Historie, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Historie · Nominativ Plural: Historien
Aussprache 
Worttrennung His-to-rie
Wortbildung  mit ›Historie‹ als Erstglied: ↗Historienbild · ↗Historienmaler · ↗Historienmalerei · ↗Historiker · ↗Histörchen · ↗historisch
 ·  mit ›Historie‹ als Letztglied: ↗Kirchenhistorie · ↗Prähistorie · ↗Welthistorie
Herkunft  historíagriech (ἱστορία) ‘geschichtliche Darstellung, Geschichte’, besonders ‘Kunde, Kenntnis, Wissenschaft, Erzählung’ < hístōrgriech (ἵστωρ) ‘wissend, kundig’ und ‘Wissender, Kundiger’

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [veraltend] Geschichte
  2. 2. [veraltet] Bericht, Kunde
eWDG

Bedeutungen

1.
veraltend Geschichte
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
also bekam der Doktor seinen unverhofften Kurs in australischer Historie [ CramerKonzessionen366]
Er selber ist ... ein gelehrter Mann auf dem Gebiet der Historie und der Archivkunde [ ZuchardtStunde415]
2.
veraltet Bericht, Kunde
Beispiele:
Pepusch! setzt Euch zu mir und vernehmt eine wunderbare Historie! [ E. T. A. Hoffm.6,41]
Höre, Junge – oder wenn ich hinter gewisse Historien komme! [ SchillerKabaleI 7]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Historie · Histörchen · Historiker · historisch
Historie f. ‘Geschichte, Geschichtswissenschaft, Begebenheit, Erzählung, Bericht, Kunde’, mhd. histōrje ‘Geschichte, Erzählung’, entlehnt aus lat. historia, griech. historía (ἱστορία) ‘geschichtliche Darstellung, Geschichte’, besonders ‘Kunde, Kenntnis, Wissenschaft, Erzählung (von etw. Geschehenem oder Gehörtem)’. Dies gehört wie griech. historḗīn (ἱστορεῖν) ‘erforschen, beobachten, das Erforschte oder Erfahrene berichten’ zu griech. hístōr (ἵστωρ) ‘wissend, kundig; Wissender, Kundiger’. Im Dt. wird das ‘einzelne Ereignis’ schon früh mit ↗Geschichte (s. d.) bezeichnet, das zunehmend Verbreitung findet und im 18. Jh. Historie in allen Bedeutungen ersetzen kann. Histörchen n. ‘kurze, anekdotenhafte, unterhaltsame Geschichte’ (18. Jh.), Histörger Plur. (17. Jh.), scherzhafte Deminutivform. Historiker m. ‘Geschichtswissenschaftler’ (18. Jh.), historisch Adj. ‘die Historie betreffend, geschichtlich, (schriftlich) überliefert, durch Quellen beglaubigt’ (16. Jh.), beide Bildungen in Anlehnung an lat. historicus, griech. historikós (ἱστορικός) ‘geschichtlich, Geschichtsschreiber, -forscher’.

Thesaurus

Geschichte
Synonymgruppe
Geschichte · Historie · ↗Vergangenheit  ●  Verflossenheit  geh. · graue Vorzeit  ugs., scherzhaft-ironisch
Unterbegriffe
Assoziationen
  • ewig gestrig · ↗reaktionär · ↗restaurativ · ↗rückschrittlich · ↗rückwärtsgewandt · unfortschrittlich  ●  (das) Rad der Geschichte zurückdrehen (wollen)  fig.
  • hinterhertrauernd · ↗nostalgisch · ↗retro · ↗rückwärtsgewandt · vergangenheits-sehnsüchtig · vergangenheits-zugewandt · vergangenheitsverliebt · voller Nostalgie (für)
  • in der Zeit (von / + Genitiv) · ↗zur Zeit (von / + Genitiv)
  • anno dazumal · ↗dereinst · ↗ehedem · ↗ehemals · ↗einst · ↗einstmals · in (jenen) längst vergangenen Tagen · in (jener) längst vergangener Zeit · in der Vergangenheit · in der guten alten Zeit · in ferner Vergangenheit · in vergangener Zeit · ↗seinerzeit · vor langer Zeit · ↗vordem · ↗vormals · ↗weiland  ●  ↗dazumal  veraltend · es hat Zeiten gegeben (da / in denen)  formelhaft · ↗früher  Hauptform · ↗dermaleinst  geh., literarisch · ↗einmal  ugs. · lang, lang ist's her  ugs. · vor Zeiten  geh.
  • die Zeit geht hinweg (über) · vergessen werden · von der Tagesordnung verschwinden  ●  im Dunkel der Vergangenheit verschwinden  variabel, fig. · in Vergessenheit geraten  Hauptform · dem Vergessen anheimfallen  geh. · der Vergessenheit anheimfallen  geh. · in der Versenkung verschwinden  ugs. · niemand spricht heute noch von (...)  ugs., variabel
  • die vergangenen Jahre · die vergangenen Tage · die vergangenen Zeiten · längst vergangene Tage · längst vergangene Zeiten  ●  ↗Vergangenheit  Hauptform · (das) Einst  geh. · (das) Gestern  geh. · (das) Vergangene  geh. · (die) alten Zeiten  ugs. · das Gewesene  geh.

Typische Verbindungen zu ›Historie‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Historie‹.

Verwendungsbeispiele für ›Historie‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Vertrauen in die moralisch-erzieherische Kraft der Historie trägt, fürchte ich, nicht sonderlich weit.
Die Welt, 05.07.2003
Auch bei den Türmen besinnt sich der Architekt auf die Historie.
Der Tagesspiegel, 14.02.1998
Ein derart transitorisches Moment hatte in einer klassischen Historie nichts zu suchen.
Busch, Werner: Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 29
Es ist nicht leicht, sich in der Historie des eigenen Lebens durchzufinden.
Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 14
Doch unsere Künstler greifen wieder zur Historie und verwirren sich.
Rilke, Rainer Maria: Worpswede. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 1998 [1902], S. 9779
Zitationshilfe
„Historie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Historie>, abgerufen am 20.01.2021.

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