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Induktion, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Induktion · Nominativ Plural: Induktionen
Aussprache  [ɪndʊkˈʦi̯oːn]
Worttrennung In-duk-ti-on
Wortbildung  mit ›Induktion‹ als Erstglied: Induktionsapparat · Induktionsbeweis · Induktionsherd · Induktionskochfeld · Induktionskraft · Induktionskrankheit · Induktionsmaschine · Induktionsmotor · Induktionsofen · Induktionsschleife · Induktionsstrom · Induktionswirkung
 ·  mit ›Induktion‹ als Letztglied: Elektroinduktion · Gegeninduktion · Magnetinduktion · Selbstinduktion · Strominduktion
Herkunft aus inductiōlat ‘das Ein-, Hineinführen’ < indūcerelat ‘überziehen, hineinführen, -bringen’
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
DWDS
a)
wissenschaftliche Methode, bei welcher von einem besonderen, einzelnen Sachverhalt, allgemeingültige Erkenntnisse abgeleitet werden
weiterführende enzyklopädische Informationen: Induktion, in: Vergleich der Schlußformen Abduktion, Induktion und Deduktion
Kollokationen:
in Koordination: Induktion und Deduktion
als Genitivattribut: die Methode, das Prinzip der Induktion
Beispiele:
Schon vor Jahrtausenden beschrieb der griechische Philosoph Aristoteles zwei Werkzeuge für die Erkenntnis der Welt: Induktion und Deduktion. Die Induktion führt aus einzelnen Beobachtungen zu übergeordneten Theorien. [Der Tagesspiegel, 21.04.2017]
Induktion (Gegenteil: Deduktion) bedeutet, dass empirisch beobachtete Einzelfälle verallgemeinert werden. [Induktion, 08.07.2020, aufgerufen am 01.09.2020]
Das Bemerkenswerteste an der Induktion ist, dass man durch einen Beweis, der wenige Zeilen einnimmt, Erkenntnisse über einen unendlichen Bereich gewinnen kann. [Die Welt, 29.12.2003]
Die bewährten Methoden der Wissenschaft sind […] Induktion und Deduktion, also Erfahrung und Überlegung. [Die Zeit, 02.03.1962]
Stimmt nun das Ergebnis unserer deduktiven Schlüsse mit der Wirklichkeit nicht überein, oder sind die bereits feststehenden Wahrheiten nicht ausreichend, unseren Tatbestand zu erklären, dann schreiten wir zur Induktion; d. h. wir suchen aus dem vorliegenden, genau beobachteten und geprüften Fall auf eine allgemeine Regel, auf ein bisher uns verschlossenes Kausalverhältnis zu kommen. [Schmoller, Gustav: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaftslehre. Erster Teil. Berlin: Duncker & Humblot 1978 [1900], S. 111]
b)
dritte Phase eines Erkenntnisprozesses, bei dem die zuvor aufgestellten Vorannahmen eines Sachverhaltes durch Fakten entweder bestätigt oder wiederlegt werden
Der Begriff der Induktion wurde insbesondere von dem US-amerikanischen Philosophen Charles Sanders Peirce in die Wissenschaftstheorie neu eingeführt und erweitert. Dabei stellt die Abduktion den ersten Teil einer logischen Argumentation dar, die der Hypothesenfindung dient. Die darauffolgende Deduktion liefert weitere Vorhersagen für die zuvor aufgestellte Hypothese. Schließlich werden diese Vorannahmen durch die Induktion, durch die Prüfung an Fakten bzw. Beobachtungsdaten, entweder verifiziert oder widerlegt.
