Hirntod, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Hirntod(e)s · Nominativ Plural: Hirntode · wird meist im Singular verwendet
Aussprache [ˈhɪʁntoːt]
Worttrennung Hirn-tod
Wortzerlegung  Hirn Tod
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutung

Medizin endgültiges und vollständiges Erloschensein der lebensnotwendigen Gehirnfunktionen nach schweren Gehirnschädigungen
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: einen Hirntod diagnostizieren, feststellen; einen Hirntod erleiden
als Aktiv-/Passivsubjekt: der Hirntod ist eingetreten
hat Präpositionalgruppe/-objekt: den Hirntod mit dem Tod [gleichsetzen]
als Genitivobjekt: die Feststellung, Diagnose, Definition des Hirntods
als Genitivattribut: der Fall, Eintritt des Hirntods
Beispiele:
Ein hirntoter Mensch kann nie mehr eine Beobachtung oder Wahrnehmung machen, verarbeiten und beantworten, nie mehr einen Gedanken fassen, verfolgen und äußern, nie mehr irgendetwas entscheiden. Nach dem Hirntod fehlt dem Menschen zugleich die integrierende Tätigkeit des Gehirns für die Lebensfähigkeit des Organismus: Die Steuerung aller anderen Organe und die Zusammenfassung ihrer Tätigkeit zur übergeordneten Einheit des selbstständigen Lebewesens, das mehr und qualitativ etwas anderes ist als bloß die Summe seiner Teile. Hirntod bedeutet also etwas entscheidend anderes als nur eine bleibende Bewusstlosigkeit, die allein noch nicht den Tod des Menschen ausmacht. [Leipziger Volkszeitung, 06.02.2002]
Zum Zeitpunkt der Feststellung des Hirntodes sind die Gehirnzellen von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm irreversibel so schwer geschädigt, dass sie nicht nur nie wieder funktionieren, sondern es beginnen zellinterne Prozesse, die nach Tagen unaufhaltsam in der Selbstauflösung des Gehirns (Autolyse) enden. [Mittelbayerische, 08.06.2020]
Tatsächlich akzeptieren […] nur 62 Prozent der Bevölkerung den Hirntod als den richtigen Tod des Menschen. Dies geht aus der Kölner Untersuchung hervor. Der Bremer Hirnforscher […] bestätigt: »Ein Hirntoter ist keine Leiche, sondern ein Sterbender. Diesen moralischen Konflikt muß man aushalten.« [Die Welt, 17.01.2005]
Bei toten Organspendern ist die Entnahme grundsätzlich möglich, wenn die Person zu Lebzeiten in eine Organspende eingewilligt hat. Voraussetzung für eine Entnahme ist der unumkehrbare Hirntod. Dieser muß »nach Verfahrensregeln, die dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft entsprechen« festgestellt werden. [Berliner Morgenpost, 25.03.1999]
[…] sollte bei ihnen tatsächlich irgendwann der Hirntod festgestellt werden – was übrigens ein ganz seltener Fall ist, nur ein kleiner Prozentsatz aller Todesfälle sind Hirntode – wird ihr Wunsch auch sicher erfüllt, Organe zu spenden. [Frankfurter Rundschau, 27.12.2019] ungewöhnl. Pl.

letzte Änderung:

Typische Verbindungen zu ›Hirntod‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hirntod‹.

Zitationshilfe
„Hirntod“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hirntod>, abgerufen am 01.08.2021.

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