Inklusion, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Inklusion · Nominativ Plural: Inklusionen · wird meist im Singular verwendet
Aussprache  [ɪnkluˈzi̯oːn]
Worttrennung In-klu-si-on
formal verwandt mit inklusive
Herkunft zu inclūderelat ‘einschließen’
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Soziologie, Pädagogik gleichberechtigte (und selbstbestimmte) Teilhabe aller (insbesondere von Menschen mit Behinderungen, von Einwanderern o. Ä.) am gesellschaftlichen Leben, am gemeinsamen Schulunterricht o. Ä. (durch Schaffung entsprechender institutioneller und alltagspraktischer Voraussetzungen)
Die im fachlichen und öffentlichen Diskurs teilweise vorgenommene Unterscheidung zwischen Inklusion und Integration (2 ●) wird allgemeinsprachlich häufig nicht getroffen.
Grammatik: Plural selten
Gegenwort zu Exklusion (1)
Kollokationen:
in Koordination: Inklusion und Exklusion, Integration
mit Adjektivattribut: gesellschaftliche, soziale Inklusion
Beispiele:
Die Inklusion möchte von Anfang an ein gemeinsames System für alle Menschen, ohne dass jemand ausgegrenzt oder stigmatisiert wird. Inklusion meint demnach nicht nur eine Integration von »Abweichenden« in eine gleichbleibende Umgebung, sondern auch die Anpassung dieser Umwelt an die jeweiligen Voraussetzung der Menschen. [Inklusion, 17.07.2020, aufgerufen am 01.09.2020]
Während Integration noch zwischen Kindern mit und ohne Behinderungen unterscheidet, geht das Konzept der Inklusion davon aus, dass sowieso alle Kinder verschieden sind. […] Eine inklusive Schule weist kein Kind ab, sondern passt sich den Bedürfnissen der einzelnen Schüler nach individueller Förderung an. [Die Zeit, 27.08.2009]
Die EU verfolgt drei nicht miteinander zu vereinbarende Ziele: Personenfreizügigkeit, das Sozialstaatsprinzip und die Inklusion ausländischer Migranten in den Sozialstaat. [Neue Zürcher Zeitung, 31.03.2015]
Gegner meinen, die Inklusion gehe auf Kosten der Förderschulen, die Lehrer seien überfordert, die leistungsstarken Schüler kämen zu kurz, die behinderten Kinder fühlten sich in den Regelklassen ausgeschlossen. [Der Spiegel, 22.04.2013]
Das Wichtigste[…] ist Inklusion, die Teilnahme am Mainstream des sozialen Lebens, und zwar am besten durch Arbeit – und nicht durch ein bißchen Umverteiltes aus den Taschen der Besserverdienenden. [Die Welt, 24.07.1999]
Die Frage nach gesellschaftlicher Inklusion und Exklusion ist das große Thema gegenwärtiger Sozialwissenschaft. [die tageszeitung, 20.01.1999]
[…] ein Medium wie Facebook ist de facto ein Netz von Inklusionen und Exklusionen, kein Netz, das Gemeinsamkeit durch Vernunft und Wahrhaftigkeit erzwingt. [Süddeutsche Zeitung, 16.12.2016] ungewöhnl. Pl.
2.
seltener, bildungssprachlich (gedankliche) Einbeziehung, Einschließung
Gegenwort zu Exklusion (2)
Beispiele:
Das Yin‑Yang‑Symbol orientiert sich an der komplementären, nicht konträren Logik wechselseitiger Inklusion. Es ist das Gegenbild zur Grossen Mauer als Prinzip der Exklusion. [Neue Zürcher Zeitung, 10.10.2009]
Die Verbindung der Gedankensolitäre ist buchstäblich zwanglos, weil sie nicht durch Inklusionen und Folgerungsketten jenen besonderen Zwang ausübt, der von einer streng architektonischen Theorie ausgeht. [Die Zeit, 15.07.1999]
3.
seltener, Mineralogie Einschluss von Fremdsubstanz in einem Mineral
Beispiele:
Allgemein gesprochen zählen sämtliche während der Bildungsphase des Minerals eingeschlossenen Materialien als »Inklusion« – auf atomarer wie auch makroskopischer Ebene. [Die Natur der Mineral-Inklusionen, 04.06.2017, aufgerufen am 19.01.2021]
Nur die wertvollen [Saphire] sind klar und doch, sie haben eine gewisse Opakheit und auch oft Einschlüsse, trübe Inklusionen. Und wenn sie noch aus dem Matrixgestein drumherum sind, sind sie richtig opak und nicht so viel wert. [Einen dunklen Saphir … – DAS DUFT-TAGEBUCH, 15.01.2014, aufgerufen am 01.09.2020]
Inklusionen in der Mineralogie sind im Kristallinneren eingeschlossene Fremdstoffe, wie zum Beispiel diese Mücke im Bernstein […]. [Begriffserklärung: Inklusion, 21.08.2010, aufgerufen am 01.09.2020]
selten, nicht fachsprachlich Inkluse, Einschluss in Bernstein
Beispiele:
Insekt wurde mit Eintagsfliege in Baumharz eingeschlossen – 16 Millionen Jahre alte Inklusion als erster Nachweis der Symbiose [Überschrift] [Der Standard, 21.10.2012]
Abgerechnet wird das extrem leichte Rohmaterial [Bernstein] nach Gewicht, ein faustgroßer Klumpen von 20 Gramm kostet 700 Litas, rund 350 Mark, mit Fliegenflügel drin (»Inklusionen« heißen sie weniger brutal‑organisch) darf’s etwas mehr sein. [Die Zeit, 11.01.2001]
4.
Mathematik Enthaltensein einer Menge in einer anderen Menge; Teilmengenbeziehung
Beispiele:
Gleichheit und Teilmengenbeziehung sind zweistellige Prädikate; die Gleichheit nennt man auch Identität, die Teilmengenbeziehung heisst Inklusion. [Huber, Martin / Albertini, Claudia: Eagle-Starthilfe. Grundbegriffe der Mathematik. 2. Aufl. Leipzig: Eagle 2015, S. 34]
Die <‑Relation und die Teilerrelation haben wir schon erwähnt, ein anderes Beispiel ist die Inklusion A ⊆ B von Mengen […]. [Aigner, Martin: Diskrete Mathematik. Braunschweig: Vieweg 1993, S. 88]
Damit ist eine Inklusion […] bewiesen; da die Voraussetzungen symmetrisch in grM und gr’M sind, erhalten wir auch die andere Inklusion. [Jantzen, Jens Carsten: Einhüllende Algebren halbeinfacher Lie-Algebren. Berlin [u. a.]: Springer 1983, S. 271]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Einfügung · Einschluss · Einschub · Inklusion
Synonymgruppe
Einbettung · Einschluss · Inklusion

Typische Verbindungen zu ›Inklusion‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Inklusion‹.

Zitationshilfe
„Inklusion“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Inklusion>, abgerufen am 27.10.2021.

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