Horde, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Horde · Nominativ Plural: Horden
Aussprache
WorttrennungHor-de (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Horde‹ als Letztglied: ↗Apfelhorde
eWDG, 1969

Bedeutung

Lattengestell zum Lagern von Kartoffeln
Beispiel:
Kartoffeln in die Horde schütten
flache, offene, luftdurchlässige Kiste aus Latten zum Lagern und Transportieren von Obst und Gemüse
Beispiele:
die Äpfel in die Horde legen
die Horden übereinanderstapeln
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Horde1 f. ‘Vereinigung mehrerer blutsverwandter Familien zu einer Gruppe mit gemeinsamem Lagerplatz, Stammesbund mongolischer und turksprachlicher Völker, umherstreifende wilde Truppe, ungeordnete Menge, zügelloser Haufen’. Kuman. orda ‘Sommer-, Winterlager von Herrscher und Gefolge’ gelangt über amongol. ordu(n), mongol. ord, ordon (орд, ордон) ‘Herrschersitz, Palast, Lager’, kalmyk. (selten) ordn ‘Hof, Lager, Horde’ unmittelbar ins Mlat. (vgl. mlat. orda ‘Horde’) und über Turksprachen, einerseits wohl besonders über kriegsterminologisches türk. ordu ‘Heer, Armee, Kriegslager’ in Balkansprachen, vgl. ngriech. ordḗ (ὀρδή), bulg. órda (орда) ‘Horde’, serbokr. òrdija ‘Heer, Armee’, alban. (älter) urdi ‘Heer’, rumän. (älter) oardǎ ‘Horde’, andererseits über uigur. ordu, ortu ‘Lager, Heer, Palast’, dschagata. ordu ‘Zelt, Schloß, Lager des Chan’, aserbaidshan. orda (орда) ‘Palast, Zelt, Hauptquartier des Sultans, Chans’ (oder über balkan. Vermittlung?) in die ostslaw. Sprachen, vgl. aruss. orda ‘Hauptquartier des Chans, Goldene Horde’ (14. Jh.), ‘Nomadenlager’ (15. Jh.), russ. ukrain. ordá (орда), beloruss. ardá (арда) ‘Vereinigung nomadisierender Völker, Horde, Volkshaufen, Menschenmenge’. Aus dem Ukrain. stammt apoln. orda ‘Tatarenstaat, tatarische Stämme’, das in der 1. Hälfte des 15. Jhs. im Ordensgebiet ins Dt. entlehnt wird und (mit ungeklärtem h-Anlaut) frühnhd. horde ‘tatarische Heerschar’ ergibt. Da sich alle folgenden Belege (horda, 1. Hälfte 16. Jh., horde, 2. Hälfte 16. Jh.) auf russische Verhältnisse beziehen, muß mit erneuter Entlehnung aus dem Russ. gerechnet werden. Horde bedeutet zunächst ‘Tatarenverband, Menschenansammlung’, dann geringschätzig ‘Kriegsleute, Haufen, Soldatenrotte’ (Ende 16. Jh.), ‘ungeordnete Menge, zügellose Schar’ (Ende 17. Jh., seit dem 18. Jh. allgemein verbreitet).

Horde2 f. ‘Flechtwerk, Lattengestell, Rost’, mhd. (md.) horde ‘Flechtwerk, Umhegung, Bezirk’, mnd. hōrt ‘Reisiggeflecht, Hürde, Trockendarre’, hōrde, hȫrde ‘eingefriedetes Landstück’ (vgl. mnl. horde, hurde ‘geflochtene Matte’, nl. horde ‘Flechtwerk’); md. nd. Entsprechung von ↗Hürde (s. d.), die in frühnhd. Zeit in die Literatursprache aufgenommen wird.

Thesaurus

Synonymgruppe
(wilder) Haufen  abwertend · Horde  abwertend · ↗Meute  abwertend · ↗Rotte  Jargon · ↗(unzivilisierte) Bande  derb · ↗Mob  derb, abwertend · ↗Pack  derb, abwertend · ↗Saubande  derb, stark abwertend · ↗Schweinebande  derb, stark abwertend
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Affe Barbar Brüllaffe Hooligan Khan Skinhead Wütige asiatisch barbarisch bolschewistisch brandschatzend braun einfallend faschistisch geldgeil golden grölend hereinstürmen herfallen johlend lärmend marodierend mongolisch mordend plündernd prügelnd randalierend räuberisch wild zustürmen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Horde‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er sah lediglich eine Horde wild gewordener Affen, die auch noch glaubten, ein besonders schönes Spiel auszuüben.
Die Welt, 01.06.2002
Irgendwo über uns stürmt eine kreischende Horde unsichtbarer Tiere durch den Wald.
Der Tagesspiegel, 12.01.2002
Aber an erster Stelle geht es ihm um seine Vision der idealen Horde.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 163
Sogar verschiedene Horden der gleichen Art unterscheiden sich oft in manchen Zügen ihres sozialen Verhaltens.
Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 182
Aus Horden und kleinen Gruppen werden Völker, rassisch kaum noch homogen, und sie werden zu den sichtbaren Trägern der eigentlichen Geschichte.
Plessner, Helmuth: Conditio Humana. In: Mann, Golo u. a. (Hgg.) Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 69
Zitationshilfe
„Horde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Horde#1>, abgerufen am 23.03.2019.