Beispiele:
Deine Induktion hat einen kleinen Fehler, da du nicht alle Fakten beachtet hast. [Tiefe E-Saite beim C-Dur-Akkord, 29.03.2010, aufgerufen am 01.09.2020]
Nach Karl Popper ist »die Evolution« kein Faktum, das so in der Natur vorgefunden wird, sondern eine Theorie, die aus einer Unzahl von Fakten durch Induktion gewonnen wird. [Süddeutsche Zeitung, 03.08.2007]
Bei Peirce geht es um eine Schlußform neben Induktion und Deduktion, die aus einer Annahme und einer gegebenen Tatsache hypothesengleich auf die (zu einem induktiven Schluß fehlende) Prämisse führt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2001]
Peirce’ Theorie der Induktion soll […] zu einer Erkenntnistheorie führen, die nicht als Phänomenalismus, Realismus oder Idealismus beschreibbar ist. [Neue Zürcher Zeitung, 07.06.1997]
Anders als in der frühen, von Peirce in seinem Artikel »Deduktion, Induktion und Hypothese« (1878) vertretenen Ansicht werden in der […] späten Sicht Abduktion, Deduktion und Induktion nicht mehr als voneinander unabhängige »Formen des Schließens«, sondern als ineinandergreifende »Stadien des Interpretationsprozesses« aufgefaßt. […] Abduktion basiert auf dem Prinzip theoretischer Plausibilität, Induktion auf dem Prinzip quantitativer oder qualitativer Wahrscheinlichkeit. Während die Induktion durch Erfahrungssicherheit gedeckt ist, gründet sich abduktives Folgern lediglich auf Instinktsicherheit. [Wirth, Uwe: Abduktion und ihre Anwendung. In: Posner, Roland [u. a.] (Hg.): Zeitschrift für Semiotik. Bd. 17. Tübingen: Stauffenburg Verlag 1995, S. 411]
2.
DWDS
Phrasem:
vollständige, Vollständige Induktion (= mathematische Beweismethode, durch die eine Aussage für alle natürlichen Zahlen bewiesen wird, die größer oder gleich einem bestimmten Startwert sind)
Beispiele:
In Mathematik III lernt man, wie Mathematik funktioniert, das saubere und wasserdichte Argumentieren, die Gesetze der Logik, der Beweis auf Widerspruch, die vollständige Induktion. [Der Tagesspiegel, 22.06.2016]
Durch die Untersuchung von Dreieckshäusern mit drei, vier oder fünf Etagen kann man eine Vermutung für die gesuchte Formel gewinnen. Dabei nutzt man das für viele Anwendungen einsetzbare mathematische Beweisverfahren der Vollständigen Induktion. [Leipziger Volkszeitung, 07.03.2018]
Häufig ist notwendig, dass Aussagen nicht nur für eine endliche Menge von Zahlen gelten muss, sondern für die Gesamtheit der natürlichen Zahlen. Dazu verwenden Mathematiker die Beweismethode der vollständigen Induktion. [Neue Westfälische, 02.11.2015]
Stefan Hetzl vom Institut für Diskrete Mathematik und Geometrie der TU Wien untersucht eines dieser Werkzeuge: die Beweisführung mittels Vollständiger Induktion. [Der Standard, 09.04.2013]
Stevens’ Männer lösten diese Aufgabe schmucklos, aber zwingend im Stil einer mathematischen Beweisführung mittels vollständiger Induktion. [Süddeutsche Zeitung, 11.12.1997]
3.
Elektrotechnik Erzeugung elektrischer Ströme und Spannungen in elektrischen Leitern durch bewegte Magnetfelder
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: veränderliche, elektrische, elektromagnetische, magnetische Induktion
in Präpositionalgruppe/-objekt: etw. [eine Energiequelle] per Induktion aufladen; [Strom, Energie] per Induktion übertragen
Beispiele:
1831 – Der britische Physiker Michael Faraday entdeckt den Effekt der elektromagnetischen Induktion und schafft damit die Grundlage für die Entwicklung des Elektromotors. [Die Zeit, 29.08.2016 (online)]
Eine Spule, welche an präzise festgelegten Stellen des Kopfes positioniert werde, erzeuge durch elektromagnetische Induktion in Form von sehr kurzen Pulsen ein Magnetfeld, wodurch Regionen des Gehirns gezielt angeregt oder beruhigt werden sollen. [Landshuter Zeitung, 09.04.2021]
Apple hat ein Patent eingereicht, das beschreibt, wie die Spulen in Lautsprechern, Mikrofonen und der Haptic Engine des iPhones genutzt werden, um den Akku per Induktion zu laden. [Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2015]
Die Stromversorgung kontaktloser Chipkarten nutzt die elektromagnetische Induktion, auch die Ladegeräte elektrischer Zahnbürsten könnten ohne Induktion nicht arbeiten[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2005]
Alle Versuche verliefen anfangs negativ; dann aber beobachtete Faraday, daß immer beim Ein‑ und Ausschalten eines Stromes und später ganz allgemein bei jeder Änderung des künstlichen magnetischen Feldes in einem benachbarten, nicht stromdurchflossenen Leiter ein Stromstoß auftritt. Das war die Entdeckung der elektromagnetischen Induktion. [Gerlach, Walther: Fortschritte der Naturwissenschaft im 19. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 12119]
4.
