Hinterlist, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Hinterlist · Nominativ Plural: Hinterlisten · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungHin-ter-list (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Hinterlist‹ als Erstglied: ↗hinterlistig
eWDG, 1969

Bedeutung

heimtückisches, hinterhältiges Wesen, Verhalten
Beispiele:
er sagte das ohne alle Hinterlist, voller Hinterlist
er sah in diesem Ratschlag nichts als Hinterlist
er hat das durch Ehrlichkeit erreicht, nicht durch Hinterlist
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hinter2 · hinterher · hinterrücks · Hinterhalt · hinterhältig · Hinterlist · hinterlistig · Hinterland · Hintersasse · Hinterwäldler
hinter2 Präp. mit Dativ und Akkusativ ‘an der, an die Rückseite von’, ein konstantes Lageverhältnis (bei Ruhe und gleichlaufender Bewegung) oder die Richtung auf einen Zielpunkt angebend, von räumlichen Vorstellungen her auch auf zeitliche Verhältnisse übertragen (vgl. etw. hinter sich haben, bringen); ahd. hintar (10. Jh., bereits für das 9. Jh. mehrfach als 1. Kompositionsglied bezeugt, ferner in hintarort ‘zurück, verkehrt’, gihintaren, firhintaren, s. ↗hindern, ↗verhindern), mhd. hinder, frühnhd. hinder, hinter, mnd. hinder (auch temporal ‘nach, von … an’), mnl. hinder, got. hindar (auch ‘jenseits von’). Die heute literatursprachlich allein in präpositionaler Verwendung übliche Lokalpartikel ist zunächst Adverb, daher noch mhd. mnl. aengl. hinder ‘hinten, nach hinten, zurück’ (aengl. auch ‘hinunter’) sowie die oben angeführten Ableitungen und zahlreiche Zusammensetzungen im Ahd.; nur die regionale Umgangssprache bewahrt Reste des adverbiellen Gebrauchs in Präfixverben wie omd. südd. hinterbringen, -kommen, -schaffen (‘nach hinten’), omd. hinteressen, -kippen, -schlucken (‘hinunter’); vgl. auch dahinter. Bei hinter, das wahrscheinlich an den unter ↗hinten (s. d.) genannten erweiterten Pronominalstamm germ. *hind- anzuschließen ist, handelt es sich um eine Adverbialbildung auf -r, vergleichbar den in ↗da, ↗hier, ↗wo (s. d.) fortlebenden Pronominaladverbien ahd. thār, hier, (h)wār und anderen lokalen Adverbien und Präpositionen mit derselben Endung, z. B. ↗außer, ↗nieder, ↗über, ↗unter (s. d.). Dieser Bildungstyp liegt vielleicht alten Komparativformen auf ie. -(t)ero- zugrunde (s. ↗hinter Adj.). hinterher Adv. räumlich ‘nach einer Person, Sache folgend’, auch (in der Gegenwart häufiger) zeitlich ‘danach, später’ (Anfang 18. Jh.), entstanden aus adverbialen Bestimmungen des Typs hinter jmdm., etw. her durch verkürzende Zusammenrückung von Präposition und nachgestelltem Adverb (s. ↗her). hinterrücks Adv. ‘von hinten’, daher ‘unversehens, heimlich, heimtückisch’ (15. Jh., frühnhd. hinderrucks, -rücks), gelegentlich im Sinne von ‘rücklings, mit dem Rücken voran’; Verschmelzung von mhd. frühnhd. hinder Präp., das in älterer Zeit vereinzelt auch den Genitiv regiert, mit der Genitivform des (ehemals stark flektierenden) Substantivs mhd. frühnhd. rück(e), ruck(e) (s. ↗Rücken); vgl. vorausgehendes ahd. hintarruggi (10. Jh.), mhd. hinderrucke ‘rückwärts, zurück’ (aus Präposition und Akkusativform). Hinterhalt m. ‘Versteck, von dem aus man einem Gegner auflauert, ihn überraschend (eigentlich von hinten) angreift, Falle’ (16. Jh.), früher auch ‘Truppenreserve, Stütze, Rückhalt’ (so schon 15. Jh.), ‘heimlicher Vorbehalt’ (17. Jh.); dazu hinterhältig Adj. ‘seine wahren Absichten verbergend, verschlossen, heimtückisch’ (17. Jh.; bis ins 19. Jh. oft hinterhaltig); nicht verwandt ist frühnhd. hynderheldig ‘abschüssig’, 15. Jh. (zu ↗Halde, s. d.). Hinterlist f. ‘heimtückisches Wesen, unehrliches Handeln, Falschheit’, mhd. hinderlist m. (zum Grundwort s. ↗List); dazu älter bezeugtes hinterlistig Adj. ‘heimtückisch, unaufrichtig’, ahd. hintarlistīg (Hs. 12. Jh.), mhd. hinderlistec. Hinterland n. ‘wirtschaftlich nutzbares Gebiet in der Umgebung einer Stadt, eines Hafens, Industriezentrums’, vom 15. Jh. an vereinzelt belegt, im letzten Viertel des 19. Jhs. geläufig, zu dieser Zeit vor allem Rechtsbegriff der Kolonialpolitik (vgl. die Entlehnungen engl. frz. ital. span. hinterland), seit den 20er Jahren des 20. Jhs. auch ‘Gebiet hinter der Front’. Hintersasse m. ‘von einem Feudalherrn abhängiger Bauer’ (eigentlich ‘wer hinter einem, in dessen Schutz ansässig ist’), auch ‘Stadtbewohner ohne Bürgerrechte, Zugezogener’ (seit dem 14. Jh. allgemeiner ‘zur Miete Wohnender’), mhd. hindersæʒe, hinderseʒʒe; im Nhd. setzt sich eine umlautlose Nebenform durch (zur Bildungsweise s. ↗Insasse). Hinterwäldler m. ‘ungeschliffener, urwüchsig derber, weltfremder Mensch’, heute meist spöttisch für einen hinter der modernen Entwicklung Zurückgebliebenen; Lehnbildung (30er Jahre des 19. Jhs.) nach amerik.-engl. backwoodsman, das zunächst den Ansiedler im Westen Nordamerikas jenseits des Alleghanygebirges bezeichnet.

