Ideologie, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Ideologie · Nominativ Plural: Ideologien
Aussprache
WorttrennungIdeo-lo-gie
HerkunftGriechisch
Wortzerlegungideo--logie
Wortbildung mit ›Ideologie‹ als Erstglied: ↗ideologiefrei  ·  mit ›Ideologie‹ als Letztglied: ↗Ausbeuterideologie · ↗Beamtenideologie · ↗Familienideologie · ↗Feindideologie · ↗Freiheitsideologie · ↗Kapitalistenideologie · ↗Klassenideologie · ↗NS-Ideologie · ↗Naziideologie · ↗Parteiideologie · ↗Rassenideologie · ↗Staatsideologie · ↗Tonnenideologie · ↗Wachstumsideologie
eWDG, 1969

Bedeutung

System von Ideen, Anschauungen und Begriffen, das einen bestimmten gesellschaftlichen Standpunkt widerspiegelt, politische und soziale Theorie
Beispiele:
eine alte, neue, sozialistische, reaktionäre, fortschrittliche, feindliche, gefährliche, wissenschaftliche Ideologie
die Ideologie des Bürgertums
Marx und Engels untersuchten den Klassencharakter der Ideologie
der Kampf der Ideologien
das Nachwirken alter Ideologien
eine Ideologie vertreten, verteidigen, propagieren, ins Volk tragen
Die deutsche Ideologie [Marx-EngelsDt. IdeologieTitel]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ideologie · Ideologe · ideologisch
Ideologie f. System der gesellschaftlichen Anschauungen, die durch Gruppeninteressen bedingt sind und bestimmte Verhaltensnormen, Denkweisen und Wertungen zur Folge haben. 1796 wird von dem Franzosen Destutt de Tracy (nach dem Muster griech. Kompositionsformen auf -o-) zu griech. idéa (ἰδέα), frz. idée (s. ↗Idee und ↗-logie) frz. idéologie ‘Ideenlehre’ geprägt für eine philosophische Richtung, die durch Analyse der physiologischen und psychologischen Organisation des Menschen praktische Regeln für Erziehung, Recht und Staat zu gewinnen sucht. Da die Vertreter dieser Wissenschaftsrichtung den Widerspruch Napoleons I. hervorrufen, gebraucht dieser den Ausdruck (zusammen mit frz. idéologue, s. unten) als eine Art Schimpfwort mit der spöttischen Bedeutung ‘unpraktische Schwärmerei’; er wird in diesem Sinne in Deutschland bekannt (19. Jh.). Daneben wird Ideologie auch für ‘Wirkung einer Idee’ verwendet (Goethe). Ideologe m. ‘Schöpfer oder Vertreter einer Ideologie’, entlehnt (19. Jh.) aus frz. idéologue ‘wer sich mit Ideologie befaßt’, in der Verspottung durch Napoleon ‘Schwärmer’, daher auch im Dt. zunächst ‘Schwärmer, Träumer’. ideologisch Adj. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandes) Sicht der Dinge · Auffassung vom Leben · ↗Denkungsart · ↗Denkweise · ↗Geisteshaltung · ↗Gesinnung · ↗Grundeinstellung · ↗Grundhaltung · ↗Grundüberzeugung · Ideologie · ↗Philosophie · ↗Sinnesart · ↗Weltanschauung · ↗Weltauffassung · ↗Weltbild · ↗Weltsicht · ↗Weltverständnis · Wertauffassung · geistiger Standort · ideologischer Standort · wes Geistes Kind  ●  welches Sinnes  veraltet · wes Sinnes  veraltet · (die Art) wie jemand gestrickt ist  ugs., fig. · (die Art) wie jemand tickt  ugs., fig. · ↗Denke  ugs. · aus welchem Holz jemand geschnitzt ist  ugs., fig. · welchen Sinnes  geh.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Ideenlehre · Ideologie

Typische Verbindungen
computergeneriert

Kommunismus Marxismus Nationalismus Nationalsozialismus Pragmatismus Religion Utopie Weltanschauung anhängen bürgerlich faschistisch herrschend imperialistisch islamistisch kommunistisch marxistisch marxistisch-leninistisch menschenverachtend nationalistisch nationalsozialistisch nazistisch neoliberal pur rassistisch reaktionär rechtsextrem revolutionär sozialistisch totalitär völkisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ideologie‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein militant islamisches Regime könne seine Ideologie vor sein Überleben stellen.
Die Zeit, 12.06.2012, Nr. 17
Über Wahrnehmungen zu kommunizieren, führt leicht zu einer Ideologie, also zu einer Lehre über die Schlüsse, die sich aus Wahrnehmungen ziehen lassen.
Schuh, Franz: Schreibkräfte, Köln: DuMont 2000, S. 117
Was darüber hinausgeht, kostet so viel wie jede gute alte Ideologie.
konkret, 1997
Argumente, Ideologie, die es zu zerstören galt, würde es genug geben.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 224
In der Politik dagegen war bekanntlich jede Ideologie vom Übel.
Mann, Heinrich: Der Untertan, Gütersloh: Bertelsmann 1990 [1918], S. 416
Zitationshilfe
„Ideologie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ideologie>, abgerufen am 11.11.2019.

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