Biologie (von außen kommende) Einwirkung, die Gene zu Veränderungen, besonders Keimzellen zu Entwicklungsvorgängen, anregtDWDS
Beispiele:
Poised Enhancer sind essentiell für die Induktion von Genen, die als wichtige Regulatoren der Gehirn‑Entwicklung erachtet werden. [Poised Enhancer kontrollieren die Expression von Genen, 27.03.2017, aufgerufen am 01.09.2020]
Induktion von verschiedenen Gewebesorten könnte […] entweder durch graduierte Unterschiede in der Konzentration eines induzierenden Wachstumsfaktors oder einer Mischung aus verschiedenen Induktoren zustande kommen. [Campos-Ortega, J. A.: Ontogenie des Nervensystems und der Sinnesorgane. In: Dudel, Josef [u. a.] (Hg.): Neurowissenschaft. Berlin: Springer 1996, S. 65]
Die Induktion der Polarität erfolgt bei zunächst noch nicht bzw. nicht stabil polarisierten Zellen, z. B. den Meiosporen der Moose und Farne sowie den befruchteten Eizellen mancher Algen (Fucus), in der ersten Phase der Entwicklung, geht also der ersten Zellteilung voraus. [Nultsch, Wilhelm: Allgemeine Botanik. Stuttgart: Thieme 1986 [1964], S. 419]
Ein Endprodukt bewirkt Repression durch Aktivierung eines Repressors. Induktor und Repressor sind also nicht analoge Elemente bei Induktion und Repression. Der Repressor nimmt an Induktion und Repression teil. Sein Reaktionspartner ist der Effektor (= Induktor bei Induktion und = Endprodukt bei Repression). [Bresch, Carsten: Klassische und molekulare Genetik, Berlin [u. a.]: Springer 1965 [1964], S. 252]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Induktion · induzieren · induktiv
Induktion f. ‘Ableitung des Allgemeinen aus dem Besonderen’, entlehnt aus lat. inductio (Genitiv inductiōnis) ‘das Ein-, Hineinführen’, danach auch ‘Beweisführung durch Angabe ähnlicher Beispiele’ (Cicero), d. i. eigentlich ‘Hinführung’ (vom Besonderen zum Allgemeinen). Der in der mittelalterlichen scholastischen Philosophie oft gebrauchte Ausdruck geht im 18. Jh. in dt. Texte ein. In der Sprache der Physik ‘Entstehung eines elektrischen Stromes in einem Leiter, der sich in einem Magnetfeld bewegt oder der in einem veränderlichen Magnetfeld ruht’ (d. i. elektromagnetische Induktion, 19. Jh.), zuerst wohl engl. induction. Der lat. Ausdruck ist eine Abstraktbildung zum Verb lat. indūcere (inductum) ‘überziehen, hineinführen, -bringen’; dieses begegnet, dem Gebrauch des Substantivs folgend, in der dt. Form induzieren Vb. ‘das Allgemeine aus dem Besonderen ableiten’ (18. Jh.), ‘elektrische Spannung in bewegten Magnetfeldern erzeugen’ (19. Jh.), in der Wissenschaftssprache auch ‘bewirken’ (20. Jh.). induktiv Adj. ‘das Allgemeine aus dem Besonderen ableitend’ (19. Jh.), spätlat. inductīvus ‘zur Annahme, Voraussetzung geeignet’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Verallgemeinerung  ●  Induktion  fachspr.
Antonyme
Elektrizität
Synonymgruppe
Faraday'sche Induktion · elektromagnetische Induktion  ●  Induktion  Kurzform
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Induktion‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Induktion‹.

Zitationshilfe
„Induktion“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Induktion>.

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