Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Hochklassik, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Hochklassik · wird nur im Singular verwendet
Aussprache [ˈhoːχklasɪk]
Worttrennung Hoch-klas-sik
Wortzerlegung hoch- Klassik
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

Blütezeit schöpferischen Schaffens im Bereich von Kunst und Wissenschaft
Beispiele:
Geburt des römischen Juristen Salvius Iulianus († um 170). Gilt neben Celsus als bedeutendster Jurist der Hochklassik der römischen Rechtswissenschaften. [Schäfer, Anton: Zeittafel der Rechtsgeschichte. Dornbirn: BSA 2002, S. 17]
Seit einigen Jahren […] biete [ich] an Schulen Workshops in den Sparten Tanz, Musik und Schauspiel an. Maßgeschneiderte Tanzworkshops entwickle ich selbst, und für Musik und Schauspiel kooperiere ich mit verschiedenen Münchner Theatern und Orchestern. Noch mal zum Training, das sich seit der Hochklassik des 19. Jahrhunderts verändert hat. Mit den allmählich kürzeren Tutus, späterhin kurzen Röckchen und Trikots, wurde die Arbeit der Beine immer sichtbarer. [Münchner Merkur, 05.09.2020]
Eine Perle der Hochklassik von ihrem Ursprungsort, an dem sie bis heute lupenrein poliert wird, durfte nicht fehlen: Daria Pavlenko und Daniil Korsuntev vom Ballett des Mariinsky‑Theaters aus St. Petersburg tanzten den Grand Pas de deux aus Petipas »Dornröschen« mit Noblesse und einwandfreier Technik. [Die Welt, 17.06.2004]
a)
spezieller, Kunstgeschichte Blütezeit, Hochphase der antiken griechischen Kunst in der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr., deren Werke als vollkommen und beispielgebend gelten
Beispiele:
Kaum hatte Griechenland 1833 das türkische Joch abgeschüttelt, fokussierten die Archäologen auf die Akropolis. Die Marmorbauten der Hochklassik waren Wahrzeichen der neuen Freiheit. [Neue Zürcher Zeitung, 23.04.2001]
Myron gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer der griechischen Antike und stand mit seinen Bronzestatuen am Übergang von der Früh‑ zur Hochklassik. [Welt am Sonntag, 02.02.2020]
Für Canova wie auch für viele Intellektuelle und Künstler seiner Zeit waren diese fragmentarischen Zeugnisse der griechischen Hochklassik von einer historischen und künstlerisch‑ästhetischen Aura umgeben. Sie führten mitten in die griechische Hochklassik hinein und konnten konkret der Hand des berühmten antiken Bildhauers Phidias zugeschrieben werden. [Fendt, Astrid: Archäologie und Restaurierung. Berlin / Boston: Walter de Gruyter 2012, S. 106]
Diese Worte, die Taten und die Werke des Perikles[…] machen deutlich, dass nicht erst das 4. Jahrhundert die Vorbildlichkeit, die Klassizität der Perikles‑Zeit erkannte. Vielmehr waren sich die Athener dieser Zeit, von der deutschen Forschung als »Hochklassik« apostrophiert, ihrer Vorrangstellung durchaus bewusst[…]. [Neue Zürcher Zeitung, 06.05.2002]
Phidias, Pheidias […], griechischer Bildhauer der Hochklassik aus Athen, der wohl berühmteste Künstler des Altertums. [Olbrich, Harald (Hg.): Lexikon der Kunst. Leipzig: Seemann 1993, S. 25567]
b)
spezieller, Literaturwissenschaft Hochphase der europäischen Klassik, insbesondere die deutsche klassische Literaturepoche zwischen Sturm und Drang und Romantik
Beispiele:
Eine in der Literatur gängige Abgrenzung ist der Zeitraum von 1786 bis 1805, der auch als Zeitraum der deutschen Hochklassik bezeichnet werden kann. 1786 stellt den Beginn von Goethes erster Italienreise dar und die Epoche endet 1805, mit dem Todesjahr von Schiller. [Schulz, Angelina: Goethes und Schillers Balladen in der Klassik. Norderstedt: Books on Demand 2009, S. 3]
Rundgang durch die Stadt. Die Ambivalenzen beginnen im Schillerhaus: Deutsche Hochklassik, die großen Dramen. Und die Sorgen des Dichters über Soll und Haben, über den Zustrom der Fremden, die in Weimar die Preise hochtreiben und dem gemeinen Mann das Auskommen von Tag zu Tag schwerer machen. [Frankfurter Rundschau, 21.08.1999]
Die Kantische »Zweckmäßigkeit ohne Zweck«, das »interesselose Wohlgefallen«, Schillers ästhetische Erziehung, der (Goethesche) Symbol‑ und Stilbegriff der Hochklassik, sind ohne den theoretischen Vorausgang Moritzens nicht angemessen zu verstehen: […] [Süddeutsche Zeitung, 26.06.1993]
Es kommt dieser Eindruck auch von der Beschreibung, also von des Verfassers Prosa‑Stil: Der ist beste deutsche Hochklassik und muß den Vergleich mit Herder oder Schiller nirgends scheuen. […] [Die Zeit, 07.11.1980]
Diese Periode deckt sich […] ungefähr mit der Vor‑ und Frühklassik, der Hochklassik und der beginnenden Romantik[…]. [Söhngen, Oskar [u. a]: Kirchenmusik. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Bd. 16. Kassel: Bärenreiter 1979, S. 41418]
c)
spezieller, Musik Hochphase der vor allem in Wien geprägten Klassik in der Musik (zwischen zirka 1770 und zirka 1830)
Beispiele:
Vom Barock über die Vorklassik reichte der Bogen bis zur Hochklassik mit dem finalen Ausrufezeichen des spektakulären Hornkonzertes von Wolfgang Amadeus Mozart. [Mittelbayerische, 11.12.2018]
Im Straubinger Schloss bildeten zwei Gipfel der Hochklassik, Haydns vielleicht schönstes und Beethovens vielleicht tiefstes Opus der Gattung, den Rahmen für Wolfgang Rihms »Geste zu Vedova« von 2015[…]. [Landshuter Zeitung, 19.02.2020]
Der Komponist György Ligeti bezeichnete die Epoche der Hochklassik […] als jenen historischen Glücksfall, da avancierter Tonsatz und Faktur einer schlichten Volksmusik nahezu kongruent gewesen seien. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2005]

letzte Änderung:

Thesaurus

Geschichte
Synonymgruppe
Hochklassik · französische Klassik
Oberbegriffe
Zitationshilfe
„Hochklassik“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hochklassik>.

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