Hort, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Hort(e)s · Nominativ Plural: Horte
Aussprache
Wortbildung mit ›Hort‹ als Erstglied: ↗Horterzieher · ↗Hortkind · ↗Hortplatz
 ·  mit ›Hort‹ als Letztglied: ↗Goldhort · ↗Jugendhort · ↗Kinderhort · ↗Schulhort · ↗Schülerhort
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Heim, in dem sich Schulkinder außerhalb des Unterrichts am Tage aufhalten, Kinderhort
Beispiele:
am Nachmittag sind die Kinder im Hort
die Schularbeiten werden im Hort gemacht
das Kind vom Hort abholen
2.
gehoben Ort, Stätte, wo etw. besonders geachtet, gepflegt wird
Beispiele:
die Universität ist ein Hort des Geistes
dieses Land ist ein Hort des Friedens, der Freiheit
Österreich seinerseits spielte eine hervorragende Rolle doch nur als Hort der Heiligen Allianz [LamprechtDt. Geschichte380]
Halt, Zuflucht
Beispiele:
er war ihrer aller Schutz und Hort
Darum ist sie [die Familie] der feste Hort [BrechtDreigroschenroman439]
Am Lech sank Tilly, euer letzter Hort [SchillerWallenst. TodIII 13]
3.
dichterisch Schatz
Beispiele:
Hei! Siegfried gehört nun / der Niblungen Hort! [WagnerGötterdämmerungIII 2]
wie er auch den ihm hinterlassenen goldenen Hort noch mit keinem Finger berührt hatte [C. F. MeyerHochzeit d. Mönchs3,240]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hort · Schulhort · Hortnerin · horten
Hort m. ‘Schatz, Schutz, Zuflucht, Tagesheim für schulpflichtige Kinder’, ahd. (8. Jh.), mhd. hort ‘Schatz, Angehäuftes, Fülle, Menge’, asächs. hord, horð, aengl. hord, engl. hoard ‘Schatz, Vorrat’, anord. hodd ‘Schatz, Gold’, schwed. (mundartlich) hudda ‘Schuppen’, (mit grammatischem Wechsel) got. huzd ‘(verborgener) Schatz’ führen über ie. *kuzdho- ‘in Verborgenheit Gebrachtes, Versteck, Höhlung’ zusammen mit ↗Haus, ↗Hose (s. d.) auf eine s-Erweiterung ie. *keus- der mehrfach weitergebildeten und weit verbreiteten Wurzel ie. *(s)keu-, *(s)keu̯ə-, *(s)kū- ‘bedecken, umhüllen’ (s. ↗Haut, ↗Scheune). Die alte Bedeutung ‘Schatz’, die bereits im 16. Jh. zurücktritt, wird durch die Bekanntschaft mit dem Nibelungenlied neu belebt (18. Jh.). An die übertragene, in der Sprache der Bibel entwickelte Verwendungsweise ‘sicherer Ort, Schutz, Zuflucht’ schließt sich ↗Kinderhort (s. d.) an, auch Schulhort m. ‘Tagesheim zur Betreuung schulpflichtiger Kinder’ (20. Jh.), vielfach verkürzt Hort; dazu Hortnerin f. (20. Jh.). horten Vb. ‘anhäufen, sammeln’, als Neubildung (Anfang 20. Jh.) der Wirtschaftssprache zunächst bezogen auf Gold bzw. Geld, danach in allgemeinen Gebrauch übergehend.

Thesaurus

Synonymgruppe
Hort · ↗Kindergarten · ↗Kinderhort
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Kinder · Nachkommen · ↗Nachkommenschaft · ↗Nachwuchs · nächste Generation  ●  (die) lieben Kleinen  scherzhaft · Blagen  ugs. · ↗Brut  derb · Bälger  ugs. · ↗Gezücht  geh., abwertend · Wänster (thür.)  ugs.
  • Erzieher  ●  Kindergärtner  veraltet
Synonymgruppe
Hort · ↗Juwel · ↗Kostbarkeit · ↗Schatz · ↗Schmuckstück · ↗Vermögen · wertvoll(st)er Besitz  ●  ↗Kronjuwel(en)  fig. · ↗Kleinod  geh. · ↗Tafelsilber  ugs., fig.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Edelstein · ↗Juwel · ↗Klunker · ↗Schmuckstein · ↗Schmuckwerk · ↗Stein
  • (das angesparte) Kapital aufzehren · (sein) Vermögen aufzehren · die (letzten) Reserven angreifen  ●  (das) Tafelsilber verkaufen  variabel, fig. · (sein) letztes Hemd verkaufen (müssen)  fig. · ans Eingemachte gehen (müssen)  fig. · von der Substanz leben  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Böse Bürgerlichkeit Elternbeirat Ganztagsschule Geborgenheit Gemütlichkeit Glückseligkeit Grundschule Instabilität Kindergarten Kinderkrippe Kindertagesstätte Kita Konservatismus Kooperationseinrichtung Krippe Liberalität Militarismus Orthodoxie Schulkindergarten Schülerladen Solidität Stabilität Tagesheim Tagesstätte Toleranz Verlagerung Zuflucht heilpädagogisch zweigruppig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hort‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diskriminiert das nicht die friedliche Region als Hort des Verbrechens?
Der Tagesspiegel, 30.08.2000
Man könne einen Hort ja nicht einfach irgendwohin setzen, erklärt er.
Süddeutsche Zeitung, 29.02.1996
In einem alten europäischen Gemeinwesen, Polen, bleibt die katholische Kirche der Hort der Nation, ihrer Freiheit, ihrer Dauer überhaupt.
Mann, Golo: Schlußbetrachtung aus der Sicht des Jahres 1986. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1986], S. 25203
Als er mit Cortez allein war, bat er darum, den Hort des Herrn des Fastens nicht anzutasten.
Stucken, Eduard: Die weißen Götter, Stuttgart: Stuttgarter Hausbücherei [1960] [1919], S. 313
In vielen der nächsten Jahre, die ich nun beschreiben will, brauchte ich allerdings, wenigstens außer dem Hause, zu jenem Horte nicht Zuflucht zu nehmen.
Wildgans, Anton: Mein Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1933], S. 2727
Zitationshilfe
„Hort“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hort>, abgerufen am 19.01.2019.

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