Idee, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Idee · Nominativ Plural: Ideen
Aussprache 
Herkunft zu idéagriech (ἰδέα) ‘Erscheinung, Gestalt, Beschaffenheit, Art, Form, Urbild’ < idé͞ingriech (ἰδεῖν) ‘sehen, erblicken, zu erfahren suchen’

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. Gedanke, Vorstellung
    1. ⟨eine, keine Idee von etw. haben⟩ eine, keine Ahnung von etw. haben
    2. ⟨eine fixe Idee⟩ eine Wahnvorstellung, Einbildung
    3. Einfall
    4. Absicht, Plan
  2. 2. Grundgedanke, Leitgedanke, Prinzip
  3. 3. [umgangssprachlich] ⟨eine Idee⟩ eine Kleinigkeit, ein bisschen
eWDG

Bedeutungen

1.
Gedanke, Vorstellung
Beispiele:
eine originelle, neue, konstruktive, umwälzende, vage, konfuse Idee
er hat noch keine klare Idee, was er werden will
etw. bleibt bloße Idee, nur Idee (= wird nicht Wirklichkeit)
etw. ist nur als Idee, als bloße Idee vorhanden
eine Idee vertreten, aufgreifen, aufnehmen, entwickeln, aufgeben, fallenlassen, verwerfen, in Worte fassen, zu Papier bringen, ausführen
das Aufgreifen und Verwerten der Ideen anderer
von einer Idee begeistert, entflammt, besessen sein
er kam von seiner Idee nicht los
auf jmds. Ideen eingehen
an einer Idee festhalten
sich in eine Idee, seine Ideen verbohren, verbeißen
eine, keine Idee von etw. habeneine, keine Ahnung von etw. haben
Beispiel:
sie haben keine Idee davon, wie mir das Mädchen imponiert [ RaabeSchüdderumpIII 1,357]
eine fixe Ideeeine Wahnvorstellung, Einbildung
Beispiele:
eine fixe Idee haben
der Gedanke, seine Frau sei ihm untreu geworden, ist ihm zur fixen Idee geworden
unter einer fixen Idee leiden
Gefangener einer fixen Idee sein
sich in eine fixe Idee verrennen
Einfall
Beispiele:
etw. ist eine gute, keine schlechte, geniale, geistvolle, glänzende, köstliche, ausgefallene, kindische, rettende, gefährliche Idee
umgangssprachlichetw. ist eine prima, blendende, verrückte Idee
ein Drehbuch nach einer Idee von N
umgangssprachlichdas ist eine Idee von Schiller! (= das ist eine sehr gute Idee!)
ich habe eine Idee!
auf eine Idee kommen
wie kommst du denn auf so eine Idee?
ihm kam die Idee, sein Zimmer durch Blumen zu verschönern
jmdn. auf eine Idee bringen
Absicht, Plan
Beispiele:
er ist nie dazu gekommen, seine Ideen auszuführen
die Schriftstellerin hatte die Idee zu einem autobiographischen Roman
eine Idee verfolgen
gehobeneine Idee hegen
mit einer Idee umgehen, spielen
der Adlerjäger trug sich mit der Idee, das Zelt mit Rädern zu versehen [ L. FrankMathilde5,249]
2.
Grundgedanke, Leitgedanke, Prinzip
Beispiele:
große, freiheitliche, philosophische, moderne Ideen
die europäische, vaterländische, olympische Idee
die tragende Idee bei allen Überlegungen muss sein, …
der Inszenierung fehlte die leitende Idee
die Idee eines Dramas, Romans
die Idee des Guten
die Idee des Schönen bei Schiller
die Idee des Friedens, der Freiheit, des Liberalismus, der Demokratie
die neuen Ideen unseres Jahrhunderts
Philosophiedie Idee bei Plato, Aristoteles, Kant, Hegel
der Kampf der Ideen
das Reich der Ideen
der Glaube an die Macht der Idee
einer Idee dienen
für eine Idee leben, kämpfen, eintreten, Opfer bringen, sterben
sein Leben einer Idee verschreiben, opfern
der Staat ist von einer Idee getragen