Thesaurus

Synonymgruppe
Finte · Hinterlist · ↗List · ↗Streich · ↗Trick · ↗Tücke  ●  ↗Kniff  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Arglist · ↗Biestigkeit · ↗Boshaftigkeit · ↗Bosheit · ↗Bösartigkeit · ↗Böswilligkeit · ↗Gehässigkeit · ↗Gemeinheit · ↗Heimtücke · ↗Hinterhältigkeit · Hinterlist · ↗Niedertracht · ↗Ruchlosigkeit · ↗Teufelei · ↗Tücke · ↗Verschlagenheit · böse / miese / schlechte / üble Absicht  ●  ↗Sadismus  fig. · ↗Schweinerei  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Betrug Bosheit Brutalität Feigheit Lüge Praxis Täuschung Tücke Verrat

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hinterlist‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das ist die neue Taktik, eine moderne Form der Hinterlist.
Die Welt, 15.11.2001
Die Hinterlist, mit der sich die Alten zerfleischen, schwärt bereits in uns.
Die Zeit, 26.05.1972, Nr. 21
So suchte die Regierung fünfundsechzig Millionen Menschen in einem Bunde augenzwinkernder Hinterlist zu vereinigen.
Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 311
Mit List und Hinterlist kommen die neugierigen Frauen in den Besitz der Schlüssel zu dem geheimnisvollen Vereinshaus.
Schuhmann, Otto: Meyers Opernbuch, Leipzig: Bibliograph. Inst. 1938 [1935], S. 895
Er sei jetzt in Dresden zu Hause, kenne sich aus mit sächsischer Falschheit und Hinterlist.
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 1038
Zitationshilfe
„Hinterlist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hinterlist>, abgerufen am 22.03.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Hinterleibssegment
Hinterleib
Hinterlegungssumme
Hinterlegungsstelle
Hinterlegungsschein
hinterlistig
Hinterlistigkeit
hinterm
Hintermann
Hintermannschaft