Irrtum, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Irrtums · Nominativ Plural: Irrtümer
Aussprache
WorttrennungIrr-tum
WortzerlegungIrre2-tum
Wortbildung mit ›Irrtum‹ als Erstglied: ↗Irrtumswahrscheinlichkeit · ↗irrtümlich  ·  mit ›Irrtum‹ als Letztglied: ↗Grundirrtum
eWDG, 1969

Bedeutung

falsches, fehlerhaftes Denken oder Handeln, Fehlurteil, (unbeabsichtigter) Fehler
Beispiele:
ein folgenschwerer, verhängnisvoller, verzeihlicher, geringfügiger, lächerlicher Irrtum
die Irrtümer der Jugendzeit
dieser Irrtum meines Freundes hatte Folgen
ein Irrtum in der Einschätzung der Lage, in der Beurteilung eines Ereignisses, in der Deutung von Symptomen, in der Diagnose
ein Irrtum hinsichtlich der Verhältnisse, der Anforderungen
das ist ein Irrtum!
es ist ein Irrtum, wenn du denkst, ich könnte dir helfen
es war ein Irrtum, zu glauben, er wolle sich ändern
alle diese Hoffnungen waren ein Irrtum, Irrtümer gewesen
umgangssprachlich Irrtum, mein Lieber!
scherzhaft Irrtum vom Amt! (= du hast unrecht!)
das war ein Irrtum von mir, seinerseits
hier liegt ein Irrtum vor
mir ist ein Irrtum, sind Irrtümer unterlaufen
das hat sich, die Anordnungen hatten sich als (ein) Irrtum erwiesen
es dürfen keine Irrtümer aufkommen, entstehen
da ist jeder Irrtum ausgeschlossen
einen großen, schwerwiegenden, grundlegenden Irrtum vermeiden
kleine, häufige, schreckliche Irrtümer begehen, herausfinden, richtig stellen
seinen Irrtum zugeben, einsehen
einen Irrtum, Irrtümer erkennen, verbessern, beseitigen, widerlegen, teuer bezahlen
solche ungenauen Angaben müssen Irrtümer hervorrufen, provozieren
man konnte ihm keinen Irrtum nachweisen
Kaufmannssprache Irrtum, Irrtümer vorbehalten
wir müssen jedem Irrtum vorbeugen
bist du immer noch diesem Irrtum verfallen?
auf Grund eines Irrtums ist er nicht rechtzeitig benachrichtigt worden
Das Telefon klingelte wieder, aber diesmal war es ein Irrtum (= ein falscher Anruf) [MusilMann1489]
in Verbindung mit »auf«
Beispiele:
diese Hoffnungen beruhten auf einem Irrtum
die gesamte Kalkulation lief auf einen Irrtum hinaus
in Verbindung mit »für«
Beispiel:
jmdn. für einen Irrtum verantwortlich machen
in Verbindung mit »im«
im Irrtum sein
sich im Irrtum befinden
sich irren
Beispiele:
wenn du meinst, das verhalte sich wirklich so, bist du sehr im Irrtum
umgangssprachlich wenn du meinst, das verhalte sich wirklich so, bist du ganz schön im Irrtum
umgangssprachlich, übertrieben wenn du meinst, das verhalte sich wirklich so, bist du gewaltig im Irrtum
darin, darüber seid ihr im Irrtum, befindet ihr euch im Irrtum
ich bin über ihn, über den Sachverhalt im Irrtum gewesen
er verharrte trotz unserer Vorstellungen in seinem Irrtum
in Verbindung mit »um«
Beispiel:
hierbei muss es sich um einen Irrtum handeln
in Verbindung mit »von«
Beispiele:
wir müssen ihn von seinem Irrtum abbringen, ihn von seinem Irrtum überzeugen
niemand ist frei von Irrtümern
in Verbindung mit »wegen«
Beispiel:
sie wurde wegen ihres Irrtums belangt, zur Rechenschaft gezogen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

