Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Kahn, der

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GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kahn(e)s · Nominativ Plural: Kähne
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Kahn‹ als Erstglied: Kahnfahrer · Kahnfahrt · Kahnhafen
 ·  mit ›Kahn‹ als Letztglied: Angelkahn · Elbkahn · Filzkahn · Fischerkahn · Frachtkahn · Fährkahn · Lastkahn · Rettungskahn · Schleppkahn · Spreekahn · Spreewaldkahn · Stechkahn · Treibkahn · Äppelkahn
Mehrwortausdrücke  einen im Kahn haben
eWDG

Bedeutungen

1.
Wasserfahrzeug
a)
kleines, breites Boot mit flachem Boden, das durch Rudern oder Staken fortbewegt wird
Beispiele:
Kahn fahren
der Angler fuhr mit dem Kahn auf den See hinaus
der Kahn ist leck
den Kahn festmachen, (an einem Pfahl) anbinden
den Kahn an Land ziehen
der Kahn ist gekentert
der Kahn schaukelt
[der Fährmann] der den Kahn vom Ufer mit der Ruderstange abstieß [ FalladaWolf1,212]
b)
durch Schleppen oder Schieben fortbewegtes, großes Wasserfahrzeug mit flachem Boden für Binnengewässer zum Befördern von Gütern
Beispiele:
ein breiter Kahn
schwerbeladene Kähne
ein Schleppzug mit vier Kähnen
c)
salopp, spöttisch Schiff, Boot
Beispiele:
aus welchem Land kommt denn dieser Kahn?
mit diesem Kahn wollen wir heute segeln?
d)
bildlich
Beispiel:
selbst die abgedroschenen Tiraden einiger Nazihäuptlinge können nicht mehr darüber hinwegtäuschen, daß der Kahn sinkt (= dass die Herrschaft der Nazis zu Ende geht) [ OelfkenLogbuch307]
2.
salopp, scherzhaft plumpe, große Schuhe
Grammatik: nur im Plural
Beispiel:
In diesen Kähnen laufe ich mir Blasen über Blasen [ RemarqueIm Westen23]
3.
salopp, scherzhaft Bett
Beispiele:
marsch, in den Kahn!
es wird Zeit, dass du in den Kahn gehst, steigst, im Kahn verschwindest
4.
salopp Gefängnis
Beispiel:
Fünf Tage Kahn (= Arrest) sind fünf Tage Ruhe [ RemarqueIm Westen87]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
Kahn m. ‘kleines Boot’. Das zunächst nur nd. und md. Substantiv wird durch Luthers Bibelübersetzung in die Literatursprache eingeführt. Herkunft nicht geklärt. Man versucht mnd. kān(e), mhd. (md.) kane und daraus entlehntes nl. kaan mit anord. kani ‘Schüssel’, isl. ‘kleines Holzgefäß’, dän. kane ‘Schlitten’, auch (älter) ‘Boot’, ablautendem anord. kœna ‘kleines Boot’ sowie mit unsicher belegtem mir. gann (aus *gandhn- oder *gandh-) ‘Gefäß’ zu verbinden und aus diesen germ. und kelt. Formen ie. *gan(dh)- ‘Gefäß (?)’ zu erschließen. Umgangssprachlich gilt Kahn für ‘Gefängnis, Karzer’ (aus der Gaunersprache des 18. Jhs.) und für ‘Bett’ (19. Jh.).

Bedeutungsverwandte Ausdrücke

Schifffahrt
Kahn · Schute
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Keitelkahn · Kurenkahn

Gefängnis · Haftanstalt · Hafthaus · Strafanstalt  ●  JVA Amtsdeutsch, Abkürzung · Justizvollzugsanstalt Amtsdeutsch · Kerker veraltet · Strafvollzugsanstalt Amtsdeutsch · Vollzugsanstalt Amtsdeutsch · schwedische Gardinen scherzhaft, in festen Wendungen · Bau ugs., militärisch · Bunker ugs., militärisch · Haftort fachspr. · Häfen ugs., österr. · Kahn ugs., bundesdeutsch · Kiste ugs., bundesdeutsch, schweiz. · Kittchen ugs. · Knast ugs., bundesdeutsch · Loch derb · Zuchthaus ugs., veraltet
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

(kleiner) Kahn · (kleines) Boot · Barke · Bötchen · Fischerboot · Gondel (Venedig)  ●  Nachen süddt., poetisch · Weidling regional · Zille regional
Unterbegriffe
Assoziationen

Schifffahrt
Boot · Kutter · Schiff  ●  Kahn ugs., abwertend · Pott ugs. · Schaluppe ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Kahn‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kahn‹.

Verwendungsbeispiele für ›Kahn‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Am frühen Nachmittag stießen sie den beladenen Kahn vom Ufer ab. [Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1960], S. 90]
Ein Schlepper zog stromabwärts, an langen Seilen vier schwer beladene Kähne hinter sich. [Kreuder, Ernst: Die Gesellschaft vom Dachboden, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1978 [1946], S. 51]
Wer nicht stark genug ist, das Leck zu stopfen, dessen Kahn säuft ab. [Morgner, Irmtraud: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura, Berlin: Aufbau-Verl. 1974, S. 107]
Von einem Kahn draußen auf dem See schaukelte Musik zu uns. [Klabund: Der Marketenderwagen. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1918], S. 2324]
Schließlich schippern zwei Kähne die Gäste im Dunkeln zurück an Land. [Die Zeit, 25.04.2013, Nr. 11]
Zitationshilfe
„Kahn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kahn>.

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Worthäufigkeit

selten häufig

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