Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Ideal, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ideals · Nominativ Plural: Ideale
Aussprache 
Worttrennung Ide-al (computergeneriert)
formal verwandt mitideal
eWDG

Bedeutungen

1.
Verkörperung, Muster von etw. Vollkommenem, Inbegriff der Vollkommenheit
Beispiele:
das Ideal von etw. sein, darstellen, verkörpern
das Ideal von Unschuld, Reinheit, Schönheit
das Ideal eines Gatten, Vorgesetzten
ein, sein Ideal bewundern, anbeten
von einem, seinem Ideal schwärmen, träumen
Teure Josephine, Sie sind mir das Ideal einer Frau [ FontaneWuthenowI 1,341]
Er [Theoderich] stellt das Ideal der Germanen dar [ DürrenmattRomulusIV]
2.
Ziel, höchster Wunsch, Leitgedanke
Beispiele:
ein hohes, erhabenes, falsches, zerstörtes, verschwommenes, jugendliches Ideal
ethische, humanistische, künstlerische Ideale
das Ideal der Treue, des Weltfriedens, der nationalen Einheit
die Ideale des Bürgertums, der Revolution
das Ideal der Aufklärung vom Sieg der Tugend über das Laster
mir schwebt als Ideal eine Dreizimmerwohnung vor
(seine) Ideale haben, in sich tragen, hochhalten, aufgeben, verraten
er hat sich [Dativ] seine Ideale noch erhalten
die Ideale anderer achten
(seinen) Idealen anhängen, nachstreben
für ein Ideal kämpfen, eintreten, alles opfern
mein Ideal war, mich einmal an Butterbrot tüchtig satt essen zu können [ BebelAus meinem Leben40]
Nicht die Ideale, die einer in der Brust trug, zählten, sondern diejenigen, zu denen er sich vor der Welt bekannte [ Feuchtw.Füchse143]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ideal · idealisch · Ideal · idealisieren · Idealismus · Idealist · idealistisch
ideal Adj. ‘nur gedacht, vorbildlich, mustergültig’. Seit dem 17. Jh. wird Ideal-, aus spätlat. ideālis ‘dem Urbild entsprechend’ (5. Jh.), abgeleitet von lat. idea (s. Idee), alserstes Glied in Zusammensetzungen gebräuchlich, vgl. Idealform ‘mustergültige Form’ (17. Jh., nach spätlat. forma ideālis), Idealbild, Idealschönheit (18. Jh.). Um 1800 tritt ideal auch als selbständiges Adj. mit der Bedeutung ‘vorbildlich, mustergültig’ auf. Spätlat. ideālis erhält in der Gelehrtensprache des 14. Jhs. (Ockham) die Bedeutung ‘nur geistig existent, gedanklich’, im Dt. seit der 1. Hälfte des 18. Jhs. durch ideal ‘nur gedacht, geistig vorgestellt’ wiedergegeben. Daneben steht ebenfalls auf ideālis zurückgehendes idealisch Adj. (nach der Mitte des 18. Jhs.), zunächst gleichbed. mit ideal in beiden Verwendungen und bis ins 19. Jh. gebräuchlich. Im 19. Jh. setzt sich ideal ‘vorbildlich, mustergültig’ gegenüber idealisch durch, während idealisch, ideal im Sinne von ‘nur gedacht, geistig vorgestellt’ durch ideell (s. d.) ersetzt wird. Ideal n. ‘Vollkommenheitsbegriff, Muster, Vorbild’ (18. Jh., nach Wieland 1775 bereits Modewort). idealisieren Vb. ‘etw. vollkommener sehen, als es in Wirklichkeit ist’ (18. Jh.), zu Ideal gebildet. Idealismus m. philosophische Grundrichtung, die im Gegensatz zum Materialismus das Bewußtsein gegenüber der Materie als primär und bestimmend ansetzt (18. Jh.), bei M. Mendelssohn ‘Lehre, nach der die Außenwelt nur im Bewußtsein existiert’; auch ‘opferbereite Begeisterung’ (19. Jh.). Idealist m. ‘Anhänger des Idealismus, wer sich nach Idealen richtet’ (18. Jh.). idealistisch Adj. ‘den Idealismus betreffend, nach der Verwirklichung von Idealen strebend’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ausgereiftheit · Ideal · Idealergebnis · Makellosigkeit · Perfektion · Unübertrefflichkeit · Vollendung · Vollkommenheit · höchste Blüte  ●  Kalokagathia  griechisch
Synonymgruppe
Assoziationen
Antonyme
  • raue Wirklichkeit
Synonymgruppe
Bestleistung · Hochform · Ideal · Maximum · Nonplusultra · Spitzenleistung  ●  Highlight  ugs. · Optimum  fachspr. · Spitze  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Ideal‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ideal‹.

Verwendungsbeispiele für ›Ideal‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vor jeder Verwirklichung eines Ideals steht die willensmäßige Bereitschaft, Opfer zu bringen. [Reile, Bonifaz (Hg.), Kneipp, Sebastian. Das große Kneippbuch, München: Beckstein 1939 [1903], S. 891]
Sie versetzt uns in die Lage, auf unsere »Ideale« warten zu können! [Altenberg, Peter: Pròdromos. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1906], S. 765]
Keinesfalls darf man die höhere Welt des Ideals preisgeben zugunsten einer bescheideneren Wirklichkeit. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 31]
Ihm eignete nicht die Kraft, das Ideal alleine aus sich zu verkörpern. [Beenken, Hermann: Das Neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst, München: Bruckmann 1944, S. 368]
Dann hätte man die Ideale preisgegeben, auf denen sich das System der Vereinten Nationen gründet. [Der Spiegel, 18.02.1985]
Zitationshilfe
„Ideal“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ideal>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Idared
Icon
Ickerchen
Icing
Ichthyotoxin
Idealbeispiel
Idealbesetzung
Idealbild
Idealehe
Idealfall