Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Hirn, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Hirn(e)s · Nominativ Plural: Hirne
Aussprache 
Mehrwortausdrücke  Scheiße im Hirn haben

Bedeutungsübersicht+

  1. Gehirn
    1. Verstand
    2. ⟨mit Herz und Hirn⟩ mit Gefühl und Verstand
eWDG

Bedeutung

Gehirn
Beispiele:
das menschliche, tierische Hirn
das Hirn besteht aus vielen Windungen
das Hirn wurde durch einen Schuss verletzt
eine Ader im Hirn ist geplatzt
das Hirn eines Schlachttieres braten
morgen gibt es frisches Hirn
Verstand
Beispiele:
er strengte sein Hirn an, zermarterte sein Hirn
ein langsam arbeitendes, geschultes, hellwaches Hirn
Ob wir stolz waren oder bescheiden … dumm oder gescheit, offenen Hirnes oder beschränkt [ Feuchtw.Teufel76]
Ein guter Tänzer und ein Mann von mittelmäßigem Hirn, das war dasselbe gewesen [ FlakeLogbuch91]
mit Herz und Hirnmit Gefühl und Verstand
Beispiel:
etw. mit Herz und Hirn tun
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hirn · Gehirn · Hirngespinst · hirnverbrannt
Hirn n. im Kopf befindlicher Teil des Zentralnervensystems, auf dessen mehr oder weniger ausgebildeter Funktionsfähigkeit die Einteilung in höher und niedriger entwickelte Lebewesen beruht; heute seltener neben üblicherem Gehirn (s. unten), doch bewahrt in Zusammensetzungen (vgl. Hirnhaut, -masse, Groß-, Kleinhirn); übertragen ‘Verstand, Kopf’. Im Unterschied zu anord. hjarsi ‘Scheitel’, das (wie wohl auch nl. hersenen) auf germ. *hersan- zurückgeht, setzen ahd. hirni (8. Jh.), mhd. hirn(e), herne, mnd. hē̌rne, harne, anord. hjarni, norw. dän. hjerne, schwed. hjärna germ. *herzn- ‘Hirn’ voraus. Die genannten Formen gehören wie Hornisse (s. d.) und dessen unmittelbare Entsprechungen zu einer s-(e)n-Erweiterung der Wurzel ie. *k̑er(ə)- ‘das Oberste am Körper, Kopf, Horn’ (dazu s. auch Horn und vgl. Nussbaum Head and Horn (1986)). Zur gleichen Wurzel bzw. ihren vielfachen Erweiterungen stellen sich aind. śíraḥ (Genitiv śīrṣṇáḥ) ‘Haupt, Kopf, Spitze’, awest. sarah- ‘Kopf’, griech. kárā (κάρα) ‘Haupt, Kopf’ (s. Karotte), krāníon (κρανίον) ‘Schädel’ (s. Migräne), lat. cerebrum (wohl aus ie. *k̑erəsrom; unsicher ist der Vokal der zweiten Silbe) ‘Gehirn’ (vgl. fachsprachliches zerebral ‘das Großhirn betreffend’; s. auch Zervelatwurst), lat. cervīx (aus *cersvīc-) ‘Nacken’ (eigentlich wohl ‘Kopfhalter’, wenn zu lat. vincīre ‘binden, fesseln’), ferner innerhalb und außerhalb des Germ. zahlreiche Benennungen gehörnter Tiere (s. Hirsch). Im Nhd. dafür häufiger die bereits in mhd. gehirne, mnd. gehērne begegnende Kollektivbildung Gehirn n. Hirngespinst n. ‘Phantasiegebilde, krankhafte Einbildung, Traum-, Wahnvorstellung’ (1. Hälfte 18. Jh.), aus der Redensart das Hirn (er)spinnt (17. Jh.). hirnverbrannt Adj. ‘unsinnig, verrückt’ (Mitte 19. Jh.), nach dem Vorbild von frz. cerveau brûlé ‘überspannter Kopf, verrückte Person’ (eigentlich ‘verbranntes Gehirn’).

Thesaurus

Anatomie, Medizin
Synonymgruppe
Denkorgan · Hirn  ●  Gehirn  Hauptform · Denkapparat  ugs. · Denkzentrale  ugs. · Enzephalon  fachspr. · Oberstübchen  ugs., fig. · graue Zellen  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Gastronomie/Kulinarik
Synonymgruppe
Bregen · Brägen · Hirn (vom Schlachttier)

Typische Verbindungen zu ›Hirn‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hirn‹.

Verwendungsbeispiele für ›Hirn‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch als ihm die Stirne feucht wurde, begann auch das Hirn wieder zu arbeiten. [Bodenreuth, Friedrich [d.i. Jaksch, Friedrich]: Alle Wasser Böhmens fließen nach Deutschland, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1938 [1937], S. 94]
Die Signale ins Hirn hinauf geben schier jedes Mal den endgültigen Alarm. [Widmer, Urs: Das Buch des Vaters, Zürich: Diogenes 2004, S. 177]
Auch soll dadurch die Entwicklung des menschlichen Hirns gefördert worden sein. [Prenter, R.: Anthropologie. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 9358]
Der denkende Teil des Hirns hätte vermutlich so lange überlegt, bis das Kind ertrunken wäre. [Der Spiegel, 05.02.1996]
Wieso aber »denkt« unser Hirn, ein tief stehender Mond sei so viel weiter weg? [Die Zeit, 13.01.2000, Nr. 3]
Zitationshilfe
„Hirn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hirn>.

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