Insiegel, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Insiegels · Nominativ Plural: Insiegel
WorttrennungIn-sie-gel
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Jägersprache Fährtenzeichen des Hirsches in einem Klumpen Lehm oder Schnee, der an den Schalen haftengeblieben und später abgefallen ist
2.
veraltet Siegel, Zeichen
Beispiel:
Auf des Knaben feine Stirn hatte irgendein wüster Gott des Musa Dagh sein dunkles Insiegel gepreßt [WerfelMusa Dagh378]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Siegel · Insiegel · siegeln · besiegeln · versiegeln · Siegellack · Siegelring
Siegel n. ‘Stempel zum Eindrücken eines Zeichens in weiche Masse (als Verschluß an Schriftstücken, Behältnissen usw.), Abdruck des Zeichens’, mhd. sigel ‘Siegel, Stempel, mit Siegel versehene Urkunde’, mnd. sēgel, mnl. sēghel, nl. zegel, afries. sigil, schwed. sigill sind entlehnt aus lat. sigillum ‘kleine Figur, kleines Bildnis, kleine Statue, Siegel(abdruck), Zeichen’, Deminutivum zu lat. sīgnum ‘Zeichen, Abzeichen, Kennzeichen, Signal, Bild, Siegel’ (s. ↗Signum); zu lat. secāre ‘schneiden’. Vgl. mit abweichender Endung got. sigljō ‘Siegel’. Redensartlich (mit) Brief und Siegel ‘mit Urkunde und amtlicher Bestätigung’ (14. Jh.), übertragen ‘(mit) Sicherheit’ (etwa seit 16. Jh.); ein Buch mit sieben Siegeln ‘eine geheimnisvolle, unverständliche (weil mit Siegeln verschlossene) Sache’, nach Offenb. Joh. 5, 1 liber septem sigillis signatus, Luther (1522) eyn buch … versiggelt mit sieben siegelln (zuvor um 1466 insigeln); unter dem Siegel der Verschwiegenheit (18. Jh.). Älter ist Insiegel n. ‘Siegel(bild), Zeichen’, ahd. insigili (10. Jh.), mhd. insigel(e) ‘Siegel, Petschaft, Stempel, Zeichen’, jägersprachlich ‘Kennzeichen der Fährte des Hirsches’, mnd. ingesēgel, mnl. in(ge)sēghel, aengl. inseg(e)l, anord. (aus dem Mnd.) innsigli, schwed. insegel, das aus einer Kontamination von lat. sigillum mit lat. īnsīgne ‘Kennzeichen, Abzeichen’ (s. ↗Insignien) hervorgegangen sein könnte. Oder aber zu (allerdings erst später bezeugtem) mlat. insigillare ‘ein Siegel eindrücken’ gebildet? siegeln Vb. ‘mit einem Siegel versehen, verschließen’, ahd. sigilen (8. Jh.), mhd. sigelen ‘mit einem Siegel, Stempel versehen, zusiegeln, schließen, beenden’. Vgl. spätlat. sigillāre ‘kenntlich bzw. künstlich eindrücken’. besiegeln Vb. ‘durch ein Siegel bekräftigen, schließen’, ahd. bisigilen (10. Jh.), mhd. besigelen. versiegeln Vb. ‘durch ein Siegel verschließen’, mhd. versigelen ‘fest verschließen, verwahren, bekräftigen’, reflexiv ‘sich einschließen’; vgl. ahd. firsigilen ‘anzeigen, verkünden’ (10. Jh.). Siegellack m. ‘leicht schmelzbare Masse zum Siegeln’ (17. Jh.), zuvor mhd. sigelwahs. Siegelring m. ‘Ring mit einem gravierten Stein als Petschaft zum Siegeln’ (16. Jh.).

Verwendungsbeispiel
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auf des Knaben feine Stirn hatte irgend ein wüster Gott des Musa Dagh sein dunkles Insiegel gepreßt.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh I, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 450
Zitationshilfe
„Insiegel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Insiegel>, abgerufen am 11.12.2019.

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