irre · irr · Irrer · Irrenhaus · Irrenanstalt · Irrsinn · irrsinnig · Irre · irren · beirren · verirren · irrig · Irrtum · irrtümlich · Irrfahrt · Irrgarten · Irrlehre · Irrlicht · Irrwisch
irre irr Adj. ‘unsicher, zweifelnd, verwirrt, geistesgestört’, ahd. irri ‘umherschweifend, verirrt, unwissend, zügellos’ (9. Jh.), mhd. irre, erre ‘vom rechten Wege abgekommen, verirrt, wankelmütig, erzürnt, aufgebracht, uneinig’, asächs. irri ‘zornig’, mnd. erre, aengl. ierre ‘umherschweifend, verdorben, schlecht, zornig, wild’, got. aírzeis ‘verirrt’. Vergleicht man aind. irasyáti ‘zürnt, will übel’, lat. errāre ‘umherirren, sich verirren’ und zieht ↗rasen (s. d.) und die dort genannten Formen heran, so kann von ie. *er(ə)s-, *rē̌s- ‘fließen, aufgebracht, erregt sein’, wohl s-Erweiterung der Wurzel ie. *er-, *or- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’, ausgegangen werden. S. auch ↗rinnen, ↗rennen, ↗rieseln. Germ. *erzja- setzt die Wurzelbedeutung teils in ‘unruhig umherschweifend’, teils in ‘heftig bewegt, zornig’ fort. Nhd. irre ‘geistig verwirrt, geisteskrank’ (17. Jh.) geht hervor aus ‘verwirrt, geistig vom rechten Weg abgekommen’; dazu Irrer m. ‘Geistesgestörter’ (19. Jh.); Irrenhaus n. (18. Jh.), für älteres Narrenhaus; Irrenanstalt f. (19. Jh.). Irrsinn m. ‘Wahnsinn, Geistesgestörtheit’ (18. Jh.), zuvor ‘verwirrtes, unrichtiges Denken’ (17. Jh.); irrsinnig Adj. ‘wahnsinnig, geistesgestört’ (19. Jh.); in heutiger Umgangssprache (20. Jh.) oft verstärkend ‘sehr’. Irre f. ‘falscher Weg, falsche Richtung’, mhd. irre, (md.) erre ‘Irrtum, Verirrung, Irrfahrt’; vgl. got. aírzei ‘Irrlehre’. irren Vb. ‘sich ziellos hin und her bewegen, rastlos umherziehen, eine falsche Meinung haben, sich täuschen’, ahd. irrōn ‘irregehen, umherirren, in Ungewißheit sein, abtrünnig werden’ (8. Jh.), irren ‘verwirren’ (9. Jh.), mhd. irren ‘in Verwirrung bringen, stören, auf Abwege, zum Unglauben bringen, ungewiß, unsicher sein’, aengl. iorsian, irsian ‘böse sein, machen’, got. aírzjan ‘irreführen’. beirren Vb. ‘unsicher machen’ (17. Jh.). verirren Vb. reflexiv ‘vom Weg abkommen, sich nicht zurechtfinden’, ahd. firirrōn (um 1000), mhd. verirren ‘in die Irre führen, stören, verwirren, sich verirren, in Irrtum fallen’. irrig Adj. ‘falsch’, mhd. irrec, irric ‘zweifelhaft, hinderlich’, vgl. ahd. irrī̌gheit ‘Irrlehre, Irrtum’ (um 1000). Irrtum m. ‘Fehler, Versehen’, ahd. irrituom ‘Irrlehre, Irrtum, Irrgang’ (9. Jh.), mhd. irretuom ‘Irrung, Hindernis, Schaden, Ketzerei, Streit’; irrtümlich Adj. ‘fälschlich, versehentlich’ (19. Jh.). Irrfahrt f. ‘Fahrt in die falsche Richtung, vergebliches Suchen nach dem rechten Weg’, mhd. irrevart. Irrgarten m. ‘Labyrinth’ (16. Jh.). Irrlehre f. ‘falsche Lehre’ (17. Jh.). Irrlicht n. kurz aufleuchtendes, unruhig flackerndes Flämmchen (über Moorböden, durch Selbstentzündung von Sumpfgas), im Volksglauben als in die Irre führender Kobold oder Totengeist vorgestellt (17. Jh.); dafür auch Irrwisch m. (16. Jh.), zu ↗Wisch ‘Fackel’ (s. d.); auch ‘unruhiger Mensch, lebhaftes Kind’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Flüchtigkeitsfehler · ↗Inkorrektheit · Irrtum · ↗Missgriff · ↗Versehen  ●  ↗Fehler  Hauptform · ↗Ausrutscher  ugs., fig. · ↗Fauxpas  geh., franz. · ↗Lapsus  geh., lat. · ↗Patzer  ugs. · ↗Schnitzer  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Psychologie
