Hinterbliebene, die oder der

GrammatikSubstantiv (Femininum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Hinterbliebenen · Nominativ Plural: Hinterbliebene(n)
Mit Pluralendung -n wird das Wort in der schwachen Flexion (bestimmter Artikel) und der gemischten Flexion (Indefinitpronomen, Possessivpronomen) gebildet, z. B. die, keine Hinterbliebenen, in der starken Flexion ist die Endung unmarkiert, z. B. zwei, einige Hinterbliebene.
WorttrennungHin-ter-blie-be-ne
formal verwandt mitbleiben
Wortbildung mit ›Hinterbliebene‹ als Erstglied: ↗Hinterbliebenenfürsorge · ↗Hinterbliebenenrente · ↗Hinterbliebenenversorgung
 ·  mit ›Hinterbliebene‹ als Letztglied: ↗Kriegshinterbliebene
eWDG, 1969

Bedeutung

Angehörige, Angehöriger einer verstorbenen Person, Leidtragende, Leidtragender
Beispiele:
die Hinterbliebenen standen am Grabe
den Hinterbliebenen das Beileid aussprechen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bleiben · verbleiben · Verbleib · unterbleiben · übrigbleiben · Überbleibsel · bleibenlassen · Hinterbliebene(r) · Bleibe
bleiben Vb. ‘einen Ort nicht verlassen, einen bestimmten Zustand beibehalten, übrig sein’, ahd. bilīban ‘(weg-, unter)bleiben’ (8. Jh.), mhd. belīben, blīben, mnd. mnl. blīven, nl. blijven, aengl. belīfan sind Präfixbildungen zu einem untergegangenen Simplex germ. *līƀan, zu dem auch die Kausativa ahd. leiben ‘hinterlassen, übriglassen’, aengl. lǣfan, anord. leifa gehören. Die germ. Formen verbinden sich mit aind. limpáti ‘schmiert, klebt (an)’, griech. lípos (λίπος) ‘Fett’, lit. lìpti ‘kleben (bleiben), klebrig sein’, aslaw. prilьpěti ‘anhaften’ und führen auf ie. *leip- ‘mit Fett beschmieren, kleben’, eine Erweiterung der Wurzel ie. *lei- ‘schleimig, schmieren’ (s. ↗Leim), so daß für bleiben von ‘klebenbleiben, haften’ auszugehen ist (dazu s. auch ↗leben). Möglich ist für germ. Formen mit der Bedeutung ‘übrigbleiben, -lassen’ aber auch ursprüngliche Zugehörigkeit zur Wurzel ie. *leiku̯- (s. ↗elf und ↗leihen). verbleiben Vb. ‘an einem Aufenthaltsort oder in einem Zustand bleiben’, ferner ‘übereinkommen’, mhd. verblīben, verlīben ‘bleiben, ausbleiben’; dazu Verbleib m. ‘das Verweilen, Aufenthaltsort’ (aus der Kanzleisprache des 18. Jhs.). unterbleiben Vb. ‘nicht geschehen, nicht stattfinden’, seit frühnhd. Zeit belegt, doch vgl. spätmhd. underblībunge. übrigbleiben Vb. ‘als Rest zurückbleiben’ (15. Jh.), älter (heute umgangssprachlich, vornehmlich nordd.) überbleiben, mhd. überbelīben, mnd. ōverblīven, nl. overblijven; vgl. ahd. urbarlīban ‘übrigbleiben’ (9. Jh.); dazu Überbleibsel n. ‘kleiner Rest’ (17. Jh.); vgl. nl. overblijfsel. bleibenlassen Vb. ‘unterlassen, nicht mehr tun’, mhd. in der Fügung belīben lāʒen. Hinterbliebene(r) m. f. ‘Angehörige(r) eines Verstorbenen, Leidtragende(r)’ (18. Jh.), substantiviertes Part. Prät. zu dem heute untergegangenen Verb hinterbleiben ‘zurückbleiben’ gegenüber einem Scheidenden, Weggehenden. Bleibe f. ‘Aufenthaltsort, Unterkunft, Herberge’ (19. Jh.), besonders durch die Jugendbewegung verbreitet; älter, heute aber aufgegeben, sind gleichbed. Bleibeort m. und Bleibestätte f. (17. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absicherung Absturzopfer Entschädigung Entschädigungszahlung Geschädigte Getötete Hingerichtete Holocaust-Opfer Kriegsbeschädigte Kriegsopfer Mitgefühl Mordopfer NSU-Opfer Opfer Reichsbund Rentner Ruhestandsbeamte Schadenersatzklage Schmerzensgeld Sozialrentner Terroropfer Todesopfer Trauer Verfolgter Verletzte Verstorbene entschädigen kondolieren trauernd Überlebende

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hinterbliebene‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dies gilt auch für Hinterbliebene, wenn ein berechtigtes Interesse glaubhaft gemacht wird.
o. A.: Gesetz über den Zivildienst der Kriegsdienstverweigerer (Zivildienstgesetz - ZDG). In: Sartorius 1: Verfassungs- und Verwaltungsgesetze der Bundesrepublik Deutschland, München: Beck 1998
Wie wollen Sie denn bei der Reform der Hinterbliebenen Geld sparen?
Süddeutsche Zeitung, 12.05.1997
Auch seine Hinterbliebenen haben es unterlassen, für den so furchtbar heimgesuchten Beamten zu sorgen.
Der Stürmer, 1933
Sie kann aber auch, ohne einen einzelnen Namen zu nennen, von den "trauernden Hinterbliebenen" unterschrieben sein.
Franken, Konstanze von [d.i. Stoekl, Helene]: Handbuch des guten Tones, Berlin: Hesse 1936, S. 294
Beim Tode eines Werktätigen ist den Hinterbliebenen Hilfe zu leisten.
Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch - A. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 863
Zitationshilfe
„Hinterbliebene“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hinterbliebene>, abgerufen am 18.10.2019.

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