. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Hinterbliebene(r) · trauernde(r) Angehörige(r)  ●  Hinterlassene(r)  schweiz.

Typische Verbindungen zu ›Hinterbliebene‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hinterbliebene‹.

Absturzopfer Anspruch Anwalt Entschädigung Ermordete Gefallene Germanwings-absturz Germanwings-katastrophe Getötete Leid Lockerbie-opfer Mordopfer Nsu-mordopfer Nsu-opfer Nsu-terror Opfer Schmerz Ss-massaker Terror-opfer Terroropfer Todesopfer Trauer entschädigen gedenken kondolieren trauernd trösten verklagen versorgungsberechtigt zusprechen

Verwendungsbeispiele für ›Hinterbliebene‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch seine Hinterbliebenen haben es unterlassen, für den so furchtbar heimgesuchten Beamten zu sorgen. [Der Stürmer, 1933]
Dies gilt auch für Hinterbliebene, wenn ein berechtigtes Interesse glaubhaft gemacht wird. [o. A.: Gesetz über den Zivildienst der Kriegsdienstverweigerer (Zivildienstgesetz – ZDG). In: Sartorius 1: Verfassungs- und Verwaltungsgesetze der Bundesrepublik Deutschland, München: Beck 1998]
Ich bin nämlich im Bund der Hinterbliebenen, und da wird viel gemeinsam unternommen. [Die Zeit, 18.02.1999, Nr. 8]
Die meisten waren längst tot, die Hinterbliebenen kassierten trotzdem weiter. [Die Zeit, 20.02.2012, Nr. 08]
Viele Hinterbliebene der Opfer saßen dem Vater von Tim K. erstmals gegenüber. [Die Zeit, 16.09.2010 (online)]
Zitationshilfe
„Hinterbliebene“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hinterbliebene>.

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