Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Homo, der

In mehrteiligen lateinischen, meist aus homolat und einem spezifizierenden Adjektiv gebildeten, ins Deutsche entlehnten Substantiven gilt regelhaft die Großschreibung nur des Erstglieds, das Zweitglied wird kleingeschrieben.
Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Homo · Nominativ Plural: Homines
Aussprache  [ˈhoːmo] · [ˈhomo]
Worttrennung Ho-mo
Rechtschreibregel § 55 (3)
Wortbildung  mit ›Homo‹ als Erstglied: Homotoxin
Herkunft aus gleichbedeutend homolat ‘Mensch, Mann’
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

Anthropologie (Vertreter einer) Gattung der Hominiden, die den modernen Menschen (Homo sapiens) und verschiedene ausgestorbene Arten (z. B. Homo erectus, Homo neanderthalensis) umfasst
Beispiele:
Die nächsten Verwandten des Menschen sind die Bonobo, eine Schimpansen‑Art. Mit ihnen teilen wir mehr als 98 Prozent des Genmaterials […]. Das führte manche Forschende zur Forderung, Schimpansen zur Gattung Homo zu zählen. [Thurgauer Zeitung, 05.02.2022]
Unsere Spezies Homo sapiens entstand vor etwa 300.000 Jahren in Afrika. Die Gattung Homo existiert schon viel länger und umfasst die Neandertaler und andere ausgestorbene, verwandte Arten. Ein entscheidendes Merkmal der Evolution unserer Gattung ist der Trend zur zunehmenden Körper‑ und Gehirngröße. [Reutlinger General-Anzeiger, 06.09.2021]
Einige der Homininen hatten ein deutlich größeres, besser entwickeltes Gehirn als andere und wurden deshalb dem Homo zugeordnet. [Welt am Sonntag, 20.09.2015]
Kinder verhalten sich egoistischer und unfairer als Erwachsene und suchen ihren Vorteil, was wenig verwundert. Die kleinen Homines müssen soziales Verhalten eben noch lernen. [Süddeutsche Zeitung, 24.08.2007]
Ein vormenschliches Fossil aus Kenia, das nach einer genauen Datierung 2,45 Millionen Jahre alt ist, wird von einigen Forschern ebenfalls dem Homo zugeschrieben. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.12.1996]
übertragen, bildungssprachlich der Mensch, häufig als Objekt eines wissenschaftlichen, weltanschaulichen o. ä. Konzeptes
Beispiele:
Wir müssen noch stark daran arbeiten, damit es mehr Akzeptanz gibt für Überforderung und Scheitern, und die Ideologie des Homo oeconomicus dekonstruieren. [Süddeutsche Zeitung, 13.04.2022]
Cosic [der Autor Bora Ćosić] ist ein gewiefter Melancholiker, der den Homo philosophicus und den Homo ludens, den Denker und den postmodernen Spieler, in sich vereint. [Neue Zürcher Zeitung, 05.04.2022]
Als »Homo sovieticus« hatte [Sozialforscher Juri] Lewada die Spezies bezeichnet, die sich mit dem sowjetischen Experiment herausgebildet hatte: Im totalitären Staat überlebte, wer gewitzt, angepasst, misstrauisch und doch gleichgültig war. […] Lewada und seine Mitarbeiter fanden bei weiteren Erhebungen, dass der alte Personentyp »ein weit hartnäckigeres Phänomen als die sowjetischen Institutionen« war: »Duldsamkeit geht immer vor aktivem Protest, Anpassung vor Widerstand, passives Unbehagen vor dem Kampf um die eigenen Rechte.« [Süddeutsche Zeitung, 30.11.2021]
»Ecce homo«, aus dem Lateinischen übersetzt also »Siehe, der Mensch«, prangt in großen Lettern über dem Eingang des Keramikmuseums in Höhr‑Grenzhausen. [Rhein-Zeitung, 27.04.2021]
In den dreissiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der grosse niederländische Gelehrte Johann Huizinga ein Buch geschrieben, das auf folgender Grundüberlegung beruht: Nicht der Homo faber oder der Homo religiosus, der Homo politicus oder der Homo oeconomicus ist das wirklich Besondere am Menschen. Das eigentlich Humane erscheint am deutlichsten im Homo ludens. Huizinga entwickelt die Ideale des spielenden und des spielerisch durchs Leben schreitenden Menschen. In diesem Homo ludens liegt der besondere Schlüssel, um auch mit dem Phänomen des Übens produktiv umzugehen. [Neue Zürcher Zeitung, 22.05.2014]
Grafiker, Produktegestalter, Publizist, Lehrer, Ausstellungsmacher, Kunstsammler, Nationalrat: Der als Bürger von Moosseedorf in Winterthur geborene Max Bill war auch dies und noch einiges mehr. Er selbst bezeichnete sich aber zeitlebens als Architekt, im allgemeinen Bewusstsein ist er heute vor allem als Maler und Bildhauer gegenwärtig. Wegen dieser erstaunlichen Vielseitigkeit wurde er mit Recht immer wieder als Homo universalis bezeichnet, dabei hatte er keine Ausbildung abgeschlossen. [Der Bund, 26.01.2008]
Als Homo duplex hat er sich bezeichnet. Ein Homo multiplex ist er in Wahrheit. [Die Welt, 01.12.2007]
Kurt Biedenkopf, 71, Ministerpräsident von Sachsen und dort »König Kurt« geheißen, erhielt jetzt die ultimative Aufwertung als Homo politicus. Auf einem Firmenjubiläum in Frankfurt kündigte kein geringerer als Geoffrey Howe, ehemaliger Außenminister des Königreichs und jetzt als Lord Howe of Aberavon Mitglied des britischen Oberhauses, Gastredner Biedenkopf als »Kaiser Kurt« an. Und als sei es noch nicht genug, setzte seine Lordschaft noch einen drauf: Biedenkopf sei »one of the best chancellors Germany never had«. [Der Spiegel, 03.09.2001]
Vielleicht sollten wir Menschen statt dessen versuchen, uns mehr in unsere Umwelt einzuordnen, Abschied zu nehmen vom »Homo Faber«. der alles machen, alles beherrschen will. [Süddeutsche Zeitung, 07.04.1994]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Homo“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Homo#1>.

