Irre, die oder der

Grammatik Substantiv (Femininum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Irren · Nominativ Plural: Irre(n)
Mit Pluralendung ‑n wird das Wort in der schwachen Flexion (bestimmter Artikel) und der gemischten Flexion (Indefinitpronomen, Possessivpronomen) gebildet, z. B. die, keine Irren, in der starken Flexion ist die Endung unmarkiert, z. B. zwei, einzelne Irre.
Aussprache  [ˈɪʀə]
Worttrennung Ir-re
Grundform irr
Wortbildung  mit ›Irre‹ als Erstglied: Irrenanstalt · Irrenarzt · Irrenhaus · Irrenpfleger · Irrenwärter
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
veraltet Person, die an einer Psychose leidet, psychisch krank ist
Das Wort wird im heutigen Sprachgebrauch als diskriminierend empfunden.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein armer, gefährlicher, gemeingefährlicher Irrer
in vergleichender Wort-/Nominalgruppe: wie ein Irrer lachen
Beispiele:
Irrer läuft Amok mit Machete [Überschrift] [Bild, 29.10.2004]
Die nicht besonders erfolgreiche Schauspielerin Peg Entwistle kletterte im Mai 1932 auf das »H« des berühmten Hollywood‑Schriftzugs von Los Angeles und stürzte sich zu Tode. Viele Gerüchte ranken sich um diese Begebenheit, war sie ein Mobbingopfer, eine Verzweifelte oder einfach eine Irre? [Der Bund, 06.05.2020]
Noch immer leidet unser Bild von diesem Komponisten [Robert Schumann] darunter, dass er entweder als herzallerliebster romantischer Schwärmer oder als armer Irrer verkannt wird, der am Ende nur noch geistesverwirrte Musik schrieb. [Robert Schumann – Die Zeit, 12.11.2009, aufgerufen am 05.02.2021]
Er wolle aber nicht in die Psychiatrie, sondern lieber eine lebenslange Haftstrafe, um nicht »als Irrer zu enden«. [Süddeutsche Zeitung, 10.07.1997]
2.
häufig vergleichend, umgangssprachlich Person, die verrückt, überspannt ist, etw. auf unkonventionelle, exzessive Art und Weise tut
Beispiele:
Dort, wo eine durchgezogene Linie das Überholverbot markiere, würde ohnehin nur ein Irrer überholen[…]. [Mittelbayerische, 04.10.2019]
Vielleicht kommt […] noch ein Irrer auf die Idee, im Rahmen einer gesamtdeutschen Traditionspflege in das Berliner Schloss Bellevue ein Bild von Walter Ulbricht neben Richard von Weizsäcker zu hängen. [Leipziger Volkszeitung, 16.02.2018]
Als ich bei Deep Purple war, haben wir geschuftet wie die Irren (= sehr intensiv gearbeitet) und sind ständig kreuz und quer um die Welt geflogen. [Frankfurter Rundschau, 11.08.2005]
William Speight aus Massachusetts trinkt Kaffee. Er ist 67, und als er sieben war, hat er morgens im Radio vom D‑Day gehört. Er ist in die Schule gerannt wie ein Irrer (= sehr schnell gerannt), mit seiner, wie er dachte, hoch geheimen Information. [Der Tagesspiegel, 06.06.2004]
Fast möchte man seine Aufforderung zum Tanz annehmen – und weiß doch gleichzeitig, dass Neil Young auf gar keinen Fall ein guter Tanzpartner wäre. Dass er immer nur alleine oder mit ein paar anderen Irren auf Bühnen herumsitzen wird und niemals tanzen geht[…]. [Frankfurter Rundschau, 13.09.2003]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

