Jauche, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Jauche · Nominativ Plural: Jauchen · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungJau-che
Wortbildung mit ›Jauche‹ als Erstglied: ↗Jauchefass · ↗Jauchegrube · ↗Jauchekübel · ↗Jauchenfass · ↗Jauchengrube · ↗Jauchenkübel · ↗Jauchenpumpe · ↗Jauchentümpel · ↗Jauchenwagen · ↗Jauchepumpe · ↗Jauchetümpel · ↗Jauchewagen
 ·  mit ›Jauche‹ als Letztglied: ↗Mistjauche  ·  mit ›Jauche‹ als Grundform: ↗jauchig
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
übelriechende Flüssigkeit aus tierischen oder menschlichen Ausscheidungen, die in Gruben gesammelt und als Dünger verwendet wird
Beispiele:
eine braune, stinkende Jauche
Jauche pumpen
Jauche (auf das Feld) fahren
den Acker mit Jauche düngen
2.
salopp, abwertend, übertragen schlechte, Übelkeit verursachende Flüssigkeit
Beispiele:
der Kaffee, das Bier ist die reinste Jauche
aus der Wunde floss eitrige Jauche
In der gleichen Lade liegen da die strengen sittlichen Ermahnungen des Testaments und diese Jauche! (= unsittlichen Dinge!) [MusilMann786]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Jauche · verjauchen · jauchen
Jauche f. ‘flüssiger Dünger aus vergärten menschlichen oder tierischen Ausscheidungen’, übertragen ‘übelriechendes Wasser, Geschwürabsonderung, Getränk, Suppe, Brühe schlechter Qualität’. Omd. (schles.) jauche ‘lästiges Abwasser’ (Anfang 15. Jh.), (obsächs.) Mistgauche ‘flüssiger Stalldünger’ (16. Jh.), mnd. jǖche, auch ‘Fleischbrühe, Geflügelsuppe, schlechtes, dünnes Bier’, ist eine Entlehnung aus asorb. bzw. apolab. *jucha (vgl. obsorb. nsorb. jucha ‘flüssiger Stalldünger’, auch ‘Brühe, Suppe’), urslaw. *jucha ‘dicke Fleischbrühe, Fleischsuppe, Fleischsauce’; vgl. russ. uchá (уха) ‘Brühe, Fischsuppe’. Literatursprachliche Geltung erlangt Jauche im Sinne von ‘Dünger’ sowie ‘Flüssigkeit von schlechter Qualität’ im 18. Jh. Vgl. Bielfeldt in: PBB (H) 94 (1974) 80 ff. verjauchen Vb. ‘jauchig werden’ von Geschwüren (Mitte 19. Jh.). jauchen Vb. ‘mit Jauche düngen’ (Anfang 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gülle · Jauche  ●  Bschütti  ugs., alemannisch · ↗Flüssigmist  fachspr. · Odl  ugs., bair. · ↗Puddel  ugs., hessisch · Schwemmmist  fachspr. · ↗Sudel  ugs., regional
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dünger Gülle Kompost Levkoje Mist Regen Stallmist braun riechen stinkend verdünnt übergießen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Jauche‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn es irgendwann nicht mehr schäumt, ist die Jauche fertig.
Die Zeit, 13.06.2011, Nr. 24
Die Erde saugt dann die Jauche und den Geruch auf, und es geht nichts verloren.
Böttner, Johannes: Gartenbuch für Anfänger, Frankfurt (Oder) u. a.: Trowitsch & Sohn 1944 [1895], S. 36
Während des Reifens wird er vorteilhaft mit Kalk durchsetzt und mit Jauche begossen.
Schlipf, Johann Adam: Schlipfs populäres Handbuch der Landwirtschaft, Berlin: Parey 1918, S. 305
Sie sanken in den Kot der Straße und wurden durch die Jauche der Gosse geschleift.
Traven, B.: Das Totenschiff, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1929 [1926], S. 147
Aber die Hitze der Glutbecken, die man hinter das Schlachthaus getragen hatte, nahm allmählich den Geruch von Blut und Jauche an.
Ransmayr, Christoph: Die letzte Welt, Gütersloh: Bertelsmann 1990 [1990], S. 20
Zitationshilfe
„Jauche“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Jauche>, abgerufen am 24.10.2019.

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