Julfest, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Julfest(e)s · Nominativ Plural: Julfeste
Aussprache
WorttrennungJul-fest (computergeneriert)
WortzerlegungJulFest
Wahrig und DWDS, 2018

Bedeutungen

1.
historisch germanisches Fest, das in der Zeit der Wintersonnenwende gefeiert wurde
Beispiele:
Ob das Julfest mit dem Mittwinterfest zusammenfiel oder im Dezember gefeiert wurde, ist ungewiß; für einen Zusammenhang mit der Winter-Sonnenwende gibt es kein sicheres Zeugnis. [Baetke, W.: Germanische Religion. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 11085]
[…] die Germanen machten sich zur Wintersonnenwende für das Julfest schön. [Die Zeit, 09.01.2012, Nr. 02]
Der Nationalsozialismus versuchte dann, das Weihnachtsfest zum germanischen Julfest umzupolen, und sah den Lichterbaum als »Kultbaum des Mittwinterfestes«, als »Welten-Esche des germanischen Mythos«. [Süddeutsche Zeitung, 18.12.1997]
Bei den nordischen Völkern diente das heidnische Julfest ursprünglich dem Gedächtnis der Abgeschiedenen. [Naumburger Kreisblatt für Stadt und Kreis Naumburg, 26.11.1911]
2.
in skandinavischen Ländern   Weihnachtsfest
Beispiele:
In Mittel- und Nordeuropa traf der christliche Glaube […] auf Sonnen- und Fruchtbarkeitskulte der Mittwinterzeit, die er erst einmal in ein Fest zu Christi Geburt umwandeln mußte. Das Julfest gehörte wohl dazu, und es könnte sein, daß einige Traditionen in Nordeuropa darauf zurückzuführen sind. [Frankfurter Rundschau, 20.12.1997]
Zum norwegischen Julfest wird in großen Mengen ein hopfenarmes Bockbier von goldbrauner Farbe mit dem Namen Jule getrunken. [Der Tagesspiegel, 24.12.2003]
»Prächtig, ganz unvergleichlich prächtig« nannte der große Erzähler Hans Christian Andersen das dänische Julfest, und damit meinte er bestimmt auch das gewaltige, stundenlange Mahl: süßer Reisbrei, in dem eine Mandel versteckt ist, Schweinebraten mit Kruste oder Gans, eingelegter Hering, süße Kartoffeln, Grünkohl in einem Bad voll Sahne, Leberpastete, Käse, Feigenbrot und Torten. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.1994]
Kurz vor dem Julfest traf er sie […] in der Kirche. [Die Zeit, 19.04.1956, Nr. 16]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Jul · Julfest · Julklapp
Jul n. m. skandinavisches Weihnachtsfest. Anord. jōl Plur. bezeichnet das heidnische Mittwinterfest. Nach der Christianisierung wird die Bezeichnung übertragen auf das christliche Weihnachtsfest, vgl. aengl. gēol, älter geo(h)ol, geh(h)ol, gēola ‘Weihnachtstag’, Plur. ‘Weihnachtszeit’ (engl. Yule aus dem Nord.), schwed. dän. jul ‘Weihnachten’. Dazu der Monatsname anord. ȳlir, aengl. Gēola ‘Julmonat, Dezember’, got. fruma jiuleis ‘Monat vor dem Julfest, November’. Die Etymologie ist ungeklärt. Aus mehreren Herleitungsversuchen (zusammengestellt bei Feist ³301 ff.) seien erwähnt: Bei vorauszusetzendem germ. *jehwla-, *jegwla- Anknüpfung an lat. iocus ‘Scherzrede, Scherz, Spaß’ (s. ↗Jokus) als ‘Freudezeit’, oder Verwandtschaft mit lit. (älter) jèkti ‘blind werden’ (hier vom Tage) als ‘trübe, lichtlose Zeit’, vgl. Grienberger in: Sitzungsber. Wien 142, 8 (1900) 137. Im 14. Jh. begegnet aus dem Nord. entlehntes mnd. jūl m. ‘Weihnachtsfest, Fest der Wintersonnenwende’; im 19. Jh. wird Jul (aus dem Schwed.) auch im Hd. üblich, meist in den Komposita Julfest n. und Julklapp m. ‘kleine Weihnachtsgabe’, deren Überbringer unbekannt bleiben will, nd. Entlehnung (18. Jh.) von schwed. julklapp; ursprünglich als Geschenk nach starkem Pochen (schwed. klappa) durch die Tür geworfen.
Zitationshilfe
„Julfest“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Julfest>, abgerufen am 23.03.2019.

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