Junker, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Junkers · Nominativ Plural: Junker
Aussprache 
Worttrennung Jun-ker
Wortbildung  mit ›Junker‹ als Erstglied: Junkerherrschaft · Junkerkaste · Junkertum · junkerhaft · junkerlich
 ·  mit ›Junker‹ als Letztglied: Fahnenjunker · Kammerjunker · Krautjunker · Landjunker
eWDG

Bedeutungen

1.
abwertend Angehöriger des Landadels, besonders adliger Gutsbesitzer
Beispiele:
hochmütige, reaktionäre, profitgierige, kriegslüsterne Junker
ein ostelbischer Junker
lange Zeit waren die Bauern den Junkern hörig
Auf dem Höhepunkt der Krise versuchen die preußischen Junker, Staatsanleihen zu ergattern [ BrechtArturo-Ui-Anmerkungen366]
2.
historisch junger Angehöriger des Adels
Beispiele:
die feindlichen Junker befehdeten sich
der Graf ritt mit seinen Junkern zur Jagd aus
umgangssprachlich, scherzhaftein Junker Leichtfuß (= ein junger, leichtsinniger Mensch)
umgangssprachlich, scherzhaftein Junker Naseweis (= ein junger, vorwitziger Mensch)
Warum habt Ihr auch das gemacht, Junker? (= Anrede für einen jungen Adligen) [ SchillerRäuberII 2]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Junker · Krautjunker · Junkertum
Junker m. ‘adliger Besitzer von Grund und Boden’. Mhd. junchērre, juncherre (aus mhd. junc hērre, herre, s. jung und Herr) ‘junger Herr, junger (noch nicht zum Ritter geschlagener) Adliger, Edelknabe’ wird durch Konzentration der Betonung auf dem ersten Kompositionsglied verkürzt zu Junker (ähnlich wie Jungfer, s. d.) und in dieser Form seit dem 15. Jh. üblich. Es bezeichnet zunächst (bis ins 18. Jh.) den ‘jungen adligen Sohn’ (im Unterschied zum Herrn), der häufig an Fürstenhöfen als ‘Page’ oder ‘Edelknabe’ dient (vgl. Fahnenjunker ‘Fähnrich, Offiziersanwärter’), aber auch den ‘adligen Gutsherrn’, unabhängig von seinem Alter. Infolge anhaltender Gegensätze zunächst zwischen Adel und Bauernschaft, dann auch Bürgertum entwickelt Junker bereits im 17. Jh. einen abschätzigen Nebensinn, der sich während der politischen Kämpfe im 19. Jh. derartig verstärkt, daß Junker zur oft gebrauchten herabsetzenden Bezeichnung für den Angehörigen des (zumal ostelbischen) Landadels wird; doch im Selbstverständnis feudaler Kreise gilt Junker weiterhin für ‘Ritter, Adliger’. Krautjunker m. Spottname für adlige Gutsbesitzer mit nur auf ihre Gutswirtschaft beschränktem Horizont (18. Jh.), später besonders für den preußischen Landadel. Junkertum n. ‘Gesamtheit der Ritterschaft, Adel’; beim Gegner Scheltwort für den reaktionären, vornehmlich ostelbischen Adel bzw. dessen politische Haltung (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Junker · Landjunker
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Junker‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Junker‹.

Verwendungsbeispiele für ›Junker‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er stand als Landmarschall der kurmärkischen Stände hier und hatte nur im Auftrag der Junker zu sprechen.
Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 144
Die "preußischen Junker" von einst haben wieder einen guten Ruf.
Bild, 29.05.2001
Die Bauern, denen man etwas wegnehmen müßte, sind zahlreicher als die Junker die was kriegen wollen.
konkret, 2000 [1998]
Der Herr Junker wird heute abend mit demselben Löffel essen.
Knittel, John: Via Mala, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1957 [1934], S. 625
Zu einem holländischen Maler kommt ein Junker mit seiner geputzten Tochter, um sie malen zu lassen.
Schaeffer, Albrecht: Helianth I, Bonn: Weidle 1995 [1920], S. 207
Zitationshilfe
„Junker“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Junker>, abgerufen am 01.12.2021.

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