irre · irr · Irrer · Irrenhaus · Irrenanstalt · Irrsinn · irrsinnig · Irre · irren · beirren · verirren · irrig · Irrtum · irrtümlich · Irrfahrt · Irrgarten · Irrlehre · Irrlicht · Irrwisch
irre irr Adj. ‘unsicher, zweifelnd, verwirrt, geistesgestört’, ahd. irri ‘umherschweifend, verirrt, unwissend, zügellos’ (9. Jh.), mhd. irre, erre ‘vom rechten Wege abgekommen, verirrt, wankelmütig, erzürnt, aufgebracht, uneinig’, asächs. irri ‘zornig’, mnd. erre, aengl. ierre ‘umherschweifend, verdorben, schlecht, zornig, wild’, got. aírzeis ‘verirrt’. Vergleicht man aind. irasyáti ‘zürnt, will übel’, lat. errāre ‘umherirren, sich verirren’ und zieht rasen (s. d.) und die dort genannten Formen heran, so kann von ie. *er(ə)s-, *rē̌s- ‘fließen, aufgebracht, erregt sein’, wohl s-Erweiterung der Wurzel ie. *er-, *or- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’, ausgegangen werden. S. auch rinnen, rennen, rieseln. Germ. *erzja- setzt die Wurzelbedeutung teils in ‘unruhig umherschweifend’, teils in ‘heftig bewegt, zornig’ fort. Nhd. irre ‘geistig verwirrt, geisteskrank’ (17. Jh.) geht hervor aus ‘verwirrt, geistig vom rechten Weg abgekommen’; dazu Irrer m. ‘Geistesgestörter’ (19. Jh.); Irrenhaus n. (18. Jh.), für älteres Narrenhaus; Irrenanstalt f. (19. Jh.). Irrsinn m. ‘Wahnsinn, Geistesgestörtheit’ (18. Jh.), zuvor ‘verwirrtes, unrichtiges Denken’ (17. Jh.); irrsinnig Adj. ‘wahnsinnig, geistesgestört’ (19. Jh.); in heutiger Umgangssprache (20. Jh.) oft verstärkend ‘sehr’. Irre f. ‘falscher Weg, falsche Richtung’, mhd. irre, (md.) erre ‘Irrtum, Verirrung, Irrfahrt’; vgl. got. aírzei ‘Irrlehre’. irren Vb. ‘sich ziellos hin und her bewegen, rastlos umherziehen, eine falsche Meinung haben, sich täuschen’, ahd. irrōn ‘irregehen, umherirren, in Ungewißheit sein, abtrünnig werden’ (8. Jh.), irren ‘verwirren’ (9. Jh.), mhd. irren ‘in Verwirrung bringen, stören, auf Abwege, zum Unglauben bringen, ungewiß, unsicher sein’, aengl. iorsian, irsian ‘böse sein, machen’, got. aírzjan ‘irreführen’. beirren Vb. ‘unsicher machen’ (17. Jh.). verirren Vb. reflexiv ‘vom Weg abkommen, sich nicht zurechtfinden’, ahd. firirrōn (um 1000), mhd. verirren ‘in die Irre führen, stören, verwirren, sich verirren, in Irrtum fallen’. irrig Adj. ‘falsch’, mhd. irrec, irric ‘zweifelhaft, hinderlich’, vgl. ahd. irrī̌gheit ‘Irrlehre, Irrtum’ (um 1000). Irrtum m. ‘Fehler, Versehen’, ahd. irrituom ‘Irrlehre, Irrtum, Irrgang’ (9. Jh.), mhd. irretuom ‘Irrung, Hindernis, Schaden, Ketzerei, Streit’; irrtümlich Adj. ‘fälschlich, versehentlich’ (19. Jh.). Irrfahrt f. ‘Fahrt in die falsche Richtung, vergebliches Suchen nach dem rechten Weg’, mhd. irrevart. Irrgarten m. ‘Labyrinth’ (16. Jh.). Irrlehre f. ‘falsche Lehre’ (17. Jh.). Irrlicht n. kurz aufleuchtendes, unruhig flackerndes Flämmchen (über Moorböden, durch Selbstentzündung von Sumpfgas), im Volksglauben als in die Irre führender Kobold oder Totengeist vorgestellt (17. Jh.); dafür auch Irrwisch m. (16. Jh.), zu Wisch ‘Fackel’ (s. d.); auch ‘unruhiger Mensch, lebhaftes Kind’ (18. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Irre‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Irre‹.

