Junge, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Jungen · Nominativ Plural: Jungen
Nebenform umgangssprachlich Junge · Substantiv · Nominativ Plural: Jungs/Jungens
Aussprache  [ˈjʊŋə]
Worttrennung Jun-ge
Grundform jung

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. Kind männlichen Geschlechts
  2. 2. [umgangssprachlich] (junger) Mann
    1. a) [salopp] ⟨grüner Junge⟩
    2. b) [salopp] ⟨schwerer Junge⟩
  3. 3. [salopp] (vertraulich) Anrede; Ausruf des Erstaunens, der Überraschung
  4. 4. [veraltet] junge, lernende Hilfskraft
  5. 5. [selten] [Kartenspiel, umgangssprachlich] Synonym zu Bube (2), Wenzel, Unter
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
Kind männlichen Geschlechts
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein kleiner, neugeborener, süßer Junge; ein blasser, schlaksiger, dicker, schmächtiger Junge; ein böser, braver, lieber, netter, schüchterner, stiller, aufgeweckter, frecher, fröhlicher Junge; ein dummer, ungezogener, normaler, hochbegabter, intelligenter, kluger, talentierter Junge
mit Akkusativobjekt: einen Jungen versorgen, betreuen, erziehen, unterrichten
in Koordination: Jungen und Mädchen
als Aktivsubjekt: der Junge spielt, klettert, rennt, springt, stürzt, weint, schreit
Beispiele:
unser Junge ist zwölf Jahre altWDG
der kleine Junge geht an der Hand seiner MutterWDG
als Jungen streiften wir gern durch die WälderWDG
umgangssprachlichein fixer, heller JungeWDG
übertragenjmdn. als dummen Jungen hinstellen (= jmdn. vor anderen lächerlich machen)WDG
Jungen wollen cool sein, richtige Männer werden – und machen Eltern und Pädagogen oft hilflos. Was ist los mit unseren »Jungs«? Was brauchen sie, damit es ihnen gut geht? Und was können Eltern und professionell Erziehende tun, damit Jungen zu mitfühlenden und verantwortungsbewussten jungen Männern heranwachsen? [Neue Westfälische, 08.03.2018]
Als Massom N. nach Deutschland kam, […] wurde die hochschwangere 24‑Jährige operiert und kurz darauf per Notkaiserschnitt von einem gesunden Jungen entbunden. [Der Tagesspiegel, 09.01.2017]
An Weihnachten und Ostern organisieren die Schüler […] Spendenaktionen für die »Tafel«. […] Fast monatlich planen wir auch eine Veranstaltung mit den Senioren von Sankt Stephanus und dabei gehen sogar die Jungens völlig locker mit älteren Damen spazieren und halten charmant mit ihnen ein Pläuschchen oder es wird bei Kaffee und Kuchen gerätselt und gebastelt. [Fränkischer Tag, 14.11.2020]
Der Junge aus der Nachbarschaft lässt keine Gelegenheit aus[,] sich über Mary und ihre roten Haare lustig zu machen. [Mary und die Blume der Hexen, 25.01.2019, aufgerufen am 01.09.2020]
Und dann kam er, der Tag, an dem unser kleiner Junge geboren […] wurde. [EIN BRIEF AN MEINE HEBAMME, 13.04.2018, aufgerufen am 20.08.2020]
Dass Jungen und Mädchen spätestens von der siebten Klasse an im Sport getrennt unterrichtet werden, ist […] längst weitverbreitet. [Süddeutsche Zeitung, 05.08.2013]
Viele Jahre vergehen und der Junge, der mittlerweile Tarzan genannt wird, wächst zu einem stattlichen Mann und akzeptierten Mitglied der Gorilla‑Familie heran. [SUPER RTL zeigt das preisgekrönte Zeichentrickmeisterwerk, 05.03.2013, aufgerufen am 31.08.2020]
2.
umgangssprachlich (junger) Mann
Beispiele:
ihr Freund ist ein netter JungeWDG
unsere Sportler waren prächtige JungenWDG
Dass man sich wieder einmal Sorgen um seinen [des Fußballspielers] Gesundheitszustand machen müsse, davon war an diesem bunten Nachmittag nicht die Rede. [Fußball-]Trainer Fred R[…] sieht die Lage ein wenig anders. […] »Um den Jungen mache ich mir richtige Sorgen«[…]. [Der nächste Kniefall?, 22.01.2009, aufgerufen am 17.03.2021]
Auch nach dem Abitur wies das Oberhaupt der Familie [dem Sohn] den Weg, und der führte […] direkt in die Metzgerlehre, schließlich soll der Junge eines Tages einmal den Betrieb übernehmen. [Welt am Sonntag, 22.02.2004]
Ich dachte, ich heirate den Jungen von nebenan, laß mich von einem reichen Mann verwöhnen und lebe mit Muße und Mode. [Die Zeit, 25.02.1994]
[…] smarte Jungens mit Collegebildung und Kriegsteilnehmer […] [ BaumKristall110]WDG
spezieller»Auf meine Jungs (= Mitglieder einer Mannschaft, eines Teams) ist Verlass.« […]Coach Jochen K[…] musste es nicht bereuen, seinen Fußballern am Donnerstag statt des Abschlusstrainings freigegeben zu haben. [Leipziger Volkszeitung, 06.05.2008]
a)
salopp
Phrasem:
grüner Junge (= unreifer, unerfahrener, naiver junger Mann)
Beispiele:
Jung ist er, aber kein grüner Junge. Von seinem einstigen Chef[…] habe er einiges gelernt. [Badische Zeitung, 18.01.2008]
Erzählt […] wird die Geschichte von jenem älteren, nunmehr gereiften Mann und Schriftsteller, zu dem der grüne Junge von einst geworden ist. [Die Zeit, 11.08.2011]
Ich war damals 35 Jahre alt, also kein grüner Junge mehr. Ich habe gewusst, was ich da tat. [Neue Zürcher Zeitung, 30.10.2009]
Ihre ersten Versuche in Liebe und Sex absolviert sie nicht mit einem grünen Jungen, sondern entscheidet sich ganz selbstbestimmt für einen Lehrer. [Die Zeit, 07.02.2008]
b)
salopp
Phrasem:
schwerer Junge (= Krimineller, Straftäter)
Beispiele:
Der Mann, der beinahe einen sympathischen Eindruck macht und dem man nichts Böses zutraut, ist ein schwerer Junge. Er ist schuldig der schweren räuberischen Erpressung und soll deswegen für vier Jahre und sechs Monate hinter Gitter. [Leipziger Volkszeitung, 18.05.2012]
Grundsätzlich sieht das Prozeßrecht es vor, Täter durch die Veröffentlichung von Fahndungsfotos zu ermitteln. Man kennt das aus dem Fernsehen; in öffentlichen Gebäuden werden auf diesem Wege Terroristen und ähnliche schwere Jungs gesucht. [Gejagt, 20.03.2006, aufgerufen am 07.12.2020]
Diesen schweren Jungen konnte die Polizei ganz locker fassen: Zusammen mit zwei Komplizen räumte ein auffällig dicker Räuber […] ein Juweliergeschäft in Berlin aus. [Bild, 15.06.2016]
Im Gefängnis von Tamara in Honduras sitzen wahrlich schwere Jungs ein, Gang‑Mitglieder mit kapitalen Strafregistern und besten Kontakten. [5-Sterne-Knast, 05.01.2008, aufgerufen am 07.12.2020]
3.
salopp (vertraulich) Anrede; Ausruf des Erstaunens, der Überraschung
Beispiele:
mein alter, mein lieber Junge!WDG
mein Junge!WDG
Junge, das hätte ich nicht gedacht!WDG
Mensch Junge, trau Dir doch mal was zu! [Überheblichkeit böse abgestraft, 17.11.2020, aufgerufen am 17.03.2021]
In der Autowerkstatt fragt der Meister seinen Azubi: »Junge, wie kann man an einem Tag nur so viel falsch machen?« [Bild, 07.12.2020]
Mein Vater […] sagte zu mir: »Junge, von der Baufirma kannst du leben, mach dich nicht unglücklich.« […] Ich war jung und habe mir gesagt, wenn’s schiefgeht, dann kann ich ja noch mal von vorn anfangen. [Hamburger Abendblatt, 22.11.2018]
Komm schon, alter Junge, bezahl. [12, 26.05.2008, aufgerufen am 01.09.2020]
Das war ein Leben! Junge, Junge! (= Ausruf des Erstaunens) [ SchallückWenn man aufhören könnte7]WDG
4.
veraltet junge, lernende Hilfskraft
Synonym zu Lehrjunge
Beispiele:
der Koch ließ seinen Jungen Wasser holenWDG
Um Überfüllung im Handwerk zu verhindern, war es an vielen Orten gebräuchlich, dass ein Meister, wenn er einen Jungen ausgelernt hatte, ein Jahr warten musste, ehe er wieder einen in die Lehre nahm. [Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2. Braunschweig 1895]
Welcher Junge ausgelernet, und nicht eines Meisters Sohn ist, und Meister werden wolte, soll zuvor drey Jahr vor einen Gesellen gearbeitet und gewandert haben. [Marperger, Paul Jacob: Beschreibung Des Hutmacher-Handwercks. Altenburg 1719]
[Historisches Zitat:] Soll auch kein Meister einen […] fremden Jungen unter drei Jahren annehmen, und wo ein Lehrjunge davon laufen würde, soll derselbe Meister, bei welchem er gelernt, keinen anderen zu lernen annehmen, bis solche Lehrjahre um sein. [666 Jahre Bäckergilde Treuenbrietzen, 1706, aufgerufen am 01.09.2020]
5.
selten, Kartenspiel, umgangssprachlich
Synonym zu Bube (2), Wenzel, Unter
Beispiele:
bei dem Spiel hatte er alle JungenWDG
[…] ich zog den beiden [Mitspielern] erst mal alle Trümpfe ab, opferte Kreuz König, den Jan mit Pique Junge wegstach[…] [Grass, Günter: Die Blechtrommel. Darmstadt: Luchterhand 1959, S. 9]

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

jung · Junge · jungen · verjüngen · Jungbrunnen · Jungfrau · jungfräulich · Junggeselle
jung Adj. ‘nicht alt, frisch, neu’, ahd. jung (8. Jh.), mhd. junc, asächs. jung, mnd. junc, mnl. jonc, nl. jong, aengl. g(e)ong, engl. young, anord. ungr, schwed. ung, got. juggs (germ. *junga- aus *ju(w)unga-) führt mit aind. yuvaśáḥ ‘jung, junger Mensch’, lat. iuvencus ‘junger Stier, junger Mensch’ auf ie. *i̯uu̯ṇk̑ós, eine mit Gutturalerweiterung gebildete Ableitung zum Stamm ie. *i̯uu̯en- (zur Wurzel ie. *i̯eu- ‘jung’). Dazu gehören aind. yúvā (Stamm yúvan-) ‘jung, Jüngling, junger Mann’, lat. iuvenis ‘jung, Jüngling, Jungfrau’ und (mit sekundärer Umbildung nach diphthongischen Komparativformen) lit. jáunas ‘jung’, aslaw. junъ, russ. júnyj (юный); s. auch Jugend, Junior, Junker. Junge m. ‘Kind männlichen Geschlechts’ (überwiegend im Nordd. und Md.), wohl Verkürzung (16. Jh.) aus attributiven Fügungen (der junge Knabe, Geselle u. a.), während mhd. junge m. ‘Jüngling, junger Mann, Jünger’ als maskuline Substantivierung des Adjektivs anzusehen ist. Älter ist das substantivierte Neutrum das Junge ‘Tierjunges’, bereits ahd. jungo (9. Jh., daneben auch ahd. jungīn, jungī), mhd. junge. jungen Vb. ‘Junge werfen’ (15. Jh.). verjüngen Vb. ‘jung machen’ (16. Jh.), auch reflexiv ‘nach oben dünner werden’ (18. Jh.), vgl. ahd. jungen ‘verjüngen, erneuern’ (um 1000), jungēn ‘sich verjüngen’ (11. Jh.), mhd. jungen, jüngen ‘jung machen, werden’. Jungbrunnen m. ‘Brunnen, dessen Wasser jung machen soll’, mhd. juncbrunne. Jungfrau f. ‘junges, unverheiratetes Mädchen’, ahd. jungfrouwa (um 1000), mhd. juncvrouwe, -vrowe, -vrou ‘junge Herrin, unverheiratetes Edelfräulein’, auch (durch Übertragung der ehrenvollen Bezeichnung) die als Gottesmutter verehrte Jungfrau Maria, Äquivalent für lat. virgo und Synonym für mhd. maget (s. Magd). Später allgemein ‘junges, sexuell unberührtes Mädchen’ (s. Frau und Jungfer). jungfräulich Adj. ‘unberührt, rein, frisch’, mhd. juncvrouwelich. Junggeselle m. ‘unverheirateter Mann’, aus der Fügung der junge Gesell zusammengerückt, zunächst ‘junger Handwerksbursche’ (15. Jh.), der noch nicht verheiratet ist, daraufhin allgemein ‘unverheirateter (junger) Mann’ (16. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Junge‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Junge‹.

Zitationshilfe
„Junge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Junge#1>, abgerufen am 27.11.2021.

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Junge, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Jungen · Nominativ Plural: Junge(n)
Mit Pluralendung ‑n wird das Wort in der schwachen Flexion (bestimmter Artikel) und der gemischten Flexion (Indefinitpronomen, Possessivpronomen) gebildet, z. B. die, keine Jungen, in der starken Flexion ist die Endung unmarkiert, z. B. zwei, einzelne Junge.
Aussprache  [ˈjʊŋə]
Worttrennung Jun-ge
Grundform jung
Wortbildung  mit ›Junge‹ als Letztglied: Gansjunge · Hasenjunge · Hundejunge · Vogeljunge · Wolfsjunge2
 ·  mit ›Junge‹ als Grundform: -junge
eWDG und ZDL

Bedeutung

Zoologie Jungtier bis zur Erreichung der Geschlechtsreife
Kollokationen:
in Koordination: ein Weibchen und sein Junges
als Genitivattribut: die Aufzucht der Jungen
Beispiele:
lebendige Junge zur Welt bringenWDG
die Katze hat fünf Junge geworfenWDG
die Löwenmutter verteidigt ihre JungenWDG
die Jungen der Amsel sind schon flüggeWDG
Knapp 1.900 Menschen sahen dabei zu, wie das Muttertier über Stunden breitbeinig in seinem Gehege stand, um das Junge zur Welt zu bringen. [Döbelner Allgemeine Zeitung, 27.05.2019]
Meistens bekommen sie [Eisbärweibchen] zwei Junge, die sie in einer Schneehöhle gebären, säugen und aufziehen, bis das Treibeis wieder so weit zugefroren ist, dass der Weg frei wird, auf Robbenjagd zu gehen. [Die Zeit, 06.03.2013]
Der Winter ist […] am Mississippi in Illinois die große Zeit der Adler. Denn viele hundert Weißkopfadler kommen in den Monaten bis März hierher, um Nester zu bauen und ihre Jungen aufzuziehen. [Ein Brutparadies für Weißkopfadler, 10.07.2020, aufgerufen am 31.08.2020]
Der Zoo Zürich hält seit 1995 Bantengs, eine südostasiatische Wildrinderart mit besonders ausgeprägtem Geschlechtsdimorphismus. Das Fell der Jungen und Weibchen ist rotbraun, das der massigen Stiere schwarzbraun bis tiefschwarz. [Neue Zürcher Zeitung, 19.07.2001]
Tatsächlich, dort grasen neben acht Elefanten friedlich zwischen den Büschen vier Rhinozerosse, Breitmaulnashörner: ein Bulle, zwei Weibchen, ein fast ausgewachsenes Junges. [Süddeutsche Zeitung, 09.01.1996]

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

jung · Junge · jungen · verjüngen · Jungbrunnen · Jungfrau · jungfräulich · Junggeselle
jung Adj. ‘nicht alt, frisch, neu’, ahd. jung (8. Jh.), mhd. junc, asächs. jung, mnd. junc, mnl. jonc, nl. jong, aengl. g(e)ong, engl. young, anord. ungr, schwed. ung, got. juggs (germ. *junga- aus *ju(w)unga-) führt mit aind. yuvaśáḥ ‘jung, junger Mensch’, lat. iuvencus ‘junger Stier, junger Mensch’ auf ie. *i̯uu̯ṇk̑ós, eine mit Gutturalerweiterung gebildete Ableitung zum Stamm ie. *i̯uu̯en- (zur Wurzel ie. *i̯eu- ‘jung’). Dazu gehören aind. yúvā (Stamm yúvan-) ‘jung, Jüngling, junger Mann’, lat. iuvenis ‘jung, Jüngling, Jungfrau’ und (mit sekundärer Umbildung nach diphthongischen Komparativformen) lit. jáunas ‘jung’, aslaw. junъ, russ. júnyj (юный); s. auch Jugend, Junior, Junker. Junge m. ‘Kind männlichen Geschlechts’ (überwiegend im Nordd. und Md.), wohl Verkürzung (16. Jh.) aus attributiven Fügungen (der junge Knabe, Geselle u. a.), während mhd. junge m. ‘Jüngling, junger Mann, Jünger’ als maskuline Substantivierung des Adjektivs anzusehen ist. Älter ist das substantivierte Neutrum das Junge ‘Tierjunges’, bereits ahd. jungo (9. Jh., daneben auch ahd. jungīn, jungī), mhd. junge. jungen Vb. ‘Junge werfen’ (15. Jh.). verjüngen Vb. ‘jung machen’ (16. Jh.), auch reflexiv ‘nach oben dünner werden’ (18. Jh.), vgl. ahd. jungen ‘verjüngen, erneuern’ (um 1000), jungēn ‘sich verjüngen’ (11. Jh.), mhd. jungen, jüngen ‘jung machen, werden’. Jungbrunnen m. ‘Brunnen, dessen Wasser jung machen soll’, mhd. juncbrunne. Jungfrau f. ‘junges, unverheiratetes Mädchen’, ahd. jungfrouwa (um 1000), mhd. juncvrouwe, -vrowe, -vrou ‘junge Herrin, unverheiratetes Edelfräulein’, auch (durch Übertragung der ehrenvollen Bezeichnung) die als Gottesmutter verehrte Jungfrau Maria, Äquivalent für lat. virgo und Synonym für mhd. maget (s. Magd). Später allgemein ‘junges, sexuell unberührtes Mädchen’ (s. Frau und Jungfer). jungfräulich Adj. ‘unberührt, rein, frisch’, mhd. juncvrouwelich. Junggeselle m. ‘unverheirateter Mann’, aus der Fügung der junge Gesell zusammengerückt, zunächst ‘junger Handwerksbursche’ (15. Jh.), der noch nicht verheiratet ist, daraufhin allgemein ‘unverheirateter (junger) Mann’ (16. Jh.).
Zitationshilfe
„Junge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Junge#2>, abgerufen am 27.11.2021.

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Junge, die oder der

Grammatik Substantiv (Femininum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Jungen · Nominativ Plural: Junge(n)
Mit Pluralendung ‑n wird das Wort in der schwachen Flexion (bestimmter Artikel) und der gemischten Flexion (Indefinitpronomen, Possessivpronomen) gebildet, z. B. die, keine Jungen, in der starken Flexion ist die Endung unmarkiert, z. B. zwei, einzelne Junge.
Aussprache  [ˈjʊŋə]
Worttrennung Jun-ge
Grundform jung
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Person, die (verhältnismäßig) jung, nicht alt ist
Gegenwort zu Senior (4)
Beispiele:
Am meisten ältere Menschen leben in Meggen – 42 Prozent der Bevölkerung sind mindestens 65‑jährig. […] Am meisten Junge leben in Doppleschwand – 51 Prozent der Einwohner sind 20‑jährig oder jünger. [Luzerner Zeitung, 27.04.2016]
[…] Konradin, auch Konrad der Junge genannt, lebte von 1251 bis 1268 und war der letzte legitime männliche Erbe der Dynastie der Staufer. [Münchner Merkur, 09.03.2018]
Junge Grüne und Grünliberale […] stellen anteilsmässig am meisten Junge im neu gewählten Nationalrat: Je rund ein Viertel ist unter 40 Jahre alt. [Basler Zeitung, 25.10.2011]
»Ich weiß nicht, was ihr älteren Frauen habt, uns geht es doch gut«, begehrt eine junge Frau im Publikum gegen die Vorrednerin auf. Da tut sich der Riss zwischen den Generationen auf. »Wir können doch alles erreichen«, ist die Junge überzeugt. »Solange du keine Kinder hast, vielleicht«, schränkt die deutlich Ältere ein. [Südkurier, 24.03.2011]
Der [vom Applaus überwältigte Dirigent brachte] […] den prächtigen Strauß an der einzigen grauhaarigen Geigerin vorbei zu einer blutjungen Bratschistin […] … Carl konnte gut verstehen, dass der Dirigent sich die Junge ausgesucht hatte, aber warum der dann gleich wieder hinaus rannte [sic!], war ihm schleierhaft! [Oh Gott – wieder Anton Bruckner …, 21.04.2011, aufgerufen am 01.09.2020]
In Oberösterreich gebe es rund 180 Bestattungsunternehmen, […] die meist nicht auf die wirtschaftlich erforderliche Zahl von 120 bis 150 Begräbnissen im Jahr kommen. […] Und immer mehr Betriebe seien mit Nachwuchssorgen konfrontiert, »viele Junge wollen sich das nicht antun, und sie übernehmen den väterlichen Betrieb nicht«. [Der Standard, 30.10.2003]
Generation (2) der jüngeren, nicht alten Menschen
Grammatik: nur im Plural
Kollokationen:
in Koordination: die Jungen und die Jüngsten, Jüngeren, Junggebliebenen, Alten, Älteren; die Jungen und Gesunden, Schönen
als Genitivattribut: der Aufstand der Jungen
Beispiele:
In einer immer älter werdenden Gesellschaft müssen nicht die Alten vor ihrer Diskriminierung, sondern die Jungen vor ihrer Marginalisierung beschützt werden. [Süddeutsche Zeitung, 23.06.2021]
Der Aufstand der Jungen ist ein Beispiel für den Versuch, Angst in zukunftsorientiertes Handeln zu transformieren, also nicht der Angst das letzte Wort zu lassen, sondern der Hoffnung. [Der Tagesspiegel, 07.04.2019]
Der Wandel der Lebensformen ist, mit unterschiedlichem Tempo, überall auf der Welt zu beobachten. Auch in Spanien heiraten die Jungen heutzutage seltener – doch wenn sie sich trauen, hält der Bund in der Regel noch ein Leben lang. [Welt am Sonntag, 04.04.2010]
Die Lasten für die Jungen steigen immer mehr, sowohl wenn sie eigene Kinder haben wollen als auch und vor allem wegen der Versorgung der Alten. [Abschiedsrede von Bundespräsident a. D. Dr. Richard von Weizsäcker, 01.07.1994, aufgerufen am 01.10.2020]

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

jung · Junge · jungen · verjüngen · Jungbrunnen · Jungfrau · jungfräulich · Junggeselle
jung Adj. ‘nicht alt, frisch, neu’, ahd. jung (8. Jh.), mhd. junc, asächs. jung, mnd. junc, mnl. jonc, nl. jong, aengl. g(e)ong, engl. young, anord. ungr, schwed. ung, got. juggs (germ. *junga- aus *ju(w)unga-) führt mit aind. yuvaśáḥ ‘jung, junger Mensch’, lat. iuvencus ‘junger Stier, junger Mensch’ auf ie. *i̯uu̯ṇk̑ós, eine mit Gutturalerweiterung gebildete Ableitung zum Stamm ie. *i̯uu̯en- (zur Wurzel ie. *i̯eu- ‘jung’). Dazu gehören aind. yúvā (Stamm yúvan-) ‘jung, Jüngling, junger Mann’, lat. iuvenis ‘jung, Jüngling, Jungfrau’ und (mit sekundärer Umbildung nach diphthongischen Komparativformen) lit. jáunas ‘jung’, aslaw. junъ, russ. júnyj (юный); s. auch Jugend, Junior, Junker. Junge m. ‘Kind männlichen Geschlechts’ (überwiegend im Nordd. und Md.), wohl Verkürzung (16. Jh.) aus attributiven Fügungen (der junge Knabe, Geselle u. a.), während mhd. junge m. ‘Jüngling, junger Mann, Jünger’ als maskuline Substantivierung des Adjektivs anzusehen ist. Älter ist das substantivierte Neutrum das Junge ‘Tierjunges’, bereits ahd. jungo (9. Jh., daneben auch ahd. jungīn, jungī), mhd. junge. jungen Vb. ‘Junge werfen’ (15. Jh.). verjüngen Vb. ‘jung machen’ (16. Jh.), auch reflexiv ‘nach oben dünner werden’ (18. Jh.), vgl. ahd. jungen ‘verjüngen, erneuern’ (um 1000), jungēn ‘sich verjüngen’ (11. Jh.), mhd. jungen, jüngen ‘jung machen, werden’. Jungbrunnen m. ‘Brunnen, dessen Wasser jung machen soll’, mhd. juncbrunne. Jungfrau f. ‘junges, unverheiratetes Mädchen’, ahd. jungfrouwa (um 1000), mhd. juncvrouwe, -vrowe, -vrou ‘junge Herrin, unverheiratetes Edelfräulein’, auch (durch Übertragung der ehrenvollen Bezeichnung) die als Gottesmutter verehrte Jungfrau Maria, Äquivalent für lat. virgo und Synonym für mhd. maget (s. Magd). Später allgemein ‘junges, sexuell unberührtes Mädchen’ (s. Frau und Jungfer). jungfräulich Adj. ‘unberührt, rein, frisch’, mhd. juncvrouwelich. Junggeselle m. ‘unverheirateter Mann’, aus der Fügung der junge Gesell zusammengerückt, zunächst ‘junger Handwerksbursche’ (15. Jh.), der noch nicht verheiratet ist, daraufhin allgemein ‘unverheirateter (junger) Mann’ (16. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Junge‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Junge‹.

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„Junge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Junge#3>, abgerufen am 27.11.2021.

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