Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Jahrzeitbuch, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Jahrzeitbuch(e)s · Nominativ Plural: Jahrzeitbücher
Nebenform meist CH Jahrzeitenbuch · Substantiv · Genitiv Singular: Jahrzeitenbuch(e)s · Nominativ Plural: Jahrzeitenbücher
Aussprache [ˈjaːɐ̯ʦaɪ̯tˌbuːχ] · [ˈjaːɐ̯ʦaɪ̯tn̩ˌbuːχ]
Worttrennung Jahr-zeit-buch ● Jahr-zei-ten-buch
Wortzerlegung Jahrzeit Buch
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

besonders CH , D-Südwest , selten A-West (Vorarlberg) , A-West (Tirol) , historisch religiöser Kalender mit den Namen von Spendern, verstorbenen Menschen oder Heiligen, in deren Andenken Messen² (1) gefeiert werden sollen
in den christlichen Kirchengemeinden und Klöstern
Beispiele:
Der Name Schultheiß erscheint erstmals im Jahrzeitbuch der Pfarrei Waldshut von 1651. [Südkurier, 27.08.2004]
Interessant ist, dass erst seit dem Kirchenbau verlässliche Tauf‑, Ehe‑ und Sterberegister sowie Jahrzeitbücher geführt worden sind. [Bote der Urschweiz, 07.09.2018]
Will man der Geschichte seiner Familie nachgehen, muss man sich bewusst sein, dass das Vorkommen des eigenen Familiennamens in einer Urkunde oder in einem Jahrzeitbuch vor 1500 nicht genügt, um den Namenträger als Vorfahren zu identifizieren. [Luzerner Zeitung, 16.02.2017]
[…] [in früheren Zeiten] war die religiöse Erinnerung insbesondere an verstorbene Kirchenmänner und andere Würdenträger eng mit einer rationalen Buchführung und der Geschichtsschreibung verbunden, […]. Weil die Eliten es sich leisten konnten, ihr Seelenheil mit Stiftungen und Schenkungen zu sichern, führten die begünstigten Kirchen und Klöster Buch über Leistungen und Einkünfte. Zugleich hielten sie das Wirken und die Werke der Verstorbenen fest. Hugener nennt die Nekrologe, Jahrzeitbücher, Spendenverzeichnisse, Urbare und Martyrologien »lebendige Bücher«, die permanent weitergeführt wurden. [Neue Zürcher Zeitung, 02.09.2014]
In einzelnen Chroniken ist unbestimmt von »vielen« Toten die Rede, in andern fehlen Hinweise gänzlich. Wieder andere nennen 300, 1.000 oder 2.000 Opfer, […]. Die Chronisten Sebastian Münster, Johannes Stumpf und Aegidius Tschudi nennen […] lediglich 100 Tote. Mit Vorsicht […] folgt auch der Historiker Werner Meyer dieser Zahl in seinem neuen Buch über das Basler Erdbeben, unter anderem, weil die Jahrzeitenbücher mit den aufgelisteten Totenmessen keine erhöhte Sterblichkeit nach der Katastrophe aufzeigen. [Basler Zeitung, 21.08.2006]
Der Stammvater Leonhard Fink wurde um das Jahr 1570 in Sulzberg geboren. Sein Sohn Peter Fink kam vor 1603 zur Welt. Er war eines von elf Kindern des Leonhard Fink. Aufgespürt hat Erwin Fink seine ältesten Vorfahren im so genannten Jahrzeitbuch Sulzberg. [Neue Vorarlberger Tageszeitung, 27.11.2005]
Nachdem am 22. Juli 1628 […] die Pest ausgebrochen war, bereitete sich diese rasch nach Ems, Dornbirn und Lustenau aus. Laut Einleitung des Rosenkranz‑Bruderschaftsbuches und laut einem Vermerk im Jahrzeitbuch forderte die Seuche in Dornbirn […] »biß in die 820« Todesopfer. [Vorarlberger Nachrichten, 07.03.2002]
Nur für eine kurze Zeit, kein Jahrhundert im Ganzen, erfahren wir aus lateinisch geschriebenen Jahrzeitbüchern, Klostergeschichten und Heiligenlegenden Näheres über Ereignisse in den Alpen, die, so interessant sie für die Nachwelt sind, für die Mitlebenden recht unbequem waren, und von der Anwesenheit fremder Gäste in unsern Bergen, die auch wir nicht zu den willkommenen rechnen würden. [Schweizer Alpen-Club (Hg.): Jahrbuch des Schweizer Alpen-Clubs. 2018 [1879]]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Jahrzeitbuch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Jahrzeitbuch>.

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