Hirn, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Hirn(e)s · Nominativ Plural: Hirne
Aussprache
Wortbildung mit ›Hirn‹ als Erstglied: ↗Hirnakrobatik · ↗Hirnanhang · ↗Hirnblutung · ↗Hirnchirurg · ↗Hirnforschung · ↗Hirngespinst · ↗Hirnhaut · ↗Hirni · ↗Hirnkasten · ↗Hirnmasse · ↗Hirnrinde · ↗Hirnsausen · ↗Hirnscan · ↗Hirnschale · ↗Hirnschlag · ↗Hirnschmalz · ↗Hirnstrom · ↗Hirntumor · ↗Hirnvolumen · ↗Hirnwelle · ↗Hirnwindung · ↗Hirnwut · ↗Hirnwäsche · ↗Hirnzelle · ↗Hirnzentrum · ↗hirngeschädigt · ↗hirnlos · ↗hirnverletzt · ↗hirnwütig
 ·  mit ›Hirn‹ als Letztglied: ↗Elektronenhirn · ↗Kalbshirn · ↗Menschenhirn · ↗Mittelhirn · ↗Rechenhirn · ↗Superhirn · ↗Verbrecherhirn · ↗Zwischenhirn
eWDG, 1969

Bedeutung

Gehirn
Beispiele:
das menschliche, tierische Hirn
das Hirn besteht aus vielen Windungen
das Hirn wurde durch einen Schuss verletzt
eine Ader im Hirn ist geplatzt
das Hirn eines Schlachttieres braten
morgen gibt es frisches Hirn
Verstand
Beispiele:
er strengte sein Hirn an, zermarterte sein Hirn
ein langsam arbeitendes, geschultes, hellwaches Hirn
Ob wir stolz waren oder bescheiden ... dumm oder gescheit, offenen Hirnes oder beschränkt [Feuchtw.Teufel76]
Ein guter Tänzer und ein Mann von mittelmäßigem Hirn, das war dasselbe gewesen [FlakeLogbuch91]
mit Herz und Hirnmit Gefühl und Verstand
Beispiel:
etw. mit Herz und Hirn tun
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hirn · Gehirn · Hirngespinst · hirnverbrannt
Hirn n. im Kopf befindlicher Teil des Zentralnervensystems, auf dessen mehr oder weniger ausgebildeter Funktionsfähigkeit die Einteilung in höher und niedriger entwickelte Lebewesen beruht; heute seltener neben üblicherem Gehirn (s. unten), doch bewahrt in Zusammensetzungen (vgl. Hirnhaut, -masse, Groß-, Kleinhirn); übertragen ‘Verstand, Kopf’. Im Unterschied zu anord. hjarsi ‘Scheitel’, das (wie wohl auch nl. hersenen) auf germ. *hersan- zurückgeht, setzen ahd. hirni (8. Jh.), mhd. hirn(e), herne, mnd. hē̌rne, harne, anord. hjarni, norw. dän. hjerne, schwed. hjärna germ. *herzn- ‘Hirn’ voraus. Die genannten Formen gehören wie ↗Hornisse (s. d.) und dessen unmittelbare Entsprechungen zu einer s-(e)n-Erweiterung der Wurzel ie. *k̑er(ə)- ‘das Oberste am Körper, Kopf, Horn’ (dazu s. auch ↗Horn und vgl. Nussbaum Head and Horn (1986)). Zur gleichen Wurzel bzw. ihren vielfachen Erweiterungen stellen sich aind. śíraḥ (Genitiv śīrṣṇáḥ) ‘Haupt, Kopf, Spitze’, awest. sarah- ‘Kopf’, griech. kárā (κάρα) ‘Haupt, Kopf’ (s. ↗Karotte), krāníon (κρανίον) ‘Schädel’ (s. ↗Migräne), lat. cerebrum (wohl aus ie. *k̑erəsrom; unsicher ist der Vokal der zweiten Silbe) ‘Gehirn’ (vgl. fachsprachliches zerebral ‘das Großhirn betreffend’; s. auch ↗Zervelatwurst), lat. cervīx (aus *cersvīc-) ‘Nacken’ (eigentlich wohl ‘Kopfhalter’, wenn zu lat. vincīre ‘binden, fesseln’), ferner innerhalb und außerhalb des Germ. zahlreiche Benennungen gehörnter Tiere (s. ↗Hirsch). Im Nhd. dafür häufiger die bereits in mhd. gehirne, mnd. gehērne begegnende Kollektivbildung Gehirn n. Hirngespinst n. ‘Phantasiegebilde, krankhafte Einbildung, Traum-, Wahnvorstellung’ (1. Hälfte 18. Jh.), aus der Redensart das Hirn (er)spinnt (17. Jh.). hirnverbrannt Adj. ‘unsinnig, verrückt’ (Mitte 19. Jh.), nach dem Vorbild von frz. cerveau brûlé ‘überspannter Kopf, verrückte Person’ (eigentlich ‘verbranntes Gehirn’).

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Denkorgan · Hirn  ●  ↗Gehirn  Hauptform · ↗Denkapparat  ugs. · Enzephalon  fachspr. · ↗Oberstübchen  ugs., fig. · graue Zellen  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Nachhirn  ●  Myelencephalon  fachspr.
  • Hinterhirn  ●  Metencephalon  fachspr.
  • Rautenhirn  ●  Rhombencephalon  fachspr.
Assoziationen
Gastronomie/Kulinarik
Synonymgruppe
Bregen · ↗Brägen · Hirn (vom Schlachttier)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausgeburt BSE-Risikomaterial Blutgefäß Blutgerinnsel Elektrode Harn Herz Hirn Hode Innereien Leber Lunge Milz Muskel Nervenzelle Niere Rind Risikomaterial Rückenmark Schädel durchpusten entspringen hämmern krank martern menschlich pflanzen spuken vernebeln zermartern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hirn‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da kann der, der sich leer gesehen hat, sein Hirn mit Worten füllen lassen.
Die Welt, 11.09.2004
Ich weiß nicht, aber da muss ein Schalter in meinem Hirn sein, der einfach umgelegt wurde.
Der Tagesspiegel, 16.03.2002
Nur jetzt nicht müde werden, noch dreißig Minuten hämmert das Hirn.
Beckenbauer, Franz: Einer wie ich, München: Wilhelm Heyne Verlag 1977, S. 289
Aber dann entzündete sich sein Hirn nicht mehr an diesen Geschichten.
Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt - Bd. 2, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1990 [1934], S. 174
Diese Augen leuchteten auch in den folgenden Tagen sonderbar oft in seinem Hirn.
Lichtenstein, Alfred: Cafe Klößchen. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 41616
Zitationshilfe
„Hirn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hirn>, abgerufen am 18.10.2019.

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