Hinterhalt, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Hinterhalt(e)s · Nominativ Plural: Hinterhalte
Aussprache
WorttrennungHin-ter-halt
Wortbildung mit ›Hinterhalt‹ als Erstglied: ↗hinterhältig
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Versteck, von dem aus man jmdm. auflauert
Beispiele:
im Hinterhalt liegen, lauern, stecken
den Gegner aus dem sicheren Hinterhalt beobachten
jmdn. aus seinem Hinterhalt herauslocken
jmdn. aus dem Hinterhalt überfallen
die Reiterei, der Tiger brach aus dem Hinterhalt hervor
ein Schuss aus dem Hinterhalt
Ort, an dem jmd. aus dem Versteck unerwartet überfallen wird
Beispiele:
jmdn. in den Hinterhalt locken
in den Hinterhalt des Feindes geraten
bildlich
Beispiele:
dieses Land wartete nur darauf, seine Nachbarn aus dem Hinterhalt anfallen zu können
diese Kritik ist ein Angriff aus dem Hinterhalt
Hätten die Sozialisten ... einen Korruptionsfall zum Anlaß genommen, dem Regime einen Hinterhalt zu legen [WerfelBernadette281]
übertragen
Beispiel:
umgangssprachlichetw. im Hinterhalt (= in Reserve) haben
2.
veraltet
a)
Zurückhaltung
Beispiel:
warum dieser Hinterhalt? Warum sprichst du nicht offen zu mir? [BrodFrau360]
b)
Rückhalt
Beispiel:
Valentin hatte es bald gefühlt, daß er an der Mutter einen Hinterhalt habe [ViebigSchlafendes Heer302]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hinter2 · hinterher · hinterrücks · Hinterhalt · hinterhältig · Hinterlist · hinterlistig · Hinterland · Hintersasse · Hinterwäldler
hinter2 Präp. mit Dativ und Akkusativ ‘an der, an die Rückseite von’, ein konstantes Lageverhältnis (bei Ruhe und gleichlaufender Bewegung) oder die Richtung auf einen Zielpunkt angebend, von räumlichen Vorstellungen her auch auf zeitliche Verhältnisse übertragen (vgl. etw. hinter sich haben, bringen); ahd. hintar (10. Jh., bereits für das 9. Jh. mehrfach als 1. Kompositionsglied bezeugt, ferner in hintarort ‘zurück, verkehrt’, gihintaren, firhintaren, s. ↗hindern, ↗verhindern), mhd. hinder, frühnhd. hinder, hinter, mnd. hinder (auch temporal ‘nach, von … an’), mnl. hinder, got. hindar (auch ‘jenseits von’). Die heute literatursprachlich allein in präpositionaler Verwendung übliche Lokalpartikel ist zunächst Adverb, daher noch mhd. mnl. aengl. hinder ‘hinten, nach hinten, zurück’ (aengl. auch ‘hinunter’) sowie die oben angeführten Ableitungen und zahlreiche Zusammensetzungen im Ahd.; nur die regionale Umgangssprache bewahrt Reste des adverbiellen Gebrauchs in Präfixverben wie omd. südd. hinterbringen, -kommen, -schaffen (‘nach hinten’), omd. hinteressen, -kippen, -schlucken (‘hinunter’); vgl. auch dahinter. Bei hinter, das wahrscheinlich an den unter ↗hinten (s. d.) genannten erweiterten Pronominalstamm germ. *hind- anzuschließen ist, handelt es sich um eine Adverbialbildung auf -r, vergleichbar den in ↗da, ↗hier, ↗wo (s. d.) fortlebenden Pronominaladverbien ahd. thār, hier, (h)wār und anderen lokalen Adverbien und Präpositionen mit derselben Endung, z. B. ↗außer, ↗nieder, ↗über, ↗unter (s. d.). Dieser Bildungstyp liegt vielleicht alten Komparativformen auf ie. -(t)ero- zugrunde (s. ↗hinter Adj.). hinterher Adv. räumlich ‘nach einer Person, Sache folgend’, auch (in der Gegenwart häufiger) zeitlich ‘danach, später’ (Anfang 18. Jh.), entstanden aus adverbialen Bestimmungen des Typs hinter jmdm., etw. her durch verkürzende Zusammenrückung von Präposition und nachgestelltem Adverb (s. ↗her). hinterrücks Adv. ‘von hinten’, daher ‘unversehens, heimlich, heimtückisch’ (15. Jh., frühnhd. hinderrucks, -rücks), gelegentlich im Sinne von ‘rücklings, mit dem Rücken voran’; Verschmelzung von mhd. frühnhd. hinder Präp., das in älterer Zeit vereinzelt auch den Genitiv regiert, mit der Genitivform des (ehemals stark flektierenden) Substantivs mhd. frühnhd. rück(e), ruck(e) (s. ↗Rücken); vgl. vorausgehendes ahd. hintarruggi (10. Jh.), mhd. hinderrucke ‘rückwärts, zurück’ (aus Präposition und Akkusativform). Hinterhalt m. ‘Versteck, von dem aus man einem Gegner auflauert, ihn überraschend (eigentlich von hinten) angreift, Falle’ (16. Jh.), früher auch ‘Truppenreserve, Stütze, Rückhalt’ (so schon 15. Jh.), ‘heimlicher Vorbehalt’ (17. Jh.); dazu hinterhältig Adj. ‘seine wahren Absichten verbergend, verschlossen, heimtückisch’ (17. Jh.; bis ins 19. Jh. oft hinterhaltig); nicht verwandt ist frühnhd. hynderheldig ‘abschüssig’, 15. Jh. (zu ↗Halde, s. d.). Hinterlist f. ‘heimtückisches Wesen, unehrliches Handeln, Falschheit’, mhd. hinderlist m. (zum Grundwort s. ↗List); dazu älter bezeugtes hinterlistig Adj. ‘heimtückisch, unaufrichtig’, ahd. hintarlistīg (Hs. 12. Jh.), mhd. hinderlistec. Hinterland n. ‘wirtschaftlich nutzbares Gebiet in der Umgebung einer Stadt, eines Hafens, Industriezentrums’, vom 15. Jh. an vereinzelt belegt, im letzten Viertel des 19. Jhs. geläufig, zu dieser Zeit vor allem Rechtsbegriff der Kolonialpolitik (vgl. die Entlehnungen engl. frz. ital. span. hinterland), seit den 20er Jahren des 20. Jhs. auch ‘Gebiet hinter der Front’. Hintersasse m. ‘von einem Feudalherrn abhängiger Bauer’ (eigentlich ‘wer hinter einem, in dessen Schutz ansässig ist’), auch ‘Stadtbewohner ohne Bürgerrechte, Zugezogener’ (seit dem 14. Jh. allgemeiner ‘zur Miete Wohnender’), mhd. hindersæʒe, hinderseʒʒe; im Nhd. setzt sich eine umlautlose Nebenform durch (zur Bildungsweise s. ↗Insasse). Hinterwäldler m. ‘ungeschliffener, urwüchsig derber, weltfremder Mensch’, heute meist spöttisch für einen hinter der modernen Entwicklung Zurückgebliebenen; Lehnbildung (30er Jahre des 19. Jhs.) nach amerik.-engl. backwoodsman, das zunächst den Ansiedler im Westen Nordamerikas jenseits des Alleghanygebirges bezeichnet.

