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Idealismus, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Idealismus · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Ide-alis-mus · Idea-lis-mus
Wortzerlegung Ideal -ismus
Wortbildung  mit ›Idealismus‹ als Letztglied: Beamtenidealismus · Berufsidealismus · Freiheitsidealismus
eWDG

Bedeutungen

1.
(begeistertes) Streben nach Verwirklichung von (ethischen) Idealen unter Verzicht auf persönlichen Vorteil
Beispiele:
ehrlicher, gesunder, hoher, reiner, blinder, falscher Idealismus
der Idealismus der Lehrerschaft, des Wissenschaftlers
von Idealismus erfüllt, getrieben sein
ihm lag jeder Idealismus fern
aus, voller Idealismus etw. tun, für etw. eintreten, kämpfen
Sie hatte den ganzen Idealismus der Jugend [ BrodFrau111]
Menschenliebe, Selbstlosigkeit
Beispiele:
sie sorgte voller Idealismus für die Hilflosen
sein reiner Idealismus ließ ihn nur an andere denken
2.
Philosophie Sammelbezeichnung für philosophische Systeme und Weltanschauungen, die nicht in der Materie, sondern in einer Idee, im Geist, im Bewusstsein das Primäre, die Wirklichkeit letztlich Bestimmende sehen
in gegensätzlicher Bedeutung zu Materialismus
Beispiele:
der objektive Idealismus (= Grundrichtung des Idealismus, die in der objektiv existierenden Welt die Schöpfung und Verkörperung eines geistigen Prinzips sieht)
der subjektive Idealismus (= Grundrichtung des Idealismus, die im subjektiven Bewußtsein des einzelnen Menschen das Bestimmende erblickt, für das die Außenwelt nur in Wahrnehmungen und Vorstellungen existiert)
ein philosophischer, erkenntnistheoretischer, ethischer, transzendenter Idealismus
der moderne, deutsche Idealismus
der Idealismus der Antike, des Mittelalters
der Idealismus Hegels, Schopenhauers
die Geschichte der Philosophie ist die Geschichte des Kampfes zwischen Idealismus und Materialismus
3.
Kunst, Wissenschaft Richtung, die dem Schaffen nicht die Wirklichkeit, sondern ideale Vorstellungen zugrunde legt
in gegensätzlicher Bedeutung zu Realismus, Naturalismus
Beispiel:
der Idealismus in der Kunst der Gotik
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ideal · idealisch · Ideal · idealisieren · Idealismus · Idealist · idealistisch
ideal Adj. ‘nur gedacht, vorbildlich, mustergültig’. Seit dem 17. Jh. wird Ideal-, aus spätlat. ideālis ‘dem Urbild entsprechend’ (5. Jh.), abgeleitet von lat. idea (s. Idee), alserstes Glied in Zusammensetzungen gebräuchlich, vgl. Idealform ‘mustergültige Form’ (17. Jh., nach spätlat. forma ideālis), Idealbild, Idealschönheit (18. Jh.). Um 1800 tritt ideal auch als selbständiges Adj. mit der Bedeutung ‘vorbildlich, mustergültig’ auf. Spätlat. ideālis erhält in der Gelehrtensprache des 14. Jhs. (Ockham) die Bedeutung ‘nur geistig existent, gedanklich’, im Dt. seit der 1. Hälfte des 18. Jhs. durch ideal ‘nur gedacht, geistig vorgestellt’ wiedergegeben. Daneben steht ebenfalls auf ideālis zurückgehendes idealisch Adj. (nach der Mitte des 18. Jhs.), zunächst gleichbed. mit ideal in beiden Verwendungen und bis ins 19. Jh. gebräuchlich. Im 19. Jh. setzt sich ideal ‘vorbildlich, mustergültig’ gegenüber idealisch durch, während idealisch, ideal im Sinne von ‘nur gedacht, geistig vorgestellt’ durch ideell (s. d.) ersetzt wird. – Ideal n. ‘Vollkommenheitsbegriff, Muster, Vorbild’ (18. Jh., nach Wieland 1775 bereits Modewort). idealisieren Vb. ‘etw. vollkommener sehen, als es in Wirklichkeit ist’ (18. Jh.), zu Ideal gebildet. Idealismus m. philosophische Grundrichtung, die im Gegensatz zum Materialismus das Bewußtsein gegenüber der Materie als primär und bestimmend ansetzt (18. Jh.), bei M. Mendelssohn ‘Lehre, nach der die Außenwelt nur im Bewußtsein existiert’; auch ‘opferbereite Begeisterung’ (19. Jh.). Idealist m. ‘Anhänger des Idealismus, wer sich nach Idealen richtet’ (18. Jh.). idealistisch Adj. ‘den Idealismus betreffend, nach der Verwirklichung von Idealen strebend’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(das) Streben nach dem Guten, Wahren, Schönen · (eine) idealistische Einstellung · Idealismus
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Idealismus‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Idealismus‹.

Verwendungsbeispiele für ›Idealismus‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Selten hat ein politisches System seine Getreuen kürzer gehalten, die Kompetenzen seiner wichtigsten Dienstklasse schärfer beschnitten, ihren Idealismus auf härtere Proben gestellt als dieses. [Engler, Wolfgang: Die Ostdeutschen, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1999], S. 186]
Er redet nicht gegen den Idealismus, er lebt gegen ihn. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 200]
Auch Kant sah im Idealismus schon das Moment der spontanen Setzung. [Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 2: Neuzeit und Gegenwart. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1952], S. 1763]
Viele sprachen von unverbesserlichem Idealismus: da sei zuviel Technik zu überwinden, und die meisten Frauen besäßen ohnehin kein Modem. [C't, 1995, Nr. 4]
Andererseits ist also überhaupt kein Idealismus vorhanden, wo alles in Geld geschätzt wird. [o. A.: VON DEN VIELGEPRIESENEN LEISTUNGEN DES SCHNÖDEN MAMMONS. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1984]]
Zitationshilfe
„Idealismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Idealismus>.

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