Zitationshilfe
„Irre“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Irre#1>, abgerufen am 21.09.2021.

Weitere Informationen …

Irre, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Irre · Nominativ Plural: Irren · wird meist im Singular verwendet
Aussprache  [ˈɪʀə]
Worttrennung Ir-re
Grundform irren
Wortbildung  mit ›Irre‹ als Erstglied: Irrtum
eWDG

Bedeutung

jmdn. in die Irre führen (= jmdn. auf falsche Wege führen)
Beispiel:
Entweder hatte sich der Hirt geirrt, oder er war von den Feinden beauftragt worden, uns in die Irre zu führen [ WeyrauchDialog168]
jmdn. in die Irre führen (= jmdn. irreführen, täuschen)
Beispiele:
falsche Informationen haben uns völlig in die Irre geführt
Es ist undenkbar, daß eine Frau es verzeiht, so in die Irre geführt zu werden [ RinserMitte94]
jmdn. in die Irre führen (= jmdn. verwirren, beirren)
Beispiel:
[er wollte] dem Vertreter des Militärs zeigen, daß er sich nicht durch ausschweifende Reden in die Irre führen lasse [ MusilMann1034]
jmdn. in die Irre locken (= jmdn. auf falsche Wege locken)
Beispiel:
Sie hatte es nicht schwer, den Tölpel in die Irre zu locken und gar zu Fall zu bringen [ CramerKonzessionen145]
in die Irre gehen (= sich verirren)
Beispiel:
nach zweistündiger Wanderung merkte er, dass er in die Irre gegangen war
übertragen
Beispiel:
Wie konnte der Geschmack so in die Irre gehen, wo doch aus früheren Zeiten genügend gute Vorbilder überliefert waren? [ KürthWanderfahrt91]
in die Irre gehen (= sich irren)
Beispiele:
wenn Sie das glauben, gehen Sie in die Irre
du gehst in die Irre mit dieser Annahme
Ach, sie gehen alle in die Irre / Die da glauben, daß am Geld nichts liegt [ BrechtGedichte22]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

