Informel, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Informel(s) · wird nur im Singular verwendet
Aussprache  [ɛ̃fɔʁmɛl]
Worttrennung In-for-mel
Herkunft aus l’art informelfrz ‘formlose Kunst’
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutung

abstrakte Stilrichtung der Malerei, deren Vertreter ohne feste Regeln und organisierte Formstruktur gegenstandslose Bilder schaffen
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: europäisches, deutsches Informel
Beispiele:
Gegen Informel, postgeometrische Abstraktion und Happening stellen sie [die Fotografen Hilla und Bernd Becher] ihre scheinbar sachlichen, insignifikanten Bilder. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2004]
Die informellen Selbstbildnisse[…] sind die frühesten Zeugnisse der Darstellung des Körpergefühl, bei denen [die Malerin Maria] Lassnig versuchte, sich mit geschlossenen Augen darzustellen. Hanne Weskott beschreibt die Kunstrichtung des Informel als direkten Nachfahren des Surrealismus, die in abstrakten Bildern subjektives Erleben thematisiere. [Schuemmer, Silke Andrea, Die Konstituierung des Ichs in den Selbstportraits Maria Lassnigs, Norderstedt: GRIN Verlag 2002, S. 28]
Bilder wie asphaltiert, glatte Flächen, scharfe Grate. In die unteren Schichten spachtelt er [der informelle Maler Nicolas de Stael] mitunter leuchtende Farbfelder[…]. Höhepunkt sind »Die Dächer« von 1952: über grau‑schwarzen Rechtecken lastet und leuchtet ein bleicher Himmel. Die Rechtecke als Dächer – der Höhepunkt ist Umschlagpunkt, vom Informel zurück zur Figuration; für die chronischen Avantgardisten der Sündenfall[…]. [Die Zeit, 21.10.1994, Nr. 43]
Während Tachismus, ursprünglich ein Schimpfwort, enger beim Phänomen des Formlosen bleibt, wird Informel als weiter Sammelbegriff benutzt und als »europäisches Informel« von dem gleichzeitigen und ebenso auf dem spontanen Malakt basierenden Action‑Painting in den USA unterschieden. [Süddeutsche Zeitung 25.09.1984]
Das deutsche Informel war der erste große Stilentwurf nach dem Krieg, oft mißverstanden als Flucht aus der Realität, als Weigerung, sich den politischen und sozialen Problemen der Zeit zu stellen. Sieht man die Bilder heute, dann versteht man sie richtiger als Bekenntnis zum Subjektivismus, zur Selbstverwirklichung, als Befreiung von den Zwängen einer autoritären Vergangenheit[…]. [Die Zeit, 15.11.1974]
Den Anfang [einer Ausstellungsreihe] macht Karl Oppermann[…]. Früher waren seine Bilder großflächig, streng konturiert, leuchtende, ineinander verzahnte Farbfelder. In den ausgestellten Gemälden wird die Form aufgelöst, radikales Informel, das zum Gegenstand tendiert. Gesichter; Figuren, ein Kaffeetisch – aus brodelnder Farbmaterie. [Die Zeit, 04.03.1963, Nr. 09]

Thesaurus

Synonymgruppe
Informel · informelle Kunst
Oberbegriffe
Zitationshilfe
„Informel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Informel>, abgerufen am 04.06.2020.

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