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Horde, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Horde · Nominativ Plural: Horden
Aussprache
WorttrennungHor-de (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Horde‹ als Letztglied: ↗Barbarenhorde · ↗Jungenhorde · ↗Knabenhorde · ↗Kriegerhorde · ↗Menschenhorde · ↗Räuberhorde · ↗Sippenhorde · ↗Urhorde
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
ungeordnete, undisziplinierte Schar von Menschen, die gemeinsam etw. unternimmt, Haufen
Beispiele:
abwertend eine Horde Halbstarker
abwertend eine Horde starker Burschen
abwertend eine lärmende, johlende Horde
abwertend hergelaufene, bewaffnete, verwilderte Horden
abwertend er war an eine Horde von Schuften geraten
salopp, scherzhaft eine Horde von Kindern
salopp, scherzhaft Als Jungens hatten wir zusammen gespielt ... Wir waren eine ganze Horde [NossackSpirale166]
salopp, scherzhaft dazu hat die Horde mich zu lieb [O. ErnstFlachsmannIII 8]
2.
zusammenlebende Familien der Naturvölker, gesellschaftlicher Verband der Jäger und Sammler der Urgesellschaft
Beispiel:
Soweit man in die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft zurückzublicken vermag, war die erste menschliche Gemeinschaft die Horde [BebelFrau53]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Horde1 f. ‘Vereinigung mehrerer blutsverwandter Familien zu einer Gruppe mit gemeinsamem Lagerplatz, Stammesbund mongolischer und turksprachlicher Völker, umherstreifende wilde Truppe, ungeordnete Menge, zügelloser Haufen’. Kuman. orda ‘Sommer-, Winterlager von Herrscher und Gefolge’ gelangt über amongol. ordu(n), mongol. ord, ordon (орд, ордон) ‘Herrschersitz, Palast, Lager’, kalmyk. (selten) ordn ‘Hof, Lager, Horde’ unmittelbar ins Mlat. (vgl. mlat. orda ‘Horde’) und über Turksprachen, einerseits wohl besonders über kriegsterminologisches türk. ordu ‘Heer, Armee, Kriegslager’ in Balkansprachen, vgl. ngriech. ordḗ (ὀρδή), bulg. órda (орда) ‘Horde’, serbokr. òrdija ‘Heer, Armee’, alban. (älter) urdi ‘Heer’, rumän. (älter) oardǎ ‘Horde’, andererseits über uigur. ordu, ortu ‘Lager, Heer, Palast’, dschagata. ordu ‘Zelt, Schloß, Lager des Chan’, aserbaidshan. orda (орда) ‘Palast, Zelt, Hauptquartier des Sultans, Chans’ (oder über balkan. Vermittlung?) in die ostslaw. Sprachen, vgl. aruss. orda ‘Hauptquartier des Chans, Goldene Horde’ (14. Jh.), ‘Nomadenlager’ (15. Jh.), russ. ukrain. ordá (орда), beloruss. ardá (арда) ‘Vereinigung nomadisierender Völker, Horde, Volkshaufen, Menschenmenge’. Aus dem Ukrain. stammt apoln. orda ‘Tatarenstaat, tatarische Stämme’, das in der 1. Hälfte des 15. Jhs. im Ordensgebiet ins Dt. entlehnt wird und (mit ungeklärtem h-Anlaut) frühnhd. horde ‘tatarische Heerschar’ ergibt. Da sich alle folgenden Belege (horda, 1. Hälfte 16. Jh., horde, 2. Hälfte 16. Jh.) auf russische Verhältnisse beziehen, muß mit erneuter Entlehnung aus dem Russ. gerechnet werden. Horde bedeutet zunächst ‘Tatarenverband, Menschenansammlung’, dann geringschätzig ‘Kriegsleute, Haufen, Soldatenrotte’ (Ende 16. Jh.), ‘ungeordnete Menge, zügellose Schar’ (Ende 17. Jh., seit dem 18. Jh. allgemein verbreitet).

Horde2 f. ‘Flechtwerk, Lattengestell, Rost’, mhd. (md.) horde ‘Flechtwerk, Umhegung, Bezirk’, mnd. hōrt ‘Reisiggeflecht, Hürde, Trockendarre’, hōrde, hȫrde ‘eingefriedetes Landstück’ (vgl. mnl. horde, hurde ‘geflochtene Matte’, nl. horde ‘Flechtwerk’); md. nd. Entsprechung von ↗Hürde (s. d.), die in frühnhd. Zeit in die Literatursprache aufgenommen wird.

Thesaurus

Synonymgruppe
(wilder) Haufen  abwertend · Horde  abwertend · ↗Meute  abwertend · ↗Rotte  Jargon · ↗(unzivilisierte) Bande  derb · ↗Mob  derb, abwertend · ↗Pack  derb, abwertend · ↗Saubande  derb, stark abwertend · ↗Schweinebande  derb, stark abwertend
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Affe Barbar Brüllaffe Hooligan Khan Skinhead Wütige asiatisch barbarisch bolschewistisch brandschatzend braun einfallend faschistisch geldgeil golden grölend hereinstürmen herfallen johlend lärmend marodierend mongolisch mordend plündernd prügelnd randalierend räuberisch wild zustürmen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Horde‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er sah lediglich eine Horde wild gewordener Affen, die auch noch glaubten, ein besonders schönes Spiel auszuüben.
Die Welt, 01.06.2002
Irgendwo über uns stürmt eine kreischende Horde unsichtbarer Tiere durch den Wald.
Der Tagesspiegel, 12.01.2002
Aber an erster Stelle geht es ihm um seine Vision der idealen Horde.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 163
Sogar verschiedene Horden der gleichen Art unterscheiden sich oft in manchen Zügen ihres sozialen Verhaltens.
Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 182
Aus Horden und kleinen Gruppen werden Völker, rassisch kaum noch homogen, und sie werden zu den sichtbaren Trägern der eigentlichen Geschichte.
Plessner, Helmuth: Conditio Humana. In: Mann, Golo u. a. (Hgg.) Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 69
Zitationshilfe
„Horde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Horde#2>, abgerufen am 23.03.2019.

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