Ihr
Alternative Schreibungihr, s. Regelwerk: § 66 (E1)
GrammatikPersonalpronomen
Wortbildung mit ›Ihr‹ als Grundform: ↗Euch · ↗Euer2 · ↗euch · ↗euer2
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
im Nom.
Anrede an Familienmitglieder, gute Freunde, Kinder; Bezeichnung für mehrere angesprochene Personen
Beispiele:
wohin geht ihr?
was macht ihr da?
ihr braucht nicht mitzukommen
entweder ihr oder wir
habt ihr gut geschlafen?
ihr dürft hier nicht spielen!
Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Fraun! [Weihnachtslied]
im Akk.
Beispiele:
wir erwarten euch
man ruft euch
das geht euch nichts an
für euch ist Post gekommen
ohne euch hätten wir die Arbeit nicht geschafft
große Aufgaben liegen vor euch
wer weiß, was noch auf euch zukommt
im Dat.
Beispiele:
ich helfe euch
euch kann man nichts recht machen
er erkundigte sich nach euch, sprach gern von euch, will mit euch fahren
es liegt ganz an euch
wir sind aus euch nicht schlau geworden
als Dativus ethicus, kann jederzeit wegfallen
umgangssprachlich, vertraulich drückt persönliche Anteilnahme am Geschehen aus
Beispiele:
das waren euch herrliche Zeiten
die beiden sind euch (vielleicht) findige Burschen
im Gen.
gehoben
Beispiele:
ich werde euer gedenken, mich euer würdig erweisen
darf ich in euer aller Namen sprechen?
das ist euer unwürdig
Anrede an Verstorbene, heilige Personen, Tiere, Pflanzen, Dinge, Abstrakta
Beispiele:
Unsterbliche Opfer, ihr sanket dahin [Arbeiterlied]
Lebt wohl, ihr Berge, ihr geliebten Triften, / Ihr traulich stillen Täler, lebet wohl! [SchillerJungfr. v. OrleansProlog 4]
2.
veraltet Bezeichnung für nur eine angesprochene Person   Sie
Beispiel:
Spät kommt Ihr – Doch Ihr kommt! [SchillerPiccolominiI 1]
3.
im Dat.
entsprechend der Bedeutung von sie
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

euch Pers.pron. der 2. Person im Dat. und Akk. des Plurals (zum Nom. Plur. ↗ihr, s. d.); ahd. iuwih (8. Jh.), mhd. iuch (Akk., mit germ. *-ik in Analogie zur 1. Pers., vgl. ahd. unsih Akk. Plur., mih Akk. Sing., s. ↗uns, ↗mich), außerdem ahd. mhd. iu (Dat.); Dativ- und Akkusativform werden vereinzelt schon im Ahd. vertauscht, mhd. iu, iuch sind seit der 2. Hälfte des 13. Jhs. nebeneinander für beide Kasus in Gebrauch, im Frühnhd. bleibt nur euch erhalten. Diesen Zusammenfall zeigen auch die anderen germ. Sprachen: asächs. iu(u), eu, mnd. , iuwe, anfrk. iu, mnl. ū, nl. u, afries. iu, io, aengl. īow, ēow (Dat. Akk.), auch ēowic (Akk.), engl. you (Nom. Dat. Akk.), anord. yðr, got. izwis (Dat. Akk.). Nach dem Zeugnis der got. Form ist von germ. *izwiz auszugehen; hiermit läßt sich anord. yðr vereinbaren, wenn man als Vorstufe ein durch Dissimilation entstandenes urnord. *iðwiʀ statt eines regulären urnord. *iʀwiʀ (aus germ. *izwiz) annimmt. Im Westgerm. beruht das Fehlen von germ. -z- (westgerm. -r-) in der ersten Silbe wohl eher auf ebenfalls dissimilatorischem Schwund als auf Assimilation an das folgende -w-. Für germ. *-wiz ist Zusammenhang mit aind. vaḥ ‘euch, euer’ (Gen. Dat. Akk., enklitisch), lat. vōs ‘ihr, euch’ (Nom. Akk.), aslaw. vamъ, russ. vam (вам) ‘euch’ (Dat.) und daher Anschluß an ie. *u̯ē̌s-, *u̯ō̌s- wahrscheinlich. Unbefriedigend erklärt ist bisher aber das anlautende germ. *iz-; ein vorauszusetzendes ie. *es- könnte zum Pronominalstamm ie. *e- (s. ↗er, ↗es) gehören, dann wäre die ganze Bildung ursprünglich ein Dual und mit griech. sphṓ (σφώ) ‘ihr beide’ vergleichbar, dessen Anlaut s- (σ-) als Schwundstufe von ie. *se- (Pronominalstamm, s. ↗sein, ↗sich) aufgefaßt wird; vgl. Frisk 2, 829. Neuerdings wird jedoch erwogen, ob germ. *izwiz nicht durch Dissimilation aus einer reduplizierten Form germ. *wiz-wiz hervorgegangen sei; vgl. Rosenfeld in: Zs. f. Phonetik 8 (1954/55) 371 und Krahe/Meid Germ. Sprachwissenschaft 2 (1969) 55.

euer Poss.pron. der 2. Pers. Plur., ahd. iuwerēr (um 800), mhd. iuwer, iwer, iur, aengl. ēower, īower, engl. your, anord. yð(v)arr, got. izwar, verkürzt ahd. (frk.) iuwēr, asächs. iuwa, euwa, mnd. iuwe, anfrk. iuwa, mnl. ūwe, nl. uw. Das Poss.pron. euer gehört zum Stamm der obliquen Kasus des Pers.pron. der 2. Pers. Plur. ↗euch (s. d.) und steht seiner Lautgestalt nach in engem Zusammenhang mit dessen Gen. ahd. iuwēr, mhd. iuwer, nhd. euer, dann (mit zusätzlich antretendem -er) eu(e)rer.

ihr · ihr · ihrzen
ihr Pers.pron. der pluralischen Anrede, ahd. mhd. ir, asächs. gī̌, mnd. , je, ī, mnl. ghi, nl. gij, aengl. gē̌, anord. ēr, schwed. i, got. jū̌s verbinden sich mit aind. yūyám, lit. jū̃s ‘ihr’ und führen auf ie. *i̯ūs ‘ihr’ (vom Pronominalstamm ie. *i̯ū- mit der Nominativendung -s, wozu vielleicht auch ↗euch und seine germ. Entsprechungen, s. d.). Der Vokal ū in germ. *jūz wird im Nordgerm. und Westgerm. nach der 1. Pers. Plur. (germ. *wīz, dann gekürzt *wiz, s. ↗wir) zu ī̌ umgebildet; anlautendes j schwindet im Ahd. durch Angleichung an die obliquen Kasus (Gen. iuwēr, Dat. iu, Akk. iuwih). Bereits mhd. ir entwickelt sich zur respektvollen Anrede auch einer Einzelperson; dieser Brauch bleibt bis ins 17. Jh. erhalten, wo Ihr durch Sie (s. ↗sie) abgelöst wird. Das Poss.pron. der 3. Person ihr beruht auf den im Ahd. in dieser Funktion verwendeten Genitiven des Pers.pron. der 3. Person Sing. fem. ira und Plur. iro und gehört daher zum Pronominalstamm von ↗er (s. d.). Erst im Mhd. wird aus diesen Genitiven ein Poss.pron. mit adjektivischer Flexion entwickelt. ihrzen Vb. ‘mit Ihr anreden’, mhd. irzen, irezen.

Thesaurus

Synonymgruppe
stets Ihr ergebener  altertümelnd · stets der Ihre  veraltend · stets zu (Ihren) Diensten  veraltend · (ich bin/es grüßt) (wie immer) ganz der Ihre  geh., veraltend · (ich) verbleibe als Ihr (treuer Bewunderer)  geh., veraltend · ↗Ihr (Name)  vulg. · Ihr ergebener  geh., veraltend · In Treue und Ergebenheit, Ihr(e)  geh., veraltet · mit (den) besten Empfehlungen  vulg.
Oberbegriffe
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

anguckt anschaut anstrengt beeilt benehmt bereichert bitte danke freut fürchtet gefällt grüße hassen hütet kümmert liebe naht rührt schämt segne traut umbringe vereinigt verkündige verpisst vertragt wehrt wiedersehen wundert wünsche

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ihr‹.

Zitationshilfe
„Ihr“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ihr>, abgerufen am 20.11.2017.

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