irre · irr · Irrer · Irrenhaus · Irrenanstalt · Irrsinn · irrsinnig · Irre · irren · beirren · verirren · irrig · Irrtum · irrtümlich · Irrfahrt · Irrgarten · Irrlehre · Irrlicht · Irrwisch
irre irr Adj. ‘unsicher, zweifelnd, verwirrt, geistesgestört’, ahd. irri ‘umherschweifend, verirrt, unwissend, zügellos’ (9. Jh.), mhd. irre, erre ‘vom rechten Wege abgekommen, verirrt, wankelmütig, erzürnt, aufgebracht, uneinig’, asächs. irri ‘zornig’, mnd. erre, aengl. ierre ‘umherschweifend, verdorben, schlecht, zornig, wild’, got. aírzeis ‘verirrt’. Vergleicht man aind. irasyáti ‘zürnt, will übel’, lat. errāre ‘umherirren, sich verirren’ und zieht rasen (s. d.) und die dort genannten Formen heran, so kann von ie. *er(ə)s-, *rē̌s- ‘fließen, aufgebracht, erregt sein’, wohl s-Erweiterung der Wurzel ie. *er-, *or- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’, ausgegangen werden. S. auch rinnen, rennen, rieseln. Germ. *erzja- setzt die Wurzelbedeutung teils in ‘unruhig umherschweifend’, teils in ‘heftig bewegt, zornig’ fort. Nhd. irre ‘geistig verwirrt, geisteskrank’ (17. Jh.) geht hervor aus ‘verwirrt, geistig vom rechten Weg abgekommen’; dazu Irrer m. ‘Geistesgestörter’ (19. Jh.); Irrenhaus n. (18. Jh.), für älteres Narrenhaus; Irrenanstalt f. (19. Jh.). Irrsinn m. ‘Wahnsinn, Geistesgestörtheit’ (18. Jh.), zuvor ‘verwirrtes, unrichtiges Denken’ (17. Jh.); irrsinnig Adj. ‘wahnsinnig, geistesgestört’ (19. Jh.); in heutiger Umgangssprache (20. Jh.) oft verstärkend ‘sehr’. Irre f. ‘falscher Weg, falsche Richtung’, mhd. irre, (md.) erre ‘Irrtum, Verirrung, Irrfahrt’; vgl. got. aírzei ‘Irrlehre’. irren Vb. ‘sich ziellos hin und her bewegen, rastlos umherziehen, eine falsche Meinung haben, sich täuschen’, ahd. irrōn ‘irregehen, umherirren, in Ungewißheit sein, abtrünnig werden’ (8. Jh.), irren ‘verwirren’ (9. Jh.), mhd. irren ‘in Verwirrung bringen, stören, auf Abwege, zum Unglauben bringen, ungewiß, unsicher sein’, aengl. iorsian, irsian ‘böse sein, machen’, got. aírzjan ‘irreführen’. beirren Vb. ‘unsicher machen’ (17. Jh.). verirren Vb. reflexiv ‘vom Weg abkommen, sich nicht zurechtfinden’, ahd. firirrōn (um 1000), mhd. verirren ‘in die Irre führen, stören, verwirren, sich verirren, in Irrtum fallen’. irrig Adj. ‘falsch’, mhd. irrec, irric ‘zweifelhaft, hinderlich’, vgl. ahd. irrī̌gheit ‘Irrlehre, Irrtum’ (um 1000). Irrtum m. ‘Fehler, Versehen’, ahd. irrituom ‘Irrlehre, Irrtum, Irrgang’ (9. Jh.), mhd. irretuom ‘Irrung, Hindernis, Schaden, Ketzerei, Streit’; irrtümlich Adj. ‘fälschlich, versehentlich’ (19. Jh.). Irrfahrt f. ‘Fahrt in die falsche Richtung, vergebliches Suchen nach dem rechten Weg’, mhd. irrevart. Irrgarten m. ‘Labyrinth’ (16. Jh.). Irrlehre f. ‘falsche Lehre’ (17. Jh.). Irrlicht n. kurz aufleuchtendes, unruhig flackerndes Flämmchen (über Moorböden, durch Selbstentzündung von Sumpfgas), im Volksglauben als in die Irre führender Kobold oder Totengeist vorgestellt (17. Jh.); dafür auch Irrwisch m. (16. Jh.), zu Wisch ‘Fackel’ (s. d.); auch ‘unruhiger Mensch, lebhaftes Kind’ (18. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Irre‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

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Verwendungsbeispiele für ›Irre‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er stünde vor aller Welt als ein armer Irrer da.
Bild, 29.12.2003
Es redet ein Irrer zu einer Frau, wie er mit ihr vögeln möchte.
Süddeutsche Zeitung, 30.01.2002
Ein Irrer mußte sie sich hier eingerichtet haben, anders konnte es gar nicht sein.
Kronauer, Brigitte: Die Frau in den Kissen, Stuttgart: Klett-Cotta 1990, S. 76
Der Professor hatte es gesagt, da brach der große, dicke Mann zusammen und benahm sich wie ein Irrer.
Konsalik, Heinz G.: Der Arzt von Stalingrad, Hamburg: Dt. Hausbücherei 1960 [1956], S. 421
Wenn ich einen Anflug von Depression spürte, rüttelte ich wie ein Irrer an den Gitterstäben.
Hasselbach, Ingo u. Bonengel, Winfried: Die Abrechnung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1993], S. 20
Zitationshilfe
„Irre“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Irre#2>, abgerufen am 21.09.2021.

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