Thesaurus

Synonymgruppe
Falle · Hinterhalt · ↗Überfall

Typische Verbindungen
computergeneriert

Germane Karfreitag Konvoi Militärkonvoi Militärpatrouille Panzerfaust Partisan Patrouille Pfeil Rebell Schuß Sprengfalle Taliban Trupp UCK Vietcong anschießen auflauern beschießen erschießen gelegt geraten lauern locken morden niederstrecken raten Überfall Überraschungsangriff überfallen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hinterhalt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jetzt geriet er in Lima mit seinem Sohn in einen Hinterhalt.
Bild, 07.05.1998
Mann, wie an anderer Stelle näher berichtet, aus dem Hinterhalt niedergeschossen.
Völkischer Beobachter (Ausgabe A / Norddeutsche Ausgabe), 02.04.1933
Ich trete wieder aus dem Hinterhalt, mache den Deckel wieder auf.
Merian, Svende: Der Tod des Märchenprinzen, Hamburg: Buntbuch-Verl. 1980 [1980], S. 308
Sogar von Frauen seien sie aus den Häusern mit kochendem Öl begossen und von Greisen und »tückischen Kindern« aus dem Hinterhalt überfallen worden.
Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 255
Im nächsten Augenblick fürchtete ich, in einen Hinterhalt geraten zu sein.
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 951
Zitationshilfe
„Hinterhalt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hinterhalt>, abgerufen am 06.12.2019.

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