Kalbfell, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Nebenform seltenKalbsfell · Substantiv (Neutrum)
WorttrennungKalb-fell ● Kalbs-fell
WortzerlegungKalbFell
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Fell des Kalbs
Beispiel:
ein Mantel aus Kalbfell
2.
veraltet Trommel
Beispiel:
Und dann schlugen wir auf die Kalbsfelle [G. Hauptm.3,110]
zum Kalbfell schwören (= Soldat werden)
Beispiel:
will er denn auch zum Kalbsfell schwören [Th. MannZauberb.2,67]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kalb · kalben · kälbern · kalbern · Kalbfell
Kalb n. ‘neugeborenes oder junges Rind’. Die Etymologie ist nicht klar festzulegen, da ein solches Elementarwort der Tierhaltung unterschiedliche Eigenentwicklungen erfahren haben mag. Ahd. kalb (8. Jh.), mhd. kalp, asächs. mnd. nl. kalf, aengl. cælf, mnl. engl. calf, anord. kalfr, schwed. kalv erweist sich nach den Pluralformen ahd. kelbir, aengl. calfru, cealfru als alter es / os-Stamm (germ. *kalƀaz, *kalƀiz). Im Ablaut dazu begegnet ahd. kilbur (11. Jh.), kilburra, kilbirra (9. Jh.), aengl. ceolbor-, cilfor(lamb) ‘Mutterlamm’. Daneben steht ein femininer n-Stamm got. kalbō ‘junge Kuh, Kalb’, ahd. kalba, mhd. kalbe ‘über ein Jahr alte Kuh, die noch nicht gekalbt hat’. Unter Berücksichtigung der Anlautverhältnisse und unter Annahme einer Bedeutungsentwicklung ‘Anschwellung ‒ Mutterleib ‒ Leibesfrucht’ ist Rückführung auf ie. *gelb(h)- möglich, eine wohl nur im Germ. vertretene Variante von ie. *glēb(h)-, *gleb(h)- ‘zusammballen’ (s. ↗Klafter, ↗Kolben), Labialerweiterungen der Wurzel ie. *gel- ‘(sich) ballen, Gerundetes, Kugliges’, wozu auch gall.-lat. galba ‘Schmerbauch, dicke Person’, lat. globus ‘Kugel, Ball, Klumpen’ gehören. Semantische Beziehungen zu ie. *gu̯elbh- ‘Gebärmutter, Tierjunges’ mit griech. delphýs (δελφύς) ‘Gebärmutter’, délphax (δέλφαξ) ‘Sau, Mutterschwein’ und aind. gárbhaḥ ‘Mutterleib, Leibesfrucht’ sind nicht zu übersehen; der ie. labiovelare Anlaut ist allerdings mit den oben genannten germ. Formen nicht vereinbar. kalben Vb. ‘ein Kalb zur Welt bringen’, mhd. kalben. kälbern, kalbern Vb. ‘kalben’, auch ‘herumalbern, Spaß machen’ (16. Jh.), eigentlich ‘herumtollen wie ein junges Kalb’. Kalbfell n. oft bildlich für ‘Trommel’ (16. Jh.).

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für Rolls-Royce werde Kalbfell auch weiterhin verantwortlich sein, hieß es.
Die Welt, 06.10.2000
Daß Sicherheit im Auto auch mehr Gewicht bedeutet, interpretierte Kalbfell von der psychologischen Seite.
Süddeutsche Zeitung, 31.03.1995
Das weite Tal hallt wieder vom Klang der Kalbfelle und dem rauschenden Gesang der Kampflieder.
Völkischer Beobachter (Reichsausgabe), 04.03.1928
Die baltischen Staaten waren die wichtigsten Lieferanten von Kalbfellen (einer besonderen Mangelware), von Flachs und von Butter.
Die Zeit, 28.01.1991, Nr. 04
Gestern gab Marketing-Direktor Karl-Heinz Kalbfell in Frankfurt die "sehr enge Partnerschaft von BMW mit Williams" offiziell bekannt.
Bild, 09.09.1997
Zitationshilfe
„Kalbfell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kalbfell>, abgerufen am 13.11.2019.

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