Jammer, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Jammers · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungJam-mer (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Jammer‹ als Erstglied: ↗jammervoll  ·  mit ›Jammer‹ als Letztglied: ↗Erdenjammer · ↗Herzensjammer · ↗Katzenjammer · ↗Windjammer
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
das Wehklagen
Beispiele:
ein lauter, herzzerreißender Jammer
Jammer erhebt sich
ihr Jammer schallte durch das ganze Haus
in Jammer und Tränen ausbrechen
die Stadt [war] erfüllt / Von Brand und Jammer [BrechtKaukas. Kreidekreis2]
2.
Leid, Elend
Beispiele:
ein großer, tiefer, brennender, unbeschreiblicher Jammer
der Jammer der Kreatur
er bot ein Bild des Jammers
jmdm. seinen Jammer klagen
mit seinem Jammer fertig werden
sie weinten vor Jammer
sie war ganz aufgelöst vor Jammer
umgangssprachlich oh Jammer!
umgangssprachlich das ist ein Jammer
umgangssprachlich wie lange soll der ewige, alte Jammer mit seinen Schulden noch so weitergehen?
umgangssprachlich es ist ein wahrer Jammer, das mit ansehen zu müssen
Der Menschheit ganzer Jammer faßt mich an [GoetheFaustI 4406]
die Brust voll Schmerz und Jammer [KleistKohlhaas3,169]
drückt große Unzufriedenheit aus
Beispiele:
salopp es ist ein Jammer um die verlorene Zeit, damit, mit ihm
salopp ein Jammer (= schade), dass ich nicht daran gedacht habe
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Jammer · jämmerlich · Jämmerlichkeit · jammern · Jammerlappen · jammerschade · Jammertal
Jammer m. ‘Wehgeschrei, beklagenswerter Zustand, Elend, Verzweiflung’, ahd. jāmar (9. Jh.), āmar (um 1000) n. m., mhd. jāmer, āmer n. m. ‘Betrübnis, Sehnsucht’ ist eine Substantivierung des Adjektivs ahd. jāmar (9. Jh.), āmar (um 1000) ‘traurig’, woraus sich das vom Ahd. bis ins Frühnhd. belegte neutr. Genus (neben dem mask.) erklären ließe; vgl. auch asächs. jāmar, giāmar, aengl. geōmor ‘leidvoll, betrübt’. Wahrscheinlich geht das Adjektiv auf einen Schmerzenslaut, einen Klageruf zurück, so daß in ahd. āmar, mhd. āmer (s. oben) sowie anord. amra, emja, ymja ‘heulen, schreien’ onomatopoetische Varianten vorliegen können. Die nhd. Form mit verkürztem Vokal setzt sich im 17. Jh. durch. jämmerlich Adj. ‘elend, erbärmlich, heruntergekommen, feige’, ahd. āmarlīh (8. Jh.), mhd. jāmerlich, jæmerlich ‘kläglich, leidvoll’; Jämmerlichkeit f. (17. Jh.). jammern Vb. ‘wehklagen’, ahd. āmarōn (um 1000), mhd. jāmern, āmern ‘klagen, stöhnen, seufzen’. Jammerlappen m. ‘wehleidig klagender Mensch, Feigling’ (berlin. 19. Jh.), eigentlich (scherzhaft) ‘das zum Abwischen der Tränen benutzte Taschentuch’. jammerschade Adj. (nur prädikativ), Zusammenrückung der prädikativ verwendeten Fügung Jammer und Schade (18. Jh.). Jammertal n. ‘das irdische Dasein’, mhd. jāmertal, hier (wie auch bei Luther) Übersetzung von spätlat. vallis lacrimārum ‘Tal der Tränen’ (Vulgata, Psalm 83, 7, bei Luther 84, 7).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gejammer · Jammer · ↗Klage · ↗Klagelied(er) · ↗Wehgeschrei · ↗Wehklagen  ●  ↗Lamento  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Geheul · ↗Gejammer · ↗Gezeter · Herumgejammer · Jammer · Jammerei · ↗Klage · ↗Lamento · ↗Wehgeschrei · ↗Wehklagen · klagende Laute
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Flehen Grund Gruß Heulen Klage Klagen Lamentieren Meckern Niveau Schimpfen Schreien Seufzen Stöhnen Wehklage Wehklagen Weinen Weltmeister Zetern ewig helfen kollektiv laut neigen nützen verfallen vernehmen verstummen wehleidig weiterbringen weiterhelfen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Jammer‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jammern können sie darüber nicht, nur ihre Bewegungen wirken etwas steif, und sie laufen wie auf rohen Eiern.
Süddeutsche Zeitung, 18.05.2000
Erst im Jammern über den verspielten Frieden wird man sie vereint sehen.
Der Tagesspiegel, 02.02.1998
Sie tragen einen mit verkrüppelten Beinen, das Jammern des Krüppels wie Lachen.
Delius, Friedrich Christian: Ein Held der inneren Sicherheit, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1981, S. 193
In dem tiefen Schweigen, das nun herrschte, hörte man nur den klatschenden Regen und das Jammern der Landgräfin.
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 392
Aber der von irdischer Sorge befreite Dichter fliegt auf, übersieht die Welt und lauscht ihrem Jammern!
Altenberg, Peter: Märchen des Lebens. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1908], S. 6415
Zitationshilfe
„Jammer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Jammer>, abgerufen am 20.04.2019.

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