Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Julklapp, der oder das

Grammatik Substantiv (Maskulinum, Neutrum) · Genitiv Singular: Julklapp(s) · Nominativ Plural: Julklapps
Aussprache  [ˈjuːlklap] · [ˈjyːlklap]
Worttrennung Jul-klapp
Herkunft aus gleichbedeutend julklappschwed zu julschwed ‘Weihnachten’ und klappaschwed ‘klopfen’
Dieses Stichwort finden Sie im DWDS-Weihnachtsglossar.
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
besonders D-Nordost , D-Nordwest Synonym zu Wichteln
Beispiele:
Gut, dass es Julklapp gibt, auch Wichteln genannt. Der Grundgedanke dieses Brauchs ist, dass man sich auf Weihnachtsfeiern im Freundeskreis, in Schulen, im Sportverein oder bei der Arbeit kleine Präsente übergibt, die das Warten auf Weihnachten verkürzen sollen. Vorher wird ausgelost, wer wen beschenken muss – das darf jedoch nicht verraten werden. Jeder Teilnehmer beschriftet sein Päckchen mit dem Namen seines geheimen Wichtelpartners und bringt es zur Feier mit. [Welt am Sonntag, 09.12.2007]
»Wir machen mit mehreren Leuten immer Julklapp, das heißt, jeder muss nur ein Geschenk besorgen«. [Hamburger Abendblatt, 15.12.2020]
Jeder, der beim Julklapp mitmachen möchte, bringt bitte ein kleines Präsent im Wert von fünf Euro mit. [Kieler Nachrichten, 13.12.2017]
Eine gute Möglichkeit, um Geld zu sparen und achtsamer zu schenken, ist das Wichteln, auch Julklapp genannt: Jeder kauft nur ein Geschenk für denjenigen, den er zuvor gelost hatte. [Der Tagesspiegel, 23.12.2016]
Beim Julklapp geht es darum, dass jeder, der mitmachen möchte, ein Geschenk mitbringt und dieses dann in einem Würfelspiel weitergegeben wird. [Schweriner Volkszeitung, 01.12.2010]
Das Schönste an Weihnachten sind doch die Überraschungen! Und eine dicke Überraschung könnt ihr jetzt euch selbst und einem anderen bescheren: Ihr kennt doch bestimmt das vorweihnachtliche Julklapp oder Wichteln, wie es auch genannt wird. [Bild am Sonntag, 07.12.2003]
Häufig ist der Julklapp der wahnsinnige Höhepunkt jeder betrieblichen Weihnachtsfeier und eine gute Gelegenheit, Kolleginnen und Kollegen wahlweise tiefste Zuneigung oder größtmögliche Verachtung zu demonstrieren. [Hamburger Abendblatt, 29.11.2001]
2.
D-Nordost weihnachtlicher Brauch, bei dem ein unbekannter Schenker (nach lautem Klopfen) ein Geschenk in einem Päckchen durch ein offenes Fenster ins Haus oder durch die Tür in ein Zimmer wirft
Beispiele:
Beim Julklapp handelt es sich um eine weihnachtliche Tradition zur Geschenkübergabe, die sich in Skandinavien und auch bei uns in Mecklenburg und Pommern verbreitet hat. Nach Sitte des Julklapp klopft der Schenkende sehr stark an die Tür und wirft oder stößt dann sein Weihnachtsgeschenk einfach ins Zimmer. Teilweise verbirgt der Schenkende seine Hand in einem Handschuh aus Silberpapier, damit keiner erkennen kann, zu wem die Hand tatsächlich gehört. Noch bis heute ist es üblich, dass die Geschenke außergewöhnlich oder witzig verpackt und namenlose Gedichte beigelegt werden. [Schweriner Volkszeitung, 24.12.2010]
Weihnachten wurde stets im trauten Familienkreis des Gutspächters mit alten Traditionen wie »Julklapp« und Festtagsbraten gefeiert. Beim »Julklappspiel« ging am Weihnachtsabend die Zimmertür ganz still und leise auf und es wurden kleine Päckchen ins Zimmer geworfen. [Der Prignitzer, 16.12.2013]
[…] in Dänemark gibt es das vorweihnachtliche Julklapp, eine Art Weihnachtswichteln, bei dem die Haustür geöffnet wird und jemand Unbekanntes Geschenke in die Wohnung wirft. [Neue Osnabrücker Zeitung, 13.12.2013]
metonymisch Das lustige anonyme Geschenkritual stammt aus Skandinavien – die sogenannten Julklapps, die Weihnachtsgeschenke, sind vom schwedischen »Jul« für Weihnachten abgeleitet – und war bereits im 19. Jahrhundert in Norddeutschland üblich. [Der Prignitzer, 16.12.2013]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Jul · Julfest · Julklapp
Jul n. m. skandinavisches Weihnachtsfest. Anord. jōl Plur. bezeichnet das heidnische Mittwinterfest. Nach der Christianisierung wird die Bezeichnung übertragen auf das christliche Weihnachtsfest, vgl. aengl. gēol, älter geo(h)ol, geh(h)ol, gēola ‘Weihnachtstag’, Plur. ‘Weihnachtszeit’ (engl. Yule aus dem Nord.), schwed. dän. jul ‘Weihnachten’. Dazu der Monatsname anord. ȳlir, aengl. Gēola ‘Julmonat, Dezember’, got. fruma jiuleis ‘Monat vor dem Julfest, November’. Die Etymologie ist ungeklärt. Aus mehreren Herleitungsversuchen (zusammengestellt bei Feist ³301 ff.) seien erwähnt: Bei vorauszusetzendem germ. *jehwla-, *jegwla- Anknüpfung an lat. iocus ‘Scherzrede, Scherz, Spaß’ (s. Jokus) als ‘Freudezeit’, oder Verwandtschaft mit lit. (älter) jèkti ‘blind werden’ (hier vom Tage) als ‘trübe, lichtlose Zeit’, vgl. Grienberger in: Sitzungsber. Wien 142, 8 (1900) 137. Im 14. Jh. begegnet aus dem Nord. entlehntes mnd. jūl m. ‘Weihnachtsfest, Fest der Wintersonnenwende’; im 19. Jh. wird Jul (aus dem Schwed.) auch im Hd. üblich, meist in den Komposita Julfest n. und Julklapp m. ‘kleine Weihnachtsgabe’, deren Überbringer unbekannt bleiben will, nd. Entlehnung (18. Jh.) von schwed. julklapp; ursprünglich als Geschenk nach starkem Pochen (schwed. klappa) durch die Tür geworfen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Julklapp (nach dem Julfest) · Wichteln  ●  Engerl-Bengerl  österr.
Zitationshilfe
„Julklapp“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Julklapp>.

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