Kahn, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kahn(e)s · Nominativ Plural: Kähne
Aussprache
Wortbildung mit ›Kahn‹ als Erstglied: ↗Kahnfahrt · ↗Kahnhafen  ·  mit ›Kahn‹ als Letztglied: ↗Angelkahn · ↗Elbkahn · ↗Filzkahn · ↗Fischerkahn · ↗Frachtkahn · ↗Fährkahn · ↗Lastkahn · ↗Rettungskahn · ↗Schleppkahn · ↗Treibkahn · ↗Äppelkahn
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Wasserfahrzeug
a)
kleines, breites Boot mit flachem Boden, das durch Rudern oder Staken fortbewegt wird
Beispiele:
Kahn fahren
der Angler fuhr mit dem Kahn auf den See hinaus
der Kahn ist leck
den Kahn festmachen, (an einem Pfahl) anbinden
den Kahn an Land ziehen
der Kahn ist gekentert
der Kahn schaukelt
[der Fährmann] der den Kahn vom Ufer mit der Ruderstange abstieß [FalladaWolf1,212]
b)
durch Schleppen oder Schieben fortbewegtes, großes Wasserfahrzeug mit flachem Boden für Binnengewässer zum Befördern von Gütern
Beispiele:
ein breiter Kahn
schwerbeladene Kähne
ein Schleppzug mit vier Kähnen
c)
salopp, spöttisch Schiff, Boot
Beispiele:
aus welchem Land kommt denn dieser Kahn?
mit diesem Kahn wollen wir heute segeln?
d)
bildlich
Beispiel:
selbst die abgedroschenen Tiraden einiger Nazihäuptlinge können nicht mehr darüber hinwegtäuschen, daß der Kahn sinkt (= dass die Herrschaft der Nazis zu Ende geht) [OelfkenLogbuch307]
2.
nur im Plural
salopp, scherzhaft plumpe, große Schuhe
Beispiel:
In diesen Kähnen laufe ich mir Blasen über Blasen [RemarqueIm Westen23]
3.
salopp, scherzhaft Bett
Beispiele:
marsch, in den Kahn!
es wird Zeit, dass du in den Kahn gehst, steigst, im Kahn verschwindest
4.
salopp Gefängnis
Beispiel:
Fünf Tage Kahn (= Arrest) sind fünf Tage Ruhe [RemarqueIm Westen87]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kahn m. ‘kleines Boot’. Das zunächst nur nd. und md. Substantiv wird durch Luthers Bibelübersetzung in die Literatursprache eingeführt. Herkunft nicht geklärt. Man versucht mnd. kān(e), mhd. (md.) kane und daraus entlehntes nl. kaan mit anord. kani ‘Schüssel’, isl. ‘kleines Holzgefäß’, dän. kane ‘Schlitten’, auch (älter) ‘Boot’, ablautendem anord. kœna ‘kleines Boot’ sowie mit unsicher belegtem mir. gann (aus *gandhn- oder *gandh-) ‘Gefäß’ zu verbinden und aus diesen germ. und kelt. Formen ie. *gan(dh)- ‘Gefäß (?)’ zu erschließen. Umgangssprachlich gilt Kahn für ‘Gefängnis, Karzer’ (aus der Gaunersprache des 18. Jhs.) und für ‘Bett’ (19. Jh.).

Thesaurus

Schifffahrt
Synonymgruppe
Kahn · ↗Schute
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Keitelkahn · Kurenkahn
Synonymgruppe
Gefängnis · ↗Haftanstalt · Hafthaus · JVA · ↗Justizvollzugsanstalt · ↗Strafanstalt · ↗Strafvollzugsanstalt · ↗Vollzugsanstalt · ↗Zuchthaus  ●  Häfen  österr. · ↗Kerker  veraltet · ↗Bau  ugs. · ↗Bunker  ugs. · Haftort  fachspr. · Kahn  ugs. · ↗Kiste  ugs. · ↗Kittchen  ugs. · ↗Knast  ugs. · ↗Loch  derb · schwedische Gardinen  ugs., sprichwörtlich
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(kleiner) Kahn · ↗(kleines) Boot · ↗Barke · Bötchen · ↗Fischerboot · ↗Gondel (Venedig)  ●  ↗Nachen  süddt., poetisch · ↗Weidling  regional · ↗Zille  regional
Unterbegriffe
Schifffahrt
Synonymgruppe
Boot · ↗Kutter · ↗Schiff  ●  Kahn  ugs., abwertend · ↗Pott  ugs. · ↗Schaluppe  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dampfer Schiffer Schilf Schlepper Spreewald abgesoffen absaufen ausrangiert beladen dümpeln flach flottmachen gekentert kentern klapprig morsch rostig rudern schaukeln schaukelnd schippern schwank staken tuckern verrottet verschrotten vertäuen wacklig überladen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kahn‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Am frühen Nachmittag stießen sie den beladenen Kahn vom Ufer ab.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1960], S. 90
Ein Schlepper zog stromabwärts, an langen Seilen vier schwer beladene Kähne hinter sich.
Kreuder, Ernst: Die Gesellschaft vom Dachboden, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1978 [1946], S. 51
Mit einem solchen Kahn konnte er nicht ans Ziel kommen.
Die Welt, 04.10.2005
Vor allem sonntags läßt man sich auf grellbunten Kähnen durch die schwimmenden Gärten staken, dabei wird gezecht.
Der Tagesspiegel, 17.05.1997
Wer nicht stark genug ist, das Leck zu stopfen, dessen Kahn säuft ab.
Morgner, Irmtraud: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura, Berlin: Aufbau-Verl. 1974, S. 107
Zitationshilfe
„Kahn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kahn>, abgerufen am 21.02.2019.

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