Humanismus, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Humanismus · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Hu-ma-nis-mus
Wortzerlegung human-ismus
Wortbildung  mit ›Humanismus‹ als Letztglied: ↗Antihumanismus · ↗Frühhumanismus · ↗Neuhumanismus
Herkunft zu hūmānuslat ‘menschlich, menschenfreundlich, feingebildet’
eWDG

Bedeutungen

1.
Denken und Handeln im Bewusstsein der Würde des Menschen und zum Wohle der Menschheit, Menschlichkeit
Beispiele:
ein echter, wahrer, kämpferischer, streitbarer, schöpferischer Humanismus
der bürgerliche, klassische, antike, wissenschaftliche, reale Humanismus
die Ideen, Ideale des Humanismus
ein Bekenntnis zum Humanismus
die Jugend zum Humanismus, im Geiste des Humanismus erziehen
2.
historisch kulturelle Bewegung im 14. bis 16. Jahrhundert in Europa, die auf dem Studium der antiken Literatur und Kunst fußt
Beispiel:
das Zeitalter des Humanismus und der Renaissance
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

human · Humanität · Humanist · humanistisch · Humanismus
human Adj. ‘menschlich, menschenfreundlich, feingebildet’, Entlehnung (17. Jh.) aus gleichbed. lat. hūmānus, einer Adjektivbildung zu lat. homo (Genitiv hominis) ‘Mensch’ (dieses zu lat. humus ‘Erde, Erdboden’, s. ↗Humus). Im 18. Jh. nimmt das Adjektiv unter dem Einfluß von Humanität (s. unten) auch die Bedeutung ‘menschenwürdig’ an. Humanität f. ‘Menschlichkeit, menschliche Würde, menschliches Denken und Handeln’, seit der Klassik (Herder) ‘umfassende Bildung und höchstes sittliches Verhalten des Menschen’, Entlehnung (16. Jh.), zunächst im Sinne von ‘Freundlichkeit, Güte’, aus lat. hūmānitās (Genitiv hūmānitātis) ‘menschliche Natur, Menschheit, Menschenfreundlichkeit, Milde, feine Bildung’, zu lat. hūmānus. Im Sinne von ‘gelehrte Kenntnis, höhere Bildung, freie Entfaltung aller menschlichen Geisteskräfte’ wird lat. hūmānitās zum Losungswort des aus der Renaissance hervorgegangenen Humanismus. Humanist m. ‘Kenner des klassischen Altertums, seiner Sprachen und Schriften, Anhänger einer auf dieser Kenntnis beruhenden Bildung’ (1. Hälfte 18. Jh.), ‘Vertreter der historischen Bewegung des Humanismus’ (um 1800), latinisierte Entlehnung von ital. umanista bzw. mfrz. humaniste ‘wer höhere Bildung besitzt, Kenner der antiken Schriften’ (beide 16. Jh.), zu ital. umano, afrz. frz. humain, lat. hūmānus (s. oben). humanistisch Adj. ‘die Kenntnis der Antike, die alten Sprachen betreffend, altsprachlich’ (2. Hälfte 18. Jh.), vgl. humanistische Schulen, Studien, humanistisches Gymnasium; ‘den Humanismus betreffend, auf ihm beruhend’ (19. Jh.). Humanismus m. pädagogisches System, das besonderen Wert auf die Erlernung der antiken Sprachen legt (um 1800); in Anlehnung an Humanist (s. oben) gebildet zu lat. hūmānus. Danach, besonders seit der Darstellung von G. Voigt „Die Wiederbelebung des klassischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus“ (1859), Bezeichnung für die im Italien des 14. Jhs. einsetzende frühbürgerliche Bewegung, die sich mit der klassischen griechischen, lateinischen und der frühchristlichen Literatur und Bildung beschäftigt und die Wiederbelebung antiker Bildungsideale anstrebt; in Anlehnung an lat. hūmānitās (s. oben). Heute auch ‘Gesamtheit aller Ideen und Bestrebungen mit dem Ziel eines menschenwürdigen Daseins’ (20. Jh.), in Anlehnung an human (s. oben).

Typische Verbindungen zu ›Humanismus‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Humanismus‹.

Verwendungsbeispiele für ›Humanismus‹

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Zurzeit steht die Philosophie des Humanismus nicht sehr hoch im Kurs.
Die Welt, 09.03.2000
Es sind die einfachen Werte eines multikulturellen Humanismus, für die sich die Frauen stark machen.
Der Tagesspiegel, 04.11.1998
Hat der deutsche Humanismus nicht solche Werke hervorgebracht wie »Die Erziehung des Menschengeschlechts«?
Brussig, Thomas: Helden wie wir, Berlin: Verl. Volk und Welt 1996 [1995], S. 134
Sie wurde ein einzigartiges Instrument für die Verbreitung des Humanismus.
Garin, Eugenio: Die Kultur der Renaissance. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 4877
Es geht Becher dabei um den realen Humanismus unserer Zeit.
Abusch, Alexander: Johannes R. Becher. In: Kaiser, Helmut (Hg.) Die Dichter des sozialistischen Humanismus, München: Dobbeck 1960, S. 65
Zitationshilfe
„Humanismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Humanismus>, abgerufen am 04.05.2021.

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