Junkertum, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungJun-ker-tum (computergeneriert)
WortzerlegungJunker-tum
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
Dasein, Wesen eines Junkers
2.
Gesamtheit der Junker
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Junker · Krautjunker · Junkertum
Junker m. ‘adliger Besitzer von Grund und Boden’. Mhd. junchērre, juncherre (aus mhd. junc hērre, herre, s. ↗jung und ↗Herr) ‘junger Herr, junger (noch nicht zum Ritter geschlagener) Adliger, Edelknabe’ wird durch Konzentration der Betonung auf dem ersten Kompositionsglied verkürzt zu Junker (ähnlich wie ↗Jungfer, s. d.) und in dieser Form seit dem 15. Jh. üblich. Es bezeichnet zunächst (bis ins 18. Jh.) den ‘jungen adligen Sohn’ (im Unterschied zum Herrn), der häufig an Fürstenhöfen als ‘Page’ oder ‘Edelknabe’ dient (vgl. Fahnenjunker ‘Fähnrich, Offiziersanwärter’), aber auch den ‘adligen Gutsherrn’, unabhängig von seinem Alter. Infolge anhaltender Gegensätze zunächst zwischen Adel und Bauernschaft, dann auch Bürgertum entwickelt Junker bereits im 17. Jh. einen abschätzigen Nebensinn, der sich während der politischen Kämpfe im 19. Jh. derartig verstärkt, daß Junker zur oft gebrauchten herabsetzenden Bezeichnung für den Angehörigen des (zumal ostelbischen) Landadels wird; doch im Selbstverständnis feudaler Kreise gilt Junker weiterhin für ‘Ritter, Adliger’. Krautjunker m. Spottname für adlige Gutsbesitzer mit nur auf ihre Gutswirtschaft beschränktem Horizont (18. Jh.), später besonders für den preußischen Landadel. Junkertum n. ‘Gesamtheit der Ritterschaft, Adel’; beim Gegner Scheltwort für den reaktionären, vornehmlich ostelbischen Adel bzw. dessen politische Haltung (19. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Militarismus ostelbisch preußisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Junkertum‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Liberalen jedoch waren auch unzufrieden, da sie eine schnellere Befreiung vom Junkertum erwartet hatten.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1928, S. 908
Noch weniger Material liegt vor über jenen teils idealisierten, teils verlästerten Teil dieses Adels, der als „ostelbisches Junkertum“ in die Geschichte eingegangen ist.
Die Zeit, 14.03.1957, Nr. 11
Der Weg zum Wohle des deutschen Volkes geht über den Leichnam des preußischen Junkertums.
Leipziger Volkszeitung, 05.04.1910
Sie hatte damals einen starken Anhang in Ostpreußen, wo das Junkertum nicht so allmächtig war wie heute.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 5140
In Deutschland förderten die Schutzzolltarife von 1879 den politischen Einfluß des Junkertums und der aufkommenden Großindustriellen.
Barraclough, Geoffrey: Das europäische Gleichgewicht und der neue Imperialismus. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 10236
Zitationshilfe
„Junkertum“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Junkertum>, abgerufen am 16.06.2019.

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