Hintergrund, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Hintergrund(e)s · Nominativ Plural: Hintergründe
Aussprache
WorttrennungHin-ter-grund
Wortbildung mit ›Hintergrund‹ als Erstglied: ↗Hintergrundmusik · ↗Hintergrundstrahlung  ·  mit ›Hintergrund‹ als Letztglied: ↗Erfahrungshintergrund · ↗Migrationshintergrund  ·  mit ›Hintergrund‹ als Grundform: ↗hintergründig
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
meist im Singular
der weiter entfernt liegende Teil von dem, was man sieht; das, was das Blickfeld nach hinten abschließt
Gegenwort zu Vordergrund
Beispiele:
von diesem Aussichtspunkt überblickt man die Landschaft mit ihren Seen und Wäldern, im Hintergrund sieht man Berge
die Silhouetten der Bäume heben sich von dem hellen Hintergrund des Abendhimmels deutlich ab
der Versammlungsraum war so dunkel, dass man im Hintergrund kaum jmdn. erkennen konnte
im Hintergrund sitzen
aus dem Hintergrund rief eine Stimme »Ruhe!«
den Hintergrund der Bühne bildet ein Vorhang
der dritte Akt spielt vor dem Hintergrund der brennenden Stadt, des flüchtenden Heeres
der Hintergrund des Gemäldes
der Hintergrund der Fotografie ist unscharf
2.
übertragen
a)
die wenig hervortretenden Umstände, Bedingungen, unter denen sich etw. abspielt
Beispiele:
die Handlung des Romans spielt auf dem Hintergrund der Oktoberrevolution
der historische Hintergrund eines Ereignisses
eine Angelegenheit, ein Lustspiel mit ernstem Hintergrund
die Anwesenheit bekannter Persönlichkeiten bildete den repräsentativen Hintergrund der Veranstaltung
von diesem düsteren Hintergrund hebt sich leuchtend das Bild der Zukunft ab
diese Andeutungen haben einen realen Hintergrund (= eine reale Grundlage)
b)
meist im Plural
Hintergründeverborgene Zusammenhänge
Beispiele:
die gesellschaftlichen, ökonomischen, politischen Hintergründe des Konflikts ahnen, sehen, erkennen, aufklären
die Hintergründe des Putsches, Mordes aufdecken
c)
jmdn., etw. in den Hintergrund drängenjmdn., etw. in seiner Bedeutung stark zurückdrängen
Beispiele:
jmdn. im politischen Leben in den Hintergrund drängen
durch dieses Ereignis ist alles andere in den Hintergrund gedrängt worden
jmd., etw. tritt, rückt in den Hintergrund (= jmd., etw. verliert stark an Bedeutung)
im Hintergrund stehenvon geringer Bedeutung sein, wenig beachtet werden
Beispiele:
obwohl er viel kann, steht er immer im Hintergrund
dieses Problem steht im Hintergrund
im Hintergrund steht (= indirekt wirksam ist) der Gedanke, dass ...
jmd. bleibt, hält sich im Hintergrund (= macht sich nicht bemerkbar, tritt nicht öffentlich in Erscheinung)
umgangssprachlich etw. im Hintergrund haben (= etw. in Reserve haben)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hinter1 · Hintern · Hintergrund · hintergründig · Hintertreffen
hinter1 Adj. (heute nur mit Flexionsendung der hintere, ein hinterer) ‘zum Ende hin, an der Rückseite befindlich, weiter zurückliegend’, ahd. hintaro (10. Jh., auch ‘geringer, niedriger’), mhd. frühnhd. hinder, asächs. hindiro ‘hinter’, anord. hindri ‘später, entfernter’. Das Adjektiv drückt stets die Relation zu etw. weiter vorn Befindlichem aus und hat schon im Ahd. komparativische Funktion, so daß zu ihm ein Superlativ ahd. hintarōsto (bereits 8. Jh.) gebildet wird (obd. frk. auch ahd. hintarōro mit zusätzlicher Komparativendung, 10. Jh.). Möglicherweise bewahrt hinter in seinem zweiten Wortteil ein altes, im Germ. nicht mehr produktives Komparativsuffix ie. -(t)ero- (vgl. aind. úparaḥ ‘der untere, hintere, spätere’, āmátaraḥ ‘der rohere’), worauf vor allem die belegten Superlativformen aengl. hindema, got. hindumists ‘der hintere, letzte’ deuten, die Spuren der entsprechenden Superlativendung ie. -(t)ṃmo- (vgl. aind. upamáḥ ‘der oberste’, āmátamaḥ ‘der roheste’) erkennen lassen. Da nach Brugmann/Delbrück Grundriß d. vergl. Gramm. d. indogerm. Sprachen 2, 1 (²1906) 165 und 323 ff. Komparative auf ie. -(t)ero- zunächst von Ortsadverbien ausgehen, stellt eine solche Erklärung den engen Zusammenhang mit der Lokalpartikel hinter (s. ↗hinter Präp.), als deren reflektierbare Variante das Adjektiv hinter erscheint, nicht in Frage. Wie ↗hinter Präp. und ↗hinten (s. d.) gehört hinter Adj. wahrscheinlich zu dem erweiterten Pronominalstamm germ. *hind- (oder *hin-, falls das dentale Formans als Bestandteil des Komparativsuffixes angesehen werden muß). Mildernder Umschreibung dient die Substantivierung der Hintere, Hinterste, mhd. der hindere (vgl. ahd. hintarī f. ‘hinteres Ende, Schwanz’, 10. Jh.), heute meist (mit aus den obliquen Kasus stammender Nominativform) Hintern m. ‘Gesäß’ (18. Jh.). Hintergrund m. ‘was sich im weiter entfernten Teil des Blickfeldes befindet, dieses nach hinten abschließt’ (2. Hälfte 18. Jh., zuerst mit Bezug auf Malerei und Bühne), übertragen (häufig im Plur.) ‘weniger hervortretende Begleitumstände, verborgene Zusammenhänge’, wozu hintergründig Adj. ‘bedeutungsvoll, nicht leicht durchschaubar’ (um 1920, verbreitet seit Mitte des 20. Jhs.). Hintertreffen n. früher ‘letzte Schlachtlinie, Reserveeinheit’, d. i. der an Kampf (Treffen) und Sieg nur am Rande oder nicht teilnehmende Teil der Truppe als militärischer Terminus (18. Jh.), jetzt nur in der darauf beruhenden Fügung ins Hintertreffen geraten, kommen ‘in eine ungünstige Position, in Rückstand geraten’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Fond  ●  Hintergrund  fachspr.
Synonymgruppe
Folie (eines Geschehens) · Hintergrund · ↗Kulisse
Synonymgruppe
Background · Hintergrund
Synonymgruppe
Anlass · ↗Anregung · ↗Anreiz · ↗Anstoß · ↗Auslöser · ↗Beweggrund · ↗Grund · Hintergrund · ↗Impuls · ↗Initialzündung · ↗Motiv · ↗Quelle · Stein des Anstoßes · ↗Stimulans · ↗Ursache · ↗Veranlassung · ↗Wirkursache · der tiefere Sinn · im Hintergrund stehen
Assoziationen
  • Fehler im System · ↗Störquelle · systematischer Fehler  ●  ↗Konstruktionsfehler  fig. · ↗Webfehler  fig. · ↗Erbsünde  geh., fig. · ↗Geburtsfehler  geh., fig. · Quelle allen Übels  geh. · da liegt der Hase im Pfeffer  ugs., fig. · da liegt der Hund begraben  ugs., fig.
  • (Krankheit) ohne bekannte Ursache  ●  ↗idiopathisch  fachspr.
  • Entlastung · ↗Rechtfertigung · Schuldbefreiung  ●  ↗Exkulpation  fachspr., lat.
  • (auf etwas) zurückgehen · (auf etwas) zurückzuführen sein · (die) Gründe (dafür) sind in (...) zu suchen · (durch etwas / jemanden) verursacht sein · (einer Sache) geschuldet sein · (einer Sache) zuzuschreiben sein · (in etwas / jemandem) begründet sein · (seine) Ursache haben in · (seinen) Ursprung haben in · ↗(sich einer Sache) verdanken · (sich) erklären (aus / durch) · (sich) herleiten von · Grund dafür ist · Ursache dafür ist · ausgehen von · basieren auf · beruhen auf · die Ursachen (dafür) sind in (...) zu sehen · ↗entstammen · herrühren von · kommen von · liegen an · resultieren aus