Synonymgruppe
Denkfehler · ↗Fangschluss · Fehlannahme · ↗Fehleinschätzung · ↗Fehlschluss · ↗Irrglaube · Irrtum · ↗Missverständnis · ↗Paralogismus · ↗Trugschluss · falsche Annahme  ●  klarer Fall von denkste  ugs., Spruch · non sequitur  fachspr., lat.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Unrecht haben · nicht Recht haben · nicht recht haben · unrecht haben  ●  falschliegen  ugs.
  • Flüchtigkeitsfehler · ↗Inkorrektheit · Irrtum · ↗Missgriff · ↗Versehen  ●  ↗Fehler  Hauptform · ↗Ausrutscher  ugs., fig. · ↗Fauxpas  geh., franz. · ↗Lapsus  geh., lat. · ↗Patzer  ugs. · ↗Schnitzer  ugs.
  • advers · ↗entgegengesetzt · ↗gegensätzlich · ↗gegenteilig · ↗konträr · ↗polar · sich widersprechend · ↗unvereinbar · ↗widersprüchlich · widerstreitend  ●  ↗adversativ  fachspr., lat., Sprachwissenschaft · ↗antagonistisch  geh. · ↗antithetisch  geh. · ↗diametral  geh. · ↗diskrepant  geh. · ↗dualistisch  geh. · ↗oppositär  geh.
  • dem ist nicht so · dem war nicht so · falschliegen · nicht der Fall sein · sich irren (du irrst dich) · weit gefehlt  ●  (da) sage noch einer (...)  floskelhaft, variabel · nicht zutreffen  Hauptform · womit eindeutig widerlegt wäre (dass)  floskelhaft · (ein) Irrtum vom Amt  ugs. · (ein) typischer Fall von denkste  ugs., salopp, variabel · (einfach) nicht stimmen  ugs. · (so) nicht stimmen  ugs. · keine Rede sein können (von)  ugs. · nicht die Rede sein können (von)  ugs. · so ist das (aber) nicht  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Fehler Lexikon Mißverständnis Versuch aufklären aufsitzen bedauerlich begehen bemerken berichtigen beruhen eingestehen erliegen erweisen fatal folgenschwer fundamental herausstellen korrigieren populär schrecklich schwerwiegend tragisch tödlich unterlaufen unterliegen verbreitet verfallen verhängnisvoll weitverbreitet

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Irrtum‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das ist jedoch nicht die einzige Erklärung für die Irrtümer der Fachleute.
Die Zeit, 03.05.2010, Nr. 18
Die Erfolge der praktischen menschlichen Tätigkeit werden als wesentlich auf Irrtümern, auf Illusionen beruhend betrachtet.
Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 1983, Nr. 6, Bd. 31
Als M. sich 1948 verteidigen mußte, gab er seinen Irrtum offen zu.
Merz, G.: Müller. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 12584
Ich darf zunächst wieder einen Irrtum richtigstellen, der sich in Ihre Frage eingeschlichen hat.
o. A.: Einhundertsechsundsechzigster Tag. Freitag, 28. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 11939
Aber an Dir habe ich meine Schuld, meinen - Irrtum erkannt.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 07.03.1920
Zitationshilfe
„Irrtum“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Irrtum>, abgerufen am 20.06.2019.

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