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Homo, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Homos · Nominativ Plural: Homos
Aussprache  [ˈhoːmo]
Worttrennung Ho-mo
GrundformHomosexuelle
Wortbildung  mit ›Homo‹ als Erstglied: Homo-Ehe · Homoehe
Herkunft zu ὁμόςgriech, homósgriech ‘gleich, ähnlich’
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

umgangssprachlich (männliche) homosexuelle Person
Kollokationen:
in Koordination: Homos und Heteros
Beispiele:
Der Bundestag ist im besten Fall ein Schnitt durch die Bevölkerung: Männer und Frauen, Alte und Junge, Lautsprecher und Leisetreter, Rechte und Linke, Homos und Heteros, Flippige und Spießige. [Allgemeine Zeitung, 11.06.2019]
Die Männer dieser frühen Punkgruppe […] waren nicht »sexy«, sie zelebrierten Kraft und Frechheit, outeten sich als Rohlinge, als Machos, als Homos […]. [Die Zeit, 20.04.2006]
Auch in der Wahl seiner Freunde wollte er frei sein und sich nicht auf bestimmte Kreise beschränken. Bei seinen Geburtstagen trafen sich Homos, Heteros, Metallarbeiter und Waldorflehrer. [Der Tagesspiegel, 22.07.2005]
Herausgekommen ist ein flotter Kinospaß, über den Homos und Heteros gleichermaßen lachen dürften. [Süddeutsche Zeitung, 07.10.2004]
In der Public School wurden sie als Homos beschimpft, weil sie sich statt für Sport für Kunst und Musik interessierten. [Berliner Zeitung, 21.07.1998]

letzte Änderung:

Typische Verbindungen zu ›Homo‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Homo‹.

Zitationshilfe
„Homo“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Homo#2>.

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