Typische Verbindungen
computergeneriert

Analyse Anschlag Auseinandersetzung Streit Tat aufklären ausländerfeindlich bilden biographisch drängen dunkel ernst familiär fremdenfeindlich geraten geschichtlich historisch kriminell kulturell politisch real rechtsextrem rechtsextremistisch rechtsradikal rücken terroristisch treten unklar vermuten wahr

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hintergrund‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vor diesem Hintergrund wird das Bewusstsein zum bestimmenden Moment für das Sein.
Schaub, Horst u. Zenke, Karl G.: materialistische Pädagogik. In: dtv-Wörterbuch Pädagogik [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1995], S. 9364
Aber natürlich steht die literarische Produktion unweigerlich vor dem Hintergrund eines politischen Bewußtseins.
konkret, 1983
Da sie mit den Ticks der Männer nicht konkurrieren kann, bleibt sie eher lemurenhaft im Hintergrund.
Der Spiegel, 22.02.1982
Und ich selbst bin auch viel gelassener in dem Wissen, einen Mann im Hintergrund zu haben.
Schwarzer, Alice: Der »kleine Unterschied« und seine großen Folgen, Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 1977 [1975], S. 50
Das sind die engeren theatergeschichtlichen Hintergründe für die rasche Überfremdung der deutschen Oper.
Mann, Michael u. Heartz, Daniel: Die europäische Musik von den Anfängen bis zu Beethoven. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 16087
Zitationshilfe
„Hintergrund“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hintergrund>, abgerufen am 26.06.2019.

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