er bekannte sich zu den Ideen seiner Weltanschauung
es [Deutschland] bezog Ideen, Maschinen … Kapital und Menschen vielfach aus dem Auslande [ RathenauBriefe1,150]
Diese beiden Ideen [das Relativitäts‑ und das Quantenprinzip] sind es im wesentlichen, welche dem neuen Bild [der Physik] sein charakteristisches Gepräge gegenüber dem älteren geben [ PlanckWeltbild17]
3.
umgangssprachlich eine Ideeeine Kleinigkeit, ein bisschen
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
eine Idee mehr Salz
hänge das Bild eine Idee höher!
»hast du ihm geholfen?« »Keine Idee
ohne die Idee (= ganz ohne) Ironie
Keine Idee von Anstand [ FontaneIrrungenI 3,202]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Idee · ideell
Idee f. ‘Urbild, Gedanke, Begriff, Einfall, Kleinigkeit’. Griech. idéa (ἰδέα), lat. idea ‘Erscheinung, Gestalt, Beschaffenheit, Art, Form, Urbild’, Verbalabstraktum zu griech. (Aorist) idé͞in (ἰδεῖν) ‘sehen, erblicken, zu erfahren suchen’ (vgl. lat. vidēre ‘sehen’, s. wissen), gelangt mit der Verbreitung der Philosophie Platons, in der die Ideen als die ‘unveränderlichen Urbilder der Dinge’ dargestellt werden, in die übrigen europ. Sprachen und ist seit dem 17. Jh. in der eingedeutschten Form Idee (Leibniz, Thomasius) nachzuweisen (doch noch im 18. Jh. auch in lat. Form belegt). Idee wird zum grundlegenden Allgemeinbegriff der Philosophie, der in idealistischen Weltanschauungen gegenüber der Materie als primär und bestimmend aufgefaßt wird. Daneben wandelt sich in allgemeiner Vorstellung (unter dem Einfluß von frz. idée) die Bedeutung im 17. Jh. zu ‘geistige, gedankliche Vorstellung, Gedanke, Begriff’ (in Anlehnung an Descartes), dann auch zu ‘Meinung, die man von etw. hat’ (Herder), ‘Grundgedanke einer wissenschaftlichen Arbeit, eines Kunstwerks, dichterischer Stoff, Plan’ (Goethe). Über diese Entwicklung wird der philosophische Terminus zugleich ein Wort der Alltagssprache mit den Bedeutungen ‘Einfall, plötzliche Eingebung’ sowie ‘Kleinigkeit, ein wenig’ (19. Jh.), wohl aus Verwendungen wie ‘Andeutung einer Vorstellung’. ideell Adj. ‘eine Idee betreffend, nur vorgestellt, gedacht, nicht wirklich’ (um 1800), zu ideal (s. d.), wohl nach dem älteren (17. Jh.) Vorbildpaar real und reell (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Eingebung · Erleuchtung · Gedanke · Idee  ●  Einfall  Hauptform
Assoziationen
  • Hilfe in höchster Not · plötzliche Eingebung · rettende Idee  ●  Erleuchtung  fig. · rettender Einfall  Hauptform
  • Glanzidee · geniale Idee · tolle Idee  ●  Wahnsinnsidee  ugs. · super Idee  ugs.
  • (jemanden) durchfährt der Gedanke (dass ...) · Erleuchtung · genialer Einfall · plötzliche Eingebung · zündende Idee  ●  Geistesblitz  Hauptform
Synonymgruppe
Assoziationen
  • (es sich) nicht verkneifen können (zu) · (jemandem) einfallen · (jemandem) kommt der Gedanke · (sich) (etwas) überlegen · (sich) einfallen lassen · auf den Gedanken verfallen (zu) · auf die Idee kommen (zu) · in den Sinn kommen · nichts Besseres zu tun haben als  ●  (auf einmal) ankommen mit  ugs. · (den) Einfall haben (...)  ugs. · (einen) Rappel kriegen (und...)  ugs. · (jemandem) belieben zu (es)  geh. · (jemanden) anwandeln  geh. · (jemanden) anwehen  geh. · (jemanden) überkommen (es)  geh. · (plötzlich) die Idee haben (...)  ugs. · (sich etwas) denken (bei)  ugs. · (sich) bemüßigt fühlen (zu)  geh., ironisierend · auf die glorreiche Idee kommen (zu)  ugs., ironisch · es für eine gute Idee halten (zu / dass)  ugs., ironisch · kommen (auf)  ugs. · um die Ecke kommen mit  ugs., fig. · verfallen auf  geh.
  • Einbildung · Halluzination · Trugbild · Täuschung · Wahnbild · Wahnvorstellung  ●  Gesicht (oft Plural: Gesichte)  veraltet · Hallu (meist Plural: Hallus)  Jargon · Sinnestäuschung  Hauptform · Butterland  fachspr., Jargon, seemännisch · reizunabhängige Sinneswahrnehmung  fachspr.
  • (jemanden) durchfährt der Gedanke (dass ...) · Erleuchtung · genialer Einfall · plötzliche Eingebung · zündende Idee  ●  Geistesblitz  Hauptform
  • (jemandem) mit einem Schlag bewusst werden · (jemandem) plötzlich klar werden · (jemandem) schlagartig klar werden · plötzlich verstehen  ●  (jemandem) wie Schuppen von den Augen fallen  ugs. · auf einmal wissen, woher der Wind weht  ugs., fig.
Synonymgruppe
(ein) Gran · (ein) Quäntchen · (ein) bisschen · (ein) klein wenig · (ein) kleines bisschen · (eine) Idee · (eine) Spur · (eine) geringe Menge · (eine) kleine Menge  ●  (eine) Prise  auch figurativ · 'n bissken  ugs., ruhrdt. · (a) bissle  ugs., schwäbisch · (ein) Fitzel(chen)  ugs. · (ein) Funken  ugs. · (ein) Hauch von (lit.)  geh. · (ein) My  ugs. · (ein) Mü  ugs. · (ein) Schuss  ugs. · (ein) Spritzer  ugs. · (ein) Tacken  ugs. · (ein) Tick  ugs. · (ein) bissel  ugs. · (ein) bisserl  ugs., süddt. · (ein) büschen  ugs., norddeutsch · (ein) klein bisschen  ugs. · (ein) paar Brocken (von einer Fremdsprache)  ugs. · (eine) Kleinigkeit  ugs. · a Muggeseggele  ugs., schwäbisch · ein bisschen was an / von  ugs., regional · ein wenig  geh. · etwas  ugs. · etwas an  ugs. · wat  ugs., ruhrdt., salopp
Oberbegriffe
Assoziationen
  • bis zu einem gewissen Grad(e) · in einem gewissen Umfang · in gewissem Maß(e) · in gewissem Rahmen · in gewissem Umfang · teilweise · zum Teil  ●  in gewisser Hinsicht  Hauptform · ein Stück weit  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Idee‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Idee‹.

Verwendungsbeispiele für ›Idee‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und als sie im Vorbeifahren grasender Rinder ansichtig wurden, entstand die Idee, auch die Kuh einzufärben. [Hars, Wolfgang: Nichts ist unmöglich! Lexikon der Werbesprüche, München: Piper 2001 [1999], S. 100]
Nur dann bringt es auch die aberwitzigsten Ideen mit ihm in Verbindung. [Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 475]
Wer viel liest, kommt leicht auf die Idee, selber zu schreiben. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 437]
Die Idee ist doch eigentlich, eine universelle Sprache zu schaffen. [Rechenberg, Peter: Was ist Informatik?, München: Hanser 1994 [1991], S. 114]
Wir haben uns bemüht, die Völker dieses skandinavischen Nordens für diese doch wirklich germanische Idee der nationalsozialistischen Bewegung zu gewinnen. [o. A.: Ansprache Alfred Rosenbergs in Breslau, 10.12.1940]
Zitationshilfe
„Idee“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Idee>.

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