Impertinenz, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Impertinenz · Nominativ Plural: Impertinenzen
Aussprache
WorttrennungIm-per-ti-nenz
HerkunftLatein
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutung

bildungssprachlich
a)
dreiste Ungehörigkeit; Frechheit
Beispiele:
Ernst zu nehmende politische Anliegen hat L […] allerdings keine, ihm geht es in erster Linie um die Eigenvermarktung, die er […] mit […] Impertinenz betreibt. [Der Standard, 25.02.2016]
Es ist die Dreistigkeit, die verärgert […], die Impertinenz einer Werbestrategie, die einem treuen Kunden, der sich täglich über neue Angebote informieren lässt, mit vielen Inseraten laut polternd zu verstehen gibt, dass man seine Kaufabsichten kennt. [Neue Zürcher Zeitung, 05.01.2016]
Längst ist es unerträglich geworden, mit welcher Impertinenz und welchem Hang zur Geschichtsverfälschung zum Beispiel ein Egon Krenz heute von Siegerjustiz spricht. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.1996]
Dieser Fremdwörterfimmel vor allem macht das Buch so ungenießbar; aber nicht nur das: eine unglaublich selbstgefällige Impertinenz, eine Arroganz, die kaum zu überbieten ist, ein hochnäsiges Besserwissen und eine geradezu sadistische Lust am Verletzen. [Die Zeit, 04.12.1964, Nr. 49]
Ich glaube einfach, daß es für einen Arzt eine Impertinenz ist, anzunehmen, daß ein Mensch, sobald er krank ist, keine normalen geistigen Fähigkeiten mehr hat. [Der Spiegel, 13.01.1960, Nr. 3]
b)
seltener impertinente Äußerung oder Handlung
Beispiele:
Falls es eine Beleidigung und jegliche Impertinenz gegen den Imam gegeben haben sollte, dann ist es Blasphemie, und Gott weiß, was zu tun ist. [Der Spiegel, 06.05.2013, Nr. 19]
Im letzten Augenblick Telegramm: »Krauss erkrankt, um 3 Wochen verschoben.« Das war eine Impertinenz gegen mich u. ein offenbarer Sabotageakt zum Zweck der Obstruktion. [Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1952. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1952], S. 321]
»Was muß man nicht alles schlucken, wenn man Geld haben will!« sagte Kropf nachher zu Näßler, »was für Sottisen und Impertinenzen, entschuldigen Sie, ich gebrauche nicht gern Fremdwörter, aber hierfür ist mir die deutsche Sprache doch zu schade.« [Reger, Erik [d.i. Dannenberger, Hermann]: Union der festen Hand, Kronberg/Ts.: Scriptor 1976 [1931], S. 399]
Turenne faltete die Brauen und sagte, es sei Wrangel doch wohl bekannt, daß Königsmarck sich unerhörte Impertinenzen gegen ihn herausgenommen hätte. [Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 1038]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

impertinent · Impertinenz
impertinent Adj. ‘ungehörig, frech, unverschämt’. Spätlat. impertinēns (Genitiv impertinentis) ‘nicht dazugehörig’ (aus negierendem in-, s. ↗in-, und dem Part. Präs. von lat. pertinēre ‘sich erstrecken’) lebt in der mlat. Rechtssprache weiter (vgl. mlat. impertinentia interrogatoria ‘nicht dazugehörige, nicht sachdienliche Fragen’) und entwickelt im Mlat. auch die Bedeutung ‘unangemessen, unpassend, töricht’. Im 17. Jh. ins Dt. entlehnt, geht es außerhalb der juristischen Sphäre allmählich in ‘frech, unverschämt’ über. Impertinenz f. ‘Unverschämtheit, Frechheit’ (18. Jh.), vgl. mlat. impertinentia ‘Unangemessenheit’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Chuzpe · ↗Dreistigkeit · ↗Frechheit · Impertinenz · ↗Respektlosigkeit · ↗Unbescheidenheit · ↗Unverschämtheit  ●  (etwas) geht auf keine Kuhhaut  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (das ist) eine (bodenlose) Frechheit!  ugs. · Frechheit!  ugs. · Unverschämtheit!  ugs. · da bleibt einem (ja) die Spucke weg!  ugs., sprichwörtlich, fig. · da hört sich doch alles auf!  ugs. · das ist (ja wohl) (die) unterste Schublade!  ugs., sprichwörtlich, fig. · das ist (ja wohl) das Allerletzte!  ugs. · das wäre ja noch schöner!  ugs. · ich muss doch (sehr) bitten!  ugs. · wie reden Sie mit mir!?  ugs. · wo gibt es denn so etwas!  ugs.
  • Flegelei · ↗Flegelhaftigkeit · ↗Grobheit · Krawallmacherei · ↗Pöbelei · ↗Rowdytum · ↗Rüpelei · ↗Rüpelhaftigkeit · provokantes Auftreten
  • Fehlverhalten · ↗Flegelhaftigkeit(en) · ↗Ungezogenheit(en) · schlechtes Betragen · unzivilisiertes Benehmen · unzivilisiertes Verhalten  ●  schlechtes Benehmen  Hauptform · (ein) Benehmen wie eine offene Hose  ugs. · ↗Ungebührlichkeit(en)  geh. · ↗Ungehörigkeit(en)  geh. · kein Benehmen  ugs. · keine Art (und Weise)!  ugs.
Zitationshilfe
„Impertinenz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Impertinenz>, abgerufen am 16.11.2018.

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