Irre, die oder der

GrammatikSubstantiv (Femininum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Irren · Nominativ Plural: Irre(n)
Mit Pluralendung -n wird das Wort in der schwachen Flexion (bestimmter Artikel) und der gemischten Flexion (Indefinitpronomen, Possessivpronomen) gebildet, z. B. die, keine Irren, in der starken Flexion ist die Endung unmarkiert, z. B. zwei, einige Irre.
WorttrennungIr-re
Grundformirr
Wortbildung mit ›Irre‹ als Erstglied: ↗Irrenanstalt · ↗Irrenarzt · ↗Irrenhaus · ↗Irrenpfleger · ↗Irrenwärter
eWDG, 1969

Bedeutung

Wahnsinnige, Wahnsinniger, Geisteskranke, Geisteskranker
Beispiele:
ein Irrer, der Irre wurde in die Anstalt eingeliefert, brach aus der Anstalt aus
sich wie ein Irrer gebärden
salopp der arme Irre! (= der bedauernswerte Mensch!)
salopp du armer Irrer!
umgangssprachlich wie ein Irrer, wie die Irrensehr
Beispiele:
wie ein Irrer schreien, rennen, nach etw. suchen
wie die Irren schuften
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

irre · irr · Irrer · Irrenhaus · Irrenanstalt · Irrsinn · irrsinnig · Irre · irren · beirren · verirren · irrig · Irrtum · irrtümlich · Irrfahrt · Irrgarten · Irrlehre · Irrlicht · Irrwisch
irre irr Adj. ‘unsicher, zweifelnd, verwirrt, geistesgestört’, ahd. irri ‘umherschweifend, verirrt, unwissend, zügellos’ (9. Jh.), mhd. irre, erre ‘vom rechten Wege abgekommen, verirrt, wankelmütig, erzürnt, aufgebracht, uneinig’, asächs. irri ‘zornig’, mnd. erre, aengl. ierre ‘umherschweifend, verdorben, schlecht, zornig, wild’, got. aírzeis ‘verirrt’. Vergleicht man aind. irasyáti ‘zürnt, will übel’, lat. errāre ‘umherirren, sich verirren’ und zieht ↗rasen (s. d.) und die dort genannten Formen heran, so kann von ie. *er(ə)s-, *rē̌s- ‘fließen, aufgebracht, erregt sein’, wohl s-Erweiterung der Wurzel ie. *er-, *or- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’, ausgegangen werden. S. auch ↗rinnen, ↗rennen, ↗rieseln. Germ. *erzja- setzt die Wurzelbedeutung teils in ‘unruhig umherschweifend’, teils in ‘heftig bewegt, zornig’ fort. Nhd. irre ‘geistig verwirrt, geisteskrank’ (17. Jh.) geht hervor aus ‘verwirrt, geistig vom rechten Weg abgekommen’; dazu Irrer m. ‘Geistesgestörter’ (19. Jh.); Irrenhaus n. (18. Jh.), für älteres Narrenhaus; Irrenanstalt f. (19. Jh.). Irrsinn m. ‘Wahnsinn, Geistesgestörtheit’ (18. Jh.), zuvor ‘verwirrtes, unrichtiges Denken’ (17. Jh.); irrsinnig Adj. ‘wahnsinnig, geistesgestört’ (19. Jh.); in heutiger Umgangssprache (20. Jh.) oft verstärkend ‘sehr’. Irre f. ‘falscher Weg, falsche Richtung’, mhd. irre, (md.) erre ‘Irrtum, Verirrung, Irrfahrt’; vgl. got. aírzei ‘Irrlehre’. irren Vb. ‘sich ziellos hin und her bewegen, rastlos umherziehen, eine falsche Meinung haben, sich täuschen’, ahd. irrōn ‘irregehen, umherirren, in Ungewißheit sein, abtrünnig werden’ (8. Jh.), irren ‘verwirren’ (9. Jh.), mhd. irren ‘in Verwirrung bringen, stören, auf Abwege, zum Unglauben bringen, ungewiß, unsicher sein’, aengl. iorsian, irsian ‘böse sein, machen’, got. aírzjan ‘irreführen’. beirren Vb. ‘unsicher machen’ (17. Jh.). verirren Vb. reflexiv ‘vom Weg abkommen, sich nicht zurechtfinden’, ahd. firirrōn (um 1000), mhd. verirren ‘in die Irre führen, stören, verwirren, sich verirren, in Irrtum fallen’. irrig Adj. ‘falsch’, mhd. irrec, irric ‘zweifelhaft, hinderlich’, vgl. ahd. irrī̌gheit ‘Irrlehre, Irrtum’ (um 1000). Irrtum m. ‘Fehler, Versehen’, ahd. irrituom ‘Irrlehre, Irrtum, Irrgang’ (9. Jh.), mhd. irretuom ‘Irrung, Hindernis, Schaden, Ketzerei, Streit’; irrtümlich Adj. ‘fälschlich, versehentlich’ (19. Jh.). Irrfahrt f. ‘Fahrt in die falsche Richtung, vergebliches Suchen nach dem rechten Weg’, mhd. irrevart. Irrgarten m. ‘Labyrinth’ (16. Jh.). Irrlehre f. ‘falsche Lehre’ (17. Jh.). Irrlicht n. kurz aufleuchtendes, unruhig flackerndes Flämmchen (über Moorböden, durch Selbstentzündung von Sumpfgas), im Volksglauben als in die Irre führender Kobold oder Totengeist vorgestellt (17. Jh.); dafür auch Irrwisch m. (16. Jh.), zu ↗Wisch ‘Fackel’ (s. d.); auch ‘unruhiger Mensch, lebhaftes Kind’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abweg · ↗Irrweg  ●  ↗Holzweg  fig. · falscher Weg  auch figurativ, Hauptform · (die) Irre  geh. · ↗Verirrung  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Haufen arm gefährlich harmlos lachen rasen schießen stechen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Irre‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er stünde vor aller Welt als ein armer Irrer da.
Bild, 29.12.2003
Es redet ein Irrer zu einer Frau, wie er mit ihr vögeln möchte.
Süddeutsche Zeitung, 30.01.2002
Ein Irrer mußte sie sich hier eingerichtet haben, anders konnte es gar nicht sein.
Kronauer, Brigitte: Die Frau in den Kissen, Stuttgart: Klett-Cotta 1990, S. 76
Der Professor hatte es gesagt, da brach der große, dicke Mann zusammen und benahm sich wie ein Irrer.
Konsalik, Heinz G.: Der Arzt von Stalingrad, Hamburg: Dt. Hausbücherei 1960 [1956], S. 421
Wenn ich einen Anflug von Depression spürte, rüttelte ich wie ein Irrer an den Gitterstäben.
Hasselbach, Ingo u. Bonengel, Winfried: Die Abrechnung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1993], S. 20
Zitationshilfe
„Irre“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Irre#1>, abgerufen am 17.09.2019.

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Irre, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Irre · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungIr-re (computergeneriert)
Grundformirren
Wortbildung mit ›Irre‹ als Erstglied: ↗Irrtum
eWDG, 1969

Bedeutung

jmdn. in die Irre führen (= jmdn. auf falsche Wege führen)
Beispiel:
Entweder hatte sich der Hirt geirrt, oder er war von den Feinden beauftragt worden, uns in die Irre zu führen [WeyrauchDialog168]
jmdn. in die Irre führen (= jmdn. irreführen, täuschen)
Beispiele:
falsche Informationen haben uns völlig in die Irre geführt
Es ist undenkbar, daß eine Frau es verzeiht, so in die Irre geführt zu werden [RinserMitte94]
jmdn. in die Irre führen (= jmdn. verwirren, beirren)
Beispiel:
[er wollte] dem Vertreter des Militärs zeigen, daß er sich nicht durch ausschweifende Reden in die Irre führen lasse [MusilMann1034]
jmdn. in die Irre locken (= jmdn. auf falsche Wege locken)
Beispiel:
Sie hatte es nicht schwer, den Tölpel in die Irre zu locken und gar zu Fall zu bringen [CramerKonzessionen145]
in die Irre gehen (= sich verirren)
Beispiel:
nach zweistündiger Wanderung merkte er, dass er in die Irre gegangen war
übertragen
Beispiel:
Wie konnte der Geschmack so in die Irre gehen, wo doch aus früheren Zeiten genügend gute Vorbilder überliefert waren? [KürthWanderfahrt91]
in die Irre gehen (= sich irren)
Beispiele:
wenn Sie das glauben, gehen Sie in die Irre
du gehst in die Irre mit dieser Annahme
Ach, sie gehen alle in die Irre / Die da glauben, daß am Geld nichts liegt [BrechtGedichte22]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

irre · irr · Irrer · Irrenhaus · Irrenanstalt · Irrsinn · irrsinnig · Irre · irren · beirren · verirren · irrig · Irrtum · irrtümlich · Irrfahrt · Irrgarten · Irrlehre · Irrlicht · Irrwisch
irre irr Adj. ‘unsicher, zweifelnd, verwirrt, geistesgestört’, ahd. irri ‘umherschweifend, verirrt, unwissend, zügellos’ (9. Jh.), mhd. irre, erre ‘vom rechten Wege abgekommen, verirrt, wankelmütig, erzürnt, aufgebracht, uneinig’, asächs. irri ‘zornig’, mnd. erre, aengl. ierre ‘umherschweifend, verdorben, schlecht, zornig, wild’, got. aírzeis ‘verirrt’. Vergleicht man aind. irasyáti ‘zürnt, will übel’, lat. errāre ‘umherirren, sich verirren’ und zieht ↗rasen (s. d.) und die dort genannten Formen heran, so kann von ie. *er(ə)s-, *rē̌s- ‘fließen, aufgebracht, erregt sein’, wohl s-Erweiterung der Wurzel ie. *er-, *or- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’, ausgegangen werden. S. auch ↗rinnen, ↗rennen, ↗rieseln. Germ. *erzja- setzt die Wurzelbedeutung teils in ‘unruhig umherschweifend’, teils in ‘heftig bewegt, zornig’ fort. Nhd. irre ‘geistig verwirrt, geisteskrank’ (17. Jh.) geht hervor aus ‘verwirrt, geistig vom rechten Weg abgekommen’; dazu Irrer m. ‘Geistesgestörter’ (19. Jh.); Irrenhaus n. (18. Jh.), für älteres Narrenhaus; Irrenanstalt f. (19. Jh.). Irrsinn m. ‘Wahnsinn, Geistesgestörtheit’ (18. Jh.), zuvor ‘verwirrtes, unrichtiges Denken’ (17. Jh.); irrsinnig Adj. ‘wahnsinnig, geistesgestört’ (19. Jh.); in heutiger Umgangssprache (20. Jh.) oft verstärkend ‘sehr’. Irre f. ‘falscher Weg, falsche Richtung’, mhd. irre, (md.) erre ‘Irrtum, Verirrung, Irrfahrt’; vgl. got. aírzei ‘Irrlehre’. irren Vb. ‘sich ziellos hin und her bewegen, rastlos umherziehen, eine falsche Meinung haben, sich täuschen’, ahd. irrōn ‘irregehen, umherirren, in Ungewißheit sein, abtrünnig werden’ (8. Jh.), irren ‘verwirren’ (9. Jh.), mhd. irren ‘in Verwirrung bringen, stören, auf Abwege, zum Unglauben bringen, ungewiß, unsicher sein’, aengl. iorsian, irsian ‘böse sein, machen’, got. aírzjan ‘irreführen’. beirren Vb. ‘unsicher machen’ (17. Jh.). verirren Vb. reflexiv ‘vom Weg abkommen, sich nicht zurechtfinden’, ahd. firirrōn (um 1000), mhd. verirren ‘in die Irre führen, stören, verwirren, sich verirren, in Irrtum fallen’. irrig Adj. ‘falsch’, mhd. irrec, irric ‘zweifelhaft, hinderlich’, vgl. ahd. irrī̌gheit ‘Irrlehre, Irrtum’ (um 1000). Irrtum m. ‘Fehler, Versehen’, ahd. irrituom ‘Irrlehre, Irrtum, Irrgang’ (9. Jh.), mhd. irretuom ‘Irrung, Hindernis, Schaden, Ketzerei, Streit’; irrtümlich Adj. ‘fälschlich, versehentlich’ (19. Jh.). Irrfahrt f. ‘Fahrt in die falsche Richtung, vergebliches Suchen nach dem rechten Weg’, mhd. irrevart. Irrgarten m. ‘Labyrinth’ (16. Jh.). Irrlehre f. ‘falsche Lehre’ (17. Jh.). Irrlicht n. kurz aufleuchtendes, unruhig flackerndes Flämmchen (über Moorböden, durch Selbstentzündung von Sumpfgas), im Volksglauben als in die Irre führender Kobold oder Totengeist vorgestellt (17. Jh.); dafür auch Irrwisch m. (16. Jh.), zu ↗Wisch ‘Fackel’ (s. d.); auch ‘unruhiger Mensch, lebhaftes Kind’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abweg · ↗Irrweg  ●  ↗Holzweg  fig. · falscher Weg  auch figurativ, Hauptform · (die) Irre  geh. · ↗Verirrung  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anstalt Betrunkener Blinde Epileptische Kranke Krankengeschichte Leser Mörder Normale Suchen Verbraucher Verbrecher Verfolger Versprechung Weltöffentlichkeit Wirre Zuhörer arm entlaufen fahren führen geleiten gemeingefährlich harmlos irren leiten mimen sanft Öffentlichkeit überwältigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Irre‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er stünde vor aller Welt als ein armer Irrer da.
Bild, 29.12.2003
Es redet ein Irrer zu einer Frau, wie er mit ihr vögeln möchte.
Süddeutsche Zeitung, 30.01.2002
Ein Irrer mußte sie sich hier eingerichtet haben, anders konnte es gar nicht sein.
Kronauer, Brigitte: Die Frau in den Kissen, Stuttgart: Klett-Cotta 1990, S. 76
Der Professor hatte es gesagt, da brach der große, dicke Mann zusammen und benahm sich wie ein Irrer.
Konsalik, Heinz G.: Der Arzt von Stalingrad, Hamburg: Dt. Hausbücherei 1960 [1956], S. 421
Wenn ich einen Anflug von Depression spürte, rüttelte ich wie ein Irrer an den Gitterstäben.
Hasselbach, Ingo u. Bonengel, Winfried: Die Abrechnung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1993], S. 20
Zitationshilfe
„Irre“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Irre#2>, abgerufen am 17.09.2019.

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