Hunger, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Hungers · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungHun-ger
Wortbildung mit ›Hunger‹ als Erstglied: ↗Hungerblockade · ↗Hungerbrunnen · ↗Hungerdasein · ↗Hungergefühl · ↗Hungergrube · ↗Hungerjahr · ↗Hungerkatastrophe · ↗Hungerkrankheit · ↗Hungerkur · ↗Hungerkünstler · ↗Hungerleben · ↗Hungerleider · ↗Hungerlohn · ↗Hungerpfote · ↗Hungerproblem · ↗Hungerquelle · ↗Hungersnot · ↗Hungerstreik · ↗Hungerstreikende · ↗Hungertod · ↗Hungertuch · ↗Hungerturm · ↗Hungerzeit · ↗Hungerzustand · ↗Hungerödem · ↗hungergeschwächt · ↗hungrig
 ·  mit ›Hunger‹ als Letztglied: ↗Abenteuerhunger · ↗Bildungshunger · ↗Bombenhunger · ↗Bärenhunger · ↗Erlebnishunger · ↗Geldhunger · ↗Glaubenshunger · ↗Glückshunger · ↗Heißhunger · ↗Landhunger · ↗Lebenshunger · ↗Lesehunger · ↗Lichthunger · ↗Liebeshunger · ↗Lufthunger · ↗Machthunger · ↗Mordshunger · ↗Riesenhunger · ↗Sensationshunger · ↗Sonnenhunger · ↗Stoffhunger · ↗Stromhunger · ↗Wissenshunger · ↗Wolfshunger
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
starkes Bedürfnis zu essen
Beispiele:
großen, kräftigen, gesunden, heftigen Hunger haben
umgangssprachlich tüchtigen, mächtigen, ordentlichen Hunger haben
salopp, übertrieben fürchterlichen, schrecklichen Hunger haben
Hunger verspüren, fühlen, leiden, bekommen
umgangssprachlich Hunger kriegen
den (ärgsten) Hunger stillen, befriedigen
den Hunger übergehen
salopp Hunger wie ein Wolf, Bär haben
er hat Hunger auf Brot, Fleisch
ihn plagt der Hunger
schwach vor Hunger sein
vom Hunger matt, abgezehrt, ausgemergelt
der Säugling schreit, die Hunde heulen vor Hunger
vor, an Hunger sterben
gehoben Hungers sterben
umgangssprachlich vor Hunger und Durst umkommen, vergehen, sterben (= großen Hunger und Durst haben)
umgangssprachlich ich falle bald um vor Hunger
umgangssprachlich der Magen knurrt mir vor Hunger
umgangssprachlich, scherzhaft guten Hunger! (= guten Appetit!)
sprichwörtlich Hunger ist der beste Koch
Der Hunger tut weh [DiesterwegSchriften1,173]
von Müdigkeit und Hunger plötzlich überwältigt [KasackStadt133]
2.
Mangel an Lebensmitteln, Hungersnot
Beispiele:
im Lande herrscht großer Hunger
der Hunger war eine Folge des Krieges
Hunger zwang die Besatzung der Festung zur Übergabe
so war sie ohne Erbarmen der Not und dem Hunger überantwortet [Th. MannKönigl. Hoheit7,258]
3.
gehoben, übertragen heftiges Verlangen, Begierde
Beispiele:
Hunger nach Gold, Reichtum, Ehre, Ruhm, Liebe, Gerechtigkeit
geistiger Hunger
Hunger nach Farben, nach der Welt, die so weit [TucholskyGanz anders54]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hunger · hungern · hungrig · aushungern · verhungern · Hungersnot · Hungertuch
Hunger m. ‘Verlangen nach Nahrung, starkes Bedürfnis’, ahd. hungar (8. Jh.), mhd. mnd. hunger, asächs. hungar, mnl. hongher, nl. honger, aengl. hungor, hungur, engl. hunger, anord. hungr, schwed. hunger mit grammatischem Wechsel gegenüber got. hūhrus. Germ. *hungru-/ *hunhru- führt mit griech. kánkanos (κάγκανος) ‘dürr, trocken, brennbar’, kénkei (κέγκει) ‘hungert’, lit. kankà ‘Schmerz, Pein, Marter, Qual’, kankìnti ‘peinigen, quälen’, keñkti ‘schaden, schmerzen’ und möglicherweise auch aind. kā́ṅkṣati ‘er begehrt, verlangt brennend, sehnt sich’ auf eine Wurzel ie. *kenk- ‘brennen, weh tun’ (auch von Durst und Hunger). Vom Substantiv abgeleitet hungern Vb. ahd. hungarēn (8. Jh.), hungarōn (11. Jh.), mhd. hungern. hungrig Adj. ‘Hunger leidend’, ahd. hung(a)rag (9. Jh.), mhd. hungerec, hungeric, hungerc. aushungern Vb. ‘hungern lassen, durch Hunger zum Nachgeben, zur Auf-, Übergabe zwingen’ (15. Jh.). verhungern Vb. ‘an Hunger zugrunde gehen’, mhd. verhungern. Hungersnot f. mhd. hungernōt. Hungertuch n. ehemals ‘in der Fastenzeit den Altar verhüllendes bemaltes oder besticktes Tuch’, mhd. hungertuoch, mnd. hungerdōk. Dazu die Wendung am Hungertuche nagen ‘Not leiden’ (16. Jh.), scherzhafte Umbildung (H. Sachs, Fischart) von (ebenfalls im 16. Jh. bezeugtem) am Hungertuche nähen, flicken ‘fasten, sich kümmerlich behelfen’, eigentlich ‘das Fastenvelum nähen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Appetit · ↗Esslust · Hunger · ↗Hungergefühl · Lust auf Essen
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dürsten Fasten Frieren Sterben abnehmen freiwillig ständig zwingen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hunger‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und sie hat das Hungern satt, das Maßhalten im Überfluss.
Der Tagesspiegel, 17.01.2002
Vielleicht erscheint uns das öffentliche Hungern als Mittel ja schlicht verbraucht?
Süddeutsche Zeitung, 09.04.1997
Das deutsche Volk werde nicht hungern, das Hungern überlasse er notfalls den besetzten Gebieten.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1942. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1942], S. 248
Er war hungrig und war das Hungern noch nicht wie andere gewöhnt.
Plievier, Theodor: Stalingrad, München u. a.: Desch 1973 [1946], S. 279
Nun begann für mich eine gar traurige, viele Jahre dauernde Zeit des Elends, des Hungerns.
Goldmark, Karl: Erinnerungen aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 28038
Zitationshilfe
„Hunger“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hunger>, abgerufen am